Oder: vierter und letzter Teil über unseren Mauritiusaufenthalt
Bevor unser Termin am Sonntag im Hotel Paradise Cove anstand, schnürrten wir erneut die Wanderschuhe. Da mir unsere erste Wanderung zum Black River Peak durch den dichten Regenwald des Black River Nationalpark so gut gefallen hatte, überredete ich Guy zu einer weiteren Wanderung, diesmal zu einem Wasserfall. Bis zu unserem Startpunkt, dem Parking Hiking and Exploring Mauritius Meeting Point, brauchten wir eine gute halbe Stunde. Von hier aus kann man viele verschiedene Touren machen. Wir wollten zu dem „Mare aux Joncs“ Wasserfall. Ich hatte schon im Vorfel gelesen, dass der Weg grösstenteils dem Fluss folgt. Daher war ich der Meinung, dass wir diesmal mit weniger Steigung rechnen müssten. Das stimmte soweit auch, aber ich war mir nicht bewusst, dass wir den Fluss gefühlt 20x überqueren mussten… und dies nicht mittels Brücken. Wir mussten jedes Mal über wakelige lose und leider auch feuchte und somit rutschige Steine jonglieren, jedes Mal in der Hoffnung nicht abzurutschen und trocken auf der anderen Seite anzukommen.



Der Weg durch den dichten Regenwald und gleichzeitig das Plätschern des Flusses, war echt ein tolles Erlebnis. Kurz bevor wir am Wasserfall ankamen, verstärkte sich das Rauschen des Wassers. Aber da war auch noch ein anderes Geräuch, Äste knaksten, komische Laute… und dann erblickte ich einen Affen, der uns aus sicherer Entfernung beobachtete.
Als wir am Wasserfall ankamen, war die Freude gross. Der Wasserfall war impressionant. Von hoch oben stürzten Unmassen von Wasser herab.



Der Wasserfall zog mich förmlich in seinen Bann. Ich konnte nicht anders, als mich darunterzustellen. Nach nur ein paar Sekunden war ich plitschnass, eine herrliche Erfrischung bei den hohen Temperaturen. Noch lieber hätte ich am Fusse des Wasserfalls ein erfrischendes Bad genommen, aber leider war das Wasser nicht tief genug und übersäht mit spitzen Steinen.
Als wir uns ein paar Kekse als kleine Stärkung genehmigen wollten, tauchte plötzlich der Affe wieder auf. Er hatte uns wahrscheinlich die ganze Zeit aus seinem Versteck beobachtet.

In einem Überraschungsangriff sprand er zu uns rüber und schnappte sich die Keksschachtel. Als er bemerkte, dass er nur den leeren Karton ergattert hatte, wurde er echt aufdringlich. Als er immer agressiver wurde, versuchte Guy ihn mit Drohgebärden zu verscheuchen, aber das lies ihn ziemlich unbeeindruckt. Erst als Guy sich ein paar Äste und Steine schnappte, die er in seine Richtung schleuderte, hatte das die gewünschte Wirkung. Er zeigte sich eingeschüchtert und suchte das Weite. So konnten wir unsere letzten Kekse selber vernaschen.
Auch auf dem Rückweg meisterten wir wieder alle Flussüberquerungen und kamen müde, aber trocken und zufrieden an unserem Ausgangspunkt an.
Ein paar Tage später war es dann soweit. Heute würden wir an den Ort zurückkehren, wo wir vor fast genau 19 Jahren geheiratet hatten. Ich war aufgeregt und wir fragten uns, ob das Hotel sich viel verändert hat oder nicht, ob wir uns noch wiedererkennen…
Wir fuhren früher los um sicher nicht zu spät zu kommen, doch heute war Sonntag und so herrschte für einmal keinen Stau rundum Port Louis. Da wir viel zu früh im Norden ankamen, machten wir noch einen Abstecher zu der bekannten Kirche mit dem roten Dach, am Cap Malheureux, die „Notre-Dame auxiliatrice“.


Von hier hat man eine schöne Aussicht auf die vorgelagerten Inseln Gunner’s quoin und Flat island.
Wir hatten Probleme einen freien Parkplatz zu finden, denn in der Kirche fand ein Gottesdienst statt an dem sehr viele Menschen teilnahmen. Wir spazierten ein bischen am Cap Malheureux bis es an der Zeit war zum Hotel zu fahren.

Das Paradise Cove ist heute ein absolutes Luxushotel, das zu der Gruppe „small luxury hotels of the world“ gehört. Für ein Standard Zimmer muss man heute fast 500 Euro pro Nacht bezahlen! Vor 19 Jahren, war das Hotel zwar auch schon sehr schön, aber so teuer war es damals definitv nicht. Ich kann mich noch gut erinnern, dass wir uns damals für dieses Hotel entschieden hatten, weil es ausserhalb der typischen Touristengegend lag und einen sehr schönen gepflegten tropischen Garten besass. Als wir am Hotel ankamen, wurden wir sehr freundlich empfangen und durften mit dem Wagen direkt vor dem Eingang parken. Eine Empfangsdame wartete schon auf uns und begleitete uns in die Eingangslobby, wo man uns sofort einen Willkommensdrink anbot.

Die Dame fragte uns nach unseren ersten Eindrücken. Wir sagten ihr, dass der Eingangsbereich auf jeden Fall ganz anders ist, als wir ihn in Erinnerung haben und dass wir gespannt seien, wie die restliche Anlage aussieht. Sie wollte wissen, an was wir uns noch erinnern, wo wir damals Fotos gemacht hätten usw. Ich zeigte ihr ein paar Fotos auf dem Handy. Dann meinte sie, der SPA-Bereich, der sähe noch ähnlich aus, aber das restliche Hotel wäre vor 10 Jahren renoviert und vergrössert worden. Als erstes begleitete sie uns zum SPA. Ja, den Pool, den erkannten wir sofort wieder und so baten wir sie, diese Foto von uns zu schiessen:

Und hier vor 19 Jahren 😉

Danach führte sie uns den Weg entlang, den wir auch damals zur Hochzeit hochgelaufen sind. Uns fiel sofort auf, dass es jetzt hier mehr Zimmer und weniger Vegetation gab. Schade. Wir spazierten an der Lagune vorbei und entdeckten das Restaurant und die einzelnen vorgelagerten Sitzecken auf Stelzen, wo wir damals auch unser Abendessen genossen.


Mittlerweile gibt es aber 4 Restaurants, damals gab es zwei. Es ist alles viel grösser geworden. Damals gab es einen Pool, heute sind es vier. Ausserdem gibt es jetzt einen grossen künstlichen Wasserfall in der Lagune. Dieser ganze Umbau ging aber leider auf die Kosten des schönen üppigen tropischen Garten, wo jetzt nur noch ein kleiner Teil übrig ist, was ich sehr schade fand. Es ist aber immer noch richtig schön und gepflegt.


Auch der Strand an dem wir damals geheiratet haben, ist geschrumpft und musste teilweise einem befestigten Steg Platz machen. Die Aussicht ist aber immer noch genauso schön. Vor diesem Hintergrund hatten wir damals mehrere schöne Fotos gemacht. Hier eines meiner Lieblingsbilder:

Und heute:


Wir machten es uns auf der Terrasse gemütlich, genehmigten uns ein erfrischendes Getränk und liessen die vielen Eindrücke und aufgefrischten Erinnerungen auf uns wirken. Es war schon etwas Besonderes noch einmal an diesen Ort zurückzukehren, aber das Hotel, so wie es damals war, hat uns besser gefallen. Es war romantischer, gemütlicher, naturverbundener…
Als wir uns Richtung Auto begaben, wartete der Hotelmanager höchst persönlich am Ausgang. Wir wissen nicht, ob er wirklich auf uns oder auf die Ankunft anderer Gäste gewartet hat, aber er kannte unsere „Geschichte“. Er bedankte sich, dass wir noch einmal vorbeigekommen wären und erkundete sich, wie uns das renovierte Hotel gefallen hat. Es hätte sich viel verändert in der langen Zeit, antworteten wir ihm, aber natürlich wäre die Anlage sehr schön. Daraufhin meinte er, wir wären jeder Zeit wieder willkommen. Wir bedankten uns, dass wir so überaus freundlich empfangen wurden.
Schon länger knurrte unser Magen, aber da schon allein das Getränk in der Bar deutlich teurer war als ein ganzes Mittagsessen in einem mauritianischen Restaurant, zogen wir es vor, ausserhalb des Hotels zu speisen. Nach ein paar Kilometern wurden wir schon fündig.

Direkt gegenüber des Arulmigu Siva Soopramaniar Kovil Tempel, befand sich ein kleines unscheinbares Restaurant, welches durchwegs sehr gute Google-Bewertungen hatte. Wir mussten zwar etwas länger auf unser Essen warten, aber dafür war es wirklich lecker.
Den Rest des Tages liessen wir gemütlich am Strand ausklingen, gingen schwimmen und tankten ein bischen Sonne. Denn so langsam neigt sich unser Aufenthalt hier auf Mauritius leider dem Ende zu. Nur noch ein paar Tage. Die fast 3 Wochen sind wirklich unheimlich schnell vorübergegangen. Aber bevor Kofferpacken auf dem Programm stand, entschlossen wir uns zu einer letzten Wanderung im Black River Nationalpark. Diesmal wollten wir den Pilgrimtrail bewandern. Ich hatte im Vorfeld gelesen, dass dies ein familienfreundlicher Weg sei. So stellten wir uns auf einen relaxen Spaziergang ein. Dass dies aber absolut nicht der Realität entsprach, merkten wir leider sehr schnell. Nach den ersten paar Abzweigungen ging der Weg, oder besser (Kletter-)Pfad, steil bergauf. Die dicken Wurzeln dienten als Stufen. Schweissgebadet kämpften wir uns Meter für Meter nach oben, aber es war einfach kein Ende in Sicht. Familienfreundlich!!! Da hatte sich wohl jemand einen Witz erlaubt… Guy fluchte vor sich hin und verfluchte mich… Auch ich verfluchte den Weg, denn ich hatte mich auf eine letzte angenehme, nicht zu anstrengende, Wanderung gefreut. Als wir endlich in der Höhe an einer Gabelung mit Wegweisern ankamen und unsere Motivation und Laune mitlerweile am Tiefpunkt war, entschieden wir uns nicht mehr bis zum Aussichtspunkt Macchabée weiterzugehen, denn dieser lag mindestens noch weitere 45 Minuten entfernt. Also machten wir uns auf den Rückweg. Wir entschieden uns aber für den Alternativweg, denn auf den gleichen steilen Weg zurück, hatten wir gar keine Lust. Dieser Weg war zwar etwas länger, dafür aber einfacher begehbar. Aber… „familienfreundlich“, nein das traf dann aber auch hier nicht zu. Da wir jetzt bergab auf einem etwas breiteren Weg unterwegs waren, konnten wir die ganze Vegetation aber mehr geniessen.

Auf halber Strecke befand sich eine grosse Lichtung, das Plateau Resmousse, von wo aus man einen herrlichen Ausblick auf die Umgebung und den dichten Regenwald hat.


Danach schlängelte der Weg an spektakulären Palmen vorbei. Eine imposanter und eindrucksvoller als die andere.


Hier eine Palme, die „Plante du voyageur“, übersetzt „Pflanze des Reisenden“ genannt wird, weil sich innerhalb der Blätter Wasser befindet und man so bei Bedarf den Durst stillen kann.

Wieder an der „rivière noire“ angekommen, mussten wir an der Stelle La Grotte wieder den Fluss überqueren. Hier ruhten wir uns ein paar Minuten auf einem Felsen aus.



Mir gefiel dieser Platz richtig gut. Ich genoss diese tolle Vegetation und das Plätschern des Flusses. Aber ich merkte, dass Guy noch immer genervt und nicht in der Stimmung war um dies richtig zu geniessen. Also machten wir uns auf den Rückweg zum Auto. Auf diesem letzten Wegabschnitt kamen wir vermehrt an Bäumen mit grossen runden geschwürartigen Gebilden vorbei.

Das sind Termiten. Sie spielen eine entscheidende Rolle beim Abbau von Totholz und organischer Substanz und tragen so zum tropischen Ökosystem im Regenwald bei.
Auf dem Rückweg, stoppten wir beim Mc. Donalds von Tamarin, denn mittlerweile hatten die „normalen“ Restaurants geschlossen. Wir waren ja definitiv länger unterwegs gewesen als geplant. Danach machten wir noch einen Abstecher zum Strand von Flic en Flac und genossen ein erfrischendes Bad im Meer. Dann war leider Kofferpacken angesagt. Unseren letzten Abend liessen wir in einem typisch mauritianischen Restaurant in Flic en Flac ausklingen und stossen standardgemäss mit einem Planteur, auf unsere interessante Zeit hier auf Mautitius an.

Seit ein paar Wochen sind wir jetzt wieder zurück auf Adesso. Wir waren erleichtert, als wir bei unserer Ankunft feststellten, dass alles in Ordnung war und Sturmtief Harry keinen Schaden verursacht hatte. Es dauerte aber fast eine Woche, bis unser schwimmendes Zuhause wieder Wohlfühlambiente ausstrahlte. Die ersten Tage war vor allem Putzen, Putzen und nochmals Putzen angesagt und vorher natürlich Koffer auspacken, Ordnung schaffen, einkaufen gehen usw. Aber Inzwischenzeit sind wir schon wieder im Adessoalltag angekommen und arbeiten die restlichen Punkte unserer To-Do Liste ab. Wir planen, hoffen… wenn das Wetter mitspielt, Ende März in die Saison starten zu können. Aber dazu dann mehr im nächsten Blog.
Raymonde