Wieder unterwegs…

Vor genau einer Woche sind wir wieder in La Rapita gestartet. Eigentlich wollten wir erst etwas später im September aufbrechen, in der Hoffnung, dass sich dann das ganze Buchtenchaos ein bischen beruhigt hat und weniger Boote unterwegs sind. Aber der Südostwind hielt sich sehr hartnäckig und machte nur eine kurze Pause von 24 Stunden. Danach würde sich, laut Wetterprognosen, wieder für längere Zeit diese Südostwindlage einstellen. Also standen wir vor der Wahl, entweder jetzt die Gelegenheit nutzen oder riskieren vielleicht noch 1-2 Wochen länger im Hafen zu bleiben. Da ich aber nicht bis Mitte September warten wollte, überzeugte ich Guy diese 24 Stunden Nordostwind zu nutzen. Die Überfahrt war „ok“, aber anstrengend, denn der Wind wechselte regelmässig leicht seine Richtung, so dass wir dauernd die Segel anpassen mussten um genügend Fahrt im Boot zu behalten. Aber wir waren froh, dass wir den grössten Teil der Strecke unter Segel zurücklegen konnten. 

Die Sonnenuntergänge auf dem Meer sind schon immer wieder etwas Besonderes.

Die Wellen waren zwar nicht hoch, aber trotzdem unangenehm und ruppig und die Strömung wollte auch nicht wirklich helfen. Wie so oft, wurde es wieder eine ziemlich schlaflose Nacht und dementsprechend froh waren wir, als wir die Westseite von Ibiza erreichten. Dank des noch fast Vollmondes war es nicht so stockdunkel. Noch vor der Morgendämmerung fiel unser Anker in der Bucht Cala Tarida und wir, kurz darauf, in unsere Koje. Nach ein paar Stunden Schlaf, fühlten wir uns wieder etwas besser. Ich genoss die schöne Aussicht über die Bucht, das tolle türkise Wasser, die leichte Brise…

Am Nachmittag wurde der Himmel aber immer bedeckter und dunkele Wolken zogen auf. Ein Blick auf das Wetterradar bestätigte unsere Vermutung… eine grössere Gewitterfront war im Anmarsch. Ein paar Stunden später regnete es dann wie in Strömen. Ibiza hat wohl seine ganz eigene Art uns Willkommen zu heissen. Aber so genoss Adesso eine ordentliche Süsswasserdusche, die das ganze Salz der Überfahrt runterspülte. Sehr praktisch, denn so blieb uns das Putzen erspart.

Der einzige Nachteil: die Gewitterfront brachte auch höhere Wellen mit sich, die leider bis in die frühen Morgenstunden ihren Weg in die Bucht fanden. Dementsprechend unruhig und schlaflos wurde dann auch diese erste Nacht auf Ibiza. Morgens waren wir beide geschlaucht, denn dies war jetzt die dritte Nacht in Folge, wo wir keinen erholsamen Schlaf bekamen. Denn die Nacht vor Anker in der Bucht vor La Rapita, war leider auch ziemlich ungemütlich gewesen… 

Die kommenden Nächte sollten dann aber endlich etwas erholsamer werden…ufff.

Wir blieben der Cala Tarida bis heute eine ganze Woche lang „treu“.

Dies hat mehrere Gründe. Erstens erlaubte uns das Wetter so lange hier vor Anker zu bleiben, denn, wie vorausgesagt, hielt der Südostwind weiter an. Zweitens ist dies eine ziemlich grosse Bucht, mit viel gutem Sandboden, so dass die Boote (meistens) ausreichend weit auseinander liegen. Dann bietet die Bucht alles, was wir als Bootsmenschen brauchen: Restaurants, 2 kleine Supermärkte, schönes Wasser zum Schwimmen und ein paar schöne Spazierwege. An unserem zweiten Abend statteten wir dem ‚Ses Eufàbies Restaurant‘ einen Besuch ab. Hier waren wir regelmässig Kunde bei unseren vorigen Ibizaaufenthalten. Das Essen schmeckte uns immer und die Aussicht auf den Sonnenuntergang ist top. Auch diesmal genossen wir den Abend hier.

Am nächsten Morgen paddelte ich wieder recht früh an Land um bis zu den „Puertas Can Soleil“ und dem „Time and Space, the speed of light“ Momument zu spazieren. Ich habe sehr schöne Erinnerungen an diesen schon fast mystischen Ort. Vor 4 Jahren, als meine Mutter uns hier auf Adesso besucht hatte und wir in der Cala Codular geankert hatten, war ich auch mit ihr dorthin spaziert. Auch sie war richtig begeistert gewesen. Der Ort versprüht eine spezielle Athmosphere und die Aussicht ist grandios. Von der Cala Tarida aus führte der Weg durch ein kleines Fischerhäuschendorf… auch sehr speziell… und die Ausblicke auf die Küste und die vorgelagerte Insel Es Vedra…toll 🙂

Aber, da Bilder ja bekanntlich mehr als 1000 Worte sagen, hier eine kleine Auswahl meiner Fotos.

Genauso begeistert von den Eindrücken wie damals, kehrte ich auch dieses Mal zu Adesso zurück. Aber nicht ohne vorher noch Croissants und Baguette zu besorgen 😉

Die folgenden Tage liessen wir es eher langsam angehen. Ein bischen Schwimmen, Schnorcheln, ein bischen Putzen, ein bischen Wäsche waschen und wieder Unterwasserschiffschrubben. Denn in dem über 30 Grad warmen und sehr nährstoffreichem Wasser im Hafenbecken von La Rapita, hatte sich in den paar Wochen schon wieder richtig viel Bewuchs angesiedelt. Inzwischen habe ich den Backbordrumpf wieder ganz ok, aber auf der Steuerbordseite muss ich noch ran…oder Guy… Derjenige der die nötige Motivation dafür aufbringt, denn Spass macht es nicht wirklich…

Vorgestern bekamen wir sehr netten Besuch von Jeff und Jelena. Die beiden hatten wir vor ein paar Jahren schon einmal hier auf Ibiza getroffen. Jetzt hatten sie sich ganz spontan für einen Ibiza-Kurztripp entschieden und kamen uns prompt an ihrem ersten Tag einen Besuch auf Adesso abstatten. Wir hatten uns natürlich, nach so langer Zeit, viel zu erzählen und die Stunden vergingen wie im Fluge. Wir verbrachten einen sehr angenehmen Nachmittag zusammen.

Danke euch beiden für den netten Besuch!

Gestern hatte ich mich wieder früh auf den Weg gemacht, diesmal wollte ich bis zur Cova de Cala Comte wandern. Der Weg führte wieder an „meinem mystischen Ort“ vorbei und dann wieder runter bis zur Cala Codolar. Hier angekommen, stellte ich fest, dass die kleine Strandbar, wo wir damals eine leckere Sangria genossen hatten, verschwunden war. Schade. 

Ausserdem ist die Bucht inzwischen grossflächig mit Bojen abgesperrt, so dass man nur noch ganz weit hinten ankern kann, dort wo man also fast keinen Schutz mehr hat… fast italienische Verhältnisse hier 😦 Man bekommt es echt als Bootscrew immer schwieriger gemacht. Es gibt immer mehr Ankerverbotszonen oder Bojenfelder, leider auch mittlerweile hier auf Ibiza , wo man dann auch noch ordentlich zur Kasse gebeten wird. Am meisten ärgert uns, dass die Bojen dann genau dort ausliegen, wo sich Sandboden befindet, also genau da wo man ankern könnte. Würden sie die Bojen jetzt da anbringen, wo Posidonia geschützt werden soll, dann hätte ich Verständnis dafür, dass man sich an einer Boje festmachen muss und nicht ankern darf, aber so…nein… Aber es macht keinen Sinn, dass ich mich aufrege… ich ändere nichts… es wird halt nur immer schlimmer…

Zurück zu meiner Wanderung 😉

Von der Cala Codolar führte eine steile Treppe bis zu einem exklusivem Wohngebiet und von dort weiter, an der Küste entlang bis zur Höhle.

An der Cova de Cala Comte angekommen, erinnerte ich mich, dass ich diesen Ort vor vielen Jahren auch schon einmal besucht hatte. Damals ankerten wir unweit der Höhle in der bekannten Bucht Cala Comte. Ich stieg die Stufen hinab und entdeckte einen schmalen Weg, der sich am Rande der Höhle entlang windete. Natürlich war ich neugierig und staunte dann nicht schlecht als ich diesen romatischen Platz entdeckte.

Von hier aus hatte ich eine tolle Aussicht auf die Höhle und die Umgebung.

Im unteren Teil befinden sich ein paar Fischerhäuschen. Von hier aus hat man auch diesen Ausblick auf die kleine vorgelagerte Insel Esparto.

Diese Wanderung habe ich wieder in vollen Zügen genossen, denn die Ausblicke waren einfach genial und ausser mir, war noch keine Menschenseele unterwegs… Ruhe pur… das liebe ich ja. 

Ich weiss nicht, ob schon weniger Boote hier unterwegs sind. Vom Gefühl her nicht wirklich. Die Cala Tarida hat den Vorteil, dass sie nicht zu den topbekannten Buchten hier auf Ibiza zählt und sehr weitläufig ist. Denn es ist schon noch viel los, vor allem am Wochenende, wenn auch alle „Locals“ mit ihren Motorbooten unterwegs sind… Ich denke nicht, dass man schon wirklich von Nachsaison sprechen kann. Da müssen wir noch 1-2 Wochen Geduld haben. 

Heute morgen haben wir uns dann aber dazu entschlossen die Cala Tarida zu verlassen, denn in den frühen Morgenstunden kündigt sich doch ziemlich starker Südwestwind an und dann ist der Schutz hier nicht mehr ausreichend. So motorten wir Richtung Norden, durch die schmale Passage zwischen den Inseln Bosc und Conillera hindurch.

Uns auserkorene Ankerbucht für heute und morgen ist die Cala Roja, direkt um die Ecke, östlich des Torre d’en Rovira. 

Hier gibt es in der Mitte einen grossen Sandfleck, ziemlich tief und sonst fast nur Posidonia. Daher steuern nicht viele Bootscrews diese Bucht an. Nur einige Ausflugsboote bringen immer wieder Touristen zum Schwimmen. So besteht die Chance, dass wir heute abend alleine sind. Mit dem SUP habe ich mir die raue Felsküste und die vielen kleinen Höhlen genauer angeschaut. Hier ein paar Eindrücke.

Hoffentlich haben wir morgen hier den erhofften Schutz vor dem Wind. Wenn ja, dann bleiben wir wahrscheinlich noch eine weitere Nacht hier, aber spätestens am Mittwoch morgen, laut aktueller Wetterprognose, müssen wir hier weg, denn dann stellt sich starker Nordostwind ein. Also genau aus der entgegengesetzten Richtung wie morgen… Mistral läst wieder grüssen! Ganz genau haben wir noch nicht entschieden, wohin wir dann fliehen…

Dazu dann mehr im nächsten Blog. Haltet uns die Daumen, dass die paar Starkwindtage nicht zu unangenehm werden…

Raymonde

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