Leinen los…

Vor 1 1/2 Wochen sind wir in Cartagena gestartet. Wow, die Zeit vergeht so schnell…Wir hatten entschieden die Osterwoche noch in Cartagena zu verweilen um dann anschliessend die ersten guten Windverhältnisse zu nutzen um Richtung Formentera aufzubrechen.

Die SEMANA SANTA, wie die Osterwoche hier genannt wird, ist das grösste und wichtigste Fest in Spanien. Täglich finden hier sehr aufwendige Prozessionen statt. Ich weiss nicht richtig wie ich sie beschreiben soll: gigantisch, pompös, skurill, spuki, aufwendig geschmückt, laut, rythmisch, ergreifend…man muss es einmal gesehen haben….

Wir haben uns eine Procession angeschaut und das Ganze auf uns einwirken lassen. Hier ein paar Eindrücke:

Noch bis spät abends waren die Strassen von Cartagena täglich gerammel voll. Es schien als wären die Leute von überall hergekommen um an diesem Spektakel teilzunehmen. Tagsüber gesellten sich dann auch noch an manchen Tagen locker 4000-5000 Leute von 2-3 Kreuzfahrschiffen dazu, so dass ich behaupten kann, dass wirklich „was los war“ in Cartagena. Aber da wir inzwischen auch die ruhigen Ecken kennen, störte uns dieser ganze Rummel nicht wirklich. Das Einzige, was uns in dieser Woche wirklich auf die Nerven ging, waren die Schüsse, die regelmässig von der Armee abgegeben wurden…auch nachts. Doch da Cartagena über einen grossen militärischen Stützpunkt verfügt, gehört das „begleitende“ Schiessen anscheinend zu den Feierlichkeiten hinzu. Chico fand das natürlich alles andere als lustig und schreckte jedes Mal zusammen. Es tat uns echt leid ihn so ängstlich zu sehen, aber da musste er jetzt durch. Am Ende der Woche war er schon ein bischen „abgehärtet“, aber toll fand er das laute Knallen wahrlich nicht.

Am Donnerstag 21.4 war es dann so weit. Wir machten die Leinen los Richtung ISLA TABARCA. Wir hatten uns entschieden doch noch nicht nach Formentera zu segeln, denn für Freitag-Samstag war Starkwind über den Balearen gemeldet, doch etwas weiter im Norden in Küstennähe, war wesentlich weniger Wind vorausgesagt. Wir hatten anfangs sehr guten Segelwind und machten bei mässigem Wellengang von 1-1,5m gute Fahrt. Ab mittag drehte der Wind dann leider etwas ungünstig, so dass wir den Motor zu Hilfe nehmen mussten.

In Tabarca angekommen, ankerten wir alleine in der Bucht links vom kleinen Hafen. Tabarca ist eine sehr kleine Insel die aus zwei Teilen besteht. Der westliche Teil, teilweise umringt mit einer Festungsmauer, ist bewohnt. Hier gibt es sehr viele kleine nette Restaurants, ein paar Shops, 3 Hotels, ein paar Ferienwohnungen. Der östliche Teil ist ausschliesslich Naturschutzgebiet. Hier kann man gemütlich einen Spaziergang rund um die Insel machen und die Weite des Meeres geniessen. Tagsüber bringen unzählige Fähren vom Festland Tagesgäste auf die Insel. Wir wollen uns nicht wirklich vorstellen, wie das hier in der Hauptsaison aussieht, denn schon jetzt war tagsüber richtig viel los. Doch morgens und abends, wenn ich mit Chico auf Pippitour ging, erlebte ich die Insel total idyllich. Nur ein paar ältere Bewohner schlenderten durch die engen Gassen oder sassen irgendwo auf einer Bank und grüssten „Hola“.

Hier ein paar schöne Eindrücke:

Tabarca war wirklich ein toller Saisonstart und hat uns sehr gut gefallen. Eine negative Erinnerung wird uns aber bestimmt lange im Gedächtnis bleiben: die Nacht von Freitag auf Samstag! Die war wirklich nicht schön, gar nicht schön! Mitten in der Nacht, gegen 2 Uhr, bemerkten wir, dass unser Anker nicht mehr hielt. Wir lagen beide schon längere Zeit schlaflos da, weil zeitweise Böen bis 38 Knoten über uns hinweg zogen. Der Sturm hatte sich wohl doch nicht nur auf die Balearen beschränkt. Erschwerend kam hinzu, dass der Meeresboden mehr aus Gestein als aus Sand bestand. So konnte der Anker sich nicht wie gewohnt fest eingraben sondern rutschte bei jeder Böe immer etwas weiter. Irgendwann beschlossen wir, dass wir wohl keine Wahl hätten und umankern müssten. Das ist natürlich mitten in der dunkelen Nacht, bei starkem Wind, kein wirkliches Vergnügen und der Adrenalinpegel steigt natürlich ebenfalls. Aber es ging alles gut. Nachdem wir umgeankert hatten, versuchten wir wieder zu schlafen, aber obwohl der Anker jetzt hielt, bekamen wir beide kein Auge mehr zu. Dementsprechend müde starteten wir dann auch Samstags in den Tag. Aber nach einer vorgezogenen Siesta, fühlten wir uns wieder soweit erholt. Eigentlich wollten wir nicht von 0 auf 100 in die neue Saison starten und es nach unserer 6 monatigen Hafenwinterpause ruhiger angehen lassen, aber, wie so oft, kommt es anders als erhofft…

Für Sonntag war guter Wind Richtung Formentera vorausgesagt, so dass wir uns nach dem Mittagessen auf den Weg machten. Wir rechneten mit ungefähr 20 Stunden für die 96 Seemeilen. Doch da wir im ersten Drittel der Strecke bei tollem Halbwind dauernd über 7 Knoten Fahrt machten, kamen wir schon nach 19 Stunden an unserem „alten“ Ankerplatz links neben dem Hafen von Formentera an. Es war eine tolle Überfahrt und ein tolles Gefühl die ganze Strecke unter Segel bewältigt zu haben. Aber der Wind war noch kalt…noch ist kein Sommer.

Chico hatte sogar nichts gegen den wärmenden Mantel einzuwenden 😉

Wir waren froh wieder hier auf Formentera angekommen zu sein. Am ersten Abend zog es uns gleich wieder in unser geliebtes Restaurant, den Cafe del Lago und wieder genossen wir das leckere Essen und den herrlichen Ausblick.

Nach zwei Tagen verliessen wir Formentera Richtung Ibiza und ankerten in der Bucht El Jondal. Hier hatten wir guten Schutz vor dem jetzt vorherrschenden Nord-Ost Wind. Als wir in die Bucht reinfuhren, staunten wir nicht schlecht: nur Katamarane vor Anker! Etwas später fanden wir dann heraus, dass dies lauter Charter-Tagestörnkatamarane waren, die über Nacht hier vor Anker lagen um dann morgens Gäste an Bord zu nehmen für einen Tagestörn. 

Am nächsten Tag fuhren wir in eine etwas höher gelegene Bucht, eine neue Umgebung kennenlernen. Jetzt ankerten wir vor Es Cunells. Hier spazierte ich mit Chico ganz nach oben ins kleine Dorf um, wie Guy immer sagt, „hoch aufsteigen um dann tief herabzuschauen“ 😉

Aber der Ausblick war toll:

Am kommenden Morgen entschieden wir nach Ibiza Stadt zu segeln. Wir hatten Glück und konnten noch einen Hafenplatz für drei Nächte in der Marina Ibiza ergattern. Jetzt im April, in der Nebensaison, ist der Preis auch noch verkraftbar, aber später in der Saison nehmen die Marinas hier auf den Balearen meistens gar keine Katamarane an und wenn doch, dann für exhorbitante Preise von ein paar hundert Euro pro Nacht!

Seit Donnerstag sind wir jetzt hier in der Marina und haben inzwischen Ibiza bei Tag und bei Nacht ausgiebig entdeckt und den Aufenthalt hier voll genossen.

Die Küche auf Adesso blieb jeden Tag kalt, zu verlockend waren die vielen Restaurants.

Ich habe so viele tolle Fotos gemacht. Hier gibt es so viele tolle Ausblicke und geheimnisvolle Ecken. Zumal abends, wenn alles so schön beleuchtet ist…einfach schön. 

Im Hotel el Palacio haben sich verschiedene Persönlichkeiten verewigt, neben Udo Lindenberg war auch ein Luxemburger, der Jean Pütz hier gewesen…
Ganz viele gemütliche Restaurants!

Morgen werden wir uns wieder auf den Weg machen. Wir wissen noch nicht genau welche Bucht wir ansteuern werden, aber dazu mehr im nächsten Blog.

Vielen Dank fürs Lesen

Raymonde

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