Von Lefkada nach Zakynthos

Drei tolle abwechslungsreiche Wochen liegen hinter uns, während denen wir richtig schöne Ankerplätze und Orte besucht haben. 

Mein letzter Blogeintrag hatte mit der Durchfahrt durch die Lefkadabrücke und dem Ankern südlich des Lefkadakanals geendet. Eigentlich war dieser Ankerstopp ursprünglich nur für eine Nacht geplant, aber da wir hier so herrlich ruhig vor Anker lagen, blieben wir spontan etwas länger hier. So hatte ich genug Zeit, um einen ausgedehnten Spaziergang ins nahegelegene Feuchtgebiet, am Lefkadakanal, zu unternehmen.

Am Nachmittag spazierten wir an der Küste entlang bis zur Diavlos Marina und den Abend liessen wir relax auf Adesso ausklingen.

Am kommenden Tag segelten wir weiter Richtung Süden. Unser Ziel war die Insel Meganisi, bekannt unter Seglern für ihre vielen Einbuchtungen. Letztes Jahr, in der Hauptsaison, hatten wir mehrmals einen grossen Bogen um Meganisi gemacht und darauf verzichtet uns in dieses Getümmel zu stürzen, denn die Buchten waren total überfüllt mit Booten. Darum wollten wir jetzt, Ende April, noch einmal dorthin zurückkehren. Wir entschlossen uns in der Atherinos Bay zu ankern, die sich noch im Winterschlaf befand. Alle Tavernen hatten noch geschlossen. Am Morgen machte ich einen kleinen Spaziergang an der Küste entlang und entdeckte diesen wunderschönen westlichen Tigerschwalbenschwanz Schmetterling. 

Überall blühten die Blumen um die Wette, die Aussicht war toll, die Vögel zwitscherten…so kann der Tag beginnen 🙂

Nach dem Frühstück entschlossen wir uns, den Westwind zu nutzen, um Richtung Kalamos und Kastos zu segeln. Wir hatten herrlichen Segelwind und ich genoss die Fahrt.

Ich hielt Ausschau nach Delfinen oder Schildkröten, konnte aber leider keine entdecken. In Kastos angekommen, ankerten wir in „unserer“ Bucht, Agios Emilianos, die mich schon letztes Jahr in ihren Bann gezogen hatte. Jetzt, in der Vorsaison, waren wir das einzige Boot vor Anker. Herrlich 🙂

Mit Kerstin und Hans von der Flamingo waren wir schon seit Saisonbeginn in Kontakt. Wir „beobachteten“ uns gegenseitig und „verfolgten“ unsere Routen. Als uns jetzt nur noch ein paar Seemeilen trennten, entschlossen sich die Beiden einen Abstecher nach Kastos zu machen um uns zu treffen. Wir verbrachten einen sehr angenehmen Abend zusammen. Es gab leckere Lasagne und natürlich mangelte es nicht an Gesprächsstoff 🙂

Am nächsten Morgen war ich schon früh unterwegs und spazierte zuerst an der Küste entlang Richtung Dorf und dann wieder zurück bis zur östlichen Ecke von Kastos. Nach jeder Kurve hatte ich eine neue atemberaubende Sicht über das Meer und die Küste.

Adesso und Flamingo bei aufgehender Sonne 😉

Als ich auf dem Rückweg zum Strand war, bekam ich einen Schreck, als diese Schlange nur ein paar Zentimeter vor meinen Füssen über den Sand zischte, die Mauer hoch, um dann dort in einem Loch zu verschwinden. Einen Teil von ihr konnte ich noch auf diesem Foto festhalten. Eine Storeria aus der Gattung der Nattern, anscheinend aber ungefährlich für den Menschen. Trotzdem bin ich froh, dass sie sich für die Flucht anstatt des Angriffes entschieden hat…

Kurz nachdem wir fertig gefrühstückt hatten, lichteten die Flamingo’s den Anker und machten sich auf den Weg weiter Richtung Norden. Hier trennten sich unsere Wege also wieder, denn wir wollen ja nach Süden. Ob und wann wir uns wo wiedersehen, das „steht in den Sternen“… 

Als Erinnerung schossen sie bei der Abfahrt noch diese schöne Fotos von uns.

Danke Kerstin 🙂

Wir entschieden uns aber noch einen Tag länger hier zu bleiben. Erst wenn der Wind uns hier „verjagt“ und für Unwohlsein sorgt, dann erst wollen wir weiter. So genossen wir den ganzen Tag hier Ruhe pur, beobachteten die Ziegen in den Felshängen, ein bischen SUP, ein kurzes erfrischendes Bad (mit Betonung auf erfrischend, denn die Wassertemperatur kratzt erst an der 19 Grad Marke). Guy liess unseren Kopter fliegen und hielt dieser besondere Ort in wunderschönen Bildern fest.

„Unsere“ Ziegenbucht auf Kastos
Kastos mit Atokos und Ithaka im Hintergrund

Am nächsten Morgen war es dann aber leider an der Zeit den Anker zu lichten, denn, so wie vorausgesagt, blies der Wind jetzt mit über 10 Knoten in die Bucht hinein. Bevor es zu ungemütlich wurde, machten wir uns auf den Weg und verabschiedeten uns von „unserer“ Ziegenwohlfühlbucht auf Kastos.

Unser nächstes Ziel war Vathy auf Ithaka. Hier würden wir auch den nötigen Schutz vor dem stärkeren Ostwind finden, der für die nächsten 2-3 Tage angekündigt war. In Vathy angekommen, erkannten wir die Bucht fast nicht wieder. Es lagen jetzt vielleicht ein halbes Dutzend Boote hier vor Anker. Letztes Jahr sahen wir vor lauter Schiffe das Ende der Bucht nicht. Guy manövrierte Adesso gekonnt bis ganz nach hinten in die Bucht. Von hier aus war der Weg mit dem Beiboot bis zum Supermarkt und zum Dorfzentrum nur einen Katzensprung entfernt. Am Abend genehmigten wir uns ganz traditionnel einen leckeren Gyros. Als wir auf Adesso dann so langsam ans Schlafengehen dachten, hörten wir auf einmal laute Musik mit viel Bass. Der Blick hinaus bestätigte unsere Vermutung. Die Bar, die ganz in der Nähe unseres Ankerplatzes lag, hatte doch schon geöffnet. Den ganzen Tag hatten wir immer wieder rübergeschaut und da die Fensterläden geschlossen blieben, waren wir der Überzeugung gewesen, sie hätte noch nicht geöffnet… hmmm…  

Aber…heute, am Vorabend des 1. Mai, wurde sie wohl wieder eröffnet und dies mit einer gebührenden Saisonauftaktsfeier. Als wir sahen, dass sich immer mehr Menschen dort einfanden, entschlossen wir den Anker zu lichten und zu flüchten. Denn es war klar, hier würden wir keinen Schlaf finden. Kurze Zeit später ankerten wir dann weiter weg in einer kleinen Nebenbucht, fast punktgenau am selben Platz wie letztes Jahr. Hier fanden wir dann aber endlich die ersehnte Nachtruhe… sieht man von den paar „Mopeds-idioten“ ab, die ihre Mofas extra umgebaut haben, ohne ordungsgemässe Auspuffanlage und die sich einen Spass daraus machen, in der Nacht, die Strasse hoch und runter zu brausen 😦 grrr…

Am nächsten Morgen, spazierte ich bis zur bekannten blau-weissen Sant Andrew Kapelle, an der jedes Boot vorbeifährt um in die Bucht von Vathy zu gelangen. Meiner Meinung nach ein sehr beliebtes Fotomotiv von (fast) jeder Crew. 

Über einen schmalen Küstenweg mit toller Aussicht übers Meer gelangte ich dorthin.

An der Kirche angekommen, war ich etwas erstaunt, dass diese geöffnet war und man sich so ohne Weiteres im Innern umschauen konnte. 

Auf dem kleinen Tisch in der Ecke lag ein Gästebuch in das man sich eintragen konnte.

Auf dem Rückweg nahm ich noch eine kleine Abzweigung um mir diese zwei venezianische Kanonen anzuschauen.

Am Abend fuhren wir wieder ins Dorf. Hier in Vathy blieb die Küche von Adesso kalt 😉

Am nächsten Morgen fuhr Guy mich noch einmal zum Supermarkt, denn ich hatte am Vortag nicht alles gefunden, was ich wollte. Inzwischen müsste, laut der Verkäuferin gestern, eine neue Lieferung angekommen sein. Es klappte und unser Kühlschrank war wieder gut gefüllt. Am Nachmittag machte ich mich auf eine weitere Wanderung. Diesmal wollte ich durchs Hinterland bis zur Gidakibucht spazieren. Dieser Weg war schon etwas anspruchsvoller, denn es ging ordentlich bergauf und wieder bergab… und das mehrmals. Aber… jeder Schweisstropfen hat sich gelohnt!

Zurück auf Adesso überfiel ich Guy sofort mit all meinen Fotos und Eindrücken. Er fand die Fotos auch toll und freute sich für mich, dass die Wanderung mir so gut gefallen hat. Er kann sich nicht so sehr fürs Wandern und die Natur begeistern wie ich. Manchmal begleitet er mich, wenn er wirklich Lust hat. Aber wenn er in dieser Zeit lieber etwas anderes machen und sich einem seiner Hobby’s widmen will, dann macht es ja keinen Sinn, wenn ich darauf bestehen würde, dass er mit mir kommt. Natürlich bin ich froh, wenn wir auch manchmal gemeinsam eine Wanderung machen, aber so hat jeder Zeit für sich… und das ist auch wichtig, wenn man als Paar 24/7 auf einem Boot unterwegs ist. 

Den Abend liessen wir wieder in dem kleinen Restaurant La Familia ausklingen. Am nächsten Morgen hatte der Ostwind nachgelassen und so machten wir uns auf den Weg zur Ostseite von Kefalonia bis in die Filiatro Bay. Dies ist wirklich eine super schöne Bucht mit weissen Felsen, weissem Strand, türkisem Wasser…einfach schön.

Adesso ganz alleine in der Filiatro Bay 🙂

Doch der Haushalt muss auch an solchen Orten gemacht werden und so war Wäschetag angesagt. Unter blauem Himmel und viel Sonnenschein, war die Wäsche schnell trocken.

Stattdessen kümmerte sich Guy um unsere „Roude Léiw“ Fahne, denn die fing an mehreren Stellen an einzureissen.

Danach war sie fast wieder wie neu und hällt jetzt hoffentlich noch ein paar weitere Wochen.

Am späten Nachmittag, als die Felswand hinter uns im Schatten versank, tauchten plötzlich diese Ziegenmutter mit ihrem Kleinen auf. So süss…

Ich beobachtete sie wirklich lange. Mit dem Fernglas konnte ich noch besser erkennen und bestaunen, wie geschickt sich diese Tiere in dieser Felslandschaft fortbewegen.

Am nächsten Morgen genoss ich diese herrliche Morgendämmerung…

Am nächsten Tag entschieden wir uns zu einem längeren Schlag bis runter nach Zakynthos, denn endlich sah es in punkto Wind vielversprechend aus. Der Anfang war jedoch sehr mühselig. Segel raus, Segel rein, Motor an, Motor aus… bis wir uns endlich der Südspitze von Kefalonia näherten, dann war er da der Wind… aber ordentlich! So ging es flott voran Richtung Zakynthos, wo wir schlussendlich vor der Xigia Beach ankerten.

Nach einer ziemlich wakeligen Nacht machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg um uns die Westküste von Zakynthos anzuschauen. Der Anfang war echt anstrengend und ruppig, denn wir mussten uns gegen Wind und Wellen Richtung Nordspitze hochkämpfen. Wir wussten, dass wir anfangs gegenan motoren müssten, aber auf soviel unangenehme Welle und Wind, hatten wir uns nicht eingestellt. Also hiess es „Augen zu und durch“. Denn dieses Wetterfenster mussten wir nutzen, denn für die nächsten 24 Stunden waren nur wenig Wind und Wellen gemeldet und danach wieder für die ganze nächste Woche Starkwind aus NW. Anfangs zweifelten wir wirklich an unserer Entscheidung, aber je mehr wir an der Westseite Richtung Süden segelten, je besser und ruhiger wurden die Bedingungen. So konnten wir auch relativ entspannt in die bekannte Navagio Bucht hineinsegeln um uns das bekannte Panagiotis Wrack anzuschauen, das ja inzwischen zu einem totalen Instagramhotspot mutiert ist.

Eine gigantische Kulisse!

Dies Westküste von Zyknthos ist wirklich spektakulär. So hohe Felswände, dass man fast eine Nackenstarre bekommt und immer wieder beeindruckende Höhlen und Felsformationen.

Mein Wunsch war es, dass wir in einer dieser atemberaubenden Buchten ankern und bestenfalls auch übernachten könnten, aber Guy zweifelte daran, dass die Bedingungen dafür gut genug wären. Wir segelten ein paar Ankerbuchten ab und kamen immer beide zu dem Entschluss, dass die sich für uns nicht gut anfühlten. Als wir aber auf der Höhe der Kampi Cove Bucht waren, entschlossen wir uns, uns diese genauer anzuschauen. Fast zeitgleich, hatte die Crew eines Segelschiffes die gleiche Idee. Sie entschieden sich aber ganz weit hinten in der Bucht zu ankern und „verschmelzten“ fast mit der Felswand. In der Mitte dieser atemberaubenden, überwältigenden Kulisse fiel unser Anker auf 15 Meter Tiefe über weissem Sandboden. Noch war es ziemlich wellig und so entschieden wir erstmal zu Mittag zu essen und dann abzuwägen, ob wir hier bleiben oder weiter in eine Bucht im Süden der Insel fahren um zu übernachten. Nach dem Mittagessen drehte ich erstmal noch eine kleine Runde mit dem SUP und erkundete die Höhlen.

Inzwischen hatten sich die Wellen und der Wind so beruhigt, dass wir entschlossen hier zu übernachten. Wow…ich glaube das war definitv die spektakulärste Bucht wo wir bis jetzt geankert und übernachtet haben. Die Wetterprognosen hatten also mal einmal gestimmt und es kam so wie vorausgesagt 🙂 Bis am frühen Nachmittag am kommenden Tag würden wir gut und ruhig hier stehen, bevor es dann wieder ungemütlich würde. Aber bis dahin, wollten wir jede Minute auskosten und geniessen! 

Als am nächsten Morgen die andere Segelyacht den Anker hievte, waren wir alleine (bis auf die paar Tourimotorboote, die für ein paar Minuten und einen kurzen Badespass, „unser“ Paradies besuchten). Als wir ganz alleine waren, nutze Guy die Gelegenheit diese genial super atemberaubende Bilder mit unserem Kopter festzuhalten.

Adesso ganz alleine in der Kampi Cove
WOW !!!
eine wirklich super schöne und spektakuläre Küste 🙂

Den ganzen Film könnt ihr euch auf kat_adesso (instagram) anschauen oder auf meinem oder Guy’s Facebookprofil…solltet ihr ihn noch nicht gesehen haben… wirklich super! Da findet ihr übrigends auch die Kopteraufnahmen über die Filiatro Bay auf Kefalonia und unserer Ziegenbucht auf Kastos.

Ursprünglich hatten wir ja geplant, dass wir, wenn der Nordwestwind einsetzt und es ungemütlich wird, dass wir dann weiter in den Süden von Zakynthos segeln würden, um die nächsten Tage dann dort zu verbringen, bis wir wieder Richtung Italien segeln… aber… wie sagt Guy immer : „Pläne von Seglern sind bei Ebbe in den Sand geschrieben“…

Ja, denn Guy hatte eine spontane Idee…denn dieser Nordwestwind, der über mehrere Tage anhalten soll, der würde uns perfekt um den Peloponnes rum Richtung südliche Kykladen bringen. Doch eigentlich, hatten wir ja geplant, jetzt Ende Mai, Griechenland zu verlassen um genau in die andere Richtung, Richtung Westen, aufzubrechen… 

Aber irgendwie tat es uns auch schon vorher bei unserer Saisonplanung Leid, diesen Teil von Griechenland auszulassen. Wir waren aber der Meinung, dass der Zeitaufwand, um bis zu den Kykladen zu gelangen, einfach zu gross sei… 

Aber jetzt…bei diesem mehrtägigem Nordwestwind, der uns in einem Zug von Zakynthos, um den Peloponnes rum bis nach Milos tragen würde…

Ich zögerte ein bischen… Guy überfordert mich gelegentlich mit seinen spontanen Ideen… 

aber flexibel ist die Frau 😉 … 

und ich fand seine Idee gut, denn ja, ich wollte auch ganz gerne dieses Gebiet erkunden…

Also stand die Entscheidung fest… um 14Uhr brachen wir auf… 

Ziel: die Insel Milos… noch ungefähr 225 Seemeilen…

Aber dazu dann mehr, im nächsten Blog. Es bleibt spannend 😉

Raymonde

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