In Port Saint-Louis du Rhône hatten wir beschlossen auf direktem Wege zum spanischen Festland rüber zu segeln. Der Wind kam zwar aus verschiedenen Richtungen, aber er war „brauchbar“ und die Wellen würden, laut Wetterhoroskop, unter einem Meter bleiben. Soweit so gut…
Wir konnten wirklich den grössten Teil der Strecke unter Segel zurücklegen, aber es war wieder einmal eine ruppige Fahrt. Lange Zeit mussten wir sehr hoch am Wind segeln, Wellen und Strömung gegenan. Die Strömung blieb während der ganzen Überfahrt unser Gegner, mal mehr mehr weniger, aber nie eine Unterstützung 😦
Als wir südlich von Barcelona unterwegs waren und uns so langsam dem Ebrodelta näherten, zogen immer mehr dunkele Wolken auf. Je nach Wettermodell warnten sie vor Gewitterfronten und Starkwind mit über 50 Knoten. Uns blieb aber keine andere Option, als unsere Fahrt fortzsetzen. Denn Richtung Land abbiegen und an der Küste ankern, war jetzt in unseren Augen keine gute Idee. Denn unter diesen Bedingungen fühlten wir uns sicherer auf dem offenen Meer als in Küstennähe. Um so gut wie möglich vorbereitet zu sein, entfernten wir alle Kissen auf unserer Flybridge und verstauten sie in der Kabine. Das Leichtwindsegel wurde auch geborgen und sicher verstaut. Wir entschieden uns auch das Grosssegel zu bergen und unter Motor weiterzufahren. Mehr konnten wir nicht tun. Weiterfahren und hoffen, dass es uns nicht zu heftig erwischt.
Das Glück war diesmal auf unserer Seite, denn die eine grössere Gewitterfront zog weiter draussen auf dem Meer an uns vorbei und die andere blieb über dem Festland. Der blaue Pfeil, das sind wir. Wir bekamen wirklich nur ein paar Tropfen Regen ab 🙂

Uff… als die Nacht einbrach, waren wir echt erleichtert, als beide Fronten vorbei gezogen waren und sich keine weitere ankündigte. In der Morgendämmerung waren die Umrisse des Ebrodeltas schon gut zu erkennen. Obschon man glaubt schon fast angekommen zu sein, ziehen sich die restlichen Seemeilen, rund um die grosse Landzunge herum, noch richtig in die Länge. Pünktlich fürs Frühstück, ankerten wir in der grossen Lagune vor La Rapita und dem mächtigen Montsià Gebirge.

Wir entschieden uns noch bis zum nächsten Morgen hier vor Anker zu bleiben, ein bischen Schlaf nachzuholen und erst am kommenden Morgen in den Hafen von La Rapita einzulaufen. Wir genossen die Ruhe und die Weite hier am Ankerplatz. Wir waren nicht alleine, aber die paar Boote, die hier ankerten, standen gefühlt „kilometerweit“ entfernt. Absolut kein Vergleich mit den überfüllten Buchten auf Korsika, Sardinien usw.
Als wir am nächsten Morgen hier im Hafen ankamen, wurden wir sehr herzlich empfangen und mit einem freundlich „HOLA“, „happy to see you again“ von den Marineiros begrüsst, die uns beim Anlegen halfen. Wir konnten sogar wieder an „unseren“ Liegeplatz zurück. Es fühlte sich definitiv wie „ wieder nach Hause kommen“ an und ein tierisches Begrüssungsteam hatten wir auch 😉

Inzwischen sind wir schon fast zwei Wochen hier und haben die Zeit wirklich genutzt um „runterzukommen“. Endlich kein Ankerbuchtenchaos mehr und kein mehrfaches Wetterchecken am Tag. Endlich mal wieder Zeit für so normale Dinge wie Friseurtermin, Einkaufen ohne vorher mit dem Beiboot oder SUP an Land fahren zu müssen und für eine Thaimassage, auf die ich mich schon monatelang gefreut habe 🙂
Der Sonnenaufgang hier im Hafen ist zwar nicht so spektakulär wie in einer naturbelassenen Bucht, aber trotzdem, immer wieder schön.

Dann habe ich die Qual der Wahl ob ich eine Runde spazieren gehe und Croissants besorge oder ein bischen Fitness mache oder ein paar Bahnen im Hafenpool zurücklege. Morgens früh habe ich ihn fast immer für mich alleine. Ab 9 Uhr sieht es aber dann anders hier aus, denn der Pool ist sehr gut besucht.

Samstags ist Markttag und ein Besuch immer wieder interessant, denn das ganze Gewusel hier ist zwar anstrengend, aber zieht einen (zumindest mich) immer wieder in seinen Bann. Hier trifft man Jung und Alt gleichermassen, Spanier und Touristen (die paar, die den Weg nach La Rapita finden), Menschen aus allen Kulturen. Heute lies ich den Marktbesuch aber aus, denn als ich gerade dabei war, mir die Schuhe anzuziehen, fing es in Strömen an zu regnen. Heute zieht eine Front nach der anderen hier vorbei, was aber endlich auch für ein bischen Abkühlung sorgt, denn die letzten Tage mit durchgehend über 32 Grad waren schon echt anstrengend.
Dies ist ja das erste Mal, dass wir La Rapita im Sommer, in der Hochsaison erleben. Hier ist im Moment echt viel los: jeden Abend gratis Aerobic am Strand, viele Strandpavillons, kleine Verkaufsstände, Jetski-und Bootsverleih… und andere skurilere Spielzeuge…


Vor zwei Tagen wurden diese Jetcars hier im Hafenbecken zu Wasser gelassen, doch der Ausflug dauerte nicht sehr lange, denn es wurde schnell ungemütlich draussen in der Lagune. Während ein paar Stunden hatten wir über 40 Knoten Wind, was auch hier im Hafen für mehr oder weniger Stress sorgte. Ein Segelboot draussen vor Anker ging leider auf Drift und endete in den Steinen der Hafenmauer 😦
Gestern spazierte ich zu den Reisfeldern, denn es interessierte mich, wie die jetzt im Sommer aussehen. Sie waren alle noch überflutet, einige Felder waren schon abgeerntet, andere noch nicht.

Das Ebro-Delta ist übrigens das größte Reisanbaugebiet Spaniens mit jährlich etwa 90.000-135000 Tonnen Ernte. Die verschiedenen Sorten des Arròs del Delta de l´Ebre eignen sich hervorragend für die traditionellen spanischen Reisgerichte, von denen die Paella das bekannteste ist.

Ich habe mal ein bischen recherchiert: Im Frühling (April/Mai), werden die Felder geflutet und der Reis wird ausgesät. Die Landschaft verwandelt sich dann in ein riesiges, spiegelndes Wasserlabyrinth. Die Fotos habe ich bei Alamy.de gefunden…


Im Sommer (Juni bis August), wachsen die Pflanzen heran und die Felder erstrahlen in sattem Grün.

Ende August – Oktober, erfolgt die Ernte. Dann wird das Wasser abgelassen, damit schwere Erntemaschinen auf den Feldern fahren können. Die abgeernteten, trockenen Felder bieten im September und Oktober vielen Zugvögeln und Flamingos reiche Nahrung.
Natürlich nutzen wir auch die Gelegenheit uns hier kulinarisch ein bischen verwöhnen zu lassen. Heute mittag, als die Sonne wieder raus kam, spazierten wir an der Hafenpromenade entlang bis zur Eisdiele, die leider während den Wintermonaten immer geschlossen hat.

Aber jetzt war sie geöffnet und sehr gut besucht. Das Eis war sehr lecker und Guy’s Pfannkuchen auch 😉 Immer wieder eine Sünde wert…
Ausserdem gibt es hier inzwischen ein zweites indisches Restaurant, wo man wirklich richtig authentisch indisches Essen geniessen kann. Sehr lecker und zudem noch richtig preiswert. In der kurzen Zeit waren wir schon zweimal dort und es wird bestimmt nicht lange dauern, bis ein dritter Besuch folgt. Ein paar weitere Tage planen wir sicher noch hier im Hafen zu bleiben, denn erstens melden die Wettervorhersagen in den nächsten Tagen noch keinen guten Segelwind Richtung Balearen und zweitens, wollen wir nicht „zu früh“ rübersegeln. Wir gehen nämlich davon aus, dass es erst ab Anfang September ruhiger wird, wenn die Schulen in Frankreich, Italien und Spanien wieder begonnen haben. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich einmal über das Ende der Sommerferien freuen würde…
Wir hoffen, dass das Wetter dann noch ein bischen mitspielt und wir noch ein paar entspannte schöne Tage/Wochen auf den Balearen verbringen können, bevor wir dann Mitte-Ende Oktober wieder hierher zurückkehren.
So der Plan… mal schauen… Wenn alles klappt, melde ich mich das nächste Mal mit schönen Fotos von den Balearen 😉
Raymonde