Schreckensnacht

Inzwischen sitze ich wieder hier in der Sonne, wir haben im Windschutz der Archipel Inseln geankert, sehr angenehm, schöne Landschaft, warm, Sonne, blauer Himmel…wäre da nicht das Geschrei der tobenden Kinder der umliegenden Boote, dann wäre es echt perfekt. Aber es ist halt Sonntag und viele Familien verbringen das Wochenende bei diesem herrlichen Sommerwetter hier auf ihrem Schiff. In der Woche und ausserhalb der Saison muss es hier traumhaft ruhig sein !

 

Mein Adrenalinspiegel hat sich auch so langsam wieder im Normalbereich eingependelt, aber das sah vor ein paar Stunden noch ein bischen anders aus.

Als ich gestern abend kurz vor 23h mit dem letzten Blog fertig war, habe ich mich nichtsahnend in die Koje gelegt. Der Wind hatte leicht zugenommen und leichte Wellen liessen Calimero ein bischen hin und her schwappen, doch nichts Unangenehmes, eher perfekt zum Einschlafen.

Gegen Mitternacht hatten sich die Wellen, die Calimero längsseits trafen, aber so stark aufgebaut, dass wir uns mindestens einen halben Meter hoch und runter am Steg bewegten.

Jedes Mal knirschte es im ganzen Boot wenn es voll in die Seile und dann wieder in die Fender gedrückt wurde.

Chico wurde immer ängstlicher, denn er rutschte regelrecht auf dem Kojenboden hin und her. So nahm ich ihn hoch ins Bett, aber auch dies konnte ihn nicht beruhigen. Als ich am Überlegen war, ob ich draussen was bewirken könnte, ggf. ein zusätzliches Seil, hörte ich ein paar Mal ein richtig dumpfes Geräuch. Calimero musste irgendwo gegenstossen. Noch bevor ich aus dem Bett geklettert war, hörte ich schon, dass Guy auf dem Weg nach draussen war.

Durch das Rauf- und Runterschaukeln, hatte sich ein Fender so nach oben bewegt, dass er auf dem Steg lag und nicht mehr schützend dazwischen. Gar nicht gut ! Schnell drückte Guy Calimero mit voller Kraft vom Steg weg und ich nutze die nächste passende Welle um den Fender wieder in Position zu bringen.

Da es aber nur eine Frage der Zeit war, bis sich der Fender wieder nach oben verschieben würde, holten wir auch noch die Fender der Steuerbordseite und plazierten diese zwischen Calimero und den Steg. Dann der nächste Schock. Als Guy den letzten Fender holen wollte, stellte er ganz erschrocken fest, dass unser Beiboot nicht mehr da war. Es hing nur noch einen kleinen Fetzen Seil da. Es war einfach durchgerissen. Wahrscheinlich hat es sich durch das starke Hin-und Herzurren an der Rehlingkante durchgescheuert. Wir suchten sofort die Umgebung mit einer Taschenlampe ab, aber vergebens. Wir konnten unser Gummischwein nirgends mehr entdecken. Auch das noch 😱 !

Es wurde uns so langsam klar, dass wir die Nacht hier nicht verbringen wollten. Es war einfach zu gefährlich. Würden die Wellen noch stärker werden, dann würde Calimero riskieren mit dem Bug unter den Steg zu kommen und die ganze Rehling könnte weggerissen werden. Wir mussten weg, aber auch dies war leichter gesagt als getan, denn wir mussten ja gegen Wind und Wellen ablegen und vorne und hinten war es recht eng. Guy entschied sich für eine Bugspring. Hier muss dann alles ganz schnell gehen sobald der Winkel zum Steg gross genug ist und das Seil darf sich auf keinen Fall verheddern beim Losmachen. Ich stand echt unter Druck, denn hier durfte ich jetzt nichts vermasseln.

Ein anderer Bootsbesitzer, dessen Boot ein bischen weniger von den Wellen getroffen wurde, kam uns noch zur Hilfe und wünschte uns eine gute Fahrt. Das Ablegen klappte, doch jetzt musste Guy noch auf all die Untiefen aufpassen. In der Nacht ist die Orientierung ohnehin viel schwieriger und wir kannten dieses Gebiet ja auch nicht wirklich gut.

Wir entschieden uns in den nächstgelegenen Hafen von Den Osse zu fahren um da irgendwo an einer freien Stelle anzulegen und hoffentlich ein paar Stunden schlafen zu können.

Wir machten an einem freien Stegende fest. Ufff…Guy legte sich sofort in die Koje, aber ich war innerlich noch so aufgeregt, dass ich es vorzug noch ein bischen mit Chico durch den Hafen zu spazieren…inzwischen war es 01 :00 Uhr.

Um 6 Uhr klingelte wieder der Wecker, denn wir wollten sofort bei Sonnenaufgang wieder rausfahren um unser Gummischwein zu suchen. Einfach so wollten wir es auf keinen Fall aufgeben. Ich hoffte, dass wir es wiederfinden würden, aber glaubte nicht wirklich daran. Wir mussten aus welcher Richtung Wind und Wellen kamen, aber das Gebiet, welches in Frage kam, war doch recht gross.

Gegen 6.45Uhr fuhren wir los, langsam an der Küste entlang und suchten mit dem Fernglas die Gegend ab. Nichts… 😟

Dann beschlossen wir noch einmal nach Ossehoek zurückzufahren in der Hoffnung, dass es doch vielleicht in diese Hafenbucht hineingetrieben wäre.

Und wir sollten sehr viel Glück haben, denn hier entdeckten wir unser Gummischein in einer Ecke zwischen Stegende und Schilff. Gestern abend in der Dunkelheit hatte ich es hier aber nicht gesehen. In einem gewagten Anlegemanöver setze Guy mich ab, damit ich unser Gummischwein abholen könnte.

Ich paddelte mehr schlecht wie recht gegen die Wellen zurück zum Boot. Guy warf mir ein Seil zu als ich in Reichweite war und zog mich so die letzen Meter an sich heran.

Was für eine Aufregung, aber wir haben es tatsächlich geschafft, unser Gummischwein zu bergen. Ufff…

Jetzt hiess es aber noch hier wieder schnell und ohne Schaden abzulegen, denn wir standen in der schmalen Einfahrtsgasse des Naturhafens, links der Steg, rechts ein Steinwall und die Wellen und der Wind trafen Calimero seitlich. Mit vollem Motoreinsatz, manövrierte Guy uns aber wieder aus dieser Gefahrenzone heraus…noch einmal UFFF !

Wir steuerten anschliessend die Archipelinseln an und ankerten hier auf der windgeschützen Seite. Nach dem Frühstück versuchten wir uns noch ein bischen hinzulegen, aber so richtig abschalten klappte dann doch nicht so wirklich. Aber wir hatten Glück, es ist nichts passiert, kein Schaden, wir haben unser Gummischwein wieder…aber es war brenzlig.

Den Rest des Tages haben wir hier an Anker verbracht…ohne Stress.

Im späten Nachmittag fuhren wir in den Hafen von Bruinisse um hier dann einen ruhigen Abend und eine erholsame Nacht zu verbringen.

Raymonde

 

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