Die Reise des CALIMERO beginnt.

Diesmal: 22,3 Nm – Gesamt 22,3 Nm

Nach einem guten Frühstück im Hotel, machten wir uns gegen 9h00 auf zum Hafen. CALIMERO lag dort sicher festgebunden zwischen den Pfählen auf uns zu warten. Auch dies ist eine Umstellung für uns. Waren wir doch aus dem Mittelmeer gewöhnt rückwärts zum Steg zu fahren und eine Muringleine vorne am Bug zu belegen.

Eine Muringleine ist so zu verstehen: Man fährt rückwärts an den Steg. Wenn dieser in Reichweite (oder Sprungweite) ist, springt einer rüber und sichert als erste die Wind zugewandte Seite, der Luv-Seite. Ist diese Heckleine belegt, dann ist das schon die halbe Miete. Nun kann man mit gefühlvollem Schub nach vorne das Boot schön geradestellen. Anschließend wird die 2 Heckleine belegt, die der Lee-Seite. Das Boot wird nun etwas weiter vom Steg weg gefahren indem die Leinen etwas lose gemacht werden, sie werden gefiert. Ich habe immer so ungefähr mit 2 Meter vom Steg gearbeitet. Während der Motor weiter im Vorwärtsschub läuft, fischt man dann die besagte Muringleine welche am Steg mit einer Pilotleine befestigt ist. Meistens ist die Muringleine schmutzig, stinkig und mit Rasiermesser scharfen Muschelresten übersäht. Diese Leine wird dann über die ganze Länge des Bootes geführt bis an den Bug. Dann kommt der anstrengende Teil. Die Leine ist am Grund des Hafens an einer Kette befestigt . Die ganze Leine muss nun eingeholt werden, bis sie stramm auf der Bugklampe belegt werden kann. Ist dies passiert, geht man wieder zum Steuerstand und gibt Schub nach hinten. Mit dieser Aktion kommt die Muringleine richtig stramm. Dabei werden gleichzeitig die jetzt losen Heckleinen dichtgenommen. Dann Motor aus, Sonnenschutz und Anlegebier 😎

In Holland oder anders gesagt, überall außer am Mittelmeer, wird in Boxen oder an Fingerstege gefahren, dies meistens mit dem Bug voran. Hier stehen von See aus geschaut 2 Pfähle im Wasser, um die die Festmacher gelegt werden. Egal ob vorwärts oder rückwärts, es ist eigentlich immer gleich. Sobald der breiteste Punkt vom Boot am 1. Pfahl ist, wir ein Festmacher über den Pfahl der Luv-Seite gelegt oder geworfen, welcher bereits mit einem Ende an der Klampe belegt ist. Man fährt weiter in die Box, und nimmt gleichzeitig den Festmachet ein. Ist man nun mit dem Fahrerstand auf gleicher Höhe oder etwas weiter als der Pfahl (bei vorwärts einfahren)  wird die Leine fest belegt, und das Spiel mit der gefühlvollen Gasdosierung beginnt wieder. In der Regel kann man nun entspannt über den Bugkorb auf den Steg steigen und die Vorleine festmachen. Als Besonderheit sind noch die Führungsleinen zu erwähnen, welche von den Pfählen zum Steg gespannt sind. Sollte der Wind mal den Bug erwischen und vertreiben, so wird dieser von den Führungsleinen eingefangen und sicher zum Steg geführt.

Ziemlich Easy im Vergleich zur Muringleine. Deshalb hab ich auch nicht das geringste Problem was das Anlegen in Boxen anbelangt.

Nach diesem Diskurs über das Anlegen, wieder zurück zum Thema 👌

Gestern Abend hatten wir schon unser ganzes Zeug im Boot verstaut und die Segel angeschlagen, so dass das Auto nun leer ist. Raymonde hatte nämlich die Mission das Auto nach Lelystad zu fahren. In Lelystad befindet sich unser Hafenplatz für unsere erste Saison in den Niederlanden. Ich wollte CALIMERO anfangs alleine überführen, doch da kam mir ein Sturm der Entrüstung entgegen. Diese Idee wurde von Raymonde kategorisch, energisch, entrüstet, ohne mögliche Wiederrede und unter Einsatz ihres Vetorechtes vernichtet. 👆

Es blieb also das Problem wie Raymonde von Lelystad wieder zurück nach Kampen kommt. Die beste Lösung schien der Zug zu sein. Einziger Hacken: Vom Hafen Lelystad bis zum Bahnhof sind es ungefähr 5 km, und vom Bahnhof Kampen Zuid zum Hafen nochmals 5 km.

Die erste Bewährungsprobe für unser Landtransportmittel, das wir bereits seit Monaten zuhause stehen haben: Unsere elektrischen Roller 😜

Als wir uns Gedanken über die Fortbewegung an Land machten fiel unser Augenmerk zuerst auf Klappfahrräder. Nach näherer Hinsicht schienen uns diese aber zu sperrig und zu groß für unser 34 Fuß Boot.

Da ich schon länger den Markt über Elektromobilität verfolgte, hatte ich schon längst eine Alternative gefunden. Ich musste Sie nur noch Raymonde schmackhaft machen. Nach viel Überzeugungsarbeit habe ich dann 2 dieser Roller bestellt. Und nach der 1. Probefahrt war auch Raymonde überzeugt. Diese Dinger sind echt der Hammer, 30 km/h schnell und eine echte Reichweiten von 30 km. Dabei Klappbar, unter 10kg leicht und in 2 Stunden wieder voll aufgeladen.

Ideal also für ein Boot.

Sie packte den Roller also ins Auto und brauste ab. 2 ½ Stunden später stand Raymonde dann wieder grinsend mit ihrem Roller in Kampen am Steg 🙃🙂.

Währenddessen baute ich noch die Sprayhood (Spritzschutz) auf, korrigierte nochmal die Lazybags (das sind die Taschen für das Großsegel) und machte mich mit der Elektronik an Bord etwas vertrauter.

Es war soweit, alles war vorbereitet. Vorbereitet für unsere erste Fahrt mit unserem ersten eigenen Segelboot. Wir setzten uns nochmal hin, aßen ein Brötchen und gingen die kommenden Stunden zusammen durch. Dann kam der Zeitpunkt an dem ich den Motor startete. Kühlwasser kommt sofort aus dem Auspuff… Ufff. Kurz noch alles gecheckt, und die ersten Leinen wurden gelöst. Dann die restlichen Leinen und wir geleiteten langsam aus der Box.

Da ja das Boot auf CALIMERO umbenannt wurde, musste ich natürlich die obligatorischen 3 Runden im Hafenbecken absolvieren um die Götter der Elemente zu beschwichtigen. Seemannstradition oder Aberglaube… egal 🌊💨⛵️

Dann raus auf die Ijssel. Dies ersten paar Meilen galt meine ganze Aufmerksamkeit dem Boot. Ist irgend ein komisches Geräusch zu hören…, was zeigen die Instrumente an…, keine Vibrationen…? Doch alles blieb im grünen Bereich und schnell habe ich das Ruder an Raymonde abgegeben. Mit gemächlicher Fahrt steuerte Sie CALIMERO durch den Gegenwind in Richtung der ersten Brücke. Diese Brücke sollte von der Höhe her kein Problem sein sagte man uns. Vor der Abfahrt haben wir alle Brücken nochmal auf ihre Höhe hin nachgeschlagen und wir wussten, dass noch ungefähr 50cm Luft zwischen Antenne und Brücke sein müsste. Aber ehrlich gesagt sieht das von unten ganz anders aus.

Mit einem „oh oh oh“ von Raymonde geleitete CALIMERO ohne Berührung unten durch. Und weiter ging es mit Kurs auf die erste Klappbrücke zu. Von Weitem sahen wir die Brücke bereits, wie sie sich öffnete und rechneten uns aus ob wir es bis zur nächsten Öffnung schaffen könnten. Das sah nicht so gut aus, also beschlossen wir etwas Geschwindigkeit herauszunehmen. An der Brücke angekommen blieb uns noch 15 Minuten Wartezeit, was o.k. war. Zeit um das Boot gemütlich etwas vor sich hin treiben zu lassen… dachte ich. Da fing Raymonde eine These über das Aufstoppen und den Versatz bei der Rückwärtsfahrt an. War ich froh als endlich die Brücke aufging und das Licht auf Grün sprang 😃👍

Bei der Einfahrt fragte ich Raymonde ob ich das Ruder übernehmen solle. Aber zu meinem Erstaunen sagte Sie „Nein“ zwar war es ein ganz kleines und zittriges „Nein“. Aber immerhin traute sie sich ihre erste Klappbrücke zu. Umso stolzer war sie als wir dann die Brücke passiert haben und im Ijsselmeer waren. Und nach der ganzen Aufregung hatte Sie nicht mehr an die vorhergegangene Fragerei über das Aufstoppen gedacht. Aber das mit dem Versatz werde ich Ihr noch in aller Ruhe erklären 😉

Nach weiteren knappen 45 Minuten kam dann unsere erste Schleuse mit CALIMERO. Da Schleusen im Mittelmeer eher selten sind, war das auch meine erste Schleuse als Skipper. In weiser Voraussicht bat ich Raymonde die Geschwindigkeit etwas zu drosseln. Ich hatte nämlich ein anders Segelboot entdeckt, welches ebenfalls Kurs auf die Schleuse nahm und wollte mich hinter die klemmen. Abschauen ist ja erlaubt!

Raymonde übergab mir hier allerdings wohlwollend das Ruder. Aber auch hier war es keine echte Herausforderung. Kurz am Wartesteg festgemacht und der Berufs-Schifffahrt den Vortritt überlassen, dann sprangen die Lichter auch schon auf Grün. Raymonde war bereits eingewiesen und das Anlegen in der Schleuse klappte reibungslos. Kurz darauf und ohne nennenswerten Höhenunterschied ging das vordere Tor auf. Wir warteten noch bis das Schraubenwasser der Dickschiffe sich etwas beruhigt hatte und setzten unsere Reise ins Markemeer fort.

Calimero 1.Trip

Nun war es nur noch einen Katzensprung bis zum Hafen Lelystad. Die Hafeneinfahrt und das Anlegemanöver habe ich dann wieder gefahren, da es für den Geschmack von Raymonde etwas zu windig wurde. Nach dem Festmachen gab es dann unseren ersten Anleger auf CALIMERO. Mit einem guten Glas luxemburger Crémant (ja, Raymonde hatte schon „richtige“ Champagnergläser besorgt und eine Flasche Crémant kaltgestellt…) haben wir auf unsere erste Fahrt angestoßen und es gab natürlich auch noch einen Schluck für Poseidon. Auch CALIMERO wurde nicht vergessen und erhielt einen kleinen Schluck zur Taufe 🥂

Raymonde & Guy

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