Jahresende hier in La Rapita

oder… Bootsoptimierung Phase 2

Schon ein Drittel unseres Aufenthalts in „unserem Winterhafen“ ist vorbei. Die Zeit vergeht richtig schnell. Uns wurde bis jetzt auch definitiv nicht langweilig, denn die „Adesso-To Do Liste“ ist richtig gut gefüllt, denn während der Saison kamen uns immer wieder neue Ideen, wie man noch Dinge optimieren und weiteren Stauraum schaffen könnte. Aber wenn es „nur“ diese zusätzlichen Arbeiten wären… es bleiben ja noch all die Baustellen, für die in der Werft in Port Saint Louis du Rhône nicht mehr genug Zeit waren (da wir ja auch nicht länger da bleiben wollten und bewusst den zweiten Teil der Arbeiten auf diesen Winter verschoben hatten). 

So nahm Guy ziemlich schnell nach unserer Ankunft hier im Hafen, Ende Oktober, die erste grosse Baustelle in Angriff: der definitive Einbau der Klimaanlagen. In der Werft hatte Guy sie provisorisch an ihrem Ort montiert und auch schon die Schläuche für die Wasserversorgung verlegt und angeschlossen, aber es fehlte noch die ganze Verkabelung, das Verlegen des Gebläseschlauchs, der Einbau der Bedienmonitore im Kontrollpanellschrank und die zusätzlichen Gebläsegitter und und und… Mit dem schwer zu bändigen Gebläseschlauch, hatte Guy am Meisten zu kämpfen. Oft war nur wenig Platz und um den Schlauch so optimal wie möglich zu verlegen und zu fixieren, kam öfters der 3 D-Drucker zum Einsatz. So konnte Guy genau die Verbindungsstücke drucken, die er benötigte. Hier zb ein Foto von einem „Guy 3D-Adapterstück“ um den Schlauch mit dem Gebläsegitter zu verbinden.

An beiden Klimaanlagen sorgen jetzt solche „Guy Adapterstücke“ dafür, dass der Schlauch so platzsparend wie möglich verbaut ist und auch bei Wellengang nicht verrutschen kann.

Hier hat Guy viele Arbeitsstunden reingesteckt und wie er oft zu sagen pflegt: „jetzt habe ich so viel Zeit damit verbracht und man sieht nichts von meiner ganzen Arbeit!“ Ja, stimmt leider oft. Aber nicht immer, denn die neuen Gebläseauslässe im Salon, die Bedienanzeigen der Klimaanlagen und die dazugehörigen Schalter der elektronischen Relais im Kontrollpanellschrank springen einem sofort ins Auge.

Die ganze Elektronik dahinter, und die damit verbundene Arbeit, die bleibt natürlich wieder im Verborgenen. Der Einbau der zwei Klimaanlagen nahm schlussendlich gute 3 Wochen in Anspruch und war mit Sicherheit eine der grössten Baustellen. Guy war sichtlich froh, stolz und erleichtert als diese Bausstelle fertig war.

Bevor wir kurz nach Luxemburg fuhren um Familie und Freunde zu besuchen, den Tüv unseres Wagens zu erneueren und ein paar Arztkontrollbesuche zu tätigen, montierte Guy noch unseren Fernseher. Jetzt kann auch in Zukunft bei Wellengang nichts mehr passieren und es sieht natürlich wieder aus, als wäre es bei der Bootsauslieferung schon genauso gewesen… oder auch nicht, denn jetzt haben die Schraube überall die passende Grösse und sind gerade und richtig eingedreht… 😉

Als wir Anfang Dezember wieder in La Rapita ankamen, nahm Guy sofort die nächsten Arbeiten in Angriff: als erstes kümmerte er sich um unseren Gefrier-/Kühlschrank. Da sich während der Saison hier immer sehr schnell Eis ansetzte, beschloss Guy ihm eine neue Steuerung zu verpassen. Schon auf unserer Lucia, hatte Guy den Kühlschrank umgebaut und mit der neuen Steuerung funktionnierte er viel besser und vereiste weniger. Um an die Elektronik zu kommen, musste er natürlich den ganzen Kühlschrank ausbauen. Im Moment ist noch alles „provisorisch“ um zu testen ob die neue Steuerung auch jetzt Abhilfe schafft…

Schlag auf Schlag ging es weiter mit dem Wiedereinbau des Radio’s (wir haben einen Neuen bekommen, weil unserer von Anfang an nicht richtig funktionierte) und mit dem Verlegen der Kabel zu den Lautsprechern im Cockpit (auch die waren in der Werft nur provisorisch an ihrem Platz montiert worden, aber noch nicht angeschlossen). Zwischendurch zauberte Guy an seinem 3D-Drucker immer wieder tolle Einzelstücke, so wie dieser Haken, genau an die Bedingungen angepasst oder eine Einfüllhilfe für mich, damit ich einfacher das Salz in unserer Spüllmaschine nachfüllen kann.

Schon praktisch so ein 3D-Drucker… und vor allem ein Mann, der sich damit gut auskennt 😉

Dann hatte Guy eine neue Idee, eine die noch nicht auf der To-Do Liste stand ;-)… Bei seinen Recherchen, hatte er herausgefunden, dass unser Starlinkantenne, über die wir unser Internet beziehen, auch über 12 Volt funktionieren kann. Denn bis jetzt lief das Ganze mit 220V und genau dies hatte Guy schon vorher nicht sonderlich gut gefallen, da der bordinterne Wechselrichter (den man benötigt, damit 220V Geräte über das 12V Netz des Bootes funktionnieren, wenn kein Landstrom zur Verfügung steht) dann tagsüber dauernd eingeschaltet sein musste, wenn wir ununterbrochen Internet an Bord haben wollten. Natürlich war der ganze Umbau auch wieder ziemlich anspruchsvoll und mit viel Umprogrammieren verbunden. Wieder mussten Kabel verlegt, Löscher gebohrt , „Guy 3D-Druckadapaterstücke“ entworfen und „hinter den Kulissen“ alles im Verborgenen angeschlossen werden…

Jetzt funktionniert unser Internet einwandfrei über das 12V-Stromnetz des Bootes und das neue Modem ist zudem auch noch VPN kompatibel, so dass wir jetzt ohne Probleme zb deutsche Fernsehsender hier im Ausland streamen können.

Ich bewundere echt die Geduld, die Guy aufbringen kann, um so lange zu recherchieren und zu probieren, bis er alles am Laufen hat. Zumal wenn es sich um irgendein Einstellungsproblem handelt, wo man sich stundenweise damit beschäftigen muss, um die Lösung dann, vielleicht, im besten Fall, zu finden, da hätte ich schon längst alles hingeschmissen… aber da bleibt Guy hartnäckig bis alles läuft…Respekt!

Als er die Kabel unserer Starlinkantenne ins Boot verlegte, nutzte er sofort die Gelegenheit um dort auch eine zusätzliche 230V Steckdose anzubringen. Im Aussenbereich ist so eine Steckdose sehr praktisch, aber natürlich muss sie an einer Stelle eingebaut werden, die so wassergeschützt wie möglich ist… und die ist natürlich wieder schwer zugänglich, was die Arbeit wieder erschwert. Aber nach ein paar Tagen konnte auch dieser Punkt von der To-Do Liste gestrichen werden.

Wenn Guy so in seinem Arbeitsmodus ist, dann kennt er keine Pausen und so ist es ziemlich schwer ihn davon zu überzeugen, dass wir doch auch einmal einen Tag anders verbringen könnten als uns dem Boot zu widmen. Für mich ist es wichtig, dass wir uns auch manchmal Zeit für eine Auszeit nehmen, einen Ausflug unternehmen oder einen ausgedehnten Spaziergang in die Natur. So konnte ich Ihn dann überzeugen, dass wir den Besuch im Baumarkt in Tortosa mit einem Spaziergang über die Brücken von Bítem im Hinterland von Tortosa verbinden könnten. 

Es war eine schöne Abwechslung und ein bischen wakelig und abenteuerlich dazu. So ganz werden die Brücken sicherlich dem deutschen oder luxemburgischen Sicherheitsstandard nicht gerecht und ich hätte auch meine Zweifel mit mehr Leuten gleichzeitig rüberzugehen… aber alles hielt stand.

Dann begann Guy sich der nächsten grossen Baustelle zu widmen: dem Umbau der Vorderkabine und des dazugehörigen Bades. Wir brauchen keine 3 Kabinen und keine 3 Bäder, so viele Gäste planen wir nicht an Bord zu haben. Um zusätzlichen Stauraum und mehr Arbeitsfläche zu schaffen,  haben wir uns dazu entschlossen, dass die Vorderkabine als Multifunktionsraum für Guy umfunktionniert wird. So bekam der 3D-Drucker jetzt seinen eigenen festen Platz, die Arbeitsfläche wurde vergrössert und Guy hat in Zukunft genug Platz für seine Werkzeuge, Schrauben und Ersatzteile fürs Boot.

Im Badezimmer wurde das WC ausgebaut um so mehr Platz für ein grosszügiges Regal mit viel Ablagefläche zu schaffen. Hier habe ich jetzt richtig viel Platz um grössere Küchenutensilien, Putzmittel usw. unterzubringen.

Als Guy mit diesem Umbau beschäftigt war und ich wieder mehr im Weg war, als helfen konnte, hatte ich beschlossen auf Flamingobeobachtung zu gehen um dann anschliessend weiter zur Sandzunge, der Playa de Trabucador, zu fahren, um von dort aus den Sonnenuntergang zu geniessen. Da ich am ersten Beobachtungspunkt nur sehr weit in der Ferne eine kleine Gruppe Flamingos entdecken konnte, beschloss ich relativ zügig weiter zu fahren. Am nächsten Beobachtungspunkt wurde ich dann fündig. Soweit das Auge reichte standen Flamingos im seichten Wasser. Dieser Anblick war so schön: die Flamingos, die Sonne, der blaue Himmel, die Berge im Hintergrund… 

Dann fuhr ich weiter zum Strand und machte einen ausgedehnten Spaziergang am Meer entlang. Ich genoss diesen Nachmittag in vollen Zügen. 

Als die Sonnenstrahlen so langsam schächer wurden, erstrahlte die Lagune immer wieder in einem anderen Licht. Alle paar Minuten bot sich ein anderes Lichtspektakel. Ich konnte mich einfach nicht sattsehen und schoss gefühlt 100 Fotos! Am Allerschönsten erstrahlte die Lagune kurz nachdem die Sonne hinter dem Montsiàgebirge untergegangen war.

Bevor es dann aber anfing richtig dunkel und kalt zu werden, machte ich mich auf den Rückweg Richtung Hafen. Sofort zeigte ich Guy ganz begeistert meine Fotos, die er auch ganz toll fand. Ich hoffe, dass wir uns in den nächsten Wochen wenigstens einmal die Zeit nehmen um gemeinsam diese tolle Sonnenuntergangstimmung zu geniessen.

Hier in der Hafengegend sind es vor allem die Sonnenaufgänge die mich immer wieder begeistern. Dieser war echt beeindruckend…

Abends verschwindet die Sonne in den Wintermonaten ziemlich schnell hinter den Bergen, so dass wir vom Hafen aus, den Sonnenuntergang nicht beobachten können. Doch fast jeden Abend erstrahlt der Himmel in einem tollen rötlichen Licht. An diesem Abend, kurz vor der Ankunft einer Kaltwetterfront aus Norden, war der Himmel besonders spektakulär…

Seit drei Tagen ist Guy jetzt mit dem Ausbau der Steuerbord-Vorpiek (grosser Stauraum im vorderen Teil des rechten Rumpfes) beschäftigt. Hier gibt es richtig viel Platz. Wenn wir unten in diesem „Loch“ stehen, erreichen wir nicht mal die Einstiegslucke… aber, bis jetzt ist es halt nur ein grosser leerer Raum mit nur wenigen Ablagemöglichkeiten. Hier haben wir beschlossen noch weitere Ablageflächen einzubauen um unsere Tauchausrüstung ordentlich verstauen zu können. Zusätzlich will Guy einen grossen „Schlauchsack“ nähen um unser Leichtwindsegel einfacher hissen und verstauen zu können. Näharbeiten stehen noch so etliche auf unserer To-Do Liste: Sonnenschutz, Verbesserungen an unserer Kuchenbude, Nachbesserungen am Lazybag usw. Das ist (hoffentlich) die letzte der grossen Baustellen…neben den vielen noch verbleibenden kleineren Arbeiten, die jetzt für die ersten Wochen im neuen Jahr anstehen. Dazu dann mehr im nächsten Blog.

Stichwort: neues Jahr… erst ein paar Stunden alt… darum nutze ich auch jetzt die Gelegenheit euch allen ein schönes neues Jahr 2025 zu wünschen, mit hoffentlich viel Freude, Zufriedenheit und guter Gesundheit! Das wünschen wir uns auch…

Raymonde

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