Letzte Etappe zurück nach Bruinisse

Meinen letzten Blog hatte ich noch auf Vlieland verfasst, kurz bevor wir die Rückreise angingen. Die letzten Tage hatten wir regelmässig verschiedene Wetterberichte studiert und jedesmal schien es sich zu bestätigen, dass Sonntag und Montag die beiden einzigen Tage mit angekündigtem Westwind an der Nordsee seien. Vorher und nachher waren ununterbrochen südliche Winde vorausgesagt. Darum hatten wir uns entschlossen am Sonntag die erste Etappe von 65sm nach Ijmuiden zu segeln und Montag dann sofort weiter von Ijmuiden nach Stellendam, noch einmal 55sm. Wir hatten keine andere Wahl, wenn wir nicht noch mindestens eine Woche länger auf Vlieland bleiben wollten, denn es zog ein weiteres Tief heran mit Sturmwarnungen von über 50 Knoten. Ins Ijsselmeer zurück war auch keine wirkliche Alternative, denn, nachdem wir drei Tage lang damit beschäftigt waren, Adesso wieder halbwegs Fliegen- und Fliegenkackefrei zu bekommen, hatten wir keine Lust, noch einmal mit der ganzen Putzerei anzufangen. Also war der Plan, in den 2 Tagen diese Strecke von 120 sm auf Halbwindkurs hinter uns uns zu bringen. Wir gingen davon aus, dass wir noch ziemlichen Wellengang haben würden, doch von seitlich achtern, das müsste doch zu schaffen sein.

Also starteten wir am Sonntag morgen, gegen 8Uhr, nachdem wir gefrühstückt und Chico seine Pippitour erledigt hatte. Die erste Stunde von Vlieland heraus in die Nordsee, mussten wir sofort gegen starken Strom von bis zu 3 Knoten ankämpfen. Die Strömung wäre leider nur sehr früh morgens oder sehr spät abends für uns förderlich gewesen. So nahmen wir halt die Gegenströmung in Kauf. In ein paar Stunden würde sie uns ja wieder kräftig vorantreiben. 

Die erste Stunde war, ausser, dass wir nur sehr langsam voran kamen, trotz 2 Motoren, sehr angenehm und ich schoss noch dieses Abschiedsfoto von Vlieland :

Doch es sollte leider nicht so angenehm bleiben. Je weiter wir an der Nordseeküste von Vlieland südlich Richtung Texel fuhren, je höher wurden die Wellen und stärker der Wind. 

Aber leider, und das war das Schlimmste, gar nicht aus der angekündigten Richtung, kein Westwind, keine Wellen aus Nordwest. Nein, wir bekamen alles voll auf die Nase. Minimum 2-3 Meter Wellen, genau von vorn, 20-25 Knoten Wind aus Süden genau auf die Nase…genau das, was wir nicht wollten ! An Segeln war nicht zu denken. Mit zwei Motoren kämpften wir uns voran. Adesso stampfte von einer Welle in die andere. Alles knirschte und knackte. Das ganze Boot war innerhalb kürzester Zeit voll Salzwasser. Natürlich hatte dies zur Folge, dass ich schon nach 2 Stunden total seekrank war. Mir war so hundeelend. Ich flehte Guy an, doch bitte bitte einen Hafen anzufahren, ich würde das nicht noch 8 Stunden aushalten. Aber es gab keine wirkliche Alternative, denn nach Den Helder hätten wir auch noch mehrere Stunden gebraucht, dann lieber gleich bis nach Ijmuiden durchfahren. Ich hatte so ein schlechtes Gewissen, dass ich Guy wirklich gar nicht unterstützen konnte. Er harrte am Steuerstand tapfer aus, war komplet durchnässt und kalt. Nein, so ein Trip, das macht keinem Spass. Wir verfluchten die Wettervorhersagen, hätten wir das gewusst, dann hätten wir diese Strecke sicher nicht in Angriff genommen, sondern wären dann aber ins Ijsselmeer ausgewichen. Aber…ja, nachher ist man immer schlauer.

Gegen 19Uhr sind wir dann endlich in Ijmuiden angekommen. Ich fühlte mich sofort besser, als wir innerhalb der Hafeneinfahrt waren und die Wellen sich beruhigten. Ich war erleichtert Guy wenigstens beim Anlegen im Hafen eine Unterstützung gewesen zu sein…wenigstens das…Während Guy das Boot mit Süsswasser abspritzte und danach sich selbst eine Dusche genehmigte, ging ich mit Chico auf Pippitour. Chico war heute zwar nicht wirklich seekrank geworden, aber gestresst wegen dem vielen Knirschen und Knacken und Rucken und Hinundherwackeln war er schon. Zurück auf dem Boot schien aber schon wieder alles im Lot, denn er frass seinen Napf komplett leer.

Nach dem Abendessen planten wir nur noch kurz den kommenden Tag und fielen dann auch total müde in die Koje.

Am Montag morgen sind wir wieder nach Frühstück und Pippitour gestartet, Ziel Stellendam. Leider mussten wir ziemlich schnell feststellen, dass wir uns auf den gleichen Horrortrip einstellen konnten wie am Sonntag. Denn wieder hatten wir kein Westwind, sondern Südsüdwest, also wieder voll auf die Nase oder bestenfalls hart am Wind. Die Wellen kamen immer noch aus Süden, also immer noch von vorn, aber wenigstens nicht mehr genauso hoch, vielleicht noch 1,5m. Diesmal hatte ich aber vorgesorgt und 2 Pillen MERCALM genommen. Ausserdem habe ich mir es in der Koje auf dem Bett « gemütlich » gemacht, den Ventilator eingeschaltet und hier die Stunden versucht bestmöglichst zu überstehen. Es ging besser als am Sonntag, ich musste mich auch nicht mehr dauernd übergeben, aber angenehm war es definitv nicht. Guy, der Arme, musste wieder während fast 9 Stunden am Steuerstand ausharren und die Stellung halten. Als wir gegen 17Uhr in der Schleuse vor Stellendam ankamen, war auch er erleichtert. Der letzte Teil der Strecke hatten wir wirklich ein bischen segeln können und zum Schluss kamen die Wellen auch von achtern, was wirklich dann ganz angenehm ist. Wie sehr hätten wir uns diese Bedingungen für die ganze Strecke gewünscht ! Auf jeden Fall will ich nicht mehr gegen Wind und Welle ankämpfen müssen. Das war schrecklich und ich hatte dauernd Angst, Adesso würde einen Schaden erleiden. Ja, er ist auf hochseetauglichkeit geprüft und dafür konzipiert, aber dieses Stampfen in die Wellen, dieses Schlagen der Wellen gegen die Rümpfe, das Verwinden des Bootes in dieser kurzen hohen See, das beansprucht das Material doch schon sehr. Also habe ich zu Guy gesagt „lieber Mann und Skipper, bitte nie mehr diesen Kurs“ 😉 Hoffentlich haben wir in ein paar Jahren den Luxus, nicht mehr unter Zeitdruck zu stehen um dann einfach abwarten zu können, bis die Bedingungen wieder gut sind… 

Vor dem Hafen von Stellendam haben wir unsere Dieselvorräte wieder aufgefüllt, denn die letzten zwei Tage hatten wir ja fast dauernd beide Motoren laufen. Ich profitierte von der Gelegenheit und fragte den Hafenmeister ob er vielleicht einen Liegeplatz für uns hätte für diese Nacht und wir hatten Glück. Der Katamaranplatz war frei. Den Abend liessen wir ganz entspannt ausklingen. Wir waren glücklich die Nordsee endlich hinter uns gelassen zu haben.

Den nächsten Tag gingen wir ganz relax an, ohne Abfahrtszeitdruck, gemütlich Frühstücken, Pippitour usw. Doch wir mussten uns überlegen, wo wir Schutz vor dem nächsten Sturm finden würden, der für Dienstag abend und Mittwoch angekündigt war. Der Hafen von Willemstad schien uns als beste Alternative aber wir bezweifelten, dass wir einen Platz für Adesso bekommen würden, denn der Hafen ist recht klein. Doch jetzt schien das Glück auf unserer Seite zu sein, denn die Hafenmeisterin versicherte mir am Telefon, dass sie uns einen Liegeplatz seitlich an einem Steg reservieren würde. Super…uff. 

So machten wir uns gegen 10.00 Uhr auf den Weg, um 13Uhr ging es unter der Haringflietbrücke hindurch, die nur stündlich öffnet und kurz nach 14Uhr sind wir im Gemeentehafen von Willemstad angekommen. Es hatte geklappt, ein Liegeplatz war für uns reserviert und Guy manövrierte Adesso souverän seitlich an den Steg. Viel Platz vorne und hinten war nicht mehr, aber Adesso passte rein. 

Die nächsten zwei Tage verbrachten wir in Willemstad und wetterten hier den Sturm ab. Wir waren wirklich froh hier sicher im Hafen zu liegen, denn der Wind blies 1 ½ Tage mit mehr als 30 Knoten übers Hafenbecken hinweg, in Böen über 45 Knoten. Wir waren froh, jetzt nicht mehr in Vlieland zu liegen, denn auf den Waddeninseln blies der Wind mit weit über 50 Knoten. In Willemstad kann man schöne Spaziergänge entlang der Festungsmauern oder durch die alten, mit Pflaster bedeckten, Strassen machen. Wir waren mit unserem Calimero schon einmal hier in Willemstad. Schon damals, hatte es mir hier sehr gut gefallen. Hier ein paar Eindrücke :

FOTOS

Bei Sonnenschein, wären die Aussichten natürlich noch viel schöner, aber wir wetterten ja diese zwei Tage ein Tief hier ab, also eher Regenschauer und dicke Wolken am Himmel….

Am Donnerstag morgen haben wir kurz vor 10 Uhr die Leinen gelöst, erstes Ziel : Volkerakschleusen. Wir wussten vorab, heute wird ein Schleusentag mit voraussichtlich viel Warterei. Unsere Geduld wurde sofort an den Volkerakschleusen auf die Probe gestellt, denn hier mussten wir fast 1 ½ Stunden warten bis wir in die Schleuse einfahren durften. Im Ganzen vergingen 2 Stunden bis diese Schleuse dann endlich hinter uns lag. Wäre unser Mast 2 Meter kürzer, dann könnten wir die Sportyachtschleuse nehmen. Doch die hat eine unbewegliche Brücke von 18m unter der wir leider nicht hindurch passen. Also müssen wir durch die professionnelle Schleuse mit der beweglichen Brücke…ja, und das dauert, denn da sind wir nur ein ganz ganz kleiner Fisch zwischen all den grossen Frachtschiffen.

Nach etwa 2 Stunden hatten wir die Krammerschleusen erreicht. Auch hier mussten wir wieder durch die Schleuse der Berufsschifffahrt. Hier hatten wir etwas mehr Glück und brauchten nicht so lange zu warten. Das Schleusen dauerte aber trotzdem noch ziemlich lange. Als auch diese Schleuse geschafft war, ging es weiter zur Greveldingerschleuse, der letzten vor unserem Hafen in Bruinisse. Hier mussten wir leider wieder recht lange warten.

Nach über 6 Stunden hatten wir unseren Schleusentag endlich geschafft und waren wieder in Bruinisse angekommen.

Da die Wettervorhersagen für die kommende Woche nicht so rosig waren, viele Regenschauer und ziemlich frische Temperaturen, haben wir beschlossen, am nächsten Tag zurück nach Luxemburg zu fahren, um nach der langen Zeit (wir waren ja jetzt mehr als 6 Wochen unterwegs) zu Hause nach dem Rechten zu sehen.

Diese Woche verbrachten wir hauptsächlich mit Aufarbeiten von administrativen Sachen die jetzt länger liegen blieben, die Wäschmaschine lief quasi nonstop, die wichtigste Gartenarbeit wurde erledigt, Einkäufe getätigt usw. 

Aber morgen machen wir uns wieder auf den Weg nach Bruinisse…eine Woche Alltag reicht schon wieder ;-), noch ein paar Tage geniessen und relaxen bevor wieder die Arbeit ruft…

Raymonde

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