Aber bevor die Sonne wieder strahlte…regnete und stürmte es!
Meinen letzten Blog beendete ich ja mit den Worten, ich würde jetzt lieber aufhören mit Schreiben bevor ich seekrank werde…ich wurde in dieser Nacht zwar nicht seekrank (hätte aber auch nicht mehr soviel gefehlt) , aber meine Mutter, die bis dahin doch recht seefest gewesen war, kroch kurz vor Mitternach, ganz grün im Gesicht, aus ihrer Koje. Sie tat mir echt leid, denn sie hatte in diesen zwei Wochen wirklich kein Glück mit dem Wetter. Aber ich muss schon zugestehen, dass es doch echt heftig war. Wir mussten ja in einer anderen Bucht Schutz suchen, weil der Golfo Aranci an diesem WE gesperrt war. Doch nicht, wie ich in dem vorigen Blog geschrieben hatte, wegen einer Regatta, sondern wegen einem internationalen Freiwasserschwimmwettbewerb. Ich bedauerte die Schwimmer/-innen wirklich, denn die hatten definitiv auch so ziemlich die schlechtesten Bedingungen erwischt: Kälte, Wind, Wellen und Regen…
Irgendwie will sich der Sommer hier im westlichen Mittelmeer noch nicht einstellen. Auch heute regnet es seit Stunden ununterbrochen, immer wieder hören wir es rund um uns donnern, Himmel und Meer scheinen in einem Gemisch aus blau-grau zu verschmelzen.
Hier meine Aussicht im Moment.

Also perfekter Tag für einen neuen Blog 😉
Es nützt ja leider nichts, sich über das Wetter aufzuregen. Es kommt wie es kommt…, aber natürlich würde ich mir jetzt doch eher Sommerfeeling wünschen… eine verkehrte Welt im Moment…in Luxemburg sind es jetzt über 25 Grad und sonnig und hier auf Sardinien regnet es in Strömen und die Temperaturen erreichen so eben die 20 Grad Marke.
Zurück zu unserer schlaflosen Nacht in der Cala Nodu Pianu… Nach einiger Zeit wirkte die Tablette gegen Seekrankheit und meine Mutter konnte endlich ein bischen schlafen. Bei mir klappte dies allerdings jetzt nicht mehr und ich erwartete ungeduldig, dass es endlich hell wird. Chico war auch die ganze Nacht über sehr unruhig und „zauberte“ unentwegt stinkende Luft…so wie immer, wenn er aufgeregt ist.
Also musste ich mich der Herausforderung stellen und mit ihm unter diesen Bedingungen an Land paddelen. Das SUP war die einzige Möglichkeit, denn wegen den Wellen, hätte Guy sich dem Strand nicht mit dem Beiboot nähern können. Es ist definitiv etwas heikel und nicht wirklich angenehm und ich riskiere auch reinzufallen, aber ich hatte ja auch zuvor schon ähnliche Situationen gemeistert…und es klappte auch dieses Mal. Wir kamen trocken hin und zurück. Ich genoss den Spaziergang, genauso wie Chico, auf festem Boden…diese kleine Pause von der Schaukelei tat gut.
Im Laufe des Tages beruhigte sich dann allmählich der Wind und die Wellen wurden langsam auch erträglicher. Der Regen war leider ausdauernder…So vertrieben wir uns den Tag mit schlafen, lesen, italienisch lernen, kochen…
Am kommenden Tag fuhren wir zurück in die inzwischen wieder frei gegebene Bucht Golfo Aranci, denn es war so langsam an der Zeit den Kühlschrank und die Vorräte wieder aufzufüllen.
Endlich sahen die Wettervorhersagen vielversprechend aus und so entschieden wir rüber zu der Isola di Tavolara zu segeln.


Wir hatten top Segelbedingungen und endlich wieder blauer Himmel und Sonne…herrlich…
Ja, auf Regen folgt Sonnenschein…So schnell kann sich die Laune verbessern!
Auf der Isola Tavolara verbrachten wir zwei wunderschöne Tage. Mir hat es hier sehr gut gefallen und meine Mutter war begeistert. Ich war wirklich froh, dass sie jetzt zum Schluss ihres Aufenthaltes auf Adesso noch ein paar so schöne Eindrücke sammelen konnte. Da Bilder mehr als 1000 Worte aussagen, hier ein paar richtig schöne Fotos:








Di Isola Tavolara hat mir vor allem wegen seiner Natur und der, zu diesem Zeitpunkt des Jahres, hier herrschende Ruhe und Abgeschiedenheit gefallen. Aber auch die Geschichte die dahintersteckt, dass es das kleinstes Königreich der Welt war, ist wirklich kurios und interessant:
Ende des 18. Jahrhunderts reiste der aus Korsika stammende und auf La Maddalena geborene Schäfer Giuseppe Bertoleoni per Schiff von Genua „back to the roots“ in Richtung Korsika und Sardinien, um sich dort niederzulassen.
Zunächst steuerte er die Bocche di Bonifacio an und besuchte seine Familie auf La Maddalena, wo er eine vorübergehende Unterkunft fand. Sein Ziel war jedoch eine Insel, auf der er sich mit seiner Frau niederlassen und auf der sie den Rest ihres Lebens bleiben könnten. Caprera erwies sich als zu groß und unpassend. Die Isola Mortorio, malerisch vor dem heutigen Porto Cervo gelegen, als zu klein und ungeschützt.
Er fuhr noch weiter südlich und fand schließlich einen Anker- und Siedlungsplatz an der, abgesehen von Ziegen und Vögeln, unbewohnten Isola Tavolara. Er nahm sie in Besitz und holte einige Zeit später Frau und Geschwister zu sich. Anfangs lebten wohl etwa sechs bis acht Personen hier.
Im Jahre 1836 näherte sich ein Boot der Insel. Doch war es nicht irgendein Boot: Der König von Sardinien, Carlo Alberto di Savoia, wollte erkunden, ob sich auf Tavolara trefflich jagen ließe.
Kaum hatte der König das Land betreten, begrüßte ihn Paolo, der Sohn von Giuseppe Bertoleoni und stellte diesen als „König von Tavolara“ vor. Wenn man der Überlieferung glauben darf, fand Carlo Alberto das so amüsant und den „anderen König“ , dass er beschloss, eine Woche auf der Insel zu bleiben. Einige meinen, diese Episode habe einen maßgeblichen Anteil daran gehabt, dass der König Sardiniens der Familie die kleine Insel schließlich schenkte. Eine sehr einfache Erklärung.
Andere vermuten, dass Giuseppe – deutlich kultivierter als der durchschnittliche sardische Schäfer – in Wirklichkeit Mitglied einer französischen Aristokratenfamilie war, der ins Exil reisen musste. Der ein oder andere Verschwörungstheoretiker vermutet in ihm gar den als ermordet oder verschollen geltenden Dauphin Louis, XVII.
Jedenfalls war König Carlo begeistert. Ob nun aus einer Zuneigung für den Erstgeborenen heraus oder angetan von dem Selbstbewusstsein eines Mannes, der zu Seinesgleichen gehörte – oder weil er die Insel eh für wertlos erachtete, erhielt die Familie Bertoleoni eine von Carlo Alberto unterzeichnete Schenkungsurkunde. In ihr verbrieft die Berechtigung, die Titel „König / Königin von Tavolara“ zu führen. Der oder die Erstgeborene hieße fortan „Principe“ oder „Principessa“ und die weiteren Nachkommen trügen den Zusatz „Signor delle Isole“ und „Signora del Mare“. Die Regentschaft über das Königreich Tavolara ging 1845 an den vorwitzigen Sohn über, der bis 1886 als Paolo I. regierte.
Die Schenkung und die damit verbundene Begründung des Königreiches Tavolara gilt bis heute. Die Insel gehört heute natürlich offiziell zur Region Sardinien. Das Königreich wurde über die Schenkungsurkunde hinaus nie offiziell anerkannt und auch nicht annektiert, ging aber wie alle Regionen nach dem Risorgimento in der Republik Italien auf. Die Familie Bertoleoni sieht das natürlich anders und für sie gilt weiterhin die „Monarchie“.
Der erste und die nachfolgenden Könige liegen auf einem kleinen Friedhof auf der Stranddüne begraben, nur wenige Meter hinter den Badenden. viele bemerken das Kuriosum gar nicht, und selbst wenn sie davor stehen, erschließt sich ihnen die Beschriftung „Re di Tavolara“ nicht.
Der heutige „König“ Antonio macht aus dieser Geschichte keinerlei Aufhebens, führt in Ruhe sein Restaurant „Da Tonino“, streitet sich mit dem Betreiber des zweiten Restaurants, und lebt die meiste Zeit sowieso in Olbia, ganz ohne Prunk und Pomp.
So kommt es, dass viele, wenn sie nach einem wunderschönen Sommertag die Insel Tavolara wieder verlassen, nicht einmal ahnen, bei einem echten König gespeist zu haben.
(www.pecora-nera.eu)

Im Inselinnern befindet sich der Friedhof auf welchem die verschiedenen Könige und Verwannten ab dem 18 Jahrhundert ihre letzte Ruhe fanden. Hier das Grab des 1. Königs:


Wir wären alle gerne noch länger hier auf der Isola di Tavolara geblieben, aber leider rückte die Heimreise meiner Mutter immer näher und so entschieden wir uns wieder zurück in die Bucht di Cugnana, südlich des Hafens von Portisco zu segeln. Von hier aus würde es keine Probleme geben mit dem Koffer an Land zu kommen und vom Taxi abgeholt zu werden. Den Abend liessen wir bei einem guten Abendessen im Hafenrestaurant gemütlich ausklingen.
Am folgenden Tag begleitete ich meine Mutter noch bis zum Flughafen und hoffe, dass sie trotz des sehr wechselhaften Wetters, aber die Zeit bei uns an Bord geniessen konnte.

Wie es dann bei uns weiterging, dazu mehr im nächsten Blog 😉
Raymonde
Trotzt dem Wieder war et ganz schéin.
Merci dir zwee. 😊😘😍
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Daat freet eis 🙂
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Hallo Raymonde, wieder mal danke für den interessanten Bericht!
Wünsche euch viiiel mehr Sonne, da seid ihr heuer nicht sehr gesegnet.
Wind könnt ich euch senden, den haben wir hier täglich ausreichend!
Alles Liebe und Gute bis bald!
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Danke für das positive Feedback 🙂
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Merci fir däi Blog, a besonnesch fir d’Story vum Kinnek vun der Tavolara! Ech war och schonns an där Regioun vu Sardinien, mee dat do wousst ech nach net.
Konnt dir déi staark Wellen dann net an der Laguna di San Teodoro évitéieren? Ech menge mech ze erënneren, dass déi nëmmen duerch ee schmuelen Agank, am Norden, mam Mier verbonnen ass.
A wann der e bësseméi südlech Fuert, do gëtt et en immens flotten Höhlesystem: https://www.google.com/url?q=https://www.grottabuemarino.com/&sa=U&ved=0ahUKEwiM2qXxrKr_AhWTwAIHHQMUARkQ61gIEygO&usg=AOvVaw1IE-zBekt8B3CsssAO0Qnl
Mir sinn zanter zwou Woche mat der Caravane tëscht Vendée an Nord Bretagne ënnerwee an haten nëmme Sonn, deels bei 30 Grad. Elo sëtze mer grad bei Erqui, nieft dem Cap Fréhel, bei ëmmer nach 22 Grad. A mat herrlech wéineg Touristen.
LG
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Hallo John
Ma dann sin ech jo schon baal richteg stolz, dass du durch eisen Blog eppes dobéi geléiert hues 😉
Dann genéiss weider deng Vakanz an daat schéint Wieder. Ech hoffen dass et lo hei am Mettelmiir och gléich bessi méi bestännech gett. MERCI fir den Tipp vun der Grotte…kucken daat wann mir op der Ostséit um Wee zreck no Norden sin.
LG
Raymonde
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