Vom Südwesten in den Südosten von Korsika

oder: auf der Flucht vor dem Westwind

Seit ein paar Tagen ankern wir jetzt schon in der grossen Bucht vor Porto Vecchio. Dies aber nicht unbedingt „freiwillig“ oder weil es hier so schön ist.  

Nein, diese Bucht hier ist jetzt nicht unbedingt die Traumbucht, aber sie bietet in dieser Gegend den besten Schutz vor dem Mistral, der im Moment nicht nur auf die ganze Westseite von Korsika trifft, sondern sich auch über dem ganzen südlichen Teil austobt. Und nach Norden ausweichen geht auch nicht, denn Ausläufer vom Mistral winden sich auch um die Nordseite rum, an der Ostseite entlang runter Richtung Süden.

Also sitzen wir mehr oder weniger wieder hier fest, doch so wirklich angenehm ist es hier auch nicht, denn es ist höllisch warm, >35 Grad und das Wasser läd nicht wirklich zu einem Bad ein, denn es ist sehr grün und auch über 30 Grad warm. An Land, in den Strassen, hällt man es auch nicht sehr lange aus, da dort kaum Wind weht. Also, dachte ich mir, ich könnte mir mal wieder Zeit nehmen um einen neuen Blog zu schreiben. Aber auch das gestaltet sich alles andere als einfach, denn in den hier herrschenden Windwellen und Wellen der sehr zahlreich vorbeifahrenden Boote, schaukelt Adesso ungemütlich hin und her, so dass ich immer wieder mit dem Tippen aufhören muss, weil mir sonst schlecht wird 😦

Meinen letzten Blog schrieb ich, als wir noch auf der Westseite von Korsika, vor Propriano an dem langen Strand von Baraci geankert hatten.

Nach einer unruhigen Nacht mit viel Geschaukel und Geplätscher sind wir am folgenden Tag wieder zurück in die Bucht von Campomoro gefahren. Erstens, weil uns Propriano wirklich nicht besonders gut gefallen hat, denn es war uns einfach zu voll, zu touristisch, zu hektisch, zuviel Schickimicki… und zweitens, weil die Nacht wegen des Schwells am Ankerplatz einfach nicht erholsam war.

Am nächsten Morgen beschloss ich die Canusellu-Runde in Angriff zu nehmen. Schon früh morgens machte ich mich wieder auf den Weg. Der Wanderweg führte oben über die Klippen von wo aus ich eine super Aussicht auf die Küste hatte.

Dann schlängelte er sich durch dichten Wald runter zum Bach von Canusellu.

Das Flussbett war schon total ausgetrocknet, aber kurz vor der gleichnamigen Bucht staute sich noch ein bischen Wasser. An den vielen Hufspuren war deutlich zu erkennen, dass viele Tiere dieses Wasserloch aufsuchten, wahrscheinlich während der Nacht oder der Morgendämmerung. Dann wanderte ich weiter bis zur kleinen Bucht Cala di Canusellu. Ich setzte mich auf einen Stein und liess die ganzen Eindrücke und diese herrliche Ruhe auf mich einwirken 🙂

Doch zu lange konnte ich hier nicht verweilen, denn ich wusste, dass ich erst in der Hälfte des Wanderweges war. Der Rückweg führte an der Küste entlang, vorbei am imposanten Felsen U Scalonu.

Ich habe wieder echt viele Fotos geschossen, denn hinter jeder Kurve, entdeckte ich ein neues Fotomotiv. Und ganz alleine war ich dann doch nicht 😉

Als ich mit dem SUP zurück zu Adesso fuhr, schoss ich dieses Foto. Es herrschte ein bischen Hochnebel. Eine besondere Athmosphere.

Am Nachmittag beschlossen wir den Torre di Campomoro dann gemeinsam von innen zu besichtigen, denn morgens, wenn ich hier unterwegs war, war er noch geschlossen. Der Schweiss lief an uns hinab, denn es war einfach unheimlich heiss. 

Von hier oben hatten wir natürlich eine tolle Aussicht auf unsere Ankerbucht und die Küste.

Im Innern befand sich eine kleine Ausstellung über die Geschichte der Erbauung des Turms und der vielen Kämpfe, die hier stattfanden.

Am nächsten Morgen beschlossen wir, den Nordwestwind zu nutzen um uns auf den Weg Richtung Süden zu machen. Wir segelten am Leuchtturm von Senetosa vorbei.

Kurze Zeit später ankerten wir in der schönen naturbelassenen Bucht Cala di Roccapina. Es lagen zwar schon recht viele Boote hier vor Anker, aber Guy fand noch einen guten Platz für Adesso. Gut, dass wir früh dran waren, denn ein paar Stunden später, hätte es wohl eher schlecht ausgesehen. Am Nachmittag entschloss ich mich, trotz brütender Hitze bis zum Torre de Roccapina hochzuwandern. Der Weg war nicht besonders weit, aber der Höhenunterschied hatte es in sich. Plitschnass kam ich oben an… aber dann, diese Aussicht, auf unsere Ankerbucht und den langen Naturstrand von Roccapina!!!

Und schon war die Anstrengung wieder (fast) vergessen.

Den bekanntenen Löwenfelsen konnte ich von hier aus nicht sehen, aber als wir am nächsten Tag die Bucht verliessen, konnte man ihn schon besser erahnen.

Wir wären gerne noch länger hier in der Bucht gewesen, aber leider wurde starker Westwind vorausgesagt für die kommenden Tage und da bietet diese Bucht leider keinen ausreichenden Schutz mehr. Sehr schade, denn wir wären wirklich gerne länger geblieben. Das ist einer der Punkte, den ich immer wieder und immer mehr bedauere an unserem Bootsleben, nämlich dass man einfach nicht frei entscheiden kann, wohin man fährt, wie lange man bleibt usw. Nein, es ist nicht diese unbegrenzte Freiheit, im Gegenteil, es ist der Wind der entscheidet, und das ist manchmal echt frustrierend!

So sind wir am kommenden Morgen nach dem Frühstück aufgebrochen, Kurs Ostseite, um Schutz vor Wind und Wellen zu suchen. Wir segelten an der schönen Südküste von Korsika und der berühmten Kreidefelsküste von Bonifacio vorbei. 

Dann umrundeten wir die Pointe Sainte Antoine mit ihren bizarren Felsformationen.

Unser Anker fiel ein paar Seemeilen später in der naturbelassenen Bucht von Porto Novo. In der Vor-und Nebensaison ist diese Bucht bestimmt einfach herrlich, aber jetzt im Juli, war sie Anlaufpunkt für unzählige kleine Motorboote, Touriboote, Charterboote, Jetskis…. erst gegen 18 Uhr kehrte so langsam Ruhe ein, wobei Ruhe ein grosses Wort ist. Wir ankerten ein paar Tage hier und es war eine reine Glückssache, ob ein Charterboot mit 8 und mehr Leute in unserer Umgebung ankerte oder nicht. War dies der Fall, dann war Ruhe eine Traumvorstellung…

Nichtdestotrotz schnappte ich mir morgens meinen SUP und begab mich auf Erkundungstour.

Im Hinterlang befindet sich ein grosses Feuchtgebiet, ein Paradies für Vögel. Hier ein paar Eindrücke.

Als ich mich dann aber wieder der Ankerbucht näherte, war schon wieder Schluss mit idyllischer Athmosphere, denn die ersten Tagesboote waren schon wieder im Anmarsch…

Nach drei Tagen haben wir dann beschlossen weiter hierhin in die Bucht von Porto Vecchio zu segeln, denn wir mussten mal wieder einkaufen gehen. Vor allem Obst und Gemüse war knapp geworden. Aber der Hauptgrund war, dass wir uns hier, und das klingt jetzt wahrscheinlich für viele unverständlich, mehr Ruhe am Ankerplatz erhofft haben, als in einer „naturbelassenen“ Bucht. Die zwei ersten Nächte hier vor Anker ging unser Plan wirklich auf, denn obwohl hier grosse Fähren anlegen und Porto Vecchio einen grossen Hafen und eine lebhafte Stadt besitzt, war es in der Nacht ruhiger als in der vorigen Bucht. Der Grund: diese Bucht zieht einfach viel weniger Charterboote an. Hier stehen hauptsächlich Eignerboote, die die Nähe zur Stadt mit ihren Supermärkten und Restaurants schätzen und selber ihre Ruhe haben wollen. Porto Vecchio hat eine lebhafte Altstadt mit sehr vielen Restaurants und Shops und einigen netten Ecken. Aber nach einem Tag, hat man alles gesehen… 

Von hier oben haut man eine schöne Aussicht auf den Hafen, das Ankerfeld und rechts auf die Salinen.

Es ist schon beeindruckend, wenn diese grossen Fähren hier an den Segelbooten am Anklerplatz vorbeifahren.

Aber sie verursachen weit weniger Wellen als die rücksichtslosen Motorboot- und Touribootraser.

Da wir inzwischen schon vier Tage hier vor Anker liegen, hatten wir gestern beschlossen, einen Ausflug nach Bonifacio zu unternehmen. Pünktlich um 10 Uhr kam der Bus und eine knappe Stunde später waren wir in Bonifacio.

Wir waren ja schon öfters hier, aber Bonifacio kann uns doch jedes Mal wieder begeistern. Hier ist es einfach sehr speziell. Die Altstadt, die hoch oben auf dem Felsen trohnt, mit ihren schmalen Gassen, ist sehr schön und sehenswert und die Aussicht über die Klippen ist einfach atemberaubend, auch für Wiederholungstäter 😉

Um 16 Uhr machten wir uns dann wieder auf den Rückweg. Wir hatten ein bischen Nervenflattern, als wir die vielen wartenden Menschen am Busbahnhof sahen, denn der Bus nach Porto Vecchio war kein Bus von normaler Grösse, sondern deutlich kleiner, mit viel weniger Sitzplätze. Für uns ziemlich unverständlich, jetzt in der Hauptsaison, keinen grösseren Bus einzusetzen, zumal der Bus nur um 16 und 18 Uhr zurückfährt. Aber alles klappte und wir ergatterten einen Platz. Schlussendlich bekamen alle Wartenden einen Platz, aber viele freie Sitzplätze blieben nicht übrig. Zurück auf Adesso ruhten wir uns ein bischen aus, bevor wir dann zum Abendessen wieder mit dem Beiboot nach Porto Vecchio fuhren. 

Heute hiess es dann den ganzen Tag Starkwind abwettern. Schon die Nacht war nicht wirklich erholsam, denn eine Gewitterfront nach der anderen zog über Korsika hinweg. Aber wir hatten Glück und bekamen nur eine kurze Regenschauer mit. Die hätte gerne auch länger sein können, denn Adesso ist inzwischen wieder ziemlich staubig. Aber da das Wasser hier so grünlich ist, wollen wir unser Trinkwasser nicht zum Putzen verwenden, da wir es vermeiden wollen, hier den Wassermachen laufen zu lassen. Denn dann müssten die Filter wahrscheinlich alle danach ausgetauscht werden. 

Wir wissen noch nicht wie lange wir hier noch festsitzen, aber im Moment sieht es so aus, als würde der Mistral nicht so schnell schwächeln. Morgen scheint „copy paste“ von heute zu werden mit immer wieder Böen von >20 Knoten.

Am liebsten würden wir ja Richtung Nordkorsika segeln, aber da sehen die Wetterprognosen auch eher schlecht aus, denn es ist weiterhin für die ganze nächste Woche Wind aus Nord gemeldet…als genau auf die Nase, wenn wir Richtung Norden wollen. Das bringt mich wieder zurück zu dem Thema „Freiheit“… nein, nix mit frei entscheiden, man muss sich dem „Wille“ des Wetters unterordnen. Ausser man fährt stur seinen gewünschten Kurs unter Motor, aber das ist für uns keine Option. Also keine Ahnung, wie’s weitergeht… mal schauen…

Raymonde

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