Coppercoat…, Wieso, Weshalb, Warum

Wer fleissig diesen Blog hier verfolgt, oder sich sogar als unser „Freund“ bei Facebook nennen darf, der ist ja bestimmt schon über dieses Wort gestolpert. 

Aber was ist Coppercoat eigentlich? Beim Thema Coppercoat ist es ähnlich als bei Lithiumbatterien. Die einen finden es absolut Klasse und würden es um nichts auf der Welt wieder eintauschen wollen. Die anderen wollen nichts davon hören! Da nun schon einige Fragen von Euch zu diesem Zeug gestellt wurden, versuche ich mal ob ich ein bisschen Licht ins Dunkle bringen kann 😉.

Als Erstes mal…, um was geht es eigentlich? 

Nun, jedes Boot das längere Zeit im Wasser verbleibt wird früher oder später durch Organismen besiedelt. Es fängt an mit Bakterien, welche den Nährboden für Mikroorganismen darstellt. Diese winzigen Organismen bilden dann einen Schleimfilm, welcher wiederum einen exzellenten Haftgrund ist für Larven und Sporen die durch das Wasser treiben. Aus diesen Larven und Sporen entwickeln sich dann Seepocken, Muscheln, Krebstiere, röhrenbildende Würmer, Algen und weiss der Geier was nicht noch alles für Viecher.

Dieser Bewuchs ist natürlich alles andere als strömungsgünstig, und dadurch entstehen vor allem zwei grosse Nachteile: 

  1. Die Geschwindigkeit des Bootes wird drastisch reduziert. Zu einem wegen dem Reibungswiderstand am Rumpf, zum anderen lässt die Wirkung der Schraube extrem nach, da auch diese in der Regel vom Bewuchs befallen wird. 
  2. All diese Anheftungen am Rumpf und Schraube erhöhen den Treibstoffverbrauch enorm.

Nun, was kann man dagegen tun?

Die gängigste Methode im Sportboot-Bereich ist sogenanntes Antifouling. Das ist eine hochgiftige Farbe, welche die Tierchen schädigen oder abtöten soll. Es gibt 2 Arten von dieser Farbe: Hart-Antifouling-Farbe, welche in der Berufssschiffahrt und schnellen Motoryachten eingesetzt wird, und Weich-Antifouling-Farbe, die bei uns Segelbooten aufgepinselt wird. 

Das Tückische ist aber, dass dieses Weich-Antifouling selbsterodierend ist. -> Bedeutet, die Farbe wird durch die Fahrt durchs Wasser langsam abgetragen, damit immer eine wirkende Schicht Gift bereitsteht. Das abgetragene Antifouling verbleibt dabei natürlich im Meer ☹️.

Die Hersteller bemühen sich die Giftstoffe so gut es geht zu reduzieren, aber ganz ohne geht es nicht, und die Partikel der abgetragenen Farbe wandern dabei immer ins Wasser.

Was hat uns nun dazu bewegt uns für Coppercoat zu entscheiden? Um diese Frage zu beantworten, muss ich zurück zur Geburtsstunde von Adesso ausholen. Ab Werft ist am Rumpf von Adesso eine Schicht Epoxy-Farbe und eine Schicht Weichantifouling. 

Um es ganz verständlich auszudrücken: Epoxy wird aufgetragen als Barriere damit das Seewasser nicht ins Laminat eindringen kann und dadurch Osmose entsteht. Wegen der Osmose verliert der Rumpf an Stabilität, weil im schlimmsten Fall dadurch eine Delaminierung der einzelnen Schichten auftreten kann. Das kann dann bis zum Totalschaden führen. Osmose kann man bis zu einem gewissen Stadion reparieren, kostet aber sehr viel Aufwand und eine grosse Stange Geld! 

Diese eine Schicht Epoxy reicht aber bei weitem nicht aus für einen sicheren Osmose Schutz, es reicht aber bestimmt aus um das Boot so lange zu schützen bis die Garantie abgelaufen ist… (ich sag jetzt einfach mal nicht was ich davon halte…, könnte sonst Ausarten…! 🤬🤬)

Auch die eine Schicht Weichantifouling reicht kaum aus um ein Boot länger Zeit zu schützen, und muss in der Regel jedes Jahr oder spätestens nach 2 Jahren erneuert werden. Dazu muss das Boot natürlich aus dem Wasser.

So sah das Unterwasserschiff von Adesso aus als das Boot nach 6 Monaten aus dem Wasser gehoben wurde !!

Was also ist dieses Coppercoat?

Bei Coppercoat handelt es sich um eine Epoxy-Farbe, also eine 2 Komponenten Farbe. Die erste Komponente ist das Harz, die zweite Komponente ist der Härter. Beim Coppercoat werden noch feine 99 Prozentige reine Kupferpartikel dazugemischt. Das Mischverhältniss zum Antragen ist: 1 Teil Hatz, 1 Teil Härter und 4 Teile Kupferpulver (vereinfacht: 1kg Harz, 1kg Härter, 4kg Kupferpulver).

Also, jetzt aber: Warum sind wir bereit 10.000.-€ für dieses schweineteurer Coppercoat auf den Tisch zu legen? 

Zum einen wegen der Osmose. Eine einzelne schützende Schicht ab Werk reicht mir nicht aus. Das alte Zeug wird komplett untergeschliffen und ersetzt durch 4 Schichten Epoxy-Primer. Der Epoxy-Primer muss dann 5 Tage durchtrocknen. Das stellt eine ziemlich sichere Barriere dar. 

Runter mit dem alten Zeug.

Dann kommen weitere 4 Schichten von dem Coppercoat drauf, welche ebenfalls 5 Tage trocknen müssen. Da das Coppercoat als Basisträger ja ebenfalls aus Epoxy besteht, werden am Ende 8 Schichten Epoxy das Boot sicher vor Osmosebildung schützen.

Zum Anderen habe ich keine Lust jedes Jahr das Boot aus dem Wasser Kranen zu lassen um die Giftfarbe zu erneuern. Die Farbe selbst bekommt man nicht geschenkt, und auch das aus dem Wasser nehmen und wieder zurück kostet um die 600€ (mal mehr mal weniger). Ganz zu schweigen von dem Arbeitsaufwand.

Coppercoat gibt eine Garantie (bei fachgerechtem Auftragen) von 10 Jahren. Mit allem Pi-Pa-Po rechne ich bei einem normalem Antifoulingauftrag so und die 1500 bis 2000.-€ pro Auftrag/Jahr… Dann kommt man mit Coppercoat langfristig sogar günstiger weg.

Ein gewisser Gedanke an den Umweltschutz spielt natürlich dabei auch eine wesentliche Rolle. Das ist die Einleitung zum nächsten Kapitel:

Wie funktioniert Coppercoat.

Nun, wie der Name schon sagt: Coppercoat, Kupferbeschichtung. Kupfer ist schon seit dem 18. Jahrhundert ein bekannter Bewuchschutz für Boote. Früher wurden einfach Kupferplatten an den Rumpf genagelt. Heute wird das Kupfer mit Epoxy vermischt und in 4 Schichten aufgetragen. Nach dem Trockenen muss dann das im Epoxy eingeschlossen Kupfer wieder wirksam gemacht werden. Dies geschieht durch anschleifen. Kurz bevor das Boot wieder zu Wasser gelassen wird, muss das Coppercoat angeschliffen werden, damit die Kupferpartikel freiliegen und Ihre Wirkung unter Wasser entfalten können. That’s it!

Es bildet sich zwar trotzdem noch eine kleine Schleimschicht. Diese ist aber leicht mit dem Schnorchel und einem Schwamm wieder weg zu bekommen. 

Im Gespräch mit anderen Coppercoat-Benutzer haben wir bis heute niemanden gefunden der gesagt hat, er würde es nicht wieder tun. Vor kurzem noch erzählte uns ein Eigner stolz er habe das Coppercoat bereits seit 15 Jahren auf seinem Boot. Er würde das Boot diesen Winter aber heraus kranen lassen um eine (1) neue Schicht auftragen zu lassen. 

4 Schichten Epoxy-Primer sind nun aufgerollt und müssen 5 Tage durchtrocknen.

Wenn ich so darüber nachdenke…: Stellt euch mal die Masse an Sportbooten vor, welche in den Weltmeeren umher schwimmen. Jedes dieser Boote hat je nach Länge 5, 10 oder 15 Liter Antifouling am Rumpf kleben. Fast das gesamte Biozid mitsamt seinem Trägerstoff wird innerhalb von einem Jahr dabei ins Meer geschwemmt. Schon krass 😢.

Soviel zum Coppercoat!

Nachtragend eine kleine Anekdote zum Nachdenken:

Ich wollte bereits in den Niederlanden Coppercoat auftragen lassen, und hatte diesbezüglich bei zwei Werften angefragt. 

Mit einem erstaunlichem Ergebnis: Coppercoat ist in den Niederlanden verboten…! Nein, nicht ganz richtig; das Auftragen von Coppercoat ist in den Niederlanden verboten…! 

Die Niederlanden haben ein grosses Problem mit Ihren Binnengewässer. Alles an Dünger und Pestiziden in der Umgebung gelangt dort ungehindert ins Wasser. Das ergibt eine ideale Brühe für ein explosives Algenwachstum im Sommer. Das geht soweit dass „Unterwasser Rasenmäher“ eingesetzt werden müssen um die Schifffahrtswege frei zu halten. Wir selbst waren eimal fast mit unserem früherem Boot, der CALIMERO in so einem Algenwald hängen geblieben. 

Schlaue Politiker haben also auf das Problem reagieren müssen. Da das Problem an der Wurzel zu bekämpfen wohl zu schwierig war, wurde die Freizeit Schifffahrt schikaniert. Es durften nur noch von den Niederländischen Behörden freigegeben Antifouling in den Niederlanden verarbeitet werden. Es wird sogar kontrolliert und es drohen empfindliche Strafen, wenn man dabei erwischt wird, ein nicht zulässiges Antifouling an den Rumpf zu streichen (alles unter dem Deckmantel des Umweltschutz natürlich). Interessant ist, dass es hauptsächlich niederländische Produkte sind die eine Zulassung erhalten haben. Die Lobby dort hat gute Arbeit geleistet…!

Eine Werft hat mir unter vorgehaltener Hand gesagt, dass Sie trotzdem vereinzelt Coppercoat verarbeiten würden, dies aber dann nicht als Antifouling verrechnen würden, sondern als Epoxy Anstrich… aha!

Coppercoat, als nicht zugelassenes Antifouling, ist verboten, als Epoxy Schutzschicht aber erlaubt. 🤷

Würde ich mit dem Boot über die Grenze fahren, dort Coppercoat auftragen lassen, und zurück nach Holland kommen wäre es auch kein Problem!

Da stehen (wie so oft) wirtschaftliche Interessen eindeutig vor dem Umweltschutz. Wiedermal bin ich zum Schluss gekommen, dass nicht gewählte Politiker, die Ihe Wähler vertreten sollten das Sagen haben, sondern, dass mächtige Firmenbosse an den Schrauben drehen. 

Nachtragend: Ich bekommen das Coppercoat keinen Cent billiger wegen dieser Lobeshymne (leider… 😢). Es ist einfach meine/unsere persönliche Meinung!

So…, ich hoffe ich konnte für ein bisschen Aufklärung sorgen warum unser Boot zu Zeit auf dem Trockem steht. Nächste Woche soll (sofern das Wetter mitspielt) das Coppercoat dann endlich auf den Rumpf kommen.

Bis dahin, Adios
Guy

6 Kommentare

  1. Jo,mir hatten och net gemengt dass Scheff no enger so kurzer Zeit ennen rem 😉 so schlemm aus geseit.
    An we lang as Scheff dann geschutz mat der neier Farw, hun et lo am Text net found.
    Mat beschten Greis vum Michel an Liliane.

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  2. Hi Guy, prima Artikel zum ewigen Thema. Mit 600 Euro fürs Antifouling kaufst du prima ein. Wir haben für 2* 45 Fuß 1.400 USD bezahlt. Und waren froh überhaupt was in Grenada zu bekommen. War allerdings Seajet Platinum. Was hat FP Euch denn gestrichen, das ihr nach so kurzer Zeit schon einen Golfplatz rumfahrt?
    Habt Spaß und ne gute Zeit
    Viele Grüße aus Guadeloupe
    Holger

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    1. Hi Holger,
      Danke für Dein Feedback. Die 600.-€ stehen nur für das Kranen. Keine Ahnung was Fountaine Pajot da draufklatscht…, scheint ein Dünger zu sein für Aquariumplanzen… 🤷‍♂️. Aber schön saftig grün war die Wiese 🤣.
      Schöne Grüsse in die Karibik und an Ka!

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