Unsere letzten Etappen bis in die Algarve

Portinho da Arrábida – Halbinsel Troia – Sines – Arrifana- Praia de Belixe – Praia do Barranco

(Kleine Anmerkung zum besseren Verständnis: diesen Blog habe ich in mehreren Etappen geschrieben und das Hochladen musste dann warten bis wir ausreichend Empfang hatten, was in den Buchten der Algarve selten der Fall ist)

Im Moment sind wir motorsegelnd unterwegs von Sines Richtung Süden. Südfeeling haben wir leider nicht, die Sonne versteckt sich hinter dichten Wolken, so dass der Nebel, der uns jetzt schon drei Stunden begleitet, beharrlich über der Meeresoberffäche hängen bleibt. Auf Dauer wird es dann schon echt anstrengend, immer wieder Radarbild abchecken und in der trüben Masse nach möglichen Netzen Ausschau halten. Naja, laut Plotter haben wir noch 5 Stunden vor uns…vielleicht kommt die Sonne noch raus und der Wind dreht noch ein bischen ab, so dass wir die restliche Strecke segeln können… Adesso gleitet ruhig mit 5 Knoten durchs Wasser. Wir haben nur sehr wenig Wellengang, was mir auch ermöglicht jetzt hier zu sitzen und an diesem Blog zu schreiben. Bei höheren Wellen…undenkbar, dann würde ich nach kürzester Zeit die Fische füttern…

In den letzten Tagen besuchten wir wieder drei verschiedene Orte und haben ganz unterschiedliche Erfahrungen sammlen können. Bis jetzt hatten wir uns überall willkommen gefühlt. Die Leute waren nett, freundlich, aufgeschlossen. Das sollte sich allerdings in der Bucht von Portinho da Arrábida in der Nähe von Setubal ändern. Nach 9sm liessen wir den Anker vor der Praia do Creiro auf Sand fallen. Während Guy das Grosssegel einpackte, fuhr ich mit Chico mit dem SUP zum Strand rüber um die Restaurants und die Umgebung zu erkunden. Zurück auf Adesso, waren wir gerade dabei gemütlich zu Mittag zu essen als die Policia Maritimo plötzlich auftauchte und uns aufforderte, den Anker zu lichten und weiter weg vom Strand zu ankern. Hier dürften wir nicht bleiben. Guy war nicht sonderlich erfreut über diese Ansage, denn weder in unseren Seekarten, noch in unserem Revierführer stand etwas von Ankerverbot. Aber da wir uns ja nicht unbedingt mit der Policia anlegen wollten, handelten wir mit ihnen aus, dass wir noch fertig essen würden und dann weiter weg ankern würden. Daraufhin drehten sie von uns ab und liessen uns in Ruhe. Kurze Zeit später fiel der Anker dann ein zweites Mal an diesem Tag, weiter weg, so wie befohlen.

Etwas später am Nachmittag kam dann die zweite unangehme Begegnung als wir mit unserem Dingi an Land fuhren um ein bischen spazieren zu gehen. Guy hatte mit dem Fernglas einen Steg entdeckt mit Treppen und Festmacherklampen an verschiedenen Ebenen, perfekt in diesem Tidengebiet. Wir freuten uns aber wohl zu früh, denn kurz nachdem wir unser Dingi am Steg festgemacht hatten, pfiff schon jemand energisch und kurz darauf kam der „Buchtensheriff“, wie wir ihn später genannt haben mit seinem Schlauchboot angebraust. Wir dürften da nicht festmachen, der Steg sei nicht für Privatboote, der würde zum Bojenfeld gehören, welches er betrieb. Wir müssten unser Dingi an einer Boje festmachen und dann würde er uns da abholen und zum Steg bringen und nachher wieder zurück. Das Ganze natürlich gegen Bezahlung. Innerlich kochten wir vor Wut, denn nirgends stand ein Hinweis an diesem Steg, dass man sich nicht daran festmachen dürfte. Als er dann noch anfing mit Policia zu drohen (dieses Vergnügen hatten wir ja schon), wenn wir nicht sofort wegfahren würden, sagte wir ihm nur, dass sein Benehmen nichts mit Gastfreundlichkeit zu tun hätte und fuhren zu Adesso zurück. Die Leidtragenden waren die Restaurants vor Ort, die so nichts an uns verdienten an diesem Abend. Am kommenden Morgen machten wir uns zügig nach dem Frühstück auf den Weg, hier hielt uns nichts. Hier fühlten wir uns nicht willkommen. Da für die kommenden Tage eine Schwachwindphase vorausgesagt war, entschieden wir uns zur Halbinsel Troia zu fahren. Wir versuchten unser Glück in der Marina Troia, bekamen aber leider eine Absage, dass sie keinen Platz für einen Katamaran hätten. Auf meine Frage hin, ob wir aber vielleicht einmal kurz am Meldesteg oder sonst einem freien Steg anlegen könnten zum Einkaufen gehen, bekam ich prompt die Antwort, dass dies möglich wäre, nach vorheriger Anmeldung (ok…verständlich) und dass dies 23 Euro für 4 Stunden kosten würde! Na super… dann fragte ich, ob wir dann mit dem Dingi anlegen dürften um kurz Einkaufen zu gehen. Die Antwort: ja, das würde ohne Anmeldung gehen und 16 Euro kosten. Ich glaubte, ich hätte nicht richtig gehört und vergewisserte mich noch einmal. Ja, 16 Euro für 4 Stunden, um mit einem Dingi von 3 Metern in einer leeren Ecke eines Steges im Hafen anlegen zu dürfen…Eine Frechtheit!!! Zähneknirschend suchten wir das Weite. Vor einem langem Sandstrand vor dem Ortsteil Soltroia liessen wir dann den Anker fallen. Im Vergleich zu den letzten Ankerplätzen lagen wir hier wirklich sehr ruhig. Kein Schwell, keine Wellen, keine Fischerboote. Hier blieben wir zwei Tage. An Land gab es wirklich nicht viel zu entdecken. Hier stehen viele teuere Ferienhäuser aber alles wirkte schon sehr ausgestorben. Ausser einem Minimarket und einem kleinen Restaurant gab es hier nichts. Ein Beach Club auf der Atlantikseite der Halbinsel Troia hatte unser Interesse geweckt und so machten wir uns mittags auf den Weg dahin. Dies sollte sich aber komplizierter gestalten als gedacht, denn wegen der Gezeiten konnten wir nicht mit dem Dingi an Land fahren, denn bei Ebbe reichten unsere Seile nicht um das Dingi an Land zu befestigen. Also fuhr Guy Chico und mich rüber an Land und brachte das Dingi wieder zurück und kam dann mit dem SUP rübergepaddelt. Ein ganzen Unterfangen…Das SUP versteckten wir hinter einer Böschung und hofften, dass es bei unserer Rückkehr noch immer da liegt. Der Beach Club war dann wirklich eine sehr angenehme Überraschung. Alles war sehr stylvoll und sauber angelegt und das Essen war echt lecker.

Auf dem Rückweg ging ich dann noch kurz ins Minimarket um ein paar Einkäufe zu erledigen für die kommenden Tage. Am Strand angekommen, stellten wir erleichert fest, dass unser SUP noch da war. Jetzt das Ganze umgekehrt…Guy paddelte wieder zu Adesso und kam mich, Chico und die Einkäufe anschliessend mit dem Dingi am Strand abholen. Alles etwas aufwendiger, wenn man vor Anker liegt, aber hat geklappt.

Am kommenden Morgen sind wir dann gegen 10 Uhr mit auslaufender Strömung gestartet. Es lagen 40 Seemeilen vor uns, unser Ziel Sines. Die ersten Meilen verleihte uns die Strömung von teilweise 2,5 Knoten fast Flügel. Mit 6,5-7 Knoten rauschten wir an Troia vorbei. Danach hatten wir anfangs den Wind genau auf der Nase, bevor er dann aber immer mehr nach rechts abdrehte, so dass wir zeitweise richtig flott vollbesegelt mit Genacker vorankamen. Leider schwächelte der Wind nach halber Strecke, so dass wir bis Sines wieder auf die Hilfe des Motors angewiesen waren, würden wir bei Tageslicht ankommen wollen. Unser erster Eindruck, als wir uns Sines näherten, war nicht gerade euphorisch. Links eine riesige Raffinerie, rechts Industriegebiet. Als wir unseren Anker vor der Praia Vasco da Gamma im Sand vergruben, hatten wir dann doch einen tollen Ausblick auf Sines und freuten uns darauf am nächsten Tag die kleinen Gassen zu entdecken. 

Sines by night
Sines by day

Hier wurden wir auch ganz freundlich empfangen, denn als ich im Hafenbüro nachfragte, ob wir unser Dingi an einem Steg festmachen könnten um die Stadt zu besichtigen, wurde sofort zugestimmt, das würde kein Problem darstellen. Bis Mitternacht (!) wäre jemand anwesend und könnte uns die Stegtür öffnen….wirklich nett! Es geht als auch anders 😉

In einem kleinen unscheinbaren Restaurant assen wir einen wunderbaren Thunfischsteak, so zart und zu einem unschlagbar günstigen Preis. Hier merkt man sofort, dass Sines nicht zu den typisch touristischen Orten gehört. In Sines gibt es ein paar sehr schöne Ecken zu bestaunen, aber leider findet man auch viele Häuser, Plätze oder Ortsteile, um die sich irgendwie keiner mehr kümmert, wo alles verfällt oder mit Graffiti beschmutzt ist…schade. Hier ein paar schöne Eindrücke von Sines.

Nachdem ich uns morgens noch zwei leckere Croissants aus der Pastelaria Vela d’Ouro besorgt habe, sind wir nach dem Frühstück gestartet. Das heutige Ziel: die Bucht vor der Praia da Arrifana. Diese Bucht war die einzige Möglichkeit die restliche Strecke bis in die südliche Algarve  noch einmal aufzuteilen, aber wie Guy schon im Vorfeld befürchtete, lagen wir da nicht wirklich ruhig vor Anker, denn die ganze Schwell zog voll in die Bucht hinein. Um mit Chico auf Pippitour zu gehen, fuhren wir mit dem Dingi in den Mini-Fischerhafen, denn wir trauten uns nicht mit dem Dingi zum Strand zu fahren. Die Wellen die sich da brachen waren schon beachtlich, sehr zur Freude der vielen Surfer, aber schlecht für uns. Doch einige sehr schöne Eindrücke konnten wir festhalten.

Am nächsten Tag nahmen wir dann nach dem Frühstück die restlichen 25 sm in Angriff um die südwestlichste Spitze Europas, dem Cabo de São Vincente, herum bis zur Bucht vor der Praia de Belixe. 

Die Praia de Belixe liegt wunderschön eingebettet zwischen riesig hohen Felswänden die lauter kleine Höhlen aufweisen, die ich mit dem SUP und Guy mit dem Beiboot erkundete.

Impressionant… Leider gab es Liegestühle und Kayaks am Strand zu mieten, einen Strandaufpasser, oder soll ich ihn lieber Strandsheriff nennen, der mir unmissverständlich miteilte, als ich mit Chico auf dem SUP am Strand ankam, dass ich mit Chico hier nicht willkommen wäre…“No dogs, no animals“. Ja, ja…so nahm ich Chico auf den Arm und ging sofort mit ihm die Treppen hoch zum Parking, damit er wenigstens ein bischen schnuppern und sich lösen konnte. Schon irgendwie komisch die Portugiesen… auf der einen Seite, will jeder der uns auf der Strasse begegnet, Chico streicheln, redet ihm zu, lächelt ihn an, findet ihn super…auf der anderen Seite, dann immer wieder diese Verbote, diese Null Toleranz…

Inzwischen liegen wir in der Praia do Barranco und hier ist definitiv niemend der mich mit Chico vertreibt, denn hier gibt es ausser ein paar Camper, die die Einsamkeit geniessen wollen, und uns, niemanden. 

Wir sind in der südlichen Algarve angekommen und diese Bucht entspricht genau unseren Vorstellungen. Heute mittag werden wir bestimmt noch die vielen Höhlen mit dem Beiboot erkunden, vielleicht ein bischen über die Klippen spazieren gehen…mal schauen. Was unsere nächste Etappe ist, wissen wir noch nicht so genau…aber irgendwo, wo wir einkaufen können, denn inzwischen ist der Kühlschrank dann doch ziemlich leer geworden.

Bis dann

Raymonde

P.S….und so läst Chico die Abende ausklingen 😉

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