Arrivederci Sardinien, Bonghjornu Korsika

Als der Wind endlich auf Süden drehte, machten wir uns auf den Weg, die Ostküste Sardiniens entlang, Richtung Norden. In der Cala Liberotto, nördlich des Golfo di Orosei, machten wir einen Übernachtungsstopp. Am nächsten Tag nutzen wir weiterhin den günstigen Segelwind. Mit flotten Tempo segelten wir dank unseres Leichtwindsegels an der Insel Tavolara vorbei bis in den Golf von Aranci.

Schon von Weitem sahen wir, dass richtig viele Boote hier vor Anker lagen. Das Problem hier in der Bucht ist, dass der Platz zum Ankern sehr eingeschränkt ist, denn es gibt ein riesiges Bojenfeld, das jedes Mal, wenn wir in Aranci waren, fast ganz leer war. Verständlich, denn eine Boje, für eine Nacht, würde für uns 130 Euro kosten! Die richten sich also hauptsächlich an Megayachten oder Charterboote, die sich den Preis unter vielen Leuten aufteilen können. Doch die Megayachten lagen trotzdem vor Anker und nicht an der Boje und die Charterboote, ausser ein einziges, auch. Also absolute Platzverschwendung zumal man auch noch einen „Sicherheitsabstand“ von 100m zu den Abgrenzungen des Bojenfeldes einhalten muss, was die „Platzwächter“ (da sie ja keine Kundschaft und so (zu-)viel Zeit haben) auch mehrmals am Tag kontrollierten. Reine Schikane! Wir hatten aber Glück, denn kurz bevor wir am Ankerplatz ankamen, fuhr ein Katamaran weg…Uff, „Schwein gehabt“. Die Folge der ganzen Absperrungen (Bojenfeld, Schwimmbereich) ist, dass die Boote sehr nah beieinander ankern müssen, was natürlich nicht zum Wohlbefinden und zur Reduzierung des Stresslevels beiträgt. Trotzdem laufen wir diese Bucht immer wieder (gerne) an, weil sie halt guten Schutz bei nördlichen Winden bietet und weil man hier Supermärkte, Restaurants usw. vorfindet.

Eine Sehenswürdigkeit ist die Bronzestatue „La Sirena“. Sie stammt vom sardischen Künstler Pietro Longu und wurde 2013 eingeweiht. Sie ehrt die sardische Frau unt taucht im Sommer immer wieder kurz aus dem Wasser auf, begleitet mit sardischen Liedern. 

Wir blieben 3 Tage hier. Die Nächte waren leider alle ziemlich bäh 😦 Es war wieder alles dabei: Musikbeschallung vom Land, Gegröhle vom Strand und Schwimmer hinterm Boot um Mitternacht und in der letzten Nacht, schob ich fast die ganze Nacht Wache, weil ein anderer Katamaran nur ein paar Meter entfernt von uns hin und her schwankte. So waren wir froh als die Wellen aus Nord sich endlich beruhigt hatten und wir weiter ziehen konnten. Wir segelten am spektakulären Capo Figari vorbei bis in die Bucht südlich des Hafens von Portisco.

Hier kamen bei uns beiden viele Erinnerungen hoch, denn hier in Portisco wuchs vor vielen Jahren langsam aber sicher der Wunsch irgendwann längere Zeit auf einem Boot zu leben. Hier haben wir viele Jahre lang gechartet und Sardinien besegelt. Und jedes Mal, wenn es wieder hiess Abschied nehmen und zurückkehren in den Alltag nach Luxemburg, wurde der Wunsch immer grösser einmal ganz auf unserem eigenen Boot unterwegs zu sein. Aber es hat sich sehr viel verändert hier. Damals war Portisco noch ein kleiner Hafen mit ein paar kleinen Charteranbietern und die Bucht südlich war eine relativ naturbelassene Bucht. Heute gibt es hier mehrere riesige Charterflotten, verteilt auf mehrere Häfen in der Bucht. Im Hafen von Portisco gibt es mittlerweile eine Werft, auch die gab es damals noch nicht. Portisco ist ein Hotspot des Bootsbusiness geworden. Aber es gibt immer noch die gleichen Restaurants im Hafen, nur inzwischen deutlich teurer. Trotzdem nutzten wir die Gelegenheit, heute nicht auf Adesso kochen zun müssen. Am nächsten Tag hatten wir perfekten Segelwind um Strecke Richtung Nordseite zu machen. Wir segelten am bekannten Cap d’Orso vorbei, den ich natürlich auch diesmal im Bild festhalten musste 😉

Obschon wir richtig guten Segelwind von teilweise über 20 Knoten hatten, gab es regelmässig Situationen wo unser Segel zusammenklappte und wir hin-und her geschmissen wurden. Der Grund: Motorboote, Megayachten…im Minutentakt brausten die hin und her, teilweise recht nahe an uns vorbei… natürlich ohne Rücksicht auf Verluste 😦 

Ich verfluchte sie mehr als einmal…denn dieser Küstenabschnitt zwischen dem Maddalena Archipel und der Nordostseite Sardiniens ist so herrlich schön und in der Vor-und Nachsaison auch einfach genial zum Segeln, aber jetzt, nein, das macht keinen, gar keinen Spass!

Wir segelten an der Punta di Sardegna mit seinem gleichnamigen Leuchtturm vorbei.

Unser Anker fiel dann in der gut geschützen Bucht von Porto Puddu, wo es auch alles andere als einfach ist einen geeigneten Ankerplatz zu finden, denn auch hier ist ein grosser Schwimmbereich abgesperrt und überall liegen wahllos verstreut Festmacherbojen, die das Ankern erschweren. Wir mussten ein paar Runden drehen, bevor wir dann doch eine gute Lücke für Adesso gefunden hatten. Am Abend war das Wasser so herrlich ruhig und glatt und wir genossen die Abendstimmung.

Wir freuten uns schon auf eine ruhige Nacht. Aber wie pflegt Guy immer zu sagen: Wenn das Wasser ruhig ist, dann kommt irgendeine Lärmbelästigung vom Land oder von anderen Booten. Beides zusammen, klappt (fast) nie…und leider bestätigte sich das auch diesmal 😦

Es hätte so eine ruhige Nacht werden können, ja, wäre da nicht die Discomusik einer Hotelanlage in der Nebenbucht (!) gewesen, bis nach 3 Uhr…! 😦

Also war für uns klar, dass wir am nächsten Tag sicher weiterziehen würden. Denn eigentlich war für die nächsten 3 Tage guter Segelwind vorausgesagt um Richtung Korsika aufzubrechen, so dass wir hier länger hätten verweilen können…nein, aber so nicht.

Nach dem Frühstück machten wir uns also wieder auf den Weg, auf der Suche nach Ruhe… 

Wir waren wieder richtig flott unterwegs und näherten uns schnell der Steilküste von Bonifacio. Immer wieder imposant, auch von Weitem.

Kurz nach Mittag hatten wir unser Ziel erreicht und ankerten in der wunderschönen naturbelassenen Bucht Baie de Stagnolu, die wir auch schon von früher kannten. 

Da es mir unterwegs dann doch zu wellig und vor allem zu windig war, wechselte ich jetzt erst die Gastlandflaggen. Italienische und sardische Flagge runter, Tricolore und korsicher Kopf übernehmen ab jetzt 😉

Wir waren froh in Korsika angekommen zu sein. Hier fühlten wir uns einfach auf Anhieb wohler als in Sardinien. Es ist alles unkomplizierter, viel weniger Einschränkungen und man fühlt sich auch als „Bootsmensch“ willkommen. 

Am nächsten Morgen war ich wieder früh unterwegs, denn ich wollte einen ausgeprägten Spaziergang an der spektakulären Küste entlang machen und diese herrliche Landschaft in vollen Zügen geniessen. Die Morgendämmerung hätte nicht schöner sein können 🙂

Hier gibt es einen speziellen Felsen, der deutlich dunkler, beinahe schwarz erscheint und fast wie eine Skulptur hier an der Küste trohnt.

Der ganze Küstenweg ist geprägt von tollen, skurilen und sehr speziellen Felsformationen. Wahnsinn, wie schön die Natur doch ist.

Hier huschen auch sehr viele Eidechsen über die Steine und diese hier, hatte sehr viel „Geduld“ mit mir 😉

Es sind nicht nur die bizarren Formen, sondern auch die Vielfalt an verschiedenen Farben, die diese Felsküste so besonders macht.

Zurück am Strand, nutzte ich die noch absolute Ruhe und genoss ein erfrischendes Bad in diesem herrlich blauen Wasser.

Für den Rest des Tages blieben wir auf Adesso, denn der Wind frischte immer mehr auf. Wir ruhten uns ein bischen aus und ich begann wieder ein bischen meine Spanisch Kenntnisse aufzufrischen.

Am nächsten Morgen war ich dann wieder früh unterwegs, diesmal wollte ich den nördlichen Teil der Bucht erkunden. Ich genoss den Sonnenaufgang mit einem herrlichen Ausblick auf die Bucht.

Doch ich musste auch teilweise arg mit den Tränen kämpfen, denn genau hier, auf diesem Weg, war ich auch mit Chico unterwegs gewesen. Der Schmerz sitzt immer noch sehr tief. Das merke ich vor allem in solchen Situationen. Ich vermisse ihn einfach so sehr. Es war noch schöner mit ihm an meiner Seite…

Ich raffte mich zusammen, denn ich wollte ja diesen Morgenspaziergang geniessen, denn für mich sind diese Morgenstunden ganz oft die schönsten des Tages. Auch diese Seite der Bucht hat wunderschöne Felsformationen in vielen verschiedenen Farben zu bieten.

Etwas fiel mir sehr positiv auf und dies ist ein sehr grosser Unterschied zu Sardinien. Hier liegt nirgends Müll rum. Man respektiert die Natur… und es gibt Mülleimer!

Sardinien – Italien…. es könnte doch so einfach sein!

Zurück am schönen Strand, genoss ich wieder mein Morgenbad. Toll diese rosa Färbung 🙂

Nach zwei Tagen war es dann aber an der Zeit Abschied von dieser schönen Bucht zu nehmen, denn der Wind kündigte sich für die nächten Tage aus einer anderen Richtung an. Aber das war nicht der einzige Grund, denn ein Italiener, der hinter uns ankerte, hatte nichts Besseres zu tun, als abends bei Sonnenuntergang, seinen Stromgenerator anzuschmeissen und diesen bis 23 Uhr nicht wieder auszuschalten. Ja, so macht man sich Freunde am Ankerplatz! Aber das schien dem komplett egal zu sein… Respektlos, Rücksichtslos… Um dann noch einen drauf zu legen, startete er am nächsten Morgen, pünktlich zum Frühstück, seinen Generator erneut. Mir platzte der Kragen und ich brüllte mit meinem bischen Italienisch zu ihm rüber, wie respektlos er wäre, er wäre nicht der einzige in der Bucht… Kurz darauf begann sein Generator zu stottern und er „verzichtete“ darauf, ihn wieder zu starten… oder es gelang ihm nicht… egal…Karma… Wenigstens hatte das zur Folge, dass wir ohne Motorgebrumme frühstücken konnten. So fiel der Abschied von dieser schönen Bucht dann ein bischen leichter. Wir segelten ein paar Meilen weiter in eine kreisförmigere Bucht, wo wir uns etwas mehr Schutz vor dem Schwell erhofften. In der Bucht von Arbitru, fiel unser Anker auf weissem Sandboden. Den Rest des Tages verbrachten wir mit schwimmen, schnorcheln und wieder ein bischen Unterwasserschiff schrubben. Am nächsten Tag segelten wir weiter bis in den Golf de Valinco. 

Wir kamen an der Punta di Campomoro mit dem gleichnamigen Turm vorbei und ankerten kurze Zeit später in der Bucht von Campomoro. Eigentlich entspricht das nicht ganz der Wahrheit, denn wir brauchten ein paar Versuche, bis wir Adesso endlich richtig verankert hatten. Es war hier nämlich schon sehr voll, der Ankergrund ist fast überall sehr tief, übersäht mit Felsboden und Posidonia… nicht einfach. Schlussendlich ankerten wir auf fast 20m und hatten Glück, dass wir eine Sandstelle getroffen hatten, denn bei der Tiefe, kann man den Boden nicht wirklich erkennen. Den ersten Abend liessen wir gemütlich hier in einem der Restaurants ausklingen und spazierten danach noch ein bischen am Strand entlang. Tolle Abendstimmung.

Heute morgen schnappte ich mir schon früh meinen SUP, denn ich hatte verschiedene Wanderwege bei Maps.Me entdeckt und ich wollte unbedingt zum Torre rauf… um runterzuschauen 😉

Der Weg zum Torre war schön und schlängelte sich an immergrünen Korkeichen, Eukalyptusbäumen, Wachholder und Tamarisken vorbei.

Anschliessend folgte ich dem Weg wieder hinab zum Küstenweg und war total begeistert. Wow, was für ein herrlicher, spektakulärer Küstenweg!

Hier die Felsen an der Punta di Campomoro

Und hier ein paar Eindrücke der hellen, fast weissen Felsformationen an der Cala Bianca.

Zwischen der Cala Bianca und der Cala Genovese befindet sich diese tolle Höhlenformation 🙂

Ein Meisterwerk der Natur.

Von der Cala Genovese aus hatte ich einen wunderschönen Ausblick auf den Turm.

Zurück auf Adesso schwärmte ich Guy von meinen Eindrücken. Leider kann er sich nicht so sehr dafür begeistern. Den Rest des Tages verbrachte ich abwechselnd mit Blogschreiben und Schnorcheln. Am Abend fuhren wir wieder an Land und genehmigten uns ein leckeres Abendessen. Die Nacht wurde dann aber leider wieder sehr anstrengend, denn Schwell fand seinen Weg in die Bucht und unser Nachbarboot war alles andere als diskret, so dass es Guy irgendwann nach Mitternacht reichte und er raus an Deck sprang, um die daran zu „erinnern“, dass sie nicht alleine auf dieser Welt sind. Das half dann ein bischen… einfach unverständlich, dass es immer wieder solche Leute gibt, die ihr Benehmen nicht in Frage stellen und sich nicht im Geringsten darum scheren, ob sie vielleicht andere Leute stören könnten…

Kurz vor 6 Uhr, schnappte ich mir wieder meinen SUP und paddelte an Land.

Heute wollte ich eine andere Runde spazieren, denn es gab hier viele verschiedene Wanderwege zu entdecken. Am Anfang hatte ich sogar eine 4-beinige Begleitung 😉

Ich hatte mir vorgenommen, nicht so viele Fotos wie gestern zu schiessen… aber das klappte nur bedingt 😉 Denn es gab einfach wieder zu viele schöne Motive, die ich festhalten wollte.

Der Weg führte am Hang eines Felsens vorbei, dem Scogli longhi, „langer Felsen“, sehr spektakulär.

Am Rückweg, kam ich oben auf dem Gipfel, an einer alten Wasserquelle und an einem früheren Dreschplatz vorbei.

Von dort aus war die Aussicht auf den Turm und auf den spektakulären Küstenabschnitt mit dem Scogli Longhi Felsen einfach atemberaubend.

Ich geniesse wirklich diese Morgenspaziergänge. Sie geben mir Kraft und machen mich glücklich. Bevor ich zurück zu Adesso paddelte, besorgte ich uns noch ein bischen frisches Obst vom lokalen Minimarkt, denn so langsam gehen uns die frischen Lebensmittel zu Neige. Leider war die Stimmung nach meiner Rückkehr auf Adesso dann nicht die Beste, denn Guy hatte offensichtlich keine erholsame Nacht und war dementsprechend granzig und gereizt. Ich verzichtete daher ihm von meinem schönen Eindrücken zu schwärmen. Ja, auch ich habe nicht sonderlich gut geschlafen und musste mich heute morgen um halb 6 Uhr zusammenreissen um an Land zu paddeln. Sobald ich unterwegs war, überwogen dann aber die positiven Gefühle und ich war froh und glücklich „aufgestanden“ zu sein. Nach dem Frühstück wollte Guy den Ankerplatz wechseln und so sind wir ein paar Meilen weiter bis in den hinteren Teil der Bucht von Propriano gefahren und ankern nun vor den Strand von Baracci. Im Moment kommen leider auch hier die Wellen rein und wir können nur hoffen, dass Wind und Wellen bis heute abend abflachen, denn sonst ist die nächste unerholsame Nacht vorprogrammiert. Hoffentlich beruhigt sich das Ganze und wir können später bis nach Propriano rüberfahren. Im Moment sind die Gegebenheiten wieder eher schwierig und die Laune dementsprechend mies. So richtig Schutz wird uns die Westseite in den nächsten Tage wieder nicht bieten, denn es kündigt sich schon wieder Mistral an. Wir sind noch unschlüssig ob wir wieder einen längeren Schlag in Kauf nehmen sollen um auf die Ostseite zu segeln oder ob wir unser „Glück“ in der Bucht von Ajaccio probieren sollen. Wie schön wäre es, wenn der Wind endlich einmal, für ein paar Tage, aus der gleichen Richtung kommen würde… eine Traumvorstellung… Mal schauen… vielleicht ändert sich ja noch etwas beim „Wetterhoroskop“…

Raymonde

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