Calabardina Bucht – Portman Bucht – Formentera

Unsere Ankerbucht, die wir ab der Marina Garuccha angesteuert haben, war die Bucht von Calabrina weiter nördlich Richtung Cartagena. Die Umgebung gefiel uns sehr gut. Die Bucht war eingebettet in eine Landschaft aus dunkelen Felsen, unterbrochen durch grüne, sehr saftig schimmernde Täler. Anfangs dachten wir, es wären Golfplätze, aber als wir näher kamen, konnten wir erkennen, dass es Felder waren. 

Die Bucht war sehr schön. Keine riesigen Betonsünden, sondern schön in die Landschaft eingebettete Häuser. Die wenigsten waren jedoch bewohnt. Wir denken, dass die meisten wahrscheinlich als Zweitwohnsitz oder als Ferienhaus dienen.

Mit dem Beiboot setzten wir rüber zum Ortsfischersteg um eine kleine Erkundungstour durch Calabardina zu machen, aber da waren wir schnell durch. Hier waren die Rollläden auch schon fast alle zugeklappt. Es herrschte Winterschlaf. Nur ein paar einheimiche Fischer begegneten uns und ein paar ältere Leute genossen die Sonnenstrahlen am Strand. Danach machten wir uns einen gemütlich Grillabend, wo unser kleiner Gas Weber-Grill wieder zum Einsatz kam. Es war schon entspannend, so alleine in dieser Bucht gemütlich grillen, ein bischen Wein…

Am nächsten Tag fuhren wir nach dem Chicopippispaziergang aber recht früh wieder los, denn wir wollten Strecke Richtung Norden gutmachen, weil uns schon seit ein paar Tagen die Idee nicht losläst, noch nach Ibiza oder Formentera rüberzusegeln, wenn das Wetter passt. Wir sind inzwischen Mitte Oktober und hätten jetzt auch die Option gehabt im Hafen von Cartagena nachzufragen, ob unser Winterliegeplatz nicht auch schon 2 Wochen früher zur Verfügung stände, aber irgendwie wollten wir die Saison jetzt noch nicht beenden. In zwei Tagen soll der Wind aus Südsüdost kommen, 10-12 Knoten, das wäre perfekt für die Überfahrt. So hatten wir jetzt entschieden bis zur Portmanbucht hochzufahren, um dann, von da aus, die 128 Seemeilen Richtung Formentera in Angriff zu nehmen. Mit einem Durchschnitt von 5 Knoten würden wir 25 Stunden für diese Strecke brauchen, mehr wollen wir auch Chico einfach nicht zumuten, wenn er wieder auf stur schaltet und sich nicht auf Adesso erleichtern will. Natürlich hoffen wir, dass es dieses Mal endlich klappt…

In der Bucht von Portman angekommen, merkten wir relativ schnell, dass diese uns leider nicht so vor den Wellen schützt wie wir es erhofft hatten. Irgendwie fanden sie wieder den Weg in die Bucht hinein, obschon wir hier eigentlich hätten ruhig vor Anker liegen müssen, laut Wetterprognosen. Aber es gab leider keine Alternative in der Gegend, also hiess es wieder Zähne zusammenbeissen und die Wakelei ertragen. Erschwerend kommt hinzu, dass Adesso an einigen Ecken ziemlich knackst und quitscht und im Mast ein Kabel lose hin-und her klappert und das nervt dann natürlich umsomehr. Wir hoffen, dass wir die Problemstellen finden werden und etwas dagegen tun können. Guy schimpft dann schon zu Recht, dass die Franzosen keine saubere handwerkliche Arbeit verrichtet haben bei Fountaine Pajot. Es wäre mit Sicherheit besser gewesen, von Anfang an Präzisionsarbeit zu leisten als jetzt, im Nachhinein die Fehlerquellen zu suchen und mit viel Aufwand zu beheben 😦 

Aber zurück zur Bucht von Portman. Wir ankerten vor einem langen schwarzen Strand, dessen Sand so fein wie Puder war (und sich dementsprechend auch sehr gut im Fell von Chico ansammelte). Hinter dem Strand lag ein grosses Feuchtgebiet in dem sich Flamingos und andere Seevögel aufhielten. Weiter im Hinterland lag die Ortschaft Portman und eine alte stillgelegte Fabrik. Dann gab es noch einen natürlichen Mini-Fischerhafen mit Holzstegen der Marke „Eigenbau“, zwei einheimische Restaurants die den frisch gefangenen Fisch vom Tag in verschiedenen Variationen anboten. Wir haben uns aber entschieden auf Adesso zu kochen, denn wir wären ziemlich sicher nicht im trockenen Zustand am Strand angekommen. Die Brandung war einfach zu stark um mit dem Beiboot sicher an Land und wieder zurück zu kommen. Zudem schien die Qualität des Wasser hier nicht die Beste zu sein, denn es schwamm so eine weisse Schicht auf der Oberfläche und das Wasser roch nach Aquariumwasser, das dringend ersetzt werden müsste. Wir gehen davon aus, dass die vielen Fischzuchtstationen in der Umgebung einfach zu viele Nährstoffe ins Wasser abgeben und dies dann die Folge ist.

Wir hatten und dazu entschieden am kommenden Tag so gegen 13Uhr Richtung Formentera aufzubrechen. Die Wetterprognosen waren vielversprechend. Die Nacht war leider alles andere als erholsam mit dem Gewackele und der Geräuchkulisse. Das hätten wir uns vor einer Nachtüberfahrt eigentlich anders gewünscht…

Nach dem Frühstück habe ich mich mit Chico auf den Weg Richtung Leuchtturm gemacht, denn ich wollte ihn noch ein bischen auspowern bevor es los geht. Hier gab es einen tollen Spaziergang an der Küste entlang, hoch auf die Klippen. 

Von hier aus hatte ich natürlich wieder super Aussichten auf Adesso und die ganze Umgebung. Guy sagt immer: „Du willst überall hochklettern um dann hinab zu schauen“ Ja, das stimmt, ich mag diese Ausblicke wirklich gerne. Er kann meine Begeisterung da weniger teilen…

Hier konnte ich dann auch die Überreste der alten Militäranlage, der Bateria de la Chapa aus dem Jahre 1930 bestaunen. In Nord-oder Mitteleuropa wäre wahrscheinlich alles gesichert und abgesperrt worden, aber hier war noch fast alles frei zugänglich. Ein paar Eindrücke:

Zurück auf Adesso, habe ich uns ein kleines Mittagessen vorbereitet und dann ging der Anker hoch…Ziel Formentera. Für mich würde dies der bis jetzt längste Törn werden. Ein bischen Aufregung verspürte ich schon, aber auch Vorfreude. Am Anfang mussten wir noch motoren, weil der Wind einfach zu schwach war aber dann, nach ungefähr zwei Stunden Fahrt, erreichte er allmählich 8-10 Knoten, so dass wir das Vorsegel zur Unterstützung dazu nehmen konnten. Noch zwei Stunden später blies der Wind dann konstant mit über 10 Knoten aus Südsüdost, so wie vorhergesagt (für einmal 😉 und wir konnten unser Leichtwindsegel, den Genacker zum Einsatz kommen lassen. Herrlich, jetzt spurteten wir mit teilweise über 6 Knoten Fahrt über Grund Richtung Formentera. Hinter uns verschwand so langsam die spanische Festlandküste. Wir genossen unser Abendessen bei einem herrlichen Sonnenuntergang während Adesso durchs Wasser zischte. Im Zweistundentakt wechselte ich mich mit Guy bei der Nachtwache ab. Das ging eigentlich ganz gut, aber es war klar, dass man morgens doch merkt, dass ein paar Stunden Schlaf fehlen. Ganze 12 Stunden konnten wir das Leichtwindsegel stehen lassen. So gegen halb sieben flachte der Wind zu sehr ab, so dass das Segel immer wieder einfiel. Also entschlossen wir uns, die letzten Seemeilen bis nach Formentera zu motoren. Nach 24 Stunden kamen wir in der Cala Saona an und liessen den Anker in türkisem Wasser auf Sand fallen. Es war eine wunderschöne Bucht aber leider kamen die Wellen ziemlich ungeschützt hinein, so dass es klar war, dass wir hier wohl nicht lange verweilen würden. Da Chico aber wieder die ganze Überfahrt nichts auf Adesso verrichtet hat, bin ich trotz der Wellen mit ihm mit dem SUP rüber zum Strand, um hier ein bischen mit ihm spazieren zu gehen damit er sich erleichtern konnte. Es nervt uns wirklich, dass er so stur ist, denn es werden mit Sicherheit noch längere Törns kommen und das wird dann so nicht klappen. Die Hoffnung stirbt zu Letzt, dass es vielleicht bei der Rückfahrt Richtung Cartagena klappt, aber irgendwie glaube ich nicht mehr so Recht daran 😦

Zurück auf Adesso sind wir weiter nördlich, am Hafen von Savina entlang, bis zur Beso Beach Bucht gefahren. Hier haben wir den Rest des Tages vor Anker verbracht, haben ein bischen Schlaf nachgeholt und einen kurzen Erkundungstrip durch den Hafen von Savina gemacht. Kurz vor Sonnenuntergang entschlossen wir uns, den Ankerplatz aber noch einmal zu wechseln, denn die Fähren, die zwischen Ibiza und Formentera unaufhörlich hin- und herbrausten, verursachten so starke Wellen, dass die hier ankernden Schiffe jedesmal wild hin und her geworfen wurden. Auf dem Hinweg, hatten wir ein Bojenfeld gesichtet, das in einer gut geschützen Bucht lag, nicht weit weg. Hier angekommen schnappten wir uns eine Boje und genossen die neu gewonnene Ruhe. Kein Wackeln mehr! 🙂 Normalerweise sind solche Bojen kostenpflichtig und es dauert nicht lange, bis jemand einkassieren kommt, aber bis heute, zwei Tage danach, ist noch niemand erschienen, so dass wir mitlerweile der Meinung sind, dass im Oktober die Bojen gratis sind und nur in der Hochsaison abkassiert wird…keine Ahnung. Im Moment sind wir ganz zufrieden hier, denn Adesso liegt ruhig und wir sind trotzdem nicht weit von der Ortschaft entfernt. Gestern abend waren wir mit dem Beiboot rübergefahren und haben eine super lecker schmeckende Pizza in einem sehr stilvollen Restaurant, dem Cafe del Lago genossen. 

Die Rückfahrt mit dem Beiboot zurück zu Adesso ist in der Nacht natürlich ein kleines Abenteuer, aber es hat alles geklappt 😉

Heute kamen unsere Brompton Faltfahrräder zum Einsatz, denn wir hatten geplant Formentera per Rad zu Erkunden. Nachdem ich heute morgen einen längeren Spaziergang mit Chico Richtung Punta de Sa Pedrera gemacht habe (die Küste ist leicht erreichbar mit dem SUP von unserem Bojenplatz aus), luden wir die Fahrräder in unser Beiboot und machten uns auf den Weg Richtung Lago, wo wir das Dinghi an einem alten Holzsteg festmachten. Chico haben wir auf Adesso gelassen. Ihn in einem Rucksack mit dem Fahrrad mitzuschleppen, hätte ihm sicherlich auch nicht viel Freude bereitet. Dann lieber relax ein Mittagsschläfchen auf Adesso bis wir zurück sind. 

Als erstes haben wir uns auf den Weg Richtung Nordspitze von Formentera gemacht, an der Platja de Llevant entlang zur Platja de Ses Illetes. Das sind wirklich wunderschöne, fast karibische Strände mit türkisblauem Wasser inmitten von flachen Felsen. 

Ich war erstaunt wieviele Leute heute an einem Montag 18. Oktober diese Strände aufsuchten. Ich will mir nicht vorstellen was hier wohl in den Sommermonaten los sein muss. Die gefühlten 50 Auto-, Scooter- und Fahrradverleihe lassen es erahnen. Hier muss dann wohl ein zimmliches Chaos herrschen. Von hier aus wollten wir eigentlich um den Estany Binnensee herumfahren, aber irgendwie hat dies sich als schwerer herausgestellt als erwartet, denn hier auf Formentera sucht man vergebens nach gut beschilderten Fahrradwegen. Jedenfalls wurden wir heute mal nicht fündig, vielleicht morgen oder übermorgen… Schlussendlich haben wir uns von Es Pujols aus entschlossen der Hauptstrasse zurück zum Hafen zu folgen. 

Zurück auf Adesso, war die Wiedersehensfreude bei Chico natürlich riesengross und da er jetzt gut ausgeruht war und voller Tatendrang, wurde das Alleinebleiben mit einem Spaziergang Richtung Salines belohnt. 

Danach habe ich mich dann der Fertigstellen dieses Blogs gewidmet 😉 

Ich hoffe ihr hattet Spass beim Lesen. Wir freuen uns auch über jeden Kommentar, jedes Feedback von euch. Das motiviert dann zusätzlich diese Blogs zu schreiben.

Bis dann 

10 Kommentare

  1. Mëcht ëmmer nees Freed äre Blog ze liesen. Dat gëtt engem e bëssen en Androck vun äeren Erliefnisser. Ech sinn ëmmer nees gespaant wat et Neies gëtt…

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  2. Sin emmer ganz gespaant op den nächsten Blog mat den megascheinen Biller.
    Super och dass dir ich nach getraut hudd bis op d’inselen ze segelen.
    Et ass nach e bessi ze frei fir d’Wanterpaus:)

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  3. Wow,respekt,dass dir är Dreem verwierklecht an dat sou duerchzidd! 👍 Falls dir d’Geleenheet kritt ierch Menorca unzekucken, kann ech ierch nemmen rooden,dat ze maan.Ett ass eng wonnerschein Insel (ech hun 1 Joer do geliewt). An zumols mam Boot,kennt een do an dei scheinsten Buchten 😉 LG a ganz vill Spaass nach

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