Playa de la Joya – Almerimar

Vor zwei Stunden sind wir im Hafen von Almerimar gestartet und durchqueren im Moment den Golfo de Almeria. Unser heutiges Ziel ist eine Bucht an dessen Ostseite, wo wir uns einen ruhigen Ankerplatz für die Nacht erhoffen, der uns ein bischen Schutz vor den Wellen und dem Wind aus Ost bietet. Im Moment bedeutet die vorherherrschende Windrichtung für uns vor allem MOTOREN. Entweder ist fast gar kein Wind oder er kommt genau von vorne. Er zieht parallel an der Küste entlang, sind wir von west nach ost unterwegs, kommt er aus Ost. Später, wenn wir einen nordöstlicheren Kurs einlegen, Richtung Cartagena, dann soll er aus Nordost kommen….grrr, schon ziemlich frustrant in dieser Gegend! In den Häfen sieht man dafür wahrscheinlich auch kaum einheimische Segelboote, hauptsächlich Motorboote, denn die Costa del Sol ist wirklich kein attraktives Segelgebiet. Es gibt kaum schutzbietende Ankerbuchten und die Küste ist wirklich nicht schön und sehr eintönig: im Hinterland ziemlich hohe braune Berge ohne Vegetation und vorne an der Küste, alles voll mit Gewächshäuseren. 

Manchmal gibt es „Unterbrechungen“ in der weissen Plastiklandschaft. Das sind dann meistens Touristenresorts mit grösseren Hotelanlagen oder kleinere Dörfer, in denen die hier arbeitenden Menschen wohnen. Hier läuft die Obst- und Gemüseindustrie auf Hochtouren, aber mit nachhaltiger Landwirtschaft hat dies sicher nichts mehr zu tun. Aber die Menschen in Europa wollen das ganze Jahr über frisches Obst und Gemüse in den Supermärkten…

Wir sind auf jeden Fall voller Vorfreude auf die Costa Blanca und hoffen, dass diese Landschaft uns besser gefällt.

Bevor wir vor zwei Tagen nach Almerimar in den Hafen fuhren, haben wir zwei Tage in der Bucht vor der Playa de la Joya verbracht. Von Weitem war es eine sehr unscheinbare Bucht zwischen Felswänden vor einem Kiesnaturstrand. Aber hier fanden wir guten Schutz vor den Wellen und verbrachten zwei angenehme Tage vor Anker. Das Wasser war glasklar und beim Schnorcheln konnten wir doch recht viele Fische beobachten. Abends, wenn der Strand sich leerte und wir ganz alleine in dieser Bucht lagen, genossen wir wieder diese herrliche Ruhe. Nichts als das leichte Plätschern der Wellen oder das Pfiepen der Möwen.

Beim Morgenpippispaziergang mit Chico schoss ich dieses schöne Foto:

Auch hier gab es sofort hinter der Küstenstrasse wieder lauter Gewächshäuser. Dies scheint neben dem Tourismus auf jeden Fall die Haupteinnahmequelle dieser Region zu sein.

Da der Wind die nächsten Tage wieder auffrischen wird, verliessen wir nach zwei Tagen die Joyabucht und machten uns auf den Weg Richtung Almerimar Hafen. Laut Törnführer soll der Hafen von Almerimar einer der grössten und besten Häfen in dieser Gegend sein. In vielen Segelberichten hatten wir nur Positives und viel Lob über diesen Hafen gelesen. Wir waren gespannt und freuten uns am Nachmittag nach längerer Fahrt am Meldesteg anzukommen. Der erste Eindruck war auch sehr posiitv. Der Mann im Hafenbüro war sehr nett und sprach vier Sprachen flüssig (spanisch, englisch, deutsch und französisch). Als ich ihm sagte, dass ich leider noch nicht so viel Spanisch verstehe, dass ich erst am Lernen wäre, hat er mir alles als erst auf Spanisch gesagt und anschliessend auf Deutsch wiederholt, wenn ich nicht alles verstanden hatte. Er meinte, so könnte ich an meinen Spanischkenntnissen arbeiten…Recht hat er und das war auch echt nett von ihm. 

Nach den administrativen Formalitäten machten wir uns auf den Weg zu unserem Liegeplatz. Dieser gefiel uns aber so gar nicht, denn er war ganz hinten im Hafenbecken, sofort gegenüber der grossen Wohngebäude, zwischen den Restaurants und Bars und soviel sich Guy bemühte, Adesso stand nie parallel mit dem Heck zum Steg, sondern wurde immer wieder durch die Steuerbordmoringleine, die unter dem Boot durch lief, nach links gezogen. Die Marineiros behaupteten sich aber dauernd darauf, das wäre die richtige Moringleine und sie würden uns keine andere geben. So machte Guy den beiden genervt klar, dass er einen anderen Platz für Adesso möchte und zwar vorne im Hafenbecken neben den anderen Katamaranen. Wir waren genervt, die Marineiros waren genervt, keine gute Ausgangslage für einen weiteren Anlegeversuch, aber da mussten wir jetzt durch. Mit dem neuen Liegelatz waren wir dann zufriedener, obwohl Adesso immer noch nicht perfekt gerade ausgerichtet war. Auch hier hatten sie uns wieder eine Moringleine gegeben die nicht seitlich sondern unter Adesso hindurchläuft, was wieder dazu führte, dass wir bei seitlichem Wind zur Seite wegdrechen würden. Aber da nicht so viel Wind gemeldet war, meinte Guy, es wäre „Ok“. So lange würden wir ja nicht hier bleiben. Die Marineiros hatten uns hier echt genervt, denn sie stellten sich taub als Guy ihnen mehrmals sagte, es wäre die falsche Moringleine und waren null einsichtig. Im Gegenteil, ein junger, wahrscheinlich noch Auszubildender, der es nicht mal fertig brachte mir zweimal hintereinander das Seil korrekt rüber zu werfen, fauchte Guy an, er müsste einfach nur fester anziehen…Hmmm, dabei kann man ja wirklich nicht behaupten, Guy hätte keine Kraft….Oh ja, es war eine geladene Stimmung und wir waren froh, als das Anlegemanöver fertig war und die Beiden das Weite suchten. Dies war bis jetzt das erste Mal, dass die Marineiros uns so unkompetent erschienen und uns genervt haben…naja…hoffentlich bis aufs Weitere das letzte Mal…

Nach einem „Kommwiederrunter-Bier“ und einer erfrischenden Dusche, machten wir uns dann auf Erkundungstour durch den Hafen. Von Weitem sahen die ganzen Gebäude, die sich ähnlich wie in Port Grimaud um die verschiedenen Hafenbecken erstrecken, ganz ansprechend aus, aber aus der Nähe betrachtet… Uh lala…alles heruntergekommen, alt, Fassaden brökeln ab, Bordsteinpflaster überall kaputt, viel Schmutz, viele, sehr viele leere Verkaufsläden in erster Reihe am Hafen… Nein, Almerimar hat definitiv seine besten Jahre hinter sich. Hier müsste viel, sehr viel renoviert werden damit dieser Hafen wieder Charme und Wohlfühlatmosphere ausstrahlt. Die Hafensanitäranlagen standen dem Ganzen in nichts nach. Es wäre jetzt falsch zu behaupten, sie wären schmutzig gewesen, aber einladend ist anders! Ich kam mir vor wie in einer alten militärischen Kaserne oder so… grosse dunkelbraune Fliesen mit breiten schwarzen Fugen, verrostete Eisenschränke neben den Duschen, Toilettenpapier unauffindbar…

Wir können den ganzen Lob, die positiven Berichte wirklich nicht nachvollziehen. Ja, es stimmt, der Hafenpreis für Adesso für eine Nacht ist mit 21 Euro unschlagbar günstig. Aber Guy sagt zu Recht…es ist nicht günstig, es ist billig. Günstig wäre es, wenn man eine gute Leistung für einen günstigen Preis bekommt, aber hier muss man schon viel „hinnehmen“, wenn man einen billigen Liegeplatz haben will. Wir sind auf jeden Fall froh, dass wir uns dazu entschlossen haben unseren Winterliegeplatz in Cartagena zu reservieren (obwohl es da teuerer ist), denn hier in Almerimar wären wir sicher nicht glücklich geworden. Der Steg an dem wir lagen, war schon so zerfallen, dass unten die Eisenstangen raushingen. Man hatte schon einen weiteren Belag aus Beton daraufgegossen, aber was nützt dieser auf Dauer, wenn das Fundament darunter wegbröckelt…??? 

Aber es lagen viele Boote aus vielen Ländern hier. Sicherlich ein Pluspunkt von Almerimar ist, dass man als Bootseigner hier wirklich alles findet, was man braucht. Vom Segelmacher über den Edelstahlverarbeiter, vom Shipchandler bis zum Bootselektriker…, hier sind alle Betriebe in unmittelbarer Nähe zum Hafen zu finden. Für jemanden der ein paar Arbeiten an seinem Boot erledigen will, einen billigen Liegeplatz sucht und über den Winter mehrere Wochen/Monate zurück nach Hause fliegt, für den ist Almerimar bestimmt eine Option…

Nachdem wir dann doch etwas enttäuscht waren, hatte wir aber gestern doch noch ein Highlight in einem kleinen Restaurant wo wir sehr lecker zu abend gegessen haben 🙂

So, so langsam knurrt jetzt auch der Magen. Jetzt gehe ich uns einen kleinen Mittagssnack vorbereiten…noch immer unterwegs im Golfo de Almeria…

Bis bald

Raymonde

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