Da wir noch weitere Orte hier auf Sizilien besichtigen wollten, haben wir beschlossen uns einen Mietwagen zu organisieren. Hier in Licata war dies ein Ding der Unmöglichkeit, weil es keinen einzigen Mietwagenhändler hier im Ort gibt. Wir hätten zwar die Möglichkeit gehabt, einen Leihwagen über das Hafenbüro zu mieten, aber da Sie nur mit einer Autowerkstatt zusammenarbeiten, war der Preis ganz und gar nicht interessant. So beschlossen wir uns einen Mietwagen am Flughafen von Catania zu holen, denn hier ist der Preis unschlagbar günstig: weniger als 65 Euro für 10 Tage, Versicherung inklusive. Der einzige Nachteil ist die 2-stündige Busfahrt von hier nach Catania-Airport. Da Guy weiss, wie ungern ich Bus fahre, hat er mir vorgeschlagen, dass er den Mietwagen abholen geht. Sehr nett von ihm 🙂 Gesagt, getan. Ein paar Tage später hatten wir einen Fiat Panda Hybrid und so stand unserem Sizilientrip nichts mehr im Wege. Da wir mit dem Boot schon vor Trapani, Termini Imerese, Taormina und Syracuse vor Anker lagen, wollten wir uns jetzt Cefalù und Palermo anschauen. Hier waren wir Anfang der Saison nur vorbeigesegelt, auf unserem Weg zu den liparischen Inseln.
Unser erstes Ziel war Cefalù.

Leider war das Wetter deutlich herbstlicher geworden und wir konnten froh sein, dass wir bei unserer Besichtigungstour durch Cefalù grösstenteils trocken blieben. Nur am Abend goss es ein paar Minuten wie in Strömen, natürlich genau dann, als wir unterwegs ins Restaurant waren…grr…
Wir waren ein bischen enttäuscht von Cefalù. Die Altstadt ist schön, aber leider war hier fast alles geschlossen. Ausser ein paar Touristen, waren die schmalen Gassen wie ausgestorben. In der Saison ist es hier sicherlich gerammel voll, was auch nicht so unser Ding ist. Darum haben wir uns ja für einen Besuch in der Nebensaison entschieden… aber sooooo leer, muss es dann auch nicht sein. Zuerst kamen wir am Waschhaus von 1514 vorbei, das ziemlich versteckt zwischen ein paar Häusern liegt.

Dann wanderten wir bis zur Kathedrale hoch, die allerdings geschlossen war.

Anschliessend spazierten wir wieder Richtung Meer und folgten da dem schmalen Küstenweg, der sich durch die spitzen Felsen hindurch schlängelt.

Von der Aussenmole hatten wir eine schöne Aussicht auf die Altstadt.

Dann schlenderten wir wieder durch die Gassen in Richtung des Aufstiegs zu dem Castello, welches hier hoch auf dem Berg trohnt. Aber leider war der Eintritt, denn man muss tatsächlich bezahlen, um hier hoch zu wandern, geschlossen… wegen schlechtem Wetter 😦
Naja, es war definitiv kein Sommerwetter mehr, aber sooo schlecht war es dann auch wieder nicht. Ich musste also auf meine geliebte Aussicht „von oben, nach unten“ verzichten. Auf unserem Weg zurück ins Hotel, kamen wir noch an ein paar Kirchen und schön dekorierten Gassen vorbei.



Am nächsten Tag machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg Richtung Palermo. Hier angekommen, wurden wir erst mal von den Carabinieri herausgewunken…
Personalausweiskontrolle… vielleicht eine willkommene kleine Verschnaufspause für Guy, denn das Autofahren hier in Palermo ist echt kein Zuckerschlecken. Man überholt auf beiden Seiten, natürlich ohne Blinker, die Scooter und Motorräder tauchen wie aus dem Nichts auf und drücken sich noch durch die kleinste Lücke durch. Geparkt wird gefühlt an jeder Ecke in 2. und 3. Reihe… Nein, kein entspanntes Dahingleiten. Barcelona war auch hektisch und anstrengend, aber Palermo ist definitv schlimmer, da sich gefühlt keiner an irgendeine Verkehrsvorschrift hällt. Da fuhren sie in Barcelona deutlich disziplinierter. Nach ein paar Minuten bekamen wir unsere Ausweise zurück und der Polizist war sogar so hilfsbereit, dass er die Autos kurz anhielt, damit wir uns leichter wieder einfädeln konnten.
Wir waren froh, als wir sicher im Parkhaus angekommen waren und beschlossen unseren Fiat Panda bis zu unserer Abreise hier stehen zu lassen und nicht mehr zu bewegen. Ich hatte uns ein B&B ganz in der Nähe der Altstadt und des Teatro Massimo für zwei Nächte reserviert. Die Lage war perfekt um Palermo zu besichtigen. Das B&B war nur ein paar Meter vom Strassenmarkt „Mercato del Capo“ entfernt.

Ich weiss nicht wieviele Kilometer wir in diesen zwei Tage hier zurückgelegt haben, aber es waren viele Schritte…sehr viele…
Eines unserer ersten Ziele war die Kathedrale.





Dann ging es weiter zum Giardini Reali vor dem Palazzo dei Normanni und dem Denkmal Teatro Marmoreo.


Dann weiter bis zur Porta Nuova, die sich hier ganz in der Nähe befindet


Anschliessend machten wir uns auf den Weg Richtung Hafen. Hier kamen wir an der berühmten „Kreuzung“ der Quattro Canti vorbei. Eigentlich heißt der Platz Piazza Vigilena, in Anlehnung an den spanischen Vizekönig Juan Fernandez Pacheco de Villena. Er engagierte den florentinischen Architekten Giulio Lasso für den Bau der vier Palazzi, die den Platz einfassen.



Die Brunnen und Statuen an den Palast-Fronten symbolisieren die vier Jahreszeiten Frühling (Süd-Südwest), Sommer (West-Nordwest), Herbst (Nord-Nordost) und Winter (Ost-Südost). Mittig befindet sich in jeder Fassade eine zentrale Nische. Darin stehen Statuen der spanischen Könige Karl V., Philipp II., Philipp IV. und Philipp III. Komplettiert wird das Ensemble von den Schutzheiligen Cristina, Ninfa, Oliva und Agatha. Wir steuerten diesen Platz mehrmals an während unserem zweitägigen Aufenthalt hier in Palermo und jedes Mal trat ein anderer Musiker auf. Das war wirklich eine besondere Athmosphere hier. Der eine oder andere Sänger gefiel mir so gut…also seine Stimme…, dass wir uns ein Eis hier in der angrenzenden Gelateria genehmigten und am nächsten Tag einen Drink, nur um diese Stimmung länger geniessen zu können.
Etwas südlich liegt der berühmte und sehr schöne Springbrunnen, die Fontana Pretoria.

Dieses Kunstwerk, inmitten richtig alter Bauwerke, ist schon beeindruckend. Mir gefiel er besser als der bekannte Trevi-Brunnen in Rom. Hier gibt es so viele alte Gebäude, die früher bestimmt einmal richtig prunktvoll und majestätisch waren, und jetzt leider seit vielen Jahren sich selbst überlassen werden und zerfallen… Schade…

Dann spazierten wir weiter zum Hafen und erkundeten die Umgebung. Hier befindet sich auch das eindrucksvolle Graffiti an einer Wand „Murale di Falcone e Borsellino“.

Wir schlenderten noch ein bischen am Yachthafen entlang, aber als die Sonne allmälich hinter den Häusern verschwand, machten wir uns langsam auf den Weg zurück in unser B&B. Hier entdeckte ich auch diese besondere Strassendeko.

Wir genossen eine ausgiebige Dusche und tankten noch ein bischen Energie um uns kurze Zeit später wieder „unters Palermovolk“ zu mischen. Nach dem Abendessen, liefen wir noch einmal zum Hafen runter um uns den Springbrunnen „by night“ anzuschauen.

Es war schön, aber weniger spektakulär als erwartet. Auf unserem Rückweg kamen wir an dem sehr geschmackvoll und aufwendig beleuchtetem Teatro Massimo vorbei.

Zurück in unserem B&B fielen wir relativ schnell ins Bett. Es war ein ereignisreicher, aber auch anstrengender Tag.
Am nächsten morgen ging unsere Erkundungstour durch Palermo weiter. Unser erstes Ziel war noch einmal die Kathedrale. Denn heute wollten wir von dem sonnigen Wetter profitieren um aufs Dach der Kathedrale zu steigen. Die Aussicht von hier oben war wirklich schön.








Danach schlenderten wir noch ein bischen in diesem Viertel durch die vielen engen Gassen und liessen den ganzen Palermo-Trubel auf uns einwirken. Anschliessend spazierten wir noch einmal Richtung Meer um uns das Stadtviertel Kalsa östlich des Hafens anzuschauen. Auf dem Weg dorthin, kamen wir an einer Ausstellung, einem Museum „Anti-Mafia“ vorbei und entschlossen uns spontan da mal rein zu schnuppern.

Hier wurden vor allem Fotos und Polizeiberichte ausgestellt, die sich alle um den Kampf gegen die Mafia drehten. Das Netzwerk der Mafia, vor allem der Drogenhandel, wurde erklärt und dokumentiert. Viele Fotos zeigten Verbrechen gegen die „Feinde der Mafia“ oder Racheszenarien und Vollstreckungen zwischen Mitglieder befeindeter Clans. Die Ausstellung war sehr interessant, aber auch ziemlich gruselig, denn auf vielen Fotos waren Tote in grossen Blutlachen zu erkennen. Als wir danach weiter durch die Stadt zogen, fragten wir uns, wie gross der Einfluss der Mafia wohl heute noch ist, ob sie jetzt vermehrt „hinter den Kulissen“, also subtiler agiert als vor 30-40 Jahren…
Im Giardino Garibaldi angekommen, kamen wir wieder ein bischen auf andere Gedanken. Hier gab es ein paar richtig grosse Ficusbäume zu bestaunen.

Dieser Ort war wirklich eine Oase der Ruhe. Hier konnte man wieder Vogelgezwitscher wahrnehmen… ein Genuss. Ich bin definitv kein Stadtmensch, das merkte ich hier wieder ganz deutlich, ich brauche die Natur.
Nach einer kleinen Stärkung, machten wir uns wieder auf den Weg, auf die gegenüberliegende Seite, Richtung Palazzo dei Normanni und Porta Nuova und dann weiter zu den Catacombe dei Cappuccini. Dies ist eine Begräbnisstätte von 8000 Menschen aus der Zeit vom 16.Jh.-1920, alle bekleidet und unterteilt in Kategorien (Männer, Frauen, Kinder, Geistliche, Soldaten…)

Lange hatten wir überlegt, ob wir uns das anschauen wollten oder nicht. Ich hatte ein bischen Bedenken, dass ich danach mehrere Nächte nicht schlafen könnte, dass ich mich zu viel davor gruseln würde. Schlussendlich haben wir uns dann doch für eine Besichtigung entschieden, weil dies hier in Palermo doch sehr speziell und ziemlich einzigartig ist. Fotografieren ist hier streng verboten. Die bekannteste Mumie ist die „Bambina“, ihr Name war Rosalia Lombardo. Sie ist im Alter von nur zwei Jahren 1920 an der spanischen Grippe verstorben und gehört zu einer der besterhaltenen Mumien der Welt. In ihrem gläsernen Sarg wirkt sie wirklich fast so „lebendig“ als würde sie nur schlafen.

Diese Besichtigung der Katakomben waren definiv „speziell“. Es war eine Erfahrung. Die Endlichkeit wird einem hier sehr bewusst. Man beschäftigt sich unweigerlich mit dem Thema des Todes. Nein, ich habe mich nicht gegruselt, aber wohl habe ich mich auch nicht wirklich gefühlt. Nach ungefähr einer Stunde, waren wir wieder aus der Unterwelt aufgetaucht und machten uns auf den Weg zurück in unsere Unterkunft. Den Abend liessen wir dann gemütlich bei einer leckeren Pasta ausklingen.
Am nächsten Morgen war der Himmel wieder bedeckt und grau und es dauerte nicht mehr lange bis es zu regnen anfing. So machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg zurück nach Licata.
Es waren drei ganz interessante Tage voller verschiedener Eindrücke. Ich bin froh, dass wir uns die Zeit genommen haben, um Cefalù und vor allem Palermo zu besichtigen. Die kommenden zwei Tage hat es fast durchgehend geregnet und so zogen wir es vor diese auf Adesso abzuwettern. So hatte ich dann auch genügend Zeit, Teil 2 unserer „Sizilientour“ zu planen…
Dazu dann mehr im nächsten Blog.
Raymonde