Antifouling

Diesmal war neben dem Polieren der geraden Decksflächen noch das Auftragen des Antifoulings auf dem Programm.

Für alle Nicht-Boot-Nutzer hier nun ein paar Infos zum Thema Antifouling.

Antifouling ist eine Farbe welche permanent ein Biozid, also toxische Stoffe, ins Wasser abgibt. Diese Farbe soll verhindern, dass sich Algen, Muscheln und sonstiges am Rumpf und der Schraube ansiedeln. Denn durch einen zu hohen Bewuchs verliert ein Boot sehr an Geschwindigkeit. Bewuchs an der Schraube kann sogar gefährlich werden. Die Schraube muss nicht mal sehr befallen sein um deutlich in seiner Wirkung zu verlieren, dadurch hat man dann kaum noch Vortrieb. Und auf diesen Vortrieb der Schraube ist man bei Hafenmanöver doch sehr angewiesen.

Welches Antifouling benutzt werden soll, ist sehr revierabhängig. Hier kann man nur auf gut Glück hoffen oder einen erfahrenen Segler in seinem Hafen fragen. Dazu gibt es noch Hartantifoulings und Selbsterodierende… Wieder einmal ein komplexes Thema, welches mir viel Zeit für Recherchen nahm. Es schälte sich dann heraus, dass für CALIMERO nur ein Selbsterodierendes Antifouling in Frage kommt. Dieses Selbsterodierende Antifouling hat die Eigenschaft sich durch die Reibung im Wasser immer etwas mehr abzuschleifen, und so eine neue, wieder wirkungsvolle Schicht freizulegen. Voraussetzung ist natürlich, dass das Schiff auch bewegt wird…

Nachdem ich mich dann für ein Produkt entschlossen hatte, wurde dann sogleich 7,5 Liter dieser Farbe bestellt. Als ich mich nun noch tiefer in die Materie eingrub, fand ich dann doch noch einen Hacken. Dies in Form der Niederländischen Umweltbehörde, welche mein gekauftes Antifouling nicht erlaubt. Manchmal fragt man sich echt ob die Behörden (egal aus welchem Land) seine Bürger (und Gäste) einfach nur schikanieren wollen oder doch unter einem großen Lobbydruck zusammenbrechen?

Ich versuche mal die komplexe Problematik in einfachen Worten zu erklären. In den Niederlanden darf man als Privatperson nur Antifouling auf sein Boot streichen, welches durch die dortige Behörde zugelassen wurde. Dies unter dem Deckmantel des Umweltschutzes. Was ich eigentlich auch o.k. finde. Dieses zugelassene Antifouling bekommt man aber auch nur in den Niederlanden zu kaufen…, natürlich für den 3 –fachen Preis. Dann stelle ich mir wieder die Frage ob es wirklich „nur“ um den Umweltschutz geht, oder doch andere, finanzielle Interessen vorrangig waren. Wird man beim Streichen eines nichtzugelassenen Antifoulings erwischt, so riskiert man eine Strafe von 2500.-€ und das Antifouling muss komplett wieder vom Rumpf runtergekratzt und fachgerecht entsorgt werden.

Der Hammer bei dieser Geschichte ist aber: nur das Streichen einer nicht zugelassenen Antifouling Farbe ist strafbar. Schaffe ich mein Boot über die Grenze, streiche dort eine x-beliebige Farbe drauf und schippere zurück in niederländisches Gewässer, dann bin ich 100% legal unterwegs…                                                                                                              Da kann ich mir nur an den Kopf fassen damit dieser vom vielen Schütteln nicht runterfällt.

Na gut, wir wollen in unserem Gastland ja auch korrekt sein. Also habe ich die bereits gekaufte Farbe zurückgeschickt und mir welche in den Niederlanden besorgt… für sage und schreibe 360.-€. 😯

O.K., auch das kann man relativieren. Für eine Saison reicht normalerweise locker ein Anstrich. Da wir aber vorhaben das Boot von Frühjahr 2017 bis zum Herbst 2018 im Wasser zu lassen, haben wir uns für 3 Schichten entschlossen. Nichtsdestotrotz ist die Farbe 3x teurer und ich frage mich jetzt schon ob ich das nächste Mal nicht CALIMERO  für 2 Tage in Deutschland aufs Trockene setze und dort die Farbe streiche die ich will,… oder werde ich doch zum Gesetzesbrecher 😉
Das Streichen selbst ist recht unspektakulär… ist halt Farbe streichen. Zwei Farbbehälter, zwei Rollen und die Farbe schön in Längsrichtung aufrollen. Als ich Raymonde ermahnte Sie solle nicht von oben nach unten streichen, sondern in Längsrichtung schaute sie mich nur mit ungläubigen Augen an und fragte ob ich sie wieder verars… wolle. Nein, nein… nicht immer… nur manchmal 😉

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Der Grund ist folgender: erfolgt der Anstrich vertikal, so entsteht der Farbwulst, welcher durch die Schaumrollen entsteht, quer zur Fahrtrichtung. Durch diese Farbwulste entsteht ein minimal höheren Wiederstand. Wer vorhin aufgepasst hat, der weiß jetzt, dass das Antifouling durch die Wasserreibung abgetragen wird. Wasserreibung = Wiederstand, daraus ergibt sich ein schnelleres Abtragen der Farbe. Das erschien dann auch meiner Frau logisch, und so setzte sie ihre Arbeit fort, in Längsrichtung ;-).

Übrigens ist auch die Plane unter dem Boot obligatorisch. Da wir uns in unserem Winterlager innerhalb eines Deiches befinden ist hier Naturschutzgebiet. Wird man ohne Plan erwischt, dann sind 370.-€ Strafe zu berappen. Bis jetzt habe ich noch niemanden gesehen ohne Plane, und nach Auskunft des Hafenmeisters, soll es viele Kontrollen geben.  Als ich dann selbst erlebt habe, wieviel Farbe von der Rolle tropft, weil man fast alles über Kopf streicht, fand ich diese Regelung gar nicht mal so falsch, und auch die Kontrollen gerechtfertigt.

Das Vorbereiten und Streichen hat uns 2 Tage gekostet. Am Sonntagmorgen wurde dann noch das Deck etwas aufpoliert und 3 Leinen herausgezogen um sie Zuhause zu säubern.

Wir haben dieses Wochenende auch alle Polster wieder ins Boot geschafft, und so langsam fängt ein Gefühl an zu wachsen, welches ich noch nicht so recht beschreiben kann. Es ist kein „zu Hause“ Gefühl, aber auch kein Fremdes mehr…

Am frühen Nachmittag setzten wir uns dann noch beim Hafenmeister auf den Steg und genossen bei herrlichen Frühlingstemperaturen und Sonnenschein pur eine gutgekühlte Flasche Bier.

Das war das erste Mal, seit wir CALIMERO besitzen, dass wir uns eine Stunde gegönnt haben um einfach kurz zu relaxen, in der wir nicht am Boot gearbeitet haben. Wir haben schon viel gelernt, und doch gibt es noch Vieles zu lernen als frischgebackener Bootseigner. Doch endlich sind die großen Baustellen vorbei.

Als nächstes kommt CALIMERO zurück in sein nasses Element, und wenn alles klappt wie wir das wünschen, dann fahren wir dann auch gleich unter Motor los nach Lelystad… unserem Liegeplatz.

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Raymonde & Guy

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