Von Luxemburg nach Mauritius

Kurz vor Jahresende landeten wir gemeinsam mit meiner Mutter in Luxemburg. Wir wussten, dass hier eine grössere Baustelle auf uns wartet. Wir hatten meiner Mutter nämlich versprochen, dass wir neuen Laminatboden in ihrer Wohnung verlegen würden. An mehreren Stellen hatte Guy bereits letztes Jahr den alten Parkettboden notdürftig repariert. Aber jetzt kam noch ein Wasserschaden hinzu, so dass vereinzeltes Nachbessern keinen Sinn mehr machte. Wir waren froh, dass wir relativ schnell das ganze Material zusammen hatten und so, sofort nach Neujahr, mit den Arbeiten anfangen konnten.

Relativ schnell war uns klar, dass eine richtig anstrengende Zeit auf uns zukommen würde. Da wir, mangels elektrischer Werkzeuge, das alte Parkett nur mit Hammer und Meissel rausschlagen mussten und wir gefühlt von morgens bis abends in gebückter Haltung auf allen Vieren sassen, schmerzten nach 2 Tagen die Knie, der Rücken, der Nacken…einfach alles… Und ein Ende war so schnell nicht in Sicht. aber Rumjammern hatte keinen Sinn. Die Wohnung glich inzwischen einer Grossbaustelle, alles war durcheinander, überall standen Schränke und deren Inhalt in Kisten verpackt. Also auf die Zähne beissen und durchhalten. Pausen gönnten wir uns nur selten, denn wir wollten schnellstmöglich fertig werden.

Wir waren echt froh und erleichtert als wir bei den letzten Quadtratmetern angekommen waren. Nach fast zwei Wochen hatten wir es dann geschafft. Der neue Laminatboden war fertig und meine Mutter zufrieden.

Schon länger schwebte die Idee in unseren Köpfen, ob wir uns, nach verrichteter Arbeit, nicht eine Auszeit in Form eines Spontanurlaubes gönnen sollten und so entschlossen wir uns ziemlich kurzfristig nach Flügen Richtung Mauritius Ausschau zu halten. Tatsächlich wurde ich dann relativ schnell fündig und ergatterte preislich sehr interessante Flugtickets von Frankfurt nach Mauritius. Jetzt wurde mir noch einmal so richtig bewusst, welchen Aufschlag wir jedes Jahr in den Weihnachtesferien bezahlten mussten, als ich noch an die Schulferien gebunden war.

Aber bevor es losging, stand noch eine Feier auf dem Programm, nämlich der Geburtstag von Guy. Da wir, seitdem wir auf Adesso leben, an unseren Geburtstagen noch nie in Luxemburg waren, nutze Guy jetzt die Gelegenheit seinen Geburtstag im Kreise seiner besten Freunde zu feieren. Einige mussten leider absagen, aber es war trotzdem ein sehr gelungener Abend! 

Mit der Ente werden wir bestimmt noch viel Spass haben diese Saison an Bord der Adesso 😉

Das war wirklich eine tolle, witzige Idee… 🙂 

Ein paar Tage später machten wir uns dann auf den Weg Richtung Frankfurter Flughafen. Wir waren echt gespannt, ob und wie sich Mauritius verändert/entwickelt hat. Denn vor 19 Jahren waren wir ja schon einmal spontan nach Mauritius geflogen, um dort zu heiraten. Damals hatten wir nicht so viel von der Insel gesehen. Jetzt wollten wir uns Zeit lassen und uns Mauritius genauer ansehen und wirklich in das Leben vor Ort eintauchen.

Am Flughafen Frankfurt knüpften wir wieder an eine lange Tradition an, nämlich, vor dem Abflug noch unserem „Stammthairestaurant“, dem Thong Thai, einen Besuch abzustatten und uns ein leckeres Currygericht zu genehmigen.

Gestärkt schlenderten wir dann Richtung Gate. Der Flug verlief ohne Probleme, aber nach den 12, fast schlaflosen, Stunden kamen wir doch ziemlich erschöpft am Sir Seewoosagur Ramgoolam International Airport an. Zuerst mussten wir uns eine Sim-karte kaufen und Geld wechseln. Das klappte problemlos und schneller als erwartet. Wir hatten aber auch Glück, dass wir sehr schnell unsere Koffer entgegennehmen konnten und so fast die ersten waren, die bei den verschiedenen Schaltern eintrafen.

Bei der Autovermietung war nur ein Ehepaar schneller, aber da dauerte es trotzdem recht lange, bis wir unseren Autoschlüssel in der Hand hielten. Es wirkte alles ein bischen chaotisch, aber nun gut, das Wichtigste war, wir waren jetzt mobil. Ich bedauerte Guy, dass er jetzt, total ermüdet, mit einem komplett ungewohnten Wagen (Steuerrad auf der rechten Seite) auf der „falschen“ Seite quer über die Insel zu unserer Unterkunft fahren müsste. Ich war innerlich echt aufgeregt und ich wusste nicht, ob die Schweissperlen auf Guy’s Stirn den schwülen warmen Temperaturen oder der vollen Konzentration gezollt waren… oder beides…

Die ersten paar Minuten, die ersten Kreisel, die ersten Kreuzungen, wo der Gegenverkehr aus der „falschen“ Richtung kam, waren für mich die Schlimmsten. Innerlich zuckte ich jedes Mal zusammen, versuchte mir aber nichts anmerken zu lassen, um Guy nicht zusätzlich nervös zu machen. Auf jeden Fall meisterte er diese Herausforderung wirklich sehr gut. Respekt! Ich wäre sicherlich nicht so cool geblieben.

Als wir endlich an unserer Mietwohnung angekommen waren, sah ich ihm die Erleichterung aber auch deutlich an. Wir hatten uns für eine Mietwohnung entschlossen, weil wir in das „richtige“ Leben hier eintauchen wollten. Aber natürlich war es auch eine Preisfrage, denn ein Hotel hätte unser gesetztes Budget gesprengt, zumal wir ja beschlossen hatten, fast drei Wochen auf Mauritius zu verweilen.

Wir haben wirklich sehr viel gesehen und erlebt in dieser Zeit und daher werde ich den Bericht über Mauritius auch in mehrere Blogs aufteilen.

Unsere Wohnung befand sich in Albion, einer Wohngegend im Westen von Mauritius, ungefähr 20 km südlich der Hauptstadt Port Louis. In den ersten Tagen erkundeten wir zuerst die nähere Umgebung, erledigten die wichtigsten Einkäufe, hielten Ausschau nach Restaurants usw. Der Public Beach von Albion war sehr nett, aber leider war das Meer nur knietief, so dass Schwimmen hier nicht möglich war.

Viele Einwohner kommen, vor allem am späten Nachmittag hierher um den Tag ausklingen zu lassen und sich unter Freunden zu treffen. Die meisten Menschen, die wir hier getroffen haben, waren alle sehr freundlich, hilfsbereit und vor allem gut gelaunt. 

Etwas weiter nördlich, in der Gegend des Albion Leuchtturms, ist die Küste rauer. Hier gibt es keinen Sandstrand, sondern schwarze Felsformationen.

Unseren ersten grossen Ausflug machten wir zum Black River Gorges National Park. Unser Ziel war der Gorges Viewpoint. Von hier aus wollten wir zum, mit 828 Metern, höchsten Punkt der Insel wandern, dem Black River Peak, auch „piton de la petite rivière noire“ genannt. Man hatte uns schon vorgewarnt, diesen Wanderweg nur in Angriff zu nehmen, wenn es minimum 48 Stunden  vorher nicht geregnet hat. Zudem war es wichtig, dass der Himmel möglichst wolkenlos ist, denn sonst klappt es mit der tollen Aussicht nicht. An diesem Tag erschienen uns die Gegebenheiten perfekt. Es hatte, trotz Regenzeit, seit zwei Tagen nicht geregnet und es war für den ganzen Tag herrlich schöner blauer Himmel und Sonnenschein vorausgesagt. Ich war voller Vorfeude.

Nach einer knappen Stunde Autofahrt, hatten wir den Gorges Aussichtspunkt erreicht, von wo aus man ein schönen Ausblick auf den Regenwald und den Georges Wasserfall hat. Schnell fanden wir den Start unseres Wanderweges, dem Black River Trail.

Nach nur ein paar Metern, befanden wir uns in dichtem Regenwald. Der Weg schlängelte sich langsam aber sicher immer weiter den Hügel hinauf. 

Wir mussten allerdings schnell feststellen, dass dies kein gemütlicher Sonntagsspaziergang wird, vor allem nicht bei Temperaturen über 30 Grad und einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit. Am Anfang versuchten wir noch den matschigen Stellen auszuweichen, aber irgendwann waren unsere Schuhe so voller Schlamm, dass das auch keinen Sinn mehr machte. Viel mehr richteten wir unsere Aufmerksamkeit den vielen Wurzeln, denn hier umzuknicken, das mussten wir definitv vermeiden. Der Schweiss lief wie in Strömen an uns hinab. Mein T-Shirt war so nass als hätte ich einen Eimer voll Wasser über mich geschüttet. Als wir uns so langsam fragten, wann wir endlich am Gipfel ankämen, kam uns ein deutsches Ehepaar entgegen. Sie „beruhigten“ uns, dass es nur noch 20-30 Minuten seien…das gab uns einen letzten Motivationsschub. Dann sah ich von Weitem die gespannten Seile und wusste, dass wir es bald geschafft haben. Denn ich hatte gelesen, dass der letzte Abschnitt etwas kniffliger und steiler wäre und hier ein paar „Hilfsseile“ angebracht wären.

Als wir oben ankamen, durchfluteten mich richtige Glücksgefühle…wow… was für eine geniale atemberaubende Aussicht!!!

Von hier aus hat man wirklich einen 360° Rundumblick über den ganzen südlichen Teil der Insel.

Im Nordwesten Rivières noires und Tamarin:

Im Südwesten die grosse Bucht mit dem berühmten Felsen Le Morne und der vorgelagerten Insel, île aux Benitiers:

Hier auf dem Gipfel befindet sich auch die „bekannte, sagenumworbene“ Sitzbank, the bench 828, die sogar eine eigene Facebookgruppe hat.

Leider hat die Bank definitv ihre besten Zeiten hinter sich oder um es anders auszudrücken, die eine oder andere Reparatur ist überfällig. 

Hier auf dem Gipfel befand sich auch früher einmal eine grosse Mauritiusflagge, aber jetzt waren nur noch einzelne Metallstangen der Flaggenhalterung übrig. Vielleicht wurde sie Opfer des letzten Zyklons oder jemand beschloss sie als Souvenir mitzunehmen…

Wir verweilten eine ganze Weile hier oben, zu schön war der Ausblick. Der Rückweg ging gefühlt flotter, inzwischen waren wir ja auch schon mit dem Matschboden vertraut und vor allem ging es grösstenteils bergab.

Als wir wieder am Gorges Viewpoint ankamen, hatte sich dieser ruhige Ort in einen Touristenhotspot verwandelt. Inzwischen waren auch die bekannten Affen, Langschwanzmakaken, eingetroffen, von denen ich schon vorher in meinem Mauritiusguide gelesen hatte. Obwohl überall Hinweisschilder hingen, man solle die Tiere nicht füttern, hielt sich fast niemand daran. Die Leute fütterten sie mit Bananen, Keksen und anderen Essensüberresten, die mit Sicherheit auch nicht förderlich für ihre Verdauung sind… naja…  Ich nutzte die Gelegenheit um ein paar schöne Fotos zu schiessen.

Dann machten wir uns auf den Weg zurück zum Auto, wo wir uns notdürftig ein bischen „frisch“ machten und in andere Kleider schlüpften. Anschliessend fuhren wir Richtung Südküste auf der Suche nach einem Restaurant, denn so langsam knurrte der Magen und eine Stärkung hatten wir uns jetzt verdient. Als wir auf der Küstenstrasse entlang fuhren, entdeckten wir ein kleines unscheinbares Strandrestaurant in dem wir ein leckeres kreolisches Gericht genossen. Auf dem Rückweg stoppten wir immer wieder um einen Abstecher zum Meer zu machen. Hier der Strand von Savannah auf der Südseite:

Und der Strand südlich vom Berg Le Morne:

Als wir am späten Nachmittag in unserer Wohnung ankamen, war bei uns „Flasche leer“. Nur noch duschen und den Abend gemütlich ausklingen lassen. Ein toller ereignisreicher Tag voller schöner Eindrücke lag hinter uns. Jetzt erst mal ein bischen ausruhen, denn es bleibt noch viel zu entdecken in den kommenden Tagen. Als nächstes wollten wir uns die Nord- und Nordostküste genauer anschauen. Dazu aber dann mehr im nächsten Blog… 

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