Werftbesichtigung in La Rochelle

Letzte Woche waren wir dem Alltag entflohen und konnten viele interessante Eindrücke sammeln. Schon lange fieberten wir gespannt diesen Osterferien entgegen. Schon vor ein paar Monaten stand der Termin für die Werftbesichtigung fest und wir mussten uns lange in Geduld üben.

Endlich war es so weit und wir machten uns Sonntag morgens sehr früh auf den Weg nach la Rochelle. Die Werftbesichtigung war zwar erst für Dienstag geplant, aber wir wollten uns genügend Zeit lassen um La Rochelle und Umgebung zu erkunden und planten daher eine Woche Aufenthalt. Dieses Mal aber nur Guy und ich, ohne Chico, denn wir wollten ihm diese lange Hin-und Rückfahrt ersparen und in die Werft hätten wir ihn ja ohnehin nicht mitnehmen können.

Bis nach La Rochelle sind es gut 800km aber wir kamen ohne jegliche Probleme voran. Zeitweise meinte Guy sogar, die Autobahn wäre gesperrt, da wir wirklich über etliche km ganz alleine unterwegs waren. Doch natürlich lieber so als im Stau stehen 😉

So sind wir kurz nach Mittag in La Rochelle angekommen und machten uns sofort auf Erkundungstour.

Die Wetterfee meinte es wirklich sehr gut mit uns, denn die Sonne strahlte um die Wette uns es war richtig angenehm. Wir assen eine Kleinigkeit auf einer Terrasse, mit Blick auf einen der Hafenbecken im alten Ortsteil. Anschliessend machten wir uns trotz ein bischen Müdigkeit auf weitere Entdeckungstour. La Rochelle hat wirklich eine sehr schöne Altstadt mit vielen kleinen Gassen, alten Gebäuden mit schön restaurierten Fassaden, drei markanten Türmen, die dem Ganzen noch das bischen extra Charme verleihen.

Hier ein paar Eindrücke :

Unser Hotel, das Mercure Vieux Port, lag strategisch sehr gut, in der Mitte zwischen der Altstadt und dem neuen Hafen Les Minimes. So konnten wir alles zu Fuss erkunden und das haben wir auch gemacht…aber so richtig., keine Ahnung wieviele Km in dieser Woche zusammenkamen…

Den Abend haben wir in einem kleinen italienischen Restaurant, dem Ragazzi da Peppone, ausklingen lassen. Dieses kleine italienische Restaurant sollte unser « Stammlokal » werden, denn wir kehrten in dieser Woche noch mehrmals zurück. Das Essen war wirklich echt lecker, frische, selbstgemachte Nudeln, Zutaten von ausgewählten kleinen italienischen Produzenten.

Doch wir waren nicht die Einzigen, die dieses Restaurant kannten und liebten. Die Leute standen an verschiedenen Abenden über eine halbe Stunde in der Warteschlange um einen Tisch zu ergattern. Die Tische waren teilweise 3-4 Mal besetzt. An Kundschaft mangelte es denen auf jeden Fall nicht, Qualität zahlt sich dann doch aus!

 

Den Montag haben wir vor allem im neuen Hafen Les Minimes und Umgebung verbracht. Dieser Hafen ist der grösste französische Hafen an der Atlantikküste und umfasst 5000 Liegeplätze. Er ist wirklich gigantisch. So viele Boote haben wir bis jetzt auch noch nicht auf einem Haufen gesehen.

04.19 Les minimes

Vor allem die grosse Anzahl an Katamaranen hat uns begeistert. Hier sieht man viele verschiedene Modelle von Lagoon, Neel, Nautitec und natürlich von Fontaine Pajot. Wir nahmen uns viel Zeit und erkundeten jede Ecke vom Hafen. Natürlich statteten wir auch den verschiedenen Bootsausrüstungsgeschäften einen Besuch ab und verglichen die Preise und die Auswahl miteinander.

Am Dienstag war es dann so weit. Um 14Uhr sollten wir bei der Werft in Aigrefeuille d’Aunis sein. Ungefähr eine halbe Stunde Fahrt mit dem Wagen. Unterwegs haben wir uns allerdings mehrmals die Frage gestellt ob die wohl diese Strecke nehmen wenn sie das Boot nach La Rochelle transportieren, denn die Strasse war doch an so manchen Stellen ziemlich eng und typisch für Frankreich, übersäht mit Kreiseln. Später in der Werft war dies eine unserer ersten Fragen und zu unserem Erstaunen hat man uns bestätigt, dass die Katamarantransporte genau über diese Strecke erfolgen. Man erklärte uns, dass die Katamarane dabei teileise senkrecht zur Seite gekippt werden, damit sie zwischen den Häusern und Schildern durchpassen. Im Internet kursieren einige spektakuläre Filme über diese Spezialtransporte. Am liebsten würde Guy auch den Transport unserer Lucia nächstes Jahr live mitverfolgen und filmen, aber aus organisatorischer Sicht, würde dies ein ziemlich grosser Aufwand werden.

Die Werftbesichtigung war sehr interessant. Wir bekamen viele Erklärungen zu den einzelnen Fabrikationsstationen und konnten live bei der « Hochzeit » einer Lucia dabei sein. Als Hochzeit bezeichnet man den Arbeitsvorgang wo Unterschiff und Deck miteinander verbunden werden. Leider war es noch nicht unsere Lucia. Es werden noch ein paar Monate vergehen bis die Produktion unserer Lucia anfängt. Die Auslieferung ist für Februar 2020 geplant.

Leider war Filmen oder Fotographieren in der Produktionshalle strengstens untersagt, aber wir waren beide sehr froh, an dieser Werftbesichtigung teilgenommen zu haben. Jetzt können wir uns die verschiedenen Arbeitsabläufe noch besser vorstellen. Wir nutzten natürlich auch die Gelegenheit um noch ein paar technische Details über die zusätzlichen Ausrüstungsmöglichkeiten in Erfahrung zu bringen. Mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck haben wir uns im späten Nachmittag wieder auf den Weg Richtung La Rochelle gemacht.

Am Mittwoch haben wir einen längeren Spaziergang am Küstenweg an der Nordseite der Hafeneinfahrt entlang gemacht bis zu der pointe de chef de baie. Es war ein sehr schöner Weg mit vielen tollen Aussichten, schönen Grünanlagen mit alten imposanten Bäumen.

An der Pointe de chef de baie haben wir eine kleine Pause eingelegt und etwas Kühles getrunken. Bis dahin alles gut. Danach wollten wir weiter zu dem Ubootbunker in La Pallice spazieren. Dies sollte sich allerdings als eine weniger gute Idee rausstellen. Luftlinie waren wir bestimmt öfters sehr nah dran, aber keine unserer eingeschlagenen Wege führte uns zum Ziel. Wir irrten lange, sehr lange durch den Industrie-und Fischerhafen und standen mehrmals vor geschlossenen Gittern oder Schildern die den Zutritt für Unbefugte verboten. Schlussendlich marschierten wir mit ziemlich mieser Laune an der Hauptstrasse entlang nach Pallice um da herauszufinden, dass der Ubootbunker gar nicht touristisch erschlossen war. GRRR… Das einzig gute bei dem Ganzen war, dass unser Verkäufer sich mit uns bei dem Ubootbunker treffen wollte um ihn ggf. gemeinsam zu besichtigen, sobald sein Geschäfts-Meeting bei Fontaine Pajot fertig war. Wir irrten schon eine ganze Weile umher als er uns anrief und wir zögerten nicht lange, als er uns vorschlag, uns mit dem Wagen abzuholen um dann gemütlich gemeinsam zu Mittag zu essen.

An diesem Tag hatten wir unsere Wanderdosis mehr als erreicht und zogen es abends vor wieder in unseren kleinen Italiener um die Ecke zu gehen.

Am Donnerstag haben wir den Tag auf der Île de Rhé verbracht. Zu dieser Jahreszeit waren wirklich schon sehr viele Leute unterwegs. Das hat uns echt ein bischen gewundert. Im Sommer muss es hier dann wirklich total überlaufen sein.

Unser erste Zwischenstopp machten wir in Saint Martin de Ré. Hier gibt es eine grosse Festungsanlage die teilweise Unescoweltkulturerbe ist. Viele kleine Restaurannts, Crèperien und Geschäfte laden zum Verweilen ein.

Wir genossen eine richtig gute Galette mit Cidre…lecker.

Danach sind wir weiter zum Phare des Baleines gefahren. Viele Treppen führten hoch hinaus aber die Anstrengung wird mit einer herrlichen Aussicht belohnt.

04.19 Phare des baleines île de rhé

Danach sind wir am Strand entlang gewandert und die Landschaft bei Ebbe bewundert. Hier kann man sich wirklech vorstellen, dass die Gezeiten das Leben der Menschen am Meer geprägt haben. Ein Leben mit den Gezeiten. Alle 6 Stunden verändert sich die Landschaft komplett, schon beeindruckend.

Anschliessend fuhren wir noch bis zu dem am weitesten entfernten Punkt, nach La Patache. Mit Sicht auf die Réserve Naturelle de Lileau genossen wir ein kaltes Bier bevor wir wieder die Rückfahrt nach La Rochelle angetreten sind.

 

Am Freitag waren wir ganz « tourimässig » unterwegs. Mit einem Schiff von « Croisières Interîles » haben wir das Ford Boyard besichtigt. Aber nur vom Schiff aus, denn eine Besichtigung des Ford Boyard von innen ist Besuchern nicht gestattet.

04.19 Ford Boyard

Nach der Umrundung des Ford Boyard haben wir den Nachmittag auf der Île d’Aix verbracht. Man benötigt ungefähr 2 Stunden um diese kleine Insel zu umrunden. An einigen Stellen hat man wirklich eine schöne Aussicht, aber der Besuch der Insel ist jetzt in unseren Augen nicht wirklich ein Muss.

04.19 île d'aix

Samstag war unser letzter Tag in La Rochelle. Wir spazierten noch ein letztes Mal durch den Hafen von Les Minimes und  am südlichen Küstenweg entlang. Hier gibt es die eine oder andere schöne Wohnanlage mit einem herrlichen Blick aufs Meer. Ausserdem hat man von hier aus eine schöne Sicht auf den Phare du Bout du Monde:

Auch heute schien die Sonne wieder um die Wette. Wir hatten wirklich super Glück mit dem Wetter, ausser einer kleinen Regenschauer am Montag nachmittag, hatten wir die ganze Woche über herrliches Frühlingswetter. Hoffentlich ist der Wettergott auch so genädig, wenn wir unsere Lucia in die Niederlande überführen wollen nächstes Jahr Ostern…

Am Sonntag haben wir uns wieder früh morgens auf den Rückweg gemacht. Nach 7 ½ Stunden Fahrt, waren wir wieder ohne jeglichen Stau hier in Luxemburg angekommen.

Die Etappe Werftbesichtigung liegt jetzt hinter uns…jetzt ist wieder warten angesagt…noch 10 Monate bis zur Auslieferung. Aber unsere Gedanken werden wohl dauernd um unsere Lucia kreisen, denn es bleibt ja noch so Manches zu organisieren…und fleissig Katamaranfahrtraining am Computer zu üben ;-).

Raymonde

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