Ja, dafür muss ich wieder etwas die Zeit zurückdrehen!
Die Lucia 40 ist eigentlich recht gut geeignet für das, was wir mit Ihr die letzten 4 Jahre so angestellt haben. In den Buchten entlang der Atlantikküste und auch in der Hochsaison im Mittelmeer haben wir eigentlich immer einen Platz gefunden um unseren Anker sicher im Sand eingraben zu können. Was wir von so mancher Bootscrew, die zu nahe an uns ankerten, nicht behaupten können. Aber das ist nun wieder ein ganz anderes Thema!
Auch wenn wir mal einen Hafen ansteuerten (das waren letzte Saison nur 3 Tage!), dann haben wir für unsere 40 Fuss immer noch ein Plätzen bekommen.
Der ursprüngliche Plan bestand daraus, über mehrere Jahre, das gesamte Mittelmeer zu erkunden. Also bis runter in die Ägäis (Griechenland / Türkei), das Adriatische Meer (Montenegro, Kroatien, Italien), Malta, Sizilien usw.
Doch je länger wir im Mittelmeer unterwegs waren, desto öfter gingen mir die Windverhältnisse hier furchtbar auf den Keks. Fast die gesamte Saison 2023 waren wir gefühlt auf der Flucht, auf der Flucht vor dem Wind und dem dadurch entstandenen Schwell. Jeden 2-3 Tag gab es einen Winddreher, 180 Grad waren dabei keine Seltenheit. Auf Korsika und Sardinien blieben uns da nicht viele Möglichkeiten, oft, zu oft mussten wir auf die andere Seite der Insel ausweichen. Jedesmal mindestens eine Tagesreise, oft in schlechten Bedingungen was Segeln und Wellen anbelangt.
Parallel dazu gingen unsere Gedanken immer mehr in Richtung Westen, Madeira, die Kanaren, die Kap Verden und ja, das gesamte Karibische Meer.
Je öfter dieses Thema an Bord aufkam, je mehr befassten wir uns auch mit der Umsetzung.
Dabei wurde uns klar, dass das was wir uns vorstellten, mit einem Boot unserer Grösse nicht zufriedenstellend umzusetzen sei.
Wir sind halt ziemlich verwöhnt, was die Platzverhältnisse anbelangt und die Lucia 40 scheint uns für so eine Reise zu klein!
Es gibt eine Reihe von Beispielen, die ich hier auflisten könnte, aber das ist eine sehr persönliche Ansicht und jeder hat eigene Ideen und Vorstellungen.
Ein 40 Fuss Katamaran wäre zB für jemanden, der auf einem 36 Fuss Segelboot unterwegs ist, als würde er von einer Einzimmerwohnung in eine 2 stockiges Haus umziehen.
Natürlich würden wir auch mit unserem derzeitigen Katamaran diesen Plan umsetzen können. Viele haben dies bereits getan und viele werden es auch noch so tun.
Man kann auch mit dem Fahrrad nach Peking fahren, das geht! Bequemer ist aber das Flugzeug!
Einen weiteren Grund, ist die Sicherheit.
Leopard Katamarane haben den Ruf sehr robust gebaut zu sein. Das macht es leichter seinem Boot zu vertrauen.
Ein grösseres Boot liegt „satter“ im Wasser. Das bedeutet, dass es nicht so anfällig ist für die Wellen, die Bootsbewegungen fallen sanfter aus.
Auch sind längere Boote schneller unterwegs, was bei einer Atlantik-Passage leicht mal einen Unterschied von mehreren Tagen bedeuten kann.
Wenn eine Schlechtwetterfront sich anbahnt, dann kommt man dieser Front unter Umständen mit einem schnelleren Boot noch aus dem Weg, was dann bei einem kleineren Boot knapp werden könnte.
Mir war obendrein sehr wichtig, dass auch ein grösseres Boot noch zu 100% einhand-tauglich sein muss.
Bei den Leopard Katamaranen kommen alle Leinen zum Steuerstand. Auch das ist bei schlechtem Wetter ein nicht zu unterschätzendes Sicherheits-Plus. Aktuell muss nämlich immer einer für Reff 2 und Reff 3 an den Mast! Diese beiden Reffs bindet man ja nicht aus Spass ein, sondern wenn es anfängt ungemütlich zu werden. Und genau in dieser Situation muss man aufs Dach steigen und am Mast rumfummeln…!
Für das Mittelmeer mit seinen kurzen Strecken ist das alles o.k., ist gut planbar. Aber wenn die Reise über 3 Tage hinausgeht, dann sind Wettervorhersagen gleichgestellt mit dem Blick in die Kristallkugel auf der Kirmes!
Stichwort Proviant. Wieder das Thema Platz. Wenn man auf einer Insel ist auf der es gute Möglichkeiten gibt an Proviant zu kommen, dann ist es nicht verkehrt, sich auch ordentlich mit dem was verfügbar ist, einzulegen. Je mehr Stauraum für Lebensmittel an Bord, je länger die Zeit in der man unabhängig ist.
Einfach mal ein paar weiter Stichwörter:
Grösserer Wassertanks
Grössere Dieseltanks
Leistungsfähigerer Wassermacher
Mehr Platz für Akkus
Mehr Platz für Solar
Grössere Kühlschränke
…
Natürlich gibt es auch negative Punkte, wo Licht ist, da gibt es auch Schatten.
Ein grösseres Boot bedeutet auch höhere Kosten. Versicherung, Hafen, Unterhalt… alles wird unweigerlich teuerer.
Es wird mehr Aufwand das Boot „in Schuss“ zu halten.
Vieles Geschriebene sind „Luxusprobleme“, einige aber auch wirklich sicherheitsrelevant.
Aber warum jetzt?
Nun, im Mittelmeer ist vieles einfacher. Ersatzteile und Proviant sind schnell zu bekommen. Flüge sind innerhalb Europa günstig und Häfen gibt es alle paar Meilen.
Und genau hier liegt der Grund. Wir sind jetzt beide erst 50 Jahre jung und auch gesund und munter.
Bekanntlich wird man ja nicht jünger und wer weis schon was das Schicksal für uns bereit hällt.
Also auf ins Abenteuer!
Wenn wir dann noch Lust haben dann können wir das „bequeme“ Mittelmeer immer noch später erkunden.
Wie bereits geschrieben:
Man kann auch mit dem Fahrrad nach Peking radeln. Aber warum soll man sich das antun wenn es auch bequemer und sicherer geht!
In diesem Sinne,
Guy
Hallo Ihr Beide,
da bin ich ganz bei Euch. Wir sind jetzt fast 15 Jahre älter als Ihr. Die Haare fallen aus die Zähne werden weniger und auch in der Bewegung werden wir träger. Manchmal hab ich so das Gefühl ich falle schön langsam auseinander. Darum finde ich es gut, jetzt schon das Abenteuer zu starten. Das Mittelmeer könnt Ihr immer noch machen.
Freuen uns schon Euch wieder zu treffen.
Monika und Peter
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