Oder: von Zakynthos nach Milos
Wetterprognose: mehrtägiger Westwind, perfekt um Richtung Osten segeln.

Die Aussicht, in einem Schlag südlich um den Peloponnes herum und auf direktem Kurs die Insel Milos auf den Zykladen anzusteuern, war einfach zu verlockend!
Als wir in unserer atembraubenden Bucht in Zakynthos den Anker lichteten, hatten wir auf direktem Kurs eine Strecke von 225 Seemeilen vor uns. Wir rechneten mit ungefähr 40 Stunden, also 2 Nächten, und Ankunft am Morgen.
Der erste Teil der Strecke, an der Westküste von Zakynthos entlang Richtung Westspitze vom Peloponnes, hätte nicht angenehmer sein können. Wir hatten perfekten Segelwind von Steuerbord achtern, sehr angenehme, fast kaum wahrnehmbaren Wellen von hinten, das Leichtwindsegel draussen… Perfekt! 🙂 So angenehmes Segeln hatten wir schon lange nicht mehr. Guy sagte: „Wenn das so weiter geht, dann wird das der beste Törn, den wir bis jetzt hatten…“ Wir entschieden unser Leichtwindsegel auch in der Nacht stehen zu lassen, denn die Bedingungen waren weiterhin perfekt.
In der Nacht fing der Wind dann aber an echt anstrengend zu werden, denn er wechselte dauernd zwischen Backbord und Steuerbord und dies mit über 30 Grad, so dass wir das Segel mehrmals von einer Seite auf die andere nehmen mussten. Dadurch wurde die Nacht dann schlussendlich aber echt anstrengend und wir bekamen kaum Schlaf. Am nächsten Morgen, als wir südlich vom Peloponnes unterwegs waren, verschlechterten sich dann aber leider die Bedingungen stetig. Unser Törn fing an von angenehm ins Anstrengende und Unangenehme zu schwanken. Am Allerbesten könnt ihr das Nachvollziehen, wenn ihr euch, auf unserem YouTube Kanal, Guy’s Film „Von Zakynthos in die Zykladen“ anschaut.

Hier könnt ihr quasi mit uns mitsegeln und bekommt ein Gefühl dafür wie das Leben an Bord so ist während eines längeren Törns.

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Nachdem der Wind auf über 30 Knoten zugenommen hatte, wir unser Leichtwindsegel nicht ordentlich eingerollt bekamen, Guy sich mit Glück nur leicht an den Fingern verletzt hatte, entschieden wir uns dazu den Törn abzubrechen um eine Pause vor Anker einzulegen und um durchzuschnaufen. In der Bucht von Koropi auf Elafonisios (die kannten wir schon vom letzten Jahr) fanden wir guten Schutz vor den Wellen. Ich war froh und erleichtert, dass wir hier ein paar Stunden Ruhe fanden und Schlaf nachholen konnten.
Gestärkt und mit frischer Energie machten wir uns am kommenden Tag auf den Weg Richtung Milos. Da wir noch ungefähr 80 Seemeilen zurückzulegen hatten, entschieden wir am späten Nachmittag abzufahren, durch die Nacht, um dann am Morgen bei Tageslicht auf Milos anzukommen. Da wir uns weiterhin auf ordentlich Wind und Welle einstellten, hatte ich den Tag vor Anker genutzt um Penne Bolognese vorzukochen. Gegen 18Uhr lichteten wir den Anker. Der erste Teil, bis wir an Elafonisos und der Ostecke des Peloponnes vorbei waren, war der Schlimmste. Die Wellen, anfangs genau von der Seite, waren so hoch, dass das Wasser bis über den Steuerstand hinweg spritze. Alles was nicht gesichert war, flog durch die Gegend…aber nichts ging zu Bruch…ufff.
Ich war echt froh, als wir endlich auf direktem Kurs Richtung Milos waren und der Wind und die Wellen von achtern kamen. So wurde es dann langsam aber sicher erträglicher. Ja, soviel zu unserem entspannten Törn…hmmm.
Aber unser Plan ging auf. Gegen halb Acht bogen wir um die Westecke von Milos und segelten an diesen tollen Felsformationen vorbei.

Wir fuhren bis ganz nach hinten in die Bucht und ankerten vor dem Achivadolimni Beach. Schön…weisser Sandstrand, helle Steilwand, türkises Wasser. Wir waren froh angekommen zu sein auf den Zykladen 🙂


Nach dem Frühstück fielen wir beide erstmal in die Koje, denn wir waren doch ziemlich platt.

Als der Westwind am übernächsten Tag vormittags etwas nachliess, fuhren wir sofort nach dem Frühstück nach Adamantas rüber und ankerten neben dem Hafen, denn wir mussten nach der langen Zeit wieder frisches Obst und Gemüse einkaufen. Danach schlenderten wir noch ein bischen durch die Gassen von Adamantas und genehmigten uns eine kleine Stärkung. Dann machten wir uns auf den Weg Richtung Kimolos. Als wir aus der Bucht herausfuhren, kamen wir an dem Küstenort Klima, mit seinen vielen farbigen Häusern, vorbei. Oben auf dem Berg thront die Stadt Milos mit ihren vielen Windmühlen. Schön anzuschauen.

Die Stadt Milos ist bestimmt auch einen Besuch wert, aber so lange waren wir jetzt nicht vor Ort und die Bedingungen auch nicht so gut, dass wir Adesso einen Tag alleine vor Anker gelassen hätten. Unser nächster Ankerstopp war die Agios Georgios Bay vor dem Strand Prassa auf Kimolos. Die Gegend hier ist geprägt vom Bentonit- umd Perlitabbau. Am nächsten Morgen machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg Richtung Paros, unser Ziel, die Bucht von Naoussa. Am Anfang tat sich der Wind etwas schwer, aber danach stellte sich guter Segelwind ein, so dass wir den grössten Teil der Strecke unter Segel zurücklegen konnten. Wir umrundeten die Nordwestecke und kamen am Akrotiri Korakas Leuchtturm vorbei.

Unser Anker fiel in der Ankerbucht ganz in der Nähe der Hafeneinfahrt von Naoussa. Ich war voller Vorfeude, denn schon von Weitem war der Anblick von Naoussa sehr vielversprechend.

Schnell duschen und dann gings auf Erkundungstour. Naoussa ist touristisch, aber trotzdem gefiel uns die Stadt sehr gut. Weisse Häuser, schmale gepflasterte Gassen… so wie wir uns die griechischen Orte vorgestellt hatten. Hier ein paar Eindrücke:





Nach dem Abendessen schlenderten wir ein weiteres Mal durch die Stadt und genossen die Abendstimmung.
Wir spazierten an dem Venetian Castle vorbei, stiegen die Gassen bis zur Panagia Faneromeni Kirche hoch, von wo wir einen schönen Ausblick über die Stadt bei Abenddämmerung hatten.








Es war ein sehr schöner Abend mit vielen tollen Eindrücken, den wir beide genossen haben. Zurück auf Adesso, entschieden wir uns spontan noch schnell umzuankern, denn in der Zwischenzeit hatte sich eine grosse Anzahl an Booten hier am Ankerplatz eingefunden und ein Katamaran stand ziemlich nah. Da wir am nächsten Tag sowieso umankern müssten, weil der Wind dreht, entschieden wir dies sofort zu tun. Kurze Zeit später ankerten wir im westlichen Teil der Bucht vor dem Strand Kolimpithres. Erst am nächsten Tag, bei Tageslicht, wurde mir bewusst, wie schön dieser Küstenabschnitt ist. Also schnell rauf aufs SUP und auf Entdeckungstour.




Wow…richtig schöne Felsformationen. Ich fühlte mich sehr an das Maddalena Archipel auf Sardinien erinnert.


Auf einem dicken Felsvorsprung entdeckte ich diese Schleuderschwanzechse, auch Hardun genannt, die genüsslich ein Sonnenbad nahm.

Wir blieben zwei Tage hier vor Anker. Abends fuhren wir mit dem Beiboot nach Naoussa und suchten uns ein nettes Restaurant zum Abendessen. Heute Morgen sind wir in den nordwestlichen Teil der Bucht, unweit des Monastery of St. John’s of Deti gewechselt, denn für heute ist Nordostwind angekündigt.



Den ganzen Tag über standen wir hier richtig gut geschützt vor Anker. Natürlich hatte ich hier auch schon einen Wanderweg entdeckt, der sehr verlockend auf mich wirkte. Nach dem Frühstück schnappte ich meinen SUP und fuhr rüber zur Perikopetra Beach.




Ich war begeistert von der rauen Felslandschaft, den vielen Blumen und vor allem den vielen tollen Schmetterlingen. Blaue, gelbe, orangene… und dieser Melanargia aus der Gattung der Edelfalter.

Auf der anderen Seite der Bucht, da tobte das Meer. Heute wäre kein guter Tag gewesen um weiterzufahren… zu ungemütlich!

Ich genoss den Spaziergang in vollen Zügen und machte natürlich wieder viele Fotos 😉
Zurück am Strand, konnte ich der Versuchung nicht wiederstehen ein bischen in diesem herrlich türkisen, aber immer noch ziemlich kaltem, Wasser zu baden.

Zurück auf Adesso, bereitete ich uns zuerst ein leckeres Salat zu, bevor ich mit dem Schreiben dieses Blogs anfing. Ja, es ist kaum eine Woche vergangenund schon haben wir wieder sehr viel erlebt. Ich bin gespannt auf die nächsten Inseln und Ankerplätze der Zykladen.
Es gibt bestimmt noch sehr viel zu Entdecken…
Raymonde