Kalamata-Ageranos-Gytheio

Kurz nach Sonnenaufgang hatten wir uns auf den Weg Richtung Kalamata gemacht. Um 10 Uhr stand die Wartung der Motoren an und wir wollten rechtzeitig ankommen, um in aller Ruhe einen guten Platz im Hafen für Adesso zu suchen. Doch als wir uns dem Hafenbecken näherten, mussten wir feststellen, dass es so auf Anhieb keinen freien Platz mehr gab, schon gar nicht um längseits anzulegen. Als wir dabei waren uns mit der unliebsamen Tatsache zu beschäftigen, dass wir dann wohl aber den Anker auswerfen müssten um rückwärts am Steg festzumachen, verliess ganz hinten in der Ecke ein Segelboot seinen Platz. Das war die Gelegenheit doch noch einen Platz längsseits zu ergattern. Doch als wir uns näherten winkte jemand auf einem Scooter, dass wir da nicht hindürften, weil eine grosse Motoryacht hierhin wechseln würde. Grrrr…. Also wieder zurück und wieder sich mit dem Gedanken abfinden mit dem Heck anzulegen…Dann, kurze Zeit später, tauchte der gleiche „Scootermensch“ etwas weiter am Steg wieder auf und winkte, dass wir aber hinten in der Ecke anlegen könnten…Ja, was denn jetzt..!?!? Also, wieder Kehrtwende und zurück und schlussendlich machten wir dann an diesem einzigen freien Platz in der Ecke fest.Ufff…

Ein schönes Graffiti schmückte, direkt neben uns, die sonst eher trostlos wirkende graue Wand der angrenzenden Lagerhalle. Schön war es hier definitv nicht, aber es gab ja andere Gründe warum wir diesen Hafen anliefen.

Guy teilte dem Yanmardealer unseren Standort sofort mit und dieser bestätigte, dass die Wartung um 10Uhr wie geplant stadtfinden würde… und das hat auch geklappt! … denn ein bischen Zweifel hatten wir trotzdem die ganze Zeit… Während Guy an Bord alles vorbereitete, machte ich mich schon mal auf den Weg Richtung Hafenbüro um unseren Liegeplatz zu bezahlen. Durch drei verschiedene Büro’s, an drei verschiedenen Mitarbeitern wurde ich entlang gelotst bis ich den begehrten Beleg, dass wir unser Liegegeld bezahlt hätten, in der Hand hielt. Die Bürokratie ist in Griechenland nicht die Einfachste und alles gestaltet sich „etwas holperig und veraltet“… Die Inneneinrichtung der Büro’s stammte wahrscheinlich aus den 60-70er Jahren, in allen Ecken und auf jedem Tisch stapelten sich unzählige Ordner… ein kurioser Anblick…

Zurück auf Adesso, schnappte ich mir meine Einkaufstüten und machte mich auf den Weg Richtung Supermarkt… ich wollte von der Gelegenheit profitieren, dass ein grosser gut sortierter Supermarkt in nur 5 Minuten Fussmarsch erreichbar war…das war auch die Gelegenheit unsere Reserve an Speiseeis wieder aufzufüllen 😉 Als ich zurückkam, stellte ich erleichtert fest, das die Wartungsarbeiten schon voll im Gange waren und Guy auch ziemlich zufrieden ausschaute (aber doch immer ein bischen angespannt, wenn andere auf unserem Boot arbeiten). Als die Wartungsarbeiten fertig waren, ging es ruckzuck weiter, denn kurze Zeit später traf der Dieseltankwagen ein, den Guy schon am Morgen per Whatsapp Nachricht angefragt hatte. Alles wirklich ganz unkompliziert.

So konnten wir uns nach dem Mittagessen erleichtert, dass alles so reibungslos geklappt hat, auf Besichtigungstour durch Kalamata machen. Zuerst spazierten wir durch den Stadtpark in dem sich früher der Bahnhof befand. Hier kann man noch alte Züge und Dampflokomotiven bewundern, die auf den alten verbliebenen Gleisen stehen und restauriert wurden (aber trotzdem vor sich hin rosten)

Anschliessend machten wir uns auf den Weg Richtung Altstadt, in dessen Mitte sich die Metropolitian Church of Ypapanti-Kalamata befindet.

Wir waren doch ziemlich enttäuscht von der Altstadt. Ein paar schmale Gassen und einige ältere, restaurierte Gebäude und das wars. Viele Häuser zerfallen und sind sich selbst überlassen. Diese Ruinen prägen wirklich das Stadtbild… Nur die griechisch-orthodoxe Kirche von den Holy Apostles, die 1986 von einem Erdbeben fast komplett zerstört und dann aber wieder restauriert wurde, gefiel uns echt gut.

Gerne hätten wir auch noch irgendwo etwas Kühles getrunken, aber irgendwie fühlten wir uns von keinem der Lokale „angezogen“, auch nicht in dem moderneren Stadtteil. Entweder standen die Stühle und Tische sofort an der Strasse oder es herrschte keine Wohlfühlathmosphere. Nein, Kalamata ist jetzt keine Stadt, die man besuchen muss, wenn man Sightseeing machen will. Eine besondere Sehenswürdigkeit gab es dann doch… denn die grösste Superyacht der Welt, die man privat chartern kann, die Flying Fox, legte für einen Tag hier im Hafen an, nur wenige Meter von uns entfernt, um die Dieseltanks aufzufüllen und eine Lieferung frischer Blumen zu erhalten. Das Betanken dauerte Stunden, mindestens 8 grosse Tankwagen wurden benötigt, die teilweise in der Warteschlange standen.

Ein schönes Schiff… spektakulär daran vorbei zu laufen und vorbei zu fahren! Preis: 3 Milliounen Euro pro Woche!

Da uns die Altstadt nicht sonderlich gefallen hatte, beschlossen wir am Abend in der Hafengegend zu bleiben. Wir entschieden uns für ein kleines, etwas abgelegenes Restaurant im Eingang des Parks. Und das war eine sehr gute Entscheidung, denn das Essen war lecker, die Bedienung freundlich und wir fühlten uns in dem Gartenambiente des Restaurants sehr wohl… so wohl, dass wir auch am folgenden Abend noch einmal hierher zurückkehrten.

Am nächsten Tag erkundeten wir den Yachthafen von Kalamata, den ich anfangs auch in Betracht gezogen hatte als möglicher Winterhafen für dieses Jahr. Doch die hohen Preise waren schnell ein Auschlusskriterium. Und als wir uns jetzt den Hafen genauer anschauten, waren wir auch sehr froh darüber, denn er entsprach definitv nicht den Erwartungen, den wir an einen Winterhafen haben. Und wie sie diese hohen Preise rechtfertigen, das ist mir ein Rätsel, denn der Zustand der Stege und des gesamten Geländes war alles andere als einladend und gut gepflegt. Ausserhalb des Hafen war gefühlt jedes dritte Haus eine Ruine und verlassen, überall Müll, Terrassen von früheren Restaurants wurden als Parkplatz genutzt usw. Nein, hier würde ich keine 6 Monate verbringen wollen 😦

Nach dem Mittagessen, machten wir uns dann auf den Weg den Stadtteil östlich des Gemeindehafens zu erkunden. Hier ist der eher touristische Teil. Ein langgezogener Sandstrand mit vielen Hotels, Strandbars, Shops und Restaurants der „ersten Reihe“. Die Suche nach einer schönen Bar mit Wohlfühlcharakter gestaltete sich jedoch echt schwierig, aber schlussendlich wurden wir fündig und genossen einen leckeren Rumcocktail.

MERCI Carole & Michel 🙂

Am nächsten Tag verliessen wir kurz vor 7 Uhr den Hafen, denn offiziell gelten hier in den Gemeindehäfen die Liegegebühren von Mitternacht bis Mitternacht. Da wir aber keine Lust hatten um Mitternacht loszufahren und auch keinen dritten Tag bezahlen wollten, machten wir uns weg bevor das Hafenbüro öffnete und der „Scooterman“ seine Runden dreht. Wir ankerten kurz darauf vor dem Strand und frühstückten erst mal gemütlich. Als der Wind dann gegen 10 Uhr auffrischte, machten wir uns auf den Weg auf die andere Seite der „Kalamatabucht“, zurück nach Petalidi, da wir hier guten Schutz vor dem angesagten NW-Wind hatten. Mir rauschten mit über 8 Knoten Fahrt bei 20 Knoten Wind durchs Wasser und Guy war begeistert von dem Speed. So dauerte es auch nicht lange, bis wir auf der anderen Seite ankamen. Guy machte noch schnell eine Besorgung im kleinen „Baumarkt“ von Petalidi bevor der Wind weiter auffrischte. Heute war es nicht so angenehm am Ankerplatz, viel Wind, viele Böen, viel Geplätscher, viel Zurren an der Ankerkette… So entschieden wir auch spontan nach dem Mittagessen, nicht länger hier zu verweilen, sondern den Wind zu nutzen um Strecke Richtung Süden zu machen. Denn jetzt, wo die Wartung erledigt war, wollten wir weiter segeln… weiter in die nächste grosse „Pelopponeseinbuchtung“ Richtung Gythio….Wir waren wieder richtig schnell unterwegs und erreichten den Sandstrand südlich von Koroni, vor dem wir schon einmal ankerten, eine gute Stunde später. Jetzt hiess es aber mal einen Gang rausnehmen und anstossen, mit der letzten Cava aus Spanien… denn heute war mein Geburtstag.

Am nächsten Tag machten wir uns wieder früh auf den Weg, denn es stand eine längere Etappe an. Wir mussten den ersten Teil der Strecke leider motoren, aber je näher wir dem Cape Tainaron kamen, je mehr frischte der Wind auf, so dass wir auch endlich segel konnten. 

Schon verrückt, an dem einen Tag weht der Wind dauernd mit über 25 Knoten, am nächsten Tag Flaute… und dann, als wir den Kap umrundet hatten, plötzlich wieder über 20 Knoten Südwind… Eigentlich wollten wir in einer Bucht im südlichen Teil in der Nähe des Kap’s ankern, aber als wir hineinfuhren, gefiel sie uns beide nicht…also wieder raus und weiter Richtung Norden segeln, der Küste entlang… schlussendlich fiel unser Anker vor einem 4 Sterne Hotelresort, wo wir richtig guten Schutz vorfanden. 

Am kommenden Morgen entschieden wir uns den Ankerplatz noch einmal zu wechseln, denn heute war Samstag und wir wollten dem Trubel der vielen Badegäste am Strand entfliehen. Wir entschieden uns für eine kleine unscheinbare Bucht, ein paar Seemeilen weiter, umgeben nur von Pinien und Sträuchern… Ruhe pur (ausser das sehr bestimmende Zirpen der Grillen)

Herrlich. Ich war begeistert. Der Ausblick über die Bucht und die Berge im Hinterland gefielen mir wirklich gut..

Morgens machte es sich ein Eisvogel gemütlich auf der Rehling. Genüsslich beobachtete er von hier aus die kleinen Fische, die rund ums Boot schwammen und tauchte immer wieder ein um sich einen herauszufischen. Auch wenn es mir leid tat für die Fische, denn seine Erfolgsquote lag bei 100%, begeisterte mich der Anblick dieses schönen farbigen Vogels. 

Wir blieben drei Tage in dieser Bucht und ich wäre auch gerne noch länger geblieben, aber da die Bucht uns vor dem angekündigten Westwind nicht genügend Schutz bot, beschlossen wir am kommenden Morgen weiter Richtung Gythio zu segeln. Aber bevor es los ging, hatte ich noch eine wunderbare Begegnung während meiner Morgenschnorchelrunde: eine richtig grosse Karettschildkröte tauchte plötzlich neben mir auf. Ich hatte sie gar nicht kommen sehen, zu sehr war ich damit beschäftigt die Felslöcher nach Garnelen, Muränen und Tintenfischen abzusuchen. Doch plötzlich tauchte eine Flosse in meinem Augenwinkel auf… WOW… Glückshormone hoch 1000 durchfluteten mich… ich finde es immer wieder so toll, wenn so ein Lebewesen einem „die Ehre gibt“ sich einem freiwillig zu näher um für eine kurze Zeit an meiner Seite zu bleiben… 🙂

Ganz langsam folgte ich ihr mit ein bischen Abstand…ohne sie zu bedrängen…immer wieder schaute sie zu mir auf, tauchte dann etwas tiefer, kam wieder hoch, schwamm neben mir her, tauchte auf zum Atmen, dann wieder tiefer… Ich genoss jede Minute…doch plötzlich hielt sie inne und verschwand anschliessend mit ein paar Flossenschlägen in der Tiefe… Als ich mich umsah, erkannte ich ein kleines Fischerboot, das sich der Bucht näherte…das hatte sie lange vor mir wahrgenommen…Schade, vielleicht wäre sie sonst noch länger an meiner Seite geblieben… Zurück auf Adesso habe ich Guy natürlich sofort von meiner Begegnung geschwärmt…

Nach dem Frühstück machten wir uns dann auf den Weg Richtung Gythio, segelten am Leuchtturm und der kleinen vorgelagerten Insel vorbei. Von Weitem sah Gythio und Umgebung schon mal ganz vielversprechend aus.

Am Nachmittag machte ich eine erste kleine Erkundungstour durch den Ort und wie so oft, fühlte ich mich zuerst von den schmalen Gassen angezogen, die durch die Altstadt nach oben führten. Von hier aus hatte ich einen schönen Ausblick über den Ort, die Ankerbucht mit Adesso und die kleine vorgelagerte Insel.

Nur zwei Strassen sind breit genug, dass sie mit Autos befahren werden können. Der Rest besteht aus sehr engen Gassen oder Treppen. Die Einwohner der höher gelegenen Häusern müssen alle Einkäufe zu Fuss hochschleppen, schon echt beschwerlich. Das ist wahrscheinlich auch der Grund warum so extrem viele Häuser leer stehen und zerfallen und niemand hier investieren will. Irgendwie verständlich aber auch sehr schade… alles hier ist gefühlt in den 70er Jahren stehen geblieben. So lange es irgendwie funktionniert, wird nichts erneuert und wenn es zu lange nicht mehr funktionniert, ist es für eine Restaurierung sowieso zu spät…und so verfällt leider ein grosser Teil der Ortschaft… und das scheint leider für einen grossen Teil von Griechenland zuzutreffen…ausser die beliebten Hotspots, wie Hydra, Santorini, Mykonos usw. die als Aushängeschilder für den Tourismus dienen. Am nächsten Tag machte ich mit Guy gemeinsam eine Erkundungstour bis zum antiken Theater von Gythio, an den vielen Tavernen vorbei und zur kleinen vorgelagerten Insel namens Cranae, wo es ausser einem kleinen Schloss, dem Leuchtturm und einem Restaurant nichts Besonderes zu bestaunen gibt. 

Wir waren überrascht wie viele Menschen sich hier in Gythio tummeln…vor allem abends, da sitzen die Tavernen alle komplett voll und jeder erdenkliche Platz rundherum wird als Parkplatz genutzt…auf dem Bürgersteig, auf dem Zebrastreifen, in 2.und 3. Reihe nebeneinander…aber es scheint keinen zu stören, oder wird zumindest geduldet.

Wir tun uns ein bischen schwer uns in so einem Getummel wohl zu fühlen… Die Autos fahren einen Meter an den Tischen der Tavernen vorbei, die Leute drängen sich zwischen den Tischen durch oder man sitzt etwas abseits, dann aber sofort neben einem Parkplatz…hmm…für uns kommt so kein Wohlfühlambiente auf. Darum war ich echt begeistert als Guy mich vorgestern mit einem Restaurant überraschte, welches sich oben auf der Dachterrasse eines modernen stylischen Hotels befand. Hier könnten wir meinen Geburtstagsdinner nachholen, schlug er mir vor… gute Idee! 😉

Wir genossen den Abend sehr. 

So sehr, dass ich Guy vorgeschlug, gestern noch einmal zum Abendessen dorthin zu gehen. Da die Gewitter vom nachmittag sich verzogen hatten, stand dem erneuten gemütlichen Abendessen auf der Dachterrasse nichts mehr im Weg. Ich genoss mein zweites verspätetes Geburtstagsgabendessen 😉

Heute müssen wir aber am Nachmittag den Ankerplatz wechseln, denn es ist starker Nordwind für die nächsten zwei Tage vorausgesagt. Dann wird es hier ungemütlich und wir hoffen weiter oben am Strand besser geschützt vor Anker zu liegen. Danach soll es sich aber wieder beruhigen. Wie lange wir noch in dieser Gegend bleiben und wann und wohin es weiter geht, das hängt jetzt von ein paar Faktoren ab… aber dazu dann mehr im nächsten Blog…

Raymonde

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