Nachdem wir ja mehrere Tage in Porto Vecchio vor Anker lagen und hier stärkeren Westwind abwetterten, nutzten wir anschliessend den Südwind, der sich für einen Tag einstellte, um weiter Richtung Norden zu segeln. Unser Ziel war die Ankerbucht vor Erbalunga, einem kleinen authentischen ursprünglichen Dorf mit (natürlich) einem Turm. Griechenland hat seine Festungen, Korsika seine Türme…

Schon als wir ankerten, bemerkten wir, dass es ziemlich wakelig war, aber da gegen Mittag immer ein bischen auflandiger Wind herrscht, gingen wir davon aus, dass die Wellen sich am Abend wieder beruhigen würden. Zum Abendessen fuhren wir mit dem Beiboot in den kleinen Hafen und schlenderten ein bischen durch die Gassen.





Danach genehmigten wir uns ein leckeres Abendessen. Als wir uns auf dem Rückweg befanden, sahen wir schon wie Adesso hin und her schaukelte. Nicht gut, gar nicht gut. Um es mal schon vorab zu sagen, es wurde eine schlaflose Nacht. Ich konnte bei dem Gewackel und Geplätscher einfach nicht schlafen und Guy auch nicht viel besser. Dementsprechend geschlaucht und genervt, machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg weiter Richtung Norden. Wir erhofften uns in der Bucht von Macinaggio mehr Schutz vor Wind und Wellen zu finden. Als wir ankamen, standen natürlich schon wieder viele Boote vor Anker, aber Guy hatte ganz hinten in der Ecke, in dem Bereich, der eigentlich am meisten Schutz bietet, noch einen freien Platz entdeckt. Vielleicht hatte hier vorher das Motorboot geankert, das kurz vor unserer Ankunft aus der Bucht fuhr. Egal, kurze Zeit später, vergrub sich der Anker im Sand und wir waren froh angekommen zu sein. Unser Wunsch nach ein bischen Ruhe ging hier für die nächsten zwei Tage in Erfüllung: keine Musik, keine Wellen, guter Windschutz, keine zu nah ankerden Boote, schöne Natur, Restaurants in der Nähe, schönes Wasser und der Wanderweg „sentier des douaniers“, der an der Küste entlang führt. Wir genossen wirklich diese paar Tage, wo wir endlich mal ein bischen „runterkommen“ konnten. Morgens bin ich entweder zum Bäcker spaziert und habe uns frische leckere französische (korsische) Croissants besorgt oder ich habe mich meiner Morgenwanderung gewidmet. Meine Erkundungstour führte um die Punta di Coscia herum und zur alten Mühle „Moulin de la coscia“ hinauf, von wo ich eine schöne Aussicht auf die Ankerbucht, die umliegende Küste mit den vorgelagerten Inseln Finocchiarola und auf die italienische Insel Capraia hatte.











Da die Bedingungen hier so ruhig waren, nutzen wir auch die Gelegenheit Adesso wieder einmal vom Staub und Salzwasser zu befreien und das Unterwasserschiff wieder gründlich zu säubern, denn wir hatten bei der Fahrt nach Erbalunga gemerkt, dass wir viel langsamer als gewohnt unterwegs waren. Ich hatte echt einen Schrecken bekommen, als ich hier am Ankerplatz bemerkte, dass das ganze Unterwasserschiff wie paniert aussah. Tausende 1-2 mm grosse Pusteln hatten sich überall unter der Wasserlinie, aber wirklich überall (!), in den paar Tagen angesiedelt, wo wir in Porto Vecchio vor Anker lagen. Keine Ahnung was für Viecher das waren, aber so konnten wir das nicht belassen. Also war neben dem „Runterkommen“ auch viel Schrubben angesagt. Während diesen paar Tage vor Macinaggio hatte ich auch Geburtstag, aber in Feierstimmung kam ich nicht. Erstens hatte ich den ganzen Tag, wahrscheinlich wegen der Hitze (ständig über 30 Grad) anhaltende stechende Kopfschmerzen und zweitens zogen abends Gewitter über Korsika, so dass wir es vorzogen auf Adesso zu bleiben. Also verschoben wir den Restaurantbesuch auf den nächsten Abend.

Nach drei Tagen drehte der Wind aber leider immer mehr auf Süd, so dass es immer ungemütlicher in der Bucht wurde. So beschlossen wir am nächsten Morgen, noch vor dem Frühstück, ein paar Seemeilen weiter, an den Finocchiarolainseln vorbei, bis in die Bucht von Santa Maria zu wechseln.

Auch hier standen schon ein paar Boote, aber es gab noch ausreichend Platz auf den Sandflecken. Wir ankerten unweit des Turms von Santa Maria. Während unseres Frühstücks hatten wir einen tollen Ausblick auf den Turm.

In dieser Bucht standen wir schon vor 4 Jahren mit unserer Lucia, damals noch mit Chico an unserer Seite. Nach dem Frühstück schnappte ich mir mein SUP und paddelte zum Strand und nutzte die Gelegenheit den Turm von jeder Seite zu fotografieren.


Dann spazierte ich weiter zur Kapelle Santa Maria, denn ich erinnerte mich, dass hier mehrere interessante Fotos und Infotafeln von früher ausgestellt waren. Von Weitem sah ich, dass die Türen aufstanden und ich freute mich, denn meistens ist die Kirche geschlossen. Doch meine Vorfreude warte nicht lange, denn der nette „Aufpasser“ verweigerte mir den Zutritt, da ich zu freizügig gekleidet sei 😦 Meine Schulter wären nicht bedeckt, ich wäre ja fast nakt… geht gar nicht, ist nicht religiös (ja, bin ich auch definitiv nicht!) Vorher hatte er schon zwei deutsche Paare angefaucht, weil die Frauen „nur“ ein Bikinioberteil und unten einen Short anhatten… da ich ein normales Tanktop anhatte, hatte ich mir eigentlich keine Beanstandung erwartet… Als ich ihn darauf hinwiess, dass er genauso gekleidet sei wie ich, erwiederte er entrüstet, er wäre ja auch ein Mann. Soviel zur kirchlichen „Gleichberechtigung“ von Mann und Frau 😦 Ich will jetzt nicht weiter ins Detail gehen, aber unser Wortgefecht endete hier nicht, denn das wollte ich natürlich nicht einfach so hinnehmen. Etwas geändert hat es aber nicht, mir blieb der Zutritt untersagt. Innerlich kochend vor Wut, machte ich mich auf den Rückweg zu Adesso und beruhigte meine Sinne mit einem Erfrischungsbad. Am späten Nachmittag frischte der Wind dann immer mehr auf und so entschieden wir weiter Richtung Cap Corse zu segeln, denn die nächsten Tage bietet die Ostseite keinen Schutz mehr vor dem vorhergesagten Südostwind. In der grossen Bucht von Barcaggio ankerten wir in der Ostecke, so nah wie möglich an der Schwimmbereichabsperrung, um so den grösstmöglichen Schutz vor den Windwellen zu haben. Der Wind frischte ordentlich auf und blies mit über 20 Knoten über den Cap Corse hinweg. Doch wir standen, den Umständen entsprechend, hier ganz ok. Natürlich wurde die Nacht aber wieder ziemlich ungemütlich. Am Morgen machte ich mich wieder früh auf den Weg um eine ausgedehnte Wanderung zum Torre di l’Agnellu zu machen. Ich spazierte den Küstenweg, den sentier douannier, entlang und war wieder begeistert von diesen tollen Felsformationen und den schönen Ausblicken auf die vorgelagerte Insel „île de la giraglia“.


Aber es war wieder eine Mischung aus „Geniessen“ und „Traurigkeit“, denn genau an denselben Plätzen, hatte ich vor 4 Jahren mit Chico zusammen die Aussicht genossen, an den gleichen Stellen, mit ihm ein Foto geschossen… das schmerzt… da bleiben die Augen nicht trocken.

Am Turm angekommen, ruhte ich mich kurz aus und entschied dann über den Gipfel durchs Hinterland zurück zur Bucht zu wandern. Diesen Weg kannte ich nocht nicht. Der erste Teil führte wirklich steil hinauf und ich war schweissgebadet als ich oben ankam. Aber wie so oft, die Anstrengung wurde mit einer herrlichen Aussicht auf die Ostküste mit unserer vorigen Ankerbucht „Rade de la Santa Maria“ und auf die vorgelagerte Insel Giraglia und die Küstenlandschaft belohnt.




Eigentlich hatten wir uns darauf eingestellt, hier den Wind der nächsten Tage abzuwettern, denn diese Bucht war sehr gut vor den südöstlichen Winden und Wellen geschützt, aber es sollte anders kommen. Am Nachmittag bekamen wir ein Telefonat von Leopard, ob wir vielleicht in der Nähe der französischen Küste unterwegs seien, denn sie hätten ihr „Aftersalereparaturteam“ aus Südafrika noch 11/2 Wochen in Port Saint Louis du Rhône vor Ort. Wenn wir die Möglichkeit hätten dorthin zu kommen, dann könnten Sie sich unseren Ruderlagergeräuchen, die wir schon von Anfang an bemängelten, annehmen. Wir checkten sofort den Wind und tatsächlich hatten wir jetzt zwei Tage Segelwind um von Korsika nach Frankreich rüber zu segelen. Ich hatte gemischte Gefühle. Auf der einen Seite war ich froh, dass das Problem so jetzt hoffentlich schnell und bald gelöst würde, auf der anderen Seite war das jetzt wieder so eine Hauruckaktion: Anker hoch und los.
Nicht mal eine Stunde später waren wir unterwegs, denn, wollten wir den Wind nutzen um eine grösstmögliche Strecke unter Segel zurückzulegen, dann durften wir keine Zeit verlieren. Wir kamen richtig flott voran und hatten schon ordentlich Strecke gemacht als die erste Nacht einbrach. Mit dem Leichtwindsegel ging es durch die Nacht und auch am nächsten Morgen kamen wir noch ordentlich voran. Am späten Nachmittag wurde der Wind dann aber leider immer schwächer, so dass uns nichts anderes übrig blieb, als den Motor zu starten. Denn wir durften nicht zu langsam unterwegs sein und keine Zeit verlieren, denn für nächsten Morgen kündigte sich ein 3-Tage langer Mistral an, der uns dann genau auf die Nase käme. So war das erklärte Ziel am nächsten Morgen Port Saint Louis nicht später als 8 Uhr zu erreichen. Die zweite Nacht kündigte sich mit einem schönen Sonneruntergang an.

Um 5 Uhr fiel der Anker rechts vor der Kanaleinfahrt Richtung Port Saint Louis du Rhône, denn wir hatten einen Liegeplatz zugewiesen bekommen, den wir in der Nacht bei Dunkelheit nicht anfahren wollten. So entschieden wir uns, uns eine Stunde auszuruhen, um dann um halb 7Uhr, sofort in der Morgendämmerung und bevor der Wind auffrischte, an unseren Liegeplatz zu wechseln. Wir brauchten ein paar Versuche bis wir Adesso endlich an seinem Liegeplatz in der Ecke sicher stehen hatten. Gut dass wir dies nicht in der Nacht probiert hatten.
Schöne Abenddämmerung am ersten Abend.

Seid vier Tage sind wir nun schon hier in Port Saint Louis du Rhône und ich hatte nicht gedacht, dass ich diese ungeplante Auszeit so positiv empfinden würde.



Denn eigentlich wollten wir, nachdem wir vor 3 Jahren hier unser Boot ausgebaut und umgebaut hatten, „nie“ wieder hierhin zurück. Aber diesmal war es ja anders… nicht wir mussten arbeiten 😉
Doch, gearbeitet haben wir trotzdem, denn ich nutzte das ruhige Hafenwasser um Adesso mal wieder ordentlich im Innern zu putzen und Guy widmete sich dem Säubern und Polieren unseres Edelstahls an Bord. Aber es war jetzt doch eine ganz andere Situation als damals. Abends fuhren wir gemütlich mit unseren Elektrorollern bis runter ins Dorf und genossen die französische Küche. Mittags gabs frische Baguette mit frischem Ziegenkäse… und leckere Zitronentorte 🙂

Ja, wer hätte das gedacht, diese paar Tage hier waren eine willkommene unerwartete Abwechslung 🙂 und inzwischen scheint unser Problem auch gelöst. Hoffentlich bestätigt sich dies auch in der Zukunft.
Morgen planen wir Richtung spanisches Festland aufzubrechen. Wie es dann weitergeht…im nächsten Blog.
Raymonde