Winterschlaf

Freitag nachmittag sind wir ziemlich kurzfristig nach Lelystad gefahren um Calimero auf die harte Winterzeit vorzubereiten. Im Nachhinein muss ich leider zugeben, dass ich mich bei meiner Spontanität diesmal total verzettelt hatte. Das Wetter spielte so gar nicht mit. Ein Orkansturm tobt sich auf der Nordsee aus und macht die deutsche Küste recht unangenehm. Aber auch in den Niederlanden wehte ein kräftiger Nordwind mit teilweise 50 Knoten über uns hinweg. Dies war für Freitag, Samstag und Sonntag so vorhergesehen… hätte ich mal die Wettervorhersage vorher angeschaut! Aber da ich ja nicht vor hatte zu Segeln, habe ich auch nicht auf den Wetterbericht geachtet. Wie gesagt, das war ein Griff nach hinten. Zwei Nächte ohne Schlaf, der Wind heulte so heftig durchs Rigg, dass Calimero zitterte. Die Wellen (ja, Wellen im Hafenbecken!!!) ließen Calimero tanzen, doch er wurde immer wieder durch seine Festmacher eingegrenzt. Das Angebundensein gefällt unserem wanderlustigen Calimero aber überhaupt nicht, und das zeigte er uns immer wieder durch wildes Rucken und einstampfen. Was für eine Geräuschkulisse!

Unser Winterliegeplatz im Hafen bleibt nicht der Gleiche. Die Dalben werden in den nächsten Monaten erneuert. Das war auch gut so, denn um die Segel abzuschlagen stand das Boot recht ungünstig. Wir stehen im Normalen mit dem Heck Richtung Norden und genau aus Norden wehte dieser stramme Wind. Dabei wären die Segel permanent unter vollem Druck gewesen. Bei diesen Kräften wäre es unmöglich gewesen die Tücher runter zu bekommen. Der Winterplatz liegt am selben Steg, aber halt auf der gegenüberliegenden Seite, so dass wir dann den Wind auf dem Bug haben. Deshalb war erstmal ein Platzwechsel angesagt. Die Capitana rümpfte die Nase:“ Bei dem Sturm willst du hier den Platz wechseln…!?“. Aber was sollte ich antworten außer ein „Ja“. Ich konnte Ihr das Unwohl sein in den Augen ablesen. Ich habe mir also die Zeit genommen und bin, wie in allen Lehrbüchern beschrieben, den genauen Ablauf mit Ihr durchgegangen. Wir haben uns den neuen Liegeplatz zusammen angeschaut und Punkt für Punkt den Ablauf abgehackt. Als die Capitana dann auch noch sah, dass keine Führungsleinen am neuen Platz gespannt waren, da wurde Sie dann noch unruhiger. Ich habe Ihr dann die Verantwortung für den wichtigsten Festmacher abgenommen. Der wichtige, zum Wind zugewandte Festmacher übernahm ich. Die Capitana sollte nach der Einfahrt die Fender ausbringen und sich sogleich darauf vorbereiten vom Bug auf den Steg überzusteigen damit Calimero nicht mit der Nase abhaut. Ich vertraue meinen Fahrkünsten mittlerweile so sehr, dass ich die Sache ziemlich gelassen anging. Ein Scheitern kam erst gar nicht in Frage. Das Manöver gelang dann auch genau wie vorhergesagt. Souverän wechselten wir den Platz. Die Kapitana konnte durchatmen.

Meine zweite Aufgabe für Samstag war es die Segel abzuschlagen. Calimero  „Oben Ohne“ da stehen lassen… In diesem Getöse wollte ich dem Boot seine Bekleidung entrauben! Calimero wehrte sich mit allen Ihm zu Verfügung stehenden Mitteln. Er schaukelte uns damit wir mit dem Gleichgewicht zu kämpfen hatten, ließ den Baum hin und her schlagen…, versuchte uns mit der Flanke des Segel K.O. zu schlagen. Die Sache erwies sich dann doch einfacher als gedacht. Lediglich das Falten und Rollen der abgeschlagenen Segel war beim Wind ein Ding der Unmöglichkeit. Irgendwie haben wir die Segel dann doch in die Säcke gestopft bekommen. Zuhause wollte ich Sie eh ein bisschen reinigen, gut trocknen lassen und schön zusammenfalten. Also war mir dieser Punkt nicht sooo wichtig.

Dann machte ich mich an den Ölwechsel. Der Motor wurde auf Betriebstemperatur gebracht, damit das Öl etwas dünnflüssiger wird.  Nun kam ein sehr enttäuschender Teil. Die super Ölabsaugpumpe von Proxxon, welche ich extra hierfür gekauft hatte, spuckte nur ein paar Tropfen aus seinem Rüssel. Nach ewigem Gefummel, Demontage der Ansaugvorrichtung, und nachdem schon alles mit Öl versifft war, bekam ich dann doch 2,5 Liter aus dem Motor gezogen. So werde ich das auf jeden Fall nicht nochmal machen. Dann muss ich mir eben noch eine Niederdruckpumpe anschaffen. Diese Pumpen sind aber viel Sperriger. Aus diesem Grund fiel damals meine Wahl auf die Proxxon Pumpe. Na ja… ich hätte mal besser auf das Bewährte setzten sollen.

2017-30-10 Guy Moto

Der Ölfilter wollte natürlich seinen Platz auch nicht kampflos hergeben. Wieder einmal verfluchte ich gedanklich die Platzverhältnisse mit den schlimmsten Worten. Doch so leicht gebe ich nicht auf und der Sieger der Runde stand etwas später fest. Neuer Filter aufschrauben, Öl einfüllen, kurz durchstarten, dann konnte dieser Punkt abgehackt werden. Es folgte der Wechsel  des Dieselfilters. Dieser Filter ist leichter zugänglich, was mich wieder fröhlich stimmte. Und wie erwartet ging es auch Ruck-Zuck mit dem Wechseln. Doch dann… Nach dem Filterwechsel ist logischerweise Luft im System. Ein Entlüften der Leitung deshalb sowieso geplant. Aber diese schei… Pumpe (wieder mal eine Pumpe) hat so einen winzigen Hebel, dass ich mir einen 1×1 cm großen fetzen Haut vom Finger gerissen habe. Und wirkungslos ist Sie obendrein auch noch gewesen.  Nachdem ich also eine halbe Stunde vergebens das Minipümpchen bedient habe, mir unzählige Schürfwunden an den Händen zugezogen hatte, ergriff ich die radikal Methode: Entlüfterschraube zu und Moto mit dem Anlasser durchdrehen lassen. Danach den Filter wieder abgeschraubt um zu prüfen ob der Motor genug Vakuum produziert um den Kraftstoff anzusaugen.  Als ich einen halbvollen Filter zu sehen bekam schraubte ich Ihn voller Zuversicht wieder an seinen Platz und ging hoffnungsvoll wieder zum Steuerstand.  Nachdem der Anlasser dann in Schüben von 5-10 Sekunden seine Arbeit verrichtete, begann der Volvo dann zu hüsteln und kurze Zeit spät schnurrte das Kätzchen wieder wie eh und je. Der Kühlkreislauf wurde noch mit Frostschutz geflutet, und dann konnte auch das als „Fertig“ abgehackt werden.

Dieses ganze Gefummele kostete uns einen Tag an Arbeit. Wären die Probleme mit den blöden Pumpen nicht aufgetreten, dann würde es bestimmt 3 Stunden weniger Zeit in Anspruch nehmen. Aber Calimero ist ja unser „Schulschiff“. Und wieder haben wir was dazugelernt.

In der ganzen Zeit habe ich gar nicht richtig mitbekommen, dass die Kapitana schon das halbe Schiff leergeräumt hatte. Mein Missmut über die Pumpen ließ mich, wie im Tunnelblick, nur noch diese Probleme sehen, der Schlafmangel machte sein übriges. Die Stimmung wurde beim Abendessen aber wieder besser. Hundemüde machten wir uns wohl genährt in unsere Koje. Aber an Schlaf war nicht zu denken. Noch stärker knallten die Böen durch das Rigg, noch heftiger schauderte sich Calimero in den Wellen. Schlafen: „vergiss es“.

Irgendwie ging die Nacht dann doch um. Es blieb mir noch den Frischwassertank mit allen seinen Zu- und Ableitungen winterfest zu machen, ebenso das WC und den Schmutzwassertank. Das ging wesentlich schneller als das Motorgefummele. Die Kapitana hatte das Vergnügen bei jedem Gang zum Auto von einer kräftigen Regenschauer auf halben Wege beglückt zu werden. Und jedes Mal, wenn Sie plitschnass zurück war, gab es gleich drauf eine Aufklärung mit kurzem Sonnenschein… Ja, es war halt nicht das beste Wochenende (wie anfangs schon geschrieben).

Um 11h00 (Winterzeit) war das Auto mitsamt dem Anhänger voll und Calimero traurig leergeräumt. Wir stellten noch Luftentfeuchter auf, vergewisserten uns, dass alle Luken richtig verschlossen sind uns schlossen den Niedergang ab. Auf halben Wege zum Wagen, ist der Kapitana eingefallen, dass wir vergessen hatten, den Kühlschrank zu öffnen. Also noch einmal schnell wieder zurück… Hoffentlich haben wir sonst nichts Wichtiges vergessen!

Die erste Saison mit „unserem Boot“ ist zu Ende. Hoffen wir, dass Calimero die dunkele Jahreszeit gut übersteht und uns nächstes Jahr freudig wiederaufnimmt. Bis dahin planen wir aber das eine oder andere Mal zu Calimero hochzufahren, vielleicht in Kombination mit einem Kurzaufenthalt an der Nordsee, um die Luftentfeuchter zu entleeren und um uns zu vergewissern, dass alles in Ordnung ist.

Guy

 

Dieser Beitrag wurde unter Alter Blog veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s