Die Waddenzee und die Gezeitennavigation.

Die Waddenzee, oder auch das Watt genannt ist schon was besonderes. Hier hat nicht der Mensch das Sagen, sondern einzig und allein die Gezeiten bestimmen wann man wohin fahren kann.

Da es zur Zeit hier richtiges „Schietwedder“ ist, ein kleiner Ausflug in die Gezeitennavigation:

Um von A nach B zu kommen kann man hier nicht einfach die Leinen lösen und losfahren. Da gibt es noch so Manches zu beachten. Da ist mal der Tiefgang. Mit seinen 1,85 ist Calimero schon recht Tiefgehend für dieses Gebiet. Also man halte schon mal die 1,85 im Hinterkopf.

Dann gibt es den Gezeitenkalender. Hier in Vlieland ist heute am 30.08.2017 um 02h46 Hochwasser, um 08h50 Niedrigwasser, um 15h00 wieder Hochwasser und um 21h16 dann wieder Niedrigwasser. Die Wasserstandshöhe zwischen den Gezeiten (zwischen Hoch und Niedrigwasser) ändert dabei um gute 2 Meter.

Mit der Wasserstandsänderung kommt noch der Gezeitenstrom dazu. Der kann hier über 2 Konten erreichen.

Über die Uhrzeit der Gezeiten und deren Strom informiert uns der 350 Seiten dicke Schmöcker des Dienst der Hydrografie von der „Koninklijke Marine“ der Niederlande.

2017-08-31 Streimung

Dies ist die Strömung zwei Stunden nach Hochwasser Harlingen. Die ersten zwei Zahlen sind Nipp Strömungsverhältnisse, die zwei letzten Zahlen Springzeit Strömungen.

2017-08-31 Kaart

Und hier dann die Stelle auf dem Weg nach Terchelling, die für uns bei Niedrigwasser nicht zu passieren ist. Alles was grün auf der Karte dargestellt ist fällt bei Niedrigwasser trocken. Die Inseln sind gelblich dargestellt.

Praktisch gesehen ergibt sich daraus folgendes:

Der Weg von Texel nach Vlieland führt über das Watt, also Trockenfallendes Gebiet. Es gibt verhältnigmässiges „sichere“ Fahrwasser welche durch Tonnen gekennzeichnet sind. Unsere Route ging dabei über eine Stelle, welche auf der Seekarte einen tiefstmöglichen Wasserstand von 10cm aufweist. Also mussten wir rechnen wie lange wir brauchen um diese Stelle zu erreichen. In unserem Fall waren es 3 Stunden. Ergo mussten wir 3 Stunden vor Hochwasser an der besagten Stelle aus dem Hafen Texel auslaufen. Beachtet werden muss aber auch die Strömungsrichtung. Gegen die Strömung hat man nicht viele Chancen… Also bleibt nur mit der Strömung zu fahren. Dann spielt der Wind natürlich auch noch seine Rolle. Idealerweise solle er uns in die gewünschte Richtung schieben. Was aber auch nicht immer der Fall ist, da das Fahrwasser sich um die Trockenfallende Gebiet schlängelt. Wind gegen die Strömung verursacht ausserdem auch noch unangenehme und gefährlich, kurze Wellen.

Ziel der ganzen Rechnerei war also genau um Hochwasser an der Untiefe zu sein. 10cm laut Karte, plus 2,00 Meter Hochwasser = 2,10 Meter Wasserstand bei Hochwasser. Rechnen wir nun unseren Tiefgang von 1,85 Meter wieder ab, so bleiben theoretische 25 cm Wasser unterm Kiel. Wenn man dann bedenkt dass nach dem Hochwasser das Ganze kippt und der Wasserstand wieder sinkt, so hat man als Skipper doch eine gewisse Verantwortung das Boot samt der Crew nicht Sprichwörtlich „in den Sand zu setzen“ 😉.

Einen kleinen Sicherheitspuffer hat man aber. Denn der in der Karte angegebene niedrigste Wasserstand ist der Tiefstmögliche überhaupt. Dann kommen noch Nipp- Midd- und Springzeiten dazu. Dies hat mit der Voll- und Neumondphase zu tun. Dann gibt es nämlich noch extra niedriges Niedrigwasser oder extra hohes Hochwasser. Das möchte ich jetzt hier aber lieber weglassen… Wenn Ihr die Augen nicht schon rollt, und Ihr noch nicht den Faden verloren habt, so würde das spätestens jetzt der Fall sein 😆.

Daher kommt der Seglerspruch: „Immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel„. Die abgeleitete Kneipenversion gefällt mir persönlich aber besser. Und Die gebe ich Euch heute auch mit auf den Weg.

In diesem Sinne: „Immer eine Handbreit Bier im Glas“ 🍺🍺🍺.

Prost…, Guy

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