Inzwischen sind wir schon fast zwei Wochen wieder zurück in unserem Winterhafen in La Rapita. Wir wären gerne noch ein paar Wochen länger auf den Balearen geblieben, aber die Wetterprognosen waren sich alle einig, dass es mindestens 2 Wochen lang ungemütlich auf den Balearen werden würde. Als sich dann ein kleines Wetterfenster auftat, nutzten wir die Gelegenheit um zurück nach La Rapita zu segeln. Seitdem wettern wir hier eine Gewitterfront nach der nächsten ab und es regnete tagelang wie in Strömen. Aber wenigsten stehen wir hier sicher und müssen nicht mehr dauernd vor Wind und Wellen flüchten. Es war gefühlt die richtige Entscheidung die Saison jetzt zu beenden.

Genau diese Flucht vor dem Wind hatte viele unserer Tage auf Ibiza geprägt. Nachdem die erste Woche konstanter Ostwind vorherrschte und wir lange angenehm und sicher in der Cala Tarida vor Anker lagen, wurde es anschliessend aber definitiv herausfordernder um einen ruhigen Ankerplatz zu finden. Der Wind wechselte regelmässig von Südwest auf Nordost und umgekehrt, so dass wir gezwungen waren, fast täglich zwischen den Buchten hin und her zu wechseln. Wegen Südwestwind flüchteten wir in die Cala Roja. Am Morgen paddelte ich an Land und wanderte an der Westküste entlang Richtung Cala Comte.



Dieser Küstenabschnitt ist wirklich beeindruckend mit seinen vielen versteckten Fischerhäuschen, eingebettet in der rauen Felsenlandschaft.






Da es in der Cala Roja nicht viel Sandboden gibt und der Ankergrund ziemlich tief ist, zog es keine weiteren Boote mehr hierher und wir hatten die Bucht ganz für uns alleine.



Lange konnten wir aber nicht hier bleiben, denn für die nächsten 2 Tage waren schon wieder Nordostwind und mehrere Gewitterfronten vorausgesagt und diesmal ziemlich heftig.

Also, wieder Anker hoch und zurück an die Südseite. Das Positive war, dass wir die ganze Strecke an der Westseite entlang unter Segel zurücklegen konnten. Die Passage an der Insel Es Vedra vorbei begeistert mich immer wieder aufs Neue.

Auf der Südseite angekommen, viel unser Anker erneut in der Bucht von Sa Caixota, nicht weil sie uns so gut gefällt, sondern weil sie einfach viel Platz und guten Sandboden bietet.

In der Nacht wurde es dann so richtig unangenehm, denn eine Gewitterfront folgte der nächsten.

Das sind die Nächte in denen man sich einfach nur ein Bett an Land wünscht…
Doch alles ging gut, kein Blitzeinschlag, kein driftendes Boot, kein Schaden… aber auch fast keinen Schlaf 😦
Am übernächsten Tag bekamen wir Besuch aus Luxemburg. Isabelle machte gerade Urlaub auf Ibiza und wünschte sich schon seit mehreren Jahren, dass wir uns hier einmal treffen.

Diesmal sollte es endlich klappen. Mit ihr zusammen segelten wir zurück nach Cala Tarida, wieder entlang der imposanten Küstenlandschaft und der Insel Es Vedra.


Es war ein relaxer Tag und wir hatten uns viel zu erzählen, aber als sie später ins Hotel zurückfahren wollte, wurde es richtig stressig, denn in ganz Cala Tarida war kein Taxi aufzutreiben. Ich übertreibe nicht, wenn ich schreibe, dass es mindestens 2 Stunden gedauert hat, bis Isabelle endlich im Taxi Richtung Hotel sass. Die Erleichterung war gross. Da ist definitv noch Verbesserungsbedarf in punkto Taxiorganisation auf Ibiza.
Als der Wind am nächsten Tag dann wieder auf Süd drehte, wiederholte sich das Buchtenhopping erneut. Wieder Anker hoch und zurück in die Cala Roja. Nach einem Tag, wieder Winddreher auf Nordost, also wieder zurück in die Cala Sa Caixota. Irgendwann macht das dann auch keinen Spass mehr…
Als der Wind dann am übernächsten Tag mehr auf Ost drehte und wir keine Lust hatten, noch länger in Sa Caixota zu bleiben oder wieder an der Westseite von Ibiza rauf und runter zu fahren, entschieden wir uns nach Formentera zu segeln. Wir ankerten südlich der langen Sandzunge von Ses Illetes. Doch sehr schnell mussten wir feststellen, dass wir hier wohl (noch immer) nicht die erhoffte Ruhe finden würden. Denn, obwohl wir mittlerweile Mitte September waren, gab es immer noch diese bescheuerten „Aaschwackelboote“ und „Aufschneidermotorboote“, die von Ibiza nach Formentera rüberkommen um hier ihre Show abzuziehen 😦
Ausserdem bretterten unentwegt kleinere „Taxiboote“ durch die Bucht, ganz zu schweigen von den gefühlt 50 Fähren die pro Tag zwischen Ibiza und Formentera hin und her fahren.
Für uns war klar, dass wir hier nicht sehr lange vor Anker bleiben würden. Das Wetter war sehr wechselhaft und der Himmel wirklich „geladen“. Viele Gewitterfronten waren unterwegs, mal über Ibiza, mal weiter draussen auf dem Meer, aber Formentera blieb verschont. Am Nachmittag konnten wir ein sehr spektakuläres Naturschauspiel beobachten. Ein Tornado hatte sich, glücklicherweise weit genug entfernt, über dem Meer gebildet.

So etwas hatte ich bis jetzt noch nie gesehen. Schon echt beeindruckend!
Das Wetter beruhigte sich zwar ein bischen am Abend, aber wir zogen es dennoch vor, auf Adesso zu bleiben. Die Abenddämmerung war richtig toll.

Am nächsten Morgen machte ich einen Spaziergang an der Sandzunge entlang, aber irgendwie holte mich Ses Illetes nicht mehr so ab, wie noch vor ein paar Jahren. Keine Ahnung warum, vielleicht, weil noch zu viele Leute unterwegs waren, die Strände jetzt weniger naturbelassen waren… Irgendwie empfand ich nicht mehr den gleichen Flair, aber trotzdem ist die Landschaft wirklich schön hier…


Am kommenden Tag war das Wetter definitiv wieder besser und die Fronten hatten sich verzogen. Ruhiger wurde es aber dafür nicht am Ankerplatz, im Gegenteil. Denn bei Sonnenschein und weniger Wellen, kamen noch mehr „Party-Musik-Angeberboote“ aus Ibiza als am Vortag. 😦 😦 😦
Also (mehr oder weniger) geduldig, oder besser ungeduldig, warten wir darauf, dass es 18h wurde und die endlich wieder das Weite suchten…
Den Abend liessen wir dann aber gemütlich bei einem sehr leckeren Couscous in einem kleinen marokanischen Restaurant ausklingen.
Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, machten wir uns auf den Weg Richtung Süden von Formentera. Wir hatten tollen Segelwind und flitzten mit unserem Code D an der Westküste Formenteras vorbei. Ich genoss diesen Segeltörn, denn die Bedingungen waren wirklich angenehm, da wir ausreichend Wind hatten um ordentlich Fahrt zu machen und grösstenteils im Wellenschutz der Insel unterwegs waren.

Im Süden von Formentera fanden wir endlich für ein paar Tage die langersehnte Ruhe. Hier ankerten nur ein paar Boote, alle weit auseinander, das Wasser war ruhig und noch herrlich angenehm warm und wunderschön türkisblau.


Das war der perfekte Moment um endlich das Geburtstagsgeschenk von Guy auszupacken… oder besser aufzublasen… Ich hatte wirklich viel Spass mit Guy’s Ente 😉

Aber auch dieser Ankerplatz hatte seine „Tücken“, denn obwohl wir weit von der bekannten Bluebar entfernt ankerten, hörten wir abends, bzw in der Nacht die Musik, oder besser ausgedrückt, der Bass. Aber es war „ok“, wir konnten schlafen. Am Meisten hat uns aber gestört, dass wir wieder nirgends sicher mit dem Beiboot anlanden konnten. Es gab zwar vereinzelte Stege, aber diese durfte man nur nutzen, um Leute abzusetzen oder einzusammeln. Das Festmachen/Parken des Beiboots war untersagt. Die kleinen Buchten waren auch keine sichere Option, denn die waren mit Felsen übersägt. Also fühlten wir uns, wie schon so oft, ein bischen wie einen Hund, der einen Knochen weit entfernt sieht, den er aber nicht erreichen kann. So verzichteten wir dann auf einen Strandbar-oder Restaurantbesuch. Das nervt schon gewaltig, dass man in so vielen Ländern hier im Mittelmeer (ausser Griechenland und teilweise Korsika) so Schwierigkeiten hat, an Land zu kommen und das Beiboot sicher an einem Steg zu lassen 😦
Als der Wind nach ein paar Tagen wieder auf Südwest wechselte, hiess es wieder Anker auf. Wir segelten mit tollem Segelwind, an der Ostküste Formenteras vorbei, weiter bis zur Südostseite von Ibiza in die Bucht von Talamanca. Nach längerem Suchen, fanden wir noch einen geeigneten Sandfleck für unsere Adesso, denn auch hier lagen noch echt viele Boote vor Anker. Uns kommt es wirklich so vor, als wären noch deutlich mehr Boote im September unterwegs als vor ein paar Jahren. Es gibt wohl immer mehr Segler, die in den Sommermonaten eine Pause machen und im September wieder starten. Denn von Nachsaison war wirklich noch nichts zu spüren, leider…
Wir blieben mehrere Tage in Talamanca und statteten der Altstadt von Ibiza mehrmals einen Besuch ab und schlenderten ausgiebig durch die vielen Gassen.



Diesmal hatte auch die Kathedrale geöffnet, denn die vergangenen Jahre, war die immer zu, wenn wir hier unterwegs waren.

Wir genossen die paar Tage in Eivissa und liessen es uns gut gehen.


Aber wie so oft übernahm der Wind wieder die Regie. Südostwind war für die nächsten Tage vorausgesagt. Unter diesen Bedingungen bot Talamanca nicht mehr den nötigen Schutz, so dass wir uns entschieden an der Ostküste entlang Richtung Norden zu segeln. Unser Ziel, die relativ kleine, aber gut geschützte Bucht von Portinatz, wo wir vor ein paar Jahren öfters vor Anker lagen. Bevor man die Nordseite erreicht, kommt man an der Punta Grossa mit seinem gleichnamigen Leuchtturm vorbei.

Da wir recht früh in Portinatz ankamen, fanden wir auch noch einen ausreichend grossen freien Platz über Sandboden für unsere Adesso. Denn in dieser Bucht gestaltet sich das Ankern oft ziemlich schwierig, da es viel Posidonia gibt und der Sandboden sehr begrenzt ist. Wir blieben mehrere Tage hier, denn Portinatz hat viel zu bieten: tolles Wasser, schöner Küstenwanderweg zum Leuchtturm und tolle Felsformationen und Höhlen, die man mit dem SUP ekunden kann.

Ausserdem gibt es mehrere Restaurants und einen kleinen aber gut sortierten Supermarkt mit frischen Croissants am Morgen :-). Aber vor allem bietet die Bucht meistens sehr guten Schutz vor Wind und Wellen.

Wir hatten es also nicht eilig hier den Anker wieder zu lichten, denn es fehlte uns an nichts.
Der Weg zum Leuchtturm ist wirklich toll. Er führt von der Nebenbucht Es Portixol an der Steilküste entlang, durch dichte Pinienwälder hinauf bis zum Leuchtturm.




Die Aussicht übers Meer und die imposante Felsküste ist wunderschön. Der Far del Moscarter ist übrigends der höchste Leuchtturm der Balearen.

Natürlich hatten wir während all den Tagen ein wachsames Auge auf die Wetterprognosen, denn die letzten Wochen hatten ja gezeigt, dass das Wetter deutlich herbstlicher und sehr unbeständig ist. Wir waren noch unschlüssig, ob wir noch länger auf Ibiza bleiben oder vielleicht nach Mallorca rüber segeln sollten. Oder ob wir doch eher die Saison abschliessen und in den Winterhafen zurücksegeln sollten. Und wie so oft, war das Wetter wieder ausschlaggebend… Denn als wir sahen, dass für die nächsten zwei Wochen nur Starkwind aus Nordost und dementsprechend auch hohe Wellen vorausgesagt waren, stand unsere Entscheidung schnell fest, dass wir das kleine Zeitfenster mit südlichen Winden nutzen würden, um zurück nach La Rapita zu segeln. Ich wäre gerne noch bis nach Mallorca gesegelt, um dort noch ein paar schöne Tage zu verbringen, aber unter diesen Voraussetzungen, wären wir wieder nur auf der Flucht vor Wind und Wellen gewesen und hätten es nicht geniessen können. Dann lieber zurück in den Hafen und sich nicht dauernd Gedanken über das Wetter und die Sicherheit am Ankerplatz machen müssen.
Wie befürchtet war der Wind während der Überfahrt teilweise zu schwach zum Segeln, so dass wir immer wieder den Motor starten mussten. Schlussendlich konnten wir aber ungefähr ein Drittel der Strecke unter Segel zurücklegen. Aber wenigstens hatten wir nicht viel Wellen, so dass die Überfahrt insgesamt ziemlich entspannt war.

Inzwischen sind wir wieder total in unserem „Hafenmodus“ angekommen.
Guy hat gestern unsere Seemeilen, die wir diese Saison zurückgelegt haben, zusammengerechnet…
3381 Seemeilen!
Wow, das ist schon eine beachtliche Strecke. Wir waren früh in die Saison gestartet. Zuerst von Licata nach Griechenland ins ionische Meer, dann um den Peloponnes herum weiter ins ägäische Meer zu den Kykladen, dann wieder zurück Richtung Westen, nach Sizilien, durch die Strasse von Messina zu den liparischen Inseln, weiter nach Sardinien, dann Korsika, dann weiter nach Frankreich und anschliessend nach Spanien…
Es war eine Saison mit vielen „Up and Downs“. Wir haben so viele tolle Orte besucht und unglaublich viele schöne Eindrücke sammelen dürfen. Aber es gab auch viele Tage und vor allem Nächte, an denen wir keinen erholsamen Schlaf fanden, die uns viel Kraft, Durchhaltenvermögen und Energie abverlangten. Von allem war etwas dabei: super angenehmes Wetter und richtig scheiss Wetterphasen, ruhige super schöne aber auch total stressige Ankerbuchten, tolle Segelpassagen und Ankämpfen gegen Wind, Wellen und Strömung…
Wir haben sehr viel erlebt in den letzten 6 Monaten und dafür sind wir sehr dankbar. Einen genauen Plan für die nächste Saison haben wir noch nicht. Jetzt stehen erstmal die Wintermonate vor der Tür… aber ein paar Pläne haben wir schon geschmiedet…
Raymonde