Sturm, Piraten und Haie

In unserem Umfeld fängt es so langsam an die Runde zu machen, dass wir demnächst mit einem Boot auf die Reise gehen werden. Die Reaktionen sind dabei so unterschiedlich und vielseitig wie das Schraubensortiment im Baumarkt. Alles ist dabei, von Entsetzen bis hin zum blanken Neid.

Dabei ist mir in diversen Gesprächen aufgefallen, dass die nicht segelnde Landbevölkerung keinen blassen Schimmer hat was damit gemeint ist… Und immer wieder fallen die gleichen Wörter:

  • Sturm
  • Piraten
  • Haie
  • Immer nur Wasser

Hey Leute, ist unsere Gesellschaft schon so weit, dass immer nur das Negative in den Vordergrund gestellt wird. Sind wir mit unserem Plan nur noch ein Teil einer kleinen Minderheit an Menschen die auch noch was Schönes in Ihrem kurzen Leben sehen wollen?

Klar, glaubt man den Medien, dann ist die Welt nur noch eine stinkende, vergiftete Kloake. Das wird auch so kommen und wir sind alle dran Schuld! Ob bewusst oder unbewusst. Unser westlicher Lebensstill in Verbindung mit der Wegwerfgesellschaft kennt keinen anderen Ausweg mehr als den Kopf in den Sand zu stecken. Die Komfortgesellschaft müsste ja sonst seine Gewohnheiten ändern… und das geht ja mal gar nicht! Aber das ist wieder ein anders Thema.

Sturm, Piraten, Haie, Wasser, Wasser, Wasser…!

Dann wollen wir euch mal aufklären 😁

Sturm.

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Das sieht nicht gut aus… (Niederlande)

Ja, es gibt Stürme. Schwere Stürme welche vielen Menschenleben rauben und Schäden in Milliardenhöhe hinterlassen. Aber wir werden mit einem Boot reisen und kein Haus an der Küste kaufen. Stürme haben einen mehr oder weniger wiederkehrenden Zyklus. So ist in der Karibik die Hurrikan-Zeit von Juli bis Oktober. Die Zugbahn geht immer nach Norden hoch. Wo ist man also während der Hurrikan-Zeit sicher? Ihr habt‘s erraten: im Süden. Also eine ganz einfache Regel: sei nicht zu einer gewissen Zeit in einem gewissen Gebiet. So einfach kann man den meisten großen Stürmen aus dem Weg gehen. Nicht ohne Grund gibt es eine Klausel im Versicherungsvertrag, welche die Übernahme der Schäden in einem bestimmten Gebiet während einer bestimmten Zeit ausschließt. Lokale Wetterereignisse kann man jedoch nicht ausschließen. Aber davon ist man auch an Land nicht sicher.

Piraten.

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Ja, es gibt sie. Menschen die andere Menschen überfallen und ausrauben. Auf dem Wasser werden sie Piraten genannt. Gibt es so einen Fall, dann wird es in den Medien hochgepuscht. Aber wie sieht es an Land aus? Laut einer Statistik gab es im Jahre 2018 in Deutschland über 5 Millionen polizeilich erfasste Straftaten. Also wo kann man sich sicherer fühlen??? Und dann gibt es da noch 2 wichtige Dinge.

  1. Wie einfach mach ich es einem Kriminellen? Lasse ich das Beiboot einfach ungesichert im Wasser, während ich in der Koje schlafe, dann kann es gut sein, dass es am nächsten Morgen weg ist. Das gleiche Schicksal ereilt dem Laptop oder der Fotoausrüstung wenn sie gut einsehbar auf dem Tisch präsentiert wird, während man selbst nicht an Bord ist. Es gilt das gleiche Prinzip wie Zuhause. Gelegenheit macht Diebe…!
  2. Wie trete ich auf? Ich komme mit einem Luxusbomber in eine Region in der die Bevölkerung nicht einmal die finanzielle Möglichkeit hat sich Schuhe zu kaufen oder eine medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen. Habe ich dann nichts für die Bevölkerung übrig als meinen Müll dort abzugeben, dann kann man sich sehr schnell den Zorn und Neid der Inselbewohner um den Hals hängen. ABER… frage ich den Fischer ob er mir nicht einen schmackhaften Fisch für 5 Dollar fangen kann und erkundige mich an Land nach einem schmackhaften Essen oder einem kühlen Bier, dann lasse ich die Bevölkerung wissen, dass ich bereit bin ein paar Dollar bei ihnen auszugeben und lasse den Worten auch Taten folgen…

Auf keinen Fall würde ich Geld ohne Gegenleistung dort lassen. Das führt nur dazu, dass wir  (oder folgende Besucher) angebettelt werden. Außerdem würde man den Eindruck hinterlassen, dass man ja mehr als genug Geld zu Verfügung (was auch oft nicht stimmt).

Ich sehe diesem Thema sehr gelassen entgegen. An vielen Orten dieser Welt sind Yachttouristen die einzige Geldquelle. Die Seglergemeinde ist so vernetzt, dass nur ein Übergriff ausreicht, dass kein einziges Boot sich mehr im diesem Gebiet zeigt. Somit auch kein potenzieller „Kunde“ mehr. Es gibt zwar auf diesen Inseln nicht das gleiche Bildungsniveau als bei uns, aber so blöd sind die Einheimischen nun auch wieder nicht. Nicht desto trotz, werden auf ADESSO diverse Utensilien zur Verteidigung griffbereit sein, um im Falle eines Falles nicht unvorbereitet zu sein.

Haie.

Bildschirmfoto 2019-11-01 um 17.56.41

Ein sehr sehr böser…! (Rotes Meer Sudan)

Uhhh… böse Tiere…! Wir sind Taucher und betrachten es als großes Glück, wenn wir mal einen diese starken und gleichzeitig eleganten Räuber der Meere erblicken. Die Überfischung und das Abschlachten macht sie immer seltener an den Riffen! Sind Haie nun gefährlich? Es gibt welche, denen ich unter bestimmten Umständen nicht begegnen möchte. Das gebe ich auch offen zu. Ich möchte jetzt nicht den üblichen Vergleich ziehen wie viele Haie ihr Leben durch den Menschen verlieren und wie viele Menschen den Haien zum Opfer fallen. Aber trotzdem ein kleiner Denkanstoß aus der Tierwelt: welches Tier hat wohl mehr Menschenleben auf dem Gewissen, der Hai oder die Stechmücke?  Also bitte nicht mehr im Sommer nach draußen gehen oder das Fenster über Nacht offen lassen: Lebensgefahr 😂

Immer nur Wasser? Vielleicht stellen manche sich vor, wir würden für 5 Jahre Lebensmittel bunkern und dann weit weg von aller Zivilisation auf dem Wasser dümpeln? Wohl zu oft Waterworld mit Kevin Kostner geschaut! Wir sind Reisende, Zigeuner der Meere. Wir haben eine voll ausgestatte Wohnung, welche schwimmt und sich fortbewegen kann. Den Großteil unserer Zeit werden wir vor Anker in Küstennähe verbringen. Unser Beiboot ist dann mit eurem Auto zu vergleichen. Von unserem schwimmenden Haus fahren wir mit dem Beiboot an Land. Gefällt es uns, bleiben wir. Haben wir alles gesehen oder ändern sich die Wetterbedingungen zu unseren Ungunsten, so ziehen wir weiter. Fragt Ihr auch jemanden der mit dem Wohnwagen unterwegs ist ob er 3 Wochen auf der Autobahn lebt? Klar, wenn es um eine Atlantikpassage geht ist man 3 Wochen unterwegs. Aber wie oft kommt das vor? Wir werden eher von Bucht zu Bucht tingeln und gelegentlich mal 2-3 Tage und Nächte unterwegs sein, wenn es von Insel zu Insel geht. Zum Beispiel ist man vom spanischen Festland mit einem Segelboot in 1 ½ Tagen auf den Balearen und in 3 Tagen von den Balearen in Korsika…

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Wir versuchen dann lieber diese Momente in den Vordergrung zu bringen… 😉 (Union Island)

Bleibt dran…

Guy

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5 Antworten zu Sturm, Piraten und Haie

  1. John Kaufmann schreibt:

    Ech soe just….köstlech! Merci! Guy dat ass mäin éicht richtegt Laache un dësem drippsechen Dag!

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  2. Marc Olinger schreibt:

    Excellenten Artikel ! Do ass keen eenzechen klengen Komma deen ech keint kritiseieren. Daat ass den Nol ob de Kap treffen ! Bravo !

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  3. tanscho schreibt:

    😂👍

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