Nachtrag zum Pfingstwochenende

Wie aus dem letzten Bericht von Raymonde herauszulesen war, gab es noch die eine oder andere kleine Arbeit an CALIMERO.

Da war erstmal das ganze Ankergeschirr, welches ich mir noch nie genauer angesehen hatte. Das ist auch der Grund weshalb wir noch nirgends mit CALIMERO geankert haben. Zu blöd steht man da, wenn der Anker runtergerauscht ist und wegen eines technischen Defektes nicht mehr hochkommt. Dann hilft nur noch Muskelkraft und dieses Risiko wollte ich nicht eingehen.

Das Ankergeschirr setzt sich zusammen aus der Ankerwinsch, der Kette und dem Anker selbst. Die Ankerwinsch ist zu meinem Erstaunen recht kräftig. 1200 Watt Leistung ist schon ziemlich überdimensioniert für das Ijsselmeer…. ganz nach meinem Geschmack 😀.

2017.06.12.3Aber auch die Kette, sage und schreibe 80 Meter Kette, habe ich aus dem Ankerkasten auf den Steg befördert. Was sich der Vorbesitzer wohl dabei gedacht hat??? Die Regel beim Ankern unter normalen Umständen, also moderater Wind mit wenig bis gar keiner Welle, ist folgende: Kettenlänge = Wassertiefe x3. Das Ijsselmeer hat eine Tiefe so zwischen 3 und 4 Meter. Also wären das 4×3= 12 Meter Kette. Wenn ein kräftiger Wind weht, dann gibt man auch schon mal das 5 fache an Kette. Das wären dann 20 Meter. Das Tiefste, in dem ich bis jetzt geankert habe, das waren 12 Meter…, auf der Insel Porquerolles gegenüber von Hyères in Süd-Frankreich (hierzu gibt es noch eine schöne Geschichte die ich noch unter diesen Bericht hinzufüge 😉). Und auch hier wären es also im schlimmsten Fall 60 Meter. Wobei auch noch zu erwähnen ist, dass alle Boote die ich bis jetzt gechartert habe nicht mehr als 30 Meter an Bord hatten.  Was der gute Mann mit 80 Meter vorhatte bleibt wohl ein Rätsel 🙄. Nichts desto trotz ist es immer besser zuviel als zu wenig Kette an Bord zu haben. Im Notfall fliegt eh die ganze Kette runter um soviel Gewicht wie möglich auf dem Grund zu haben. Denn ebenso wichtig wie der Anker der sich in den Grund eingräbt ist die Kette, dessen Gewicht sichert, dass der Zug auf den Anker waagerecht erfolgt. Bei zu wenig Kette hebt sich diese vom Grund und gibt senkrechten Zug auf den Anker, woraufhin Der dann aus dem Grund ausbricht und nicht mehr hält.

2017.06.12

So sehen 80 meter Kette aus

Ebenso erstaunt war ich über das Vorhandensein eines  Zählwerks an der Fernbedienung. Über einen Magnetimpuls wird jeweils eine Umdrehung der Kettennuss gezählt und im Display der Ankerwich-Fernbedienung angezeigt. Wie diese Anzeige genullt und eingestellt wird muss ich aber noch nachschlagen…

2017-06-12-2

Dann war noch der Einbau der neuen Batterie… Kein Hexending. Batterie eingesetzt, am Boden gesichert, angeschlossen und gut. Allerdings war die Batterie entgegen meiner Vermutung  nicht der Grund weshalb der Volvo nicht zuverlässig anspringt. Mit Sicherheit war es mit ein Grund. Aber wohl nicht der Einzige, denn das Problem besteht weiterhin. Also bleiben noch 2 mögliche Ursachen: ein Masseproblem oder der Magnetschalter des Anlasser. Ich komme wohl nicht drum herum das Ding auszubauen.

Nächste Baustelle war das Funkgerät. Nach weiteren Tests stellte sich heraus dass das Gerät tadellos sendet, aber nichts mehr empfängt. Somit ist ein Antennenfehler ausgeschlossen.  Aber leider deutet dann vieles auf eine gegrillte Empfangseinheit hin. Das Gerät empfängt per Dualwatch zwei Kanäle gleichzeitig. Eine letzte Chance sehe ich darin das Dualwatch auszuschalten mit der Hoffnung, dass das Empfangen eines einzelnen Kanals noch funktioniert. Sollte auch das scheitern ist das Gerät angesichts seines Alters wohl ein Fall für die Recyclinganlage… 😕

Die Windanzeige bekomme ich jetzt auch kalibriert. Aber nachdem ich der Anlage den Saft abschalte ist alles wieder weg und muss wieder neu eingegeben werden. Auch hier muss ich mich noch tiefer hineinknien. Irgendwie muss es doch möglich sein die ganzen Werte dauerhaft abzuspeichern.

Mit dem  Autopilot habe ich erst gar nicht angefangen. Einen Tag arbeiten reichte mir. Und so gut für die Stimmung ist es auch nicht wenn man arbeitet und arbeitet aber einfach nicht weiterkommt. Einen Punkt von der Liste abhacken konnte ich jedenfalls nicht. L Im Gegenteil, es kommen immer wieder Punkte hinzu.  Die Toilette verströmt nach einiger Zeit einen leckeren Geruch. Hier muss ich wohl noch einen Geruchsfilter dazwischen setzen…🤢

Ihr seht, die Arbeiten an und in CALIMERO gehen nicht aus. Ich hoffe aber dass ich soweit alles im Griff haben werde wenn die Sommerferien vor der Tür stehen. Im schlimmsten Fall muss ich einmal alleine ein Wochenende nach Lelystad hochfahren um nur an CALIMERO zu abreiten. Vielleicht wird aus der Zicke ja irgendwann ein liebes Boot. ⛵️

 

Die Anker-Geschichte zu Porquerolles/ Hyères.

Einer unsere ersten Ankermanöver war auf der besagten Insel Porquerolles. Mit ziemlich wenig Erfahrung machten wir uns auf in eine schöne Bucht. Das Ziel des Tages war Ankern! Die Bucht lag malerisch an einer Klippe und war schon recht voll, aber wir fanden noch ein kleines Plätzchen. Wie bereits geschrieben 12 Meter unter Kiel befand sich der Meeresgrund. Also Punkt angefahren und runter mit dem Eisen. Als guter Skipper war mir die Problematik der Tiefe bewusst 🙂. Aber der unerfahrene Skipper gab nur etwa 20 Meter Kette (wir hatten auch nur 30 Meter an Bord) und fuhr den Anker auch nicht ein. Denn als guter Skipper weiß ich ja, dass das nichts bringt da zu wenig Kette 😉.  Mit sehr zaghafter Rückwärtsfahrt stellt der Skipper fest: hält! Frau schwingt sich in den Bikini und huscht ins kühle Nass. Da ich als schlechter Skipper aber so überhaupt nicht von meinem Manöver überzeugt war blieb ich an Bord. Die Sache war mir nicht geheuer. Da die Bucht recht voll war konnte ich mich an den anderen ankernden Yachten orientieren. Hmmm, warum kommen die anderen Boote mir immer näher…??? Oh Kacke, die kommen mir nicht näher sondern ich Ihnen…  Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste (und als schlechter Skipper auch nicht in der Karte gesehen habe) war dass der Ankergrund nur ein Plateau war und nach kurzer Zeit steil in die Tiefe abfiel. So baumelte der Anker in 20 Meter Tiefe einfach im blauen Wasser und trieb samt dem dazugehörigen Boot ab. Der Skipper, alleine an Bord, schaute recht blöd aus der Wäsche. Aber es blieb nicht viel Zeit fürs intensive blöde Schauen, da er auf Kollisionskurs mit einer anderen Yacht war. Also Motor an und ein paar Meter nach vorne fahren, dann aufs Vorschiff gehechtet und den Anker ein paar Meter eingeholt.  Wieder zurück an den Steuerstand und das Boot wieder einige Meter nach vorne manövrieren, wieder nach vorne zur Kette… Dies wurde, sehr zur Belustigung der umherliegenden Boote, mehrmals wiederholt bis der Anker endlich aus dem Wasser war und der Skipper frei fahren konnte. Erste Gedanke als der Anker in seiner Arretierung lag: „nix wie weg hier“. Abgedreht und Richtung Ausfahrt. Auf halben Weg fiel mir plötzlich ein… huch da war doch noch etwas… Frau vergessen! Also wieder zurück in die Bucht. Aber die Frau war nicht zu finden. Ich drehte also weiter meine Runden durch die Bucht zwischen den anderen Yachten. Mittlerweile war Raymonde an die Stelle zurückgeschwommen wo sie von unserer Charteryacht ins Wasser gesprungen war. Aber da war keine mehr… Nach einiger Zeit konnte ich Sie ausfindig machen und steuerte auf sie zu. Raymonde hielt fragend beide Arme in die Luft. Ich bat also meine Mitseglerin bitte die Badeleiter aufzusteigen und machte mich mit geduckter Haltung aus der Bucht… Erklären wollte ich Ihr vorerst lieber nicht was passiert sei. Zu schwer lag die Schmäh auf meinen Schultern. Aber dann musste ich doch mit der Sprache raus. Schande auf mein Haupt, alles falsch gemacht. Aber nichts passiert. Noch mal gut gegangen.  Seit dem Tage gehe ich sehr gewissenhaft mit dem Thema Ankern um.

Guy

Dieser Beitrag wurde unter Alter Blog veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s