oder: auf Wiedersehen Griechenland, Benvenuta Sicilia
Da das Wetter immer unbeständiger und vor allem unangenehm herbstlich wurde, hatte wir uns dazu entschlossen, das nächste gute Wetterfenster zu nutzen um nach Sizilien zu segeln. Ende der Woche könnte es passen, vorausgesagt die Wettervorhersagen bestätigen sich in den kommenden Tagen. Bis dahin, wollten wir die Gelegenheit nutzen um noch ein paar Tage in einer anderen Bucht, mit klarerem Wasser, zu ankern. Wir waren jetzt lange genug in der Vlychobucht gewesen. So nutzen wir den recht starken NW-Wind um die 10 sm zur Palairos Bay zu segeln.

Hier ankerten wir vor einem langen Sandstrand mit mehreren Strandbars, die aber schon fast alle geschlossen hatten. Ja, ab Mitte Oktober klappen sie hier in Griechenland die Rolladen hoch…dann ist Saisonschluss. Wir blieben zwei Tage hier vor Anker. Am Nachmittag machte ich eine kleine Erkundungstour an Land die aber ziemlich ernüchternd war, denn auch hier lag alles voller Müll. Ich wanderte durch ein schönes Feuchtgebiet im Hinterland mit hunderten von Schwalben, aber hinter gefühlt jedem Hügel oder dickem Binsenstrauch lag Plastik, Sperrmüll oder Bauschutt 😦 An diesen Anblick kann ich mich einfach nicht gewöhnen. Wieder am Potamaki Strand angekommen, spazierte ich noch zu den Überresten einer alten Brücke…

Ich schaffte es ein schönes Foto zu schiessen, ohne dass man Müll sieht, aber auch hier am Strand lag überall Abfall und Plastik 😦
Am nächsten Tag trafen auch Kerstin&Hans hier in der Bucht ein. Sie luden uns zu einem leckeren Abendessen auf ihrer Flamingo ein und wir verbrachten einen sehr schönen angenehmen Abend zusammen. Da sich jetzt unsere Wege für eine ungewisse Zeit lang trennen, war es wirklich schön noch einmal so entspannt zusammen zu sitzen und den Abend miteinander zu verbringen. Am nächsten Morgen machten wir uns dann nach dem Frühstück auf den Weg und Kerstin schoss noch ein paar Erinnerungsfotos von uns.


Unser Ziel heute, war die Bucht Vasiliki, an der südwestlichen Ecke von Lefkada. Von hier aus, wollten wir in zwei Tagen Richtung Sizilien aufbrechen. Diese Bucht ist vor allem bei Wassersportliebhabern bekannt. Hier gibt es unzählige Kite- und Surfschulen. Der Grund dafür ist der fast omnipräsente Wind, der hier ziemlich stramm durch die Bucht zieht, denn er wird durch die umliegenden Berge verstärkt. Ideal für Kiter und Surfer, weniger angenehm für Segler, die einen ruhigen Ankerplatz bevorzugen.



Abendstimmung in Vasiliki:

Aber für zwei Nächte war es ok. Schliesslich hatten wir uns ja auch nur für diese Bucht entschieden, weil sie uns als bester Ausgangspunkt für unsere Überfahrt nach Sizilien erschien. An unserem Abend hier in Griechenland, fuhren wir mit dem Beiboot ins Dorf von Vasiliki und stimmten uns in einem intalienischen Restaurant schon ein bischen auf Italien ein.

Am nächsten Morgen lichteten wir kurz nach Sonnenaufgang den Anker und machten uns auf den Weg Richtung Sizilien. Die ersten 2 Stunden mussten wir noch motoren bevor wir auf segelbaren Wind trafen.

Als wir am Doukato Leuchtturm vorbeifuhren, verabschiedete ich mich in Gedanken von Griechenland. Wir hatten eine tolle Saison mit sehr vielen verschiedenen Eindrücken. Aber jetzt war unser Ziel Sizilien. Wir hatten eigentlich mit ungefähr 2-2,5 Tage gerechnet für die Überfahrt. Aber da wir deutlich mehr Wind hatten (aber auch mehr Wellen !) und weniger achterlich als vorausgesagt, machten wir richtig Fahrt.

Wir hatten in den ersten 24 Stunden einen Durchschnitt von 6,5 Knoten Fahrt über Grund. So war es klar, dass wir viel früher in Syracuse ankämen als erwartet. Leider schlief der Wind dann ungefähr 50 Meilen vor der sizilianischen Küste komplett ein, so dass wir die restliche Strecke motoren mussten. Segeln war bei 3- 5 Knoten Wind und den noch vorhandenen Wellen einfach nicht machbar. Gegen 3 Uhr morgens liefen wir dann in der grossen Bucht von Syracuse ein und dank des 3/4 Mondes, fanden wir auch recht schnell einen geeigneten Ankerplatz. Nach anstrengenden 44 Stunden, fielen wir müde in die Kojen. In den nächsten Tagen erkundeten wir ausgiebig Syracuse, denn letzte Saison lagen wir ja nur eine Nacht hier vor Anker, eine Zwischenetappe auf dem Weg Richtung Strasse von Messina.
Unser erstes Ausflugsziel war der archäologische Park von Neapolis mit seinem bekannten griechischen Theater und römischen Amphitheater.


Wir schlenderten ein paar Stunden durch den ganzen Park, durchs Latomia del Paradisio…


und in die bekannte, von menschenhand geschaffene Höhle, „Ohr des Dionisios“.



Im ganzen Park gab es an fast jeder Ecke Statuen zu bewundern, so auch am Altar Hierons II oder am Amphitheater.



Dies Mischung aus Kunst und archäologischen Ausgrabungen empfanden wir als etwas gewöhnungsbedürftig. Ich war froh, diesen Park besucht zu haben, aber unsere Begeisterung hielt sich in Grenzen. Vielleicht auch, weil wir die ganze Saison über, so viele „alte Steine“ besichtigt haben… auf unserem unumstrittenen Platz 1 steht aber immer noch das antike Messina, das hat uns bei Weitem am Besten gefallen!
Auf dem Weg zurück zum Hafen schlenderten unter anderem an der Chiesa di San Tommaso al Pantheon, der Basilica Santuario Madonna delle Lacrime und dem Orteo Palace Hotel vorbei.




Am allerbesten gefällt uns die Altstadt von Syracuse, die sich auf der Halbinsel Isola d’Ortigia befindet. Hier gibt es in den vielen schmalen Gassen so viele schöne alte Häuser zu entdecken.




Die Fonte Aretusa mit den Papyruspflanzen und der gleichnamige kleine hier angrenzende Park mit den imposanten Bäumen ist wirklich sehenswert.


Ein weiteres Besichtigungsziel war das Castello Maniace, eine militärische Festung aus dem 13. Jahrhundert.



Von hier aus hatten wir einen schönen Rundumblick, aber die Festung an sich, ist jetzt nichts Besonderes…oder vielleicht sind wir auch, was Festungen angeht, ein bischen gesättigt und verwöhnt mit all den Festungen die wir diese Saison in Griechenland besichtigt haben. Das kann natürlich auch gut sein…


Hier in Syracuse probierten wir dann auch endlich unsere ersten Cannoli, ein bekanntes gefülltes sizilianisches Gebäck.


Es war sehr lecker, aber ich will gar nicht wissen, wieviele Kalorien so ein Stück enthält. Also definitiv nichts für jeden Tag!
Nach ein paar Tagen trafen Suzanne & Marco mit ihrem Katamaran Suala hier in der Bucht ein. Auch sie sind auf dem Weg Richtung Licata. Die beiden kennen wir auch schon länger, denn sie lagen am gleichen Steg wie wir in La Rapita. Die Segelwelt ist schon klein! Natürlich trafen wir uns auf ein Wiedersehenstrunk zuerst bei Ihnen an Bord und anschliessend am nächsten Tag bei uns auf Adesso. Gesprächsstoff gibt es ja immer genug 😉 Ein gemeinsames Abendessen in der Altstadt von Syracuse durfte natürlich auch nicht fehlen.

Am nächsten Morgen machten wir uns, kurz nach den Suala’s, in der Morgendämmerung auf den Weg Richtung Licata. Der hier vorherrschende NW-Wind machte für zwei Tage eine Pause, die wollten wir nutzen. Es war ein anstrengender Segeltörn mit vielen verschiedenen Segeleinstellungen: Grosssegel hoch, wieder runter, einreffen, wieder ausreffen, Leichtwindsegel raus, wieder einrollen und dazwischen immer wieder motoren. Nach 70 sm fiel unser Anker hinter der Hafenmauer von Scoglitti. Leider hatten wir es nicht geschafft noch bei Tageslicht hier anzukommen, wir waren eine halbe Stunde zu spät und es war stockdunkel. Aber Guy manövrierte Adesso ohne Probleme hinter die Hafenmauer und der Anker hielt sofort im Sandboden.

Am nächsten Morgen stand die letzte Etappe dieser Saison auf dem Programm und so machten wir uns kurz vor Sonnenaufgang auf den Weg nach Licata. Die Suala’s folgten uns einen Tag später, da sie noch einen zweitägigen Aufenthalt in Ragusa eingelegt hatten. Wir konnten die restlichen 25 Seemeilen angenehm segeln und kamen flott voran, so dass wir kurz vor Mittag hier in Licata eintrafen.

Mittlerweile sind wir schon über eine Woche hier und ich war natürlich auch schon ein bischen auf Erkundungstour. Aber dazu mehr im nächsten Blog.
Raymonde