Weitere spannende Orte auf Mauritius

Nach unserer tollen Wanderung durch den Regenwald im Black River Nationalpark, wollten wir uns jetzt den bekannten Hindutempel Lord Shiva im Grand Bassin, auch Ganga Talao genannt, anschauen. Der Ganga Talao gilt als die heiligste Pilgerstätte der Hindus auf Mauritius und ist die Wichtigste und Grösste ausserhalb Indiens. Rund 50% der Menschen auf Mauritius sind Hindus, 25% Christen und 20% Muslime. Alle leben friedlich zusammen und es gibt keine Anfeindungen. Jeder akzeptiert jeden, frei nach dem Motto: Leben und leben lassen… Mauritius könnte hier wohl ein grosses Vorbild für viele andere Länder sein… 

Von Weitem sieht man die riesige Maa Durga Statue, die sich direkt am grossen Parkplatz befindet. Sie ist imposante 33 Meter hoch. Als wir vor Ort waren, wurde sie gerade restauriert.

Auf der anderen Seite der Strasse trohnt die Mangal Mahadev Statue hoch über den Besuchern.

Der Überlieferung nach trug der Gott Shiva den heiligen Fluss Ganges auf seinem Kopf während er mit seiner Gemahlin Parvati die Welt bereiste. Als sie sich über Mauritius befanden, soll Shiva einige Tropfen des Ganges genau hier verschüttet haben und so entstand der Kratersee Ganga Talao. Für die Hindus ist der See daher heilig und gleichwertig mit dem Ganges in Indien. Das Wasser wird daher für rituelle Waschungen verwendet. Die Gläubigen füllen es auch in kleinen Flaschen ab, um es mit nach Hause zu nehmen. Während des Maha-Shivaratree-Festes im Februar/März, dem größten Hindufest außerhalb Indiens pilgern bis zu 400.000 Gläubige aus aller Welt zum heiligen See.

Rundum den See befinden sich viele verschiedene, teilweise sehr farbige Statuen von diversen Gottheiten. Hier eine kleine Auswahl…

Wir spazierten um den ganzen See herum und liessen die ganzen Eindrücke auf uns einwirken. Immer wieder kamen wir an kleinen Tempelanlagen vorbei, die unterschiedlichen Göttern gewidmet sind und an denen Gläubige Opfergaben hinterliessen oder am beten waren. Ich habe viele Fotos geschossen, versuchte aber niemanden zu stören und nicht aufdringlich zu sein. Auf uns wirkten die vielen farbigen Statuen sehr kitschig und skuril, aber doch irgendwie interessant… eine komplett andere Welt… Zum Schluss wollten wir dann aber auch noch zum höchsten Punkt spazieren, wo sich der Hanuman Tempel befand. Von hier aus hatte man eine gute Aussicht über den ganzen See und die gesammte Tempelanlage. 

Hanuman ist eine hinduistische Gottheit in der Gestalt eines Affens, der für die bedingungslose Liebe und Hingabe an König Rama und seine Gemahlin Sita steht. Tiefer habe ich mich nicht über die verschiedenen Gottheiten des Hinduismus informiert.

Da der Grand Bassin ungefähr in der südlichen Mitte der Insel liegt, entschieden wir uns, weiter Richtung Ostseite zu fahren. Hier folgten wir der Küstenstrasse Richtung Norden. Nördlich von Belle Mare machten wir einen Stopp an dem wunderschönen Public Beach. Hier gefiel es uns richtig gut.

Da wir heute ohne Badesachen unterwegs waren, begnügten wir uns mit einem kleinen Spaziergang am Strand. Aber ein paar Tage später kehrten wir wieder zurück an diesen schönen Ort, der weitaus weniger überfüllt war als die bekannten Strände von Flic en Flac, Mont Choisy oder Péreybère. Ausser am Wochenende, dann „pilgern“ die Locals mit der ganzen Familie, mindestens 3 Generationen, an die vielen Public Beachs um hier zu picknicken, zu übernachten und zu feieren. Dann wird es echt schwierig einen ruhigen Platz zu finden.

Etwas weiter nördlich befindet sich ein weiterer sehr schöner Ort, die Bute à l’herbe. Dies ist eine kleine vorgelagerte Halbinsel, die nur durch einen schmalen Weg mit dem Dorf Calodyne verbunden ist.

Dieser naturbelassene Ort mit den vielen kleinen Buchten, den vorgelagerten Inseln und den Magroven gefiel mir richtig gut. Hier fühlte ich mich auf Anhieb wohl und ich fantasierte schon, wie es wohl sein würde, einmal hier sesshaft zu werden.

Natürlich besuchten wir in den kommenden Tagen weitere Orte im Norden. Diese Gegend ist touristisch weitaus mehr erschlossen als der restliche Teil der Insel. Hier befinden sich auch die meisten Hotels, Souvenirläden und Bars. Die Preise hier orientieren sich auch an den überwiegend ausländischen Gästen, denn sie sind deutlich höher als in anderen Teilen der Insel. 

Im Beachhouse direkt am Strand von Grand Baie, liessen wir uns ein leckeres Getränk aber nicht entgehen.

Einen anderen, typisch touristischen Ausflug, machten wir zur Rhumerie de Chamarel. Es gibt drei grosse traditionelle Rumbrennereien auf Mauritius, die von Labourdonnais im Norden, die von St. Aubin im Süden und die Rhumerie von Chamarel im Black River Nationalpark. Wir entschieden uns für Chamarel, weil sie eine der ältesten und bekanntesten der Insel ist und in einer wunderschönen Gegend liegt.

Das Anwesen ist wirklich der Hammer, super schön und sehr stilvoll angelegt.

Die Chamarel Rum-Produktion ist rein ökologisch. In den frühen Morgenstunden wird der Zuckerrohr, das in dem Gebiet von Chamarel angebaut wird, von Hand geerntet und innerhalb der nächsten vier Stunden direkt verarbeitet. Leider konnten wir den Verarbeitungsprozess vom Auspressen des Zuckerrohrs bis zur Einlagerung im Kupferkessel nicht live mitverfolgen, denn während der Regenzeit wird kein Zuckerrohr geerntet und die Anlege steht still. Jetzt stehen hauptsächlich Wartungs-und Putzarbeiten auf dem Programm. Hier ein paar Bilder der verschiedenen Maschinen und Kessel. 

Je nach Rumsorte kann die Lagerung in speziellen Eiche Fässer bis zu acht Jahren dauern. 

Rum oder Rhum? Wo liegt überhaupt der Unterschied? Während für herkömmlichen, industriellen Rum in der Regel Melasse (dunkelbrauner Zuckersirup, ein Nebenprodukt der Zuckerherstellung) verwendet wird, zeichnet sich der Rhum Agricole, wie er hier produziert wird, durch seine Herstellung aus frisch gepresstem Zuckerrohrsaft aus. Am Ende der Führung, denn die Anlage durfte nur mit einem Guide besichtigt werden, stand dann auch eine Rumverkostung auf dem Programm.

Als ich die vielen verschiedenen Flaschen sah, war mir klar, dass ich immer nur ein paar Tropfen probieren dürfte… nur kurz die Zungenspitze befeuchten… denn ausser einem Frühstück hatten wir noch nichts gegessen… 

Die ganz edelen Tropfen durfte man aber nur mit einem extra Aufpreis verköstigen. Darauf haben wir dann aber verzichtet. Die Eigenkreation eines Rumkaffelikörs hat mir so gut geschmeckt, dass ich es mir nicht entgehen lies, mir eine Flasche zu kaufen, in der Hoffnung, dass sie es auch heil bis zurück auf Adesso schafft… was auch geklappt hat 🙂 Jedes Mal, wenn ich mir diese Saison einen Schluck genehmige, denke ich bestimmt an unsere Zeit auf Mauritius zurück. 

Mittlerweile hatten wir ungefähr Halbzeit und es blieb noch viel zu erkunden… und vor allem wollte ich gerne noch einmal an den Ort zurückkehren, wo wir damals vor 19 Jahren geheiratet haben… alte Erinnerungen auffrischen 😉

Aber dazu dann mehr im nächsten Blog über Mauritius.

Raymonde

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