Während unseres Aufenthalts sind wir sehr oft an Port Louis vorbeigefahren und standen hier auch fast jedes Mal im Stau, denn jeder der von Süden nach Norden oder umgekehrt fahren will, muss zwangsläufig an Port Louis vorbei, ausser er nimmt einen grossen Umweg durchs Inselinnere in Kauf. Es gibt keine richtige Umgehungsstrasse und die einzige doppelspurige Strasse ist hoffnungslos überfüllt. So lernten wir schnell mehr Zeit einzuplanen und uns in Geduld zu üben. Aber natürlich fuhren wir nicht nur an Port Louis vorbei, sondern statteten der Stadt auch mehrmals einen Besuch ab.
Bei unserer ersten Erkundungstour stand die Besichtigung des Hindutempel Shrimadhu Kannanur Mariammen Kovil unweit des Fischerhafens auf dem Programm.




Wir waren überrascht wie klein dieser Tempel war und vor allem staunten wir nicht schlecht über seine Lage. Denn er war versteckt hinter einem Parking mit grossen Werbeplakaten, eingebettet zwischen Lagerhäusern, Wohnblöcken und Geschäften. Irgendwie kam er nicht richtig zur Geltung. Ich hatte mir vorgestellt, dass sich solche Hindutempel an „schöneren“und ruhigeren Orten befanden. Doch während unseres Aufenthalts merkten wir immer wieder, dass solche Gebetsstätten in unscheinbaren Nebengebäuden, Garagen oder Vorhöfen errichtet worden waren und oft waren sie auch in einem eher schlechten Zustand. Aber das schien hier niemanden zu stören oder das Prunktvolle, Perfekte ist einfach nicht wichtig im Hinduismus…?
Von hier aus spazierten wir zurück und kamen an der alten Polizeistation vorbei. Die Überreste stehen heute unter Denkmalschutz.

Anschliessend machten einen Abstecher zur Jummah Moschee. Das Gebäude aus den 1850er Jahren kombiniert indische, kreolische und islamische Architektur.




Von hier aus spazierten wir weiter Richtung Chinatown.


Mich faszinierte dieser Mix an Kulturen und Menschen verschiedenen Ursprungs auf engstem Raum. Ja, Mauritius hat hier definitv eine Vorbildfunktion!
Dann folgten wir der Queen Street bis zum bekannten Central Market.

Hier findet man (fast) alles was das Herz begehrt: Obst, Gemüse, Gewürze, Fisch, Fleisch und für die Touristen, oben, im ersten Stockwerk, viele Souvenirstände und Sommerkleider. Im Foodbereich tasteten wir uns an verschiedene kreolische Spezialitäten heran, so zb den Alouda, ein mauritianischer Milchshake auf Basis von Milch und den Zutaten Tukmaria (Basilikumsamen), Agar Agar, Vanilleextrakt und Kondensmilch oder Zucker. Sehr lecker und erfrischend.

Ausserdem probierten wir einen Dholl Puri. Dieser kommt ursprünglich aus der indischen Küche und ist ein dünner Fladen, ähnlich wie ein Crèpe. Der wird mit verschiedenen Saucen, so genannten „achards“ und purierten gelben Linsen gefüllt.

Die Grundgewürze sind Kurkuma und Kreuzkümmel. Dholl Puri ist ein klassisches Streetfood, das man unterwegs aus der Hand isst. Stände an denen man es kaufen kann, gibt es in Mauritius an jeder Ecke. Es war schärfer als erwartet, hat uns aber geschmeckt.
Danach machten wir uns auf den Weg Richtung Natural History Museum. Dieser befindet sich im Stadtpark, les Jardins de la Compagnie.


Hier interessierte uns vor allem die Ausstellung über den leider, seit etwa 300 Jahren, ausgestorbene Vogel Dodo. Der Dodo ist seit der Unabhängigkeit im Jahr 1968 im Wappen von Mauritius zu sehen, hier ist er einer der Schildhalter.

An ihn erinnern auch Münzen die 1971 von Mauritius herausgegeben wurden. Bild gefunden auf Wikipedia:

Der Dodo war ein, ungefähr einen Meter grosser flugunfähiger Vogel, der ausschliesslich hier auf Mauritius vorkam. Er ernährte sich von Früchten und nistete auf dem Boden und war sehr zutraulich und friedlich, denn er hatte keine natürlichen Feinde. Hauptgrund für das Aussterben der Art dürften eingeschleppte Ratten, Affen und Schweine sein, welche die Gehege der bodenbrütenden Vögel zerstörten und ihre Eier frassen. Ausserdem war sein Frischfleisch für lange Seefahrten geeignet und die Eier wurden von Seeleuten in Massen gegessen. Im historischen Naturmuseum sind mehrere Skelette des Dodos ausgestellt.


Dieser Anblick machte mich traurig und nachdenklich. Wie wunderbar muss diese Insel (sowie viele andere Ort auf der Erde) vor dem Eintreffen des Menschen gewesen sein… Von hier aus wanderten wir zurück Richtung Caudan Waterfront. Dieses moderne Einkaufszentrum am Hafen mit vielen kleinen Boutiquen, Food-Court, einem Kino und sogar einem Casino ist genau das Gegenteil von dem einfachen, ursprünglichen, alten Stadtteil.



Über zwei Unterführungen gelangt man unter der zweispurigen Strasse hindurch, von dem einen, sehr modernen Stadtteil mit seinen prunkvollen Gebäuden und teuren Markenläden zu den urigen, total einfachen lokalen Bauten mit den vielen kleinen, äusserst einfachen Geschäften und Streetfoodrestaurants. Null Luxus, nur auf Funktionalität ausgerichtet. Grösser könnte der Kontrast kaum sein.
Am Caudan Waterfront befindet sich auch das bekannte Blue Penny Museum.

Darin werden unter anderem je eine rote und eine blaue Mauritius ausgestellt. Zum Schutz der Originalmarken werden diese nur zeitweilig angestrahlt (zur halben Stunde für zehn Minuten), anderweitig sind nur Kopien zu sehen. Wir verzichteten auf einen Besuch, denn so viel interessierten uns diese Briefmarken nicht.
Aber ein anderer Hindutempel hatte schon beim Vorbeifahren unser Interesse geweckt. Der Madurai Mariamen Tempel befindet sich südlich der Caudan Waterfront, in unmittelbarer Nähe des brandneuen Bürokomplexes „The Docks“ und der Hauptverkehrsstrasse M1, auf der wir mittlerweile schon fast wie Locals unterwegs waren. Für mich war dies der schönste Tempel den wir bis jetzt besichtigt hatten. Er war viel besser „gewartet“ als die vorigen Tempel die wir besucht haben.





Wir besuchten den Tempel am späten Vormittag und wurden überaus freundlich begrüsst und fühlten uns wirklich „willkommen“. Im hinteren Teil des Tempels, waren die Leute am Kochen und reichten Speisen an die Gläubigen. Um nicht zu stören, gingen wir schnell auf die andere Seite des Tempels. Doch sofort wurden wir angesprochen/zurückgerufen und man bot uns verschiedene Speisen an. Das wollten wir auf keinen Fall annehmen, schliesslich waren wir ja nicht zum Essen hierher gekommen. Aber der Mann erklärte uns, dass das für sie normal wäre und dass wir das nicht ablehnen dürften, das wäre eine Sache von Respekt. So willigten wir ein und nahmen seine Speisen entgegen. Wir hatten keine Ahnung was wir da probierten, aber es war sehr lecker und wir bedankten uns für diese grosse Gastfreundschaft.
Port Louis ist wirklich eine Stadt der Gegensätze. Luxus trifft auf Minimalität, eine islamische Moschee direkt neben dem Viertel von Chinatown, eine heilige Gebetsstätte direkt neben hochmodernen Bürogebäuden oder mitten in einem Gewerbegebiet..
Es ist laut, voll, hektisch…anders… Nach 3-4 Stunden hatten wir unseren Reizüberflutungslevel erreicht und es war Zeit an einen ruhigeren Ort zu wechseln.
Inzwischen hatte ich auch eine Antwort des Hotels bekommen, in welchem wir damals geheiratet hatten. Vor einigen Tagen hatte ich ganz offiziel per mail angefragt, ob wir die Erlaubnis bekämen, noch einmal im Hotel vorbei zu kommen, Erinnerungen aufzufrischen und ein paar Fotos zu schiessen. Denn der Zutritt ist Hotelgästen vorenthalten oder nur nach voriger Anfrage und Genehmigung des Hotelmanagements. Die Antwort war sehr positiv: natürlich könnten wir vorbeikommen, sie würden sich geehrt fühlen, uns willkommen zu heissen… Wow… Wir mussten nur noch einen Termin vereinbaren… die Vorfreude war gross…
Aber…dazu dann mehr im letzten Blog über unseren Aufenthalt auf Mauritius.
Raymonde