Zurück im ionischen Meer

Die letzte Nacht in Mesolonghi war leider nicht wirklich erholsam. Bis in die frühen Morgenstunden sorgten die Bars für laute Musik. An erholsamen Schlaf war nicht zu denken. Ab 4 Uhr wurde es dann endlich für ein paar Stunden ruhiger bis um 8 Uhr lautstark die Pfarrerpredigt und der Kirchengesang jeden Wecker überflüssig machte. Nach dem Frühstück machten wir uns dann ziemlich zügig auf den Weg. Nur mit dem Vorsegel segelten wir ganz gemütlich den Kanal entlang und genossen noch einmal den Ausblick auf die Lagune und die vielen kleinen Fischerhütten links und rechts des schmalen Kanals. Unser Ziel heute war die grosse naturbelassene Bucht Ormos Oxia unweit des Vogelschutzgebietes.

Da nur ein einziges Boot hier vor Anker lag, hatten wir noch die Qual der Wahl und so entschieden wir uns auf der Höhe der kleinen Dünen relativ nah am Strand zu ankern. Wir genossen die angenehme Ruhe hier. Am Strand gibt es zwar eine kleine Taverne und ein paar Liegestühle, aber, obwohl es Sonntag war, waren nur wenige Besucher hier. Am späten Nachmittag gesellten sich noch ein paar weitere Boote hinzu, aber es gab ausreichend Platz für alle. Da ich Lust auf einen kleinen Spaziergang hatte, schnappte ich mir meinen SUP und fuhr rüber zum Strand. Ich lief am Strand entlang bis zur Fischfarm Bourka, die sich unweit der Sandzunge am Beginn des Feuchtgebietes befand.

Von dort aus folgte ich dem Schotterweg am Vogelschutzgebiet entlang bis ich wieder über einen kleinen Dünenpfad zum Strand zurückkehrte.

Der Ausblick vom Strand aus auf die Insel Oxia war richtig schön. Leider gab es hier überall sehr viel Müll. Alte Fischernetze und Plastik jeder Art wohin ich auch blickte. Das machte mich traurig, wütend, nachdenklich und ich fühle mich machtlos, denn hier müsste eine grossangelegte Reinigungsaktion gestartet werden. Aber da der Strand ja „naturbelassen“ ist und nicht kommerzialisiert wird, scheint es keinen zu interessieren und niemand fühlt sich verantwortlich, obwohl das Vogelschutzreservat direkt hier angrenzt 😦 

Ich fische immer wieder treibende Flaschen, Tüten usw. aus dem Wasser, aber hier war es einfach zu viel… 

Zurück auf Adesso erzählte ich Guy von meinem Unmut, aber etwas daran ändern konnten wir nicht. So liessen wir den Abend gemütlich auf Adesso ausklingen und genossen die wundervolle Stimmung an Deck während der Abenddämmerung.

Am nächsten Morgen gings weiter zur Insel Kastos. Als wir im Juli hier vorbeisegelten, hatte ich schon einen Blick auf die vielen schönen Buchten geworfen, aber da sie alle hoffnungslos überfüllt waren, hatten wir es vorgezogen an Kastos vorbei zu segeln. Darum wollten wir jetzt in der Nachsaison einen zweiten Versuch starten. Es war zwar immer noch viel mehr los als wir dachten und erhofften, aber wir hatten Glück, denn als wir uns der auserwählten Bucht näherten, fuhr ein Katamaran weg. Glück gehabt! Wir fanden auch auf Anhieb einen Sandfleck zwischen den vielen hellen Felsplateau’s, die man leicht mit Sand verwechseln kann. Unser Anker grub sich sofort tief ein. Perfekt. Die Bucht gefiel mir auf Anhieb sehr gut. Es gab links und rechts des Kieselstrandes tolle Felsformationen, kein Mensch am Strand, nur ein anderes Segelboot vor Anker und herrlich schönes klares Wasser. PERFEKT 🙂

Von Weitem hörten wir Ziegengeräusche. Mit dem Fernrohr machte ich mich auf die Suche, konnte aber am ersten Tag keine erblicken. Das sollte sich aber an den kommenden Tagen ändern, denn ein Dutzend Ziegen besuchten danach regelmässig den Strand um nach etwas Fressbarem zu suchen. So süss… Uns gefiel es hier so gut, dass wir schlussendlich ganz 5 Tage hier vor Anker blieben…schon fast rekordverdächtig 🙂

Es gab um die Ecke rum eine Höhle die weit in den Berg hineinragte und die tief und breit genug war um sie mit dem SUP zu erforschen. 

Dann gab es diese beeindruckende Felsküste, die je nach Sonneneinstrahlung immer anders aussah und wo ich begeistert den Kletterkünsten der Ziegen zuschauen konnte.

Es war ein Genuss in diesem klaren Wasser zu schwimmen und mehrmals am Tag schnappte ich mir meine Schnorchelausrüstung und genoss es die Unterwasserwelt zu erkunden. Natürlich durfte die eine oder andere Wanderung nicht fehlen. Am ersten Morgen spazierte ich kurz vor Sonnenaufgang bis hoch zur kleinen Kirche Saint Emilianos, die etwas oberhalb der Bucht im Hang lag. Die Aussicht auf unsere Bucht und das Meer war wieder atemberaubend in der Morgendämmerung.

Nur Vogelgezwitscher…Ruhe pur… Ausser dieser Kirche, gibt es in diesem Teil der Insel keine weitere Infrastruktur. Aber die sah sehr gepflegt und neu restauriert aus.

An diesem Morgen hatte ich auch einen kleinen Schotterweg entdeckt der Richtung Inselgipfel führte. Das weckte natürlich wieder meinen Erkundungsdrang und meine Motivitation „hinauf zu wandern, um hinab zu schauen“ 😉

Am vorletzten Tag machte ich mich mit ausreichend Wasserreserven auf den Weg. Ich kam an einem verlassenen Stall vorbei. Die Türen standen alle offen und überall tummelten sich Ziegen. Von hier aus stammten dann wohl auch die Ziegen, die jeden Tag ihre Runde am Strand drehten. Vielleicht verstarb der Stallbesitzer und keiner wollte danach die Tiere übernehmen…keine Ahnung…auf jeden Fall sind sie jetzt auf sich alleine gestellt und leben wild hier in den Hängen von Kastos. Auf meinem Weg nach oben, stand ich auch dauernd unter Beobachtung. Immer wieder raschelte es hinter den Hecken, vereinzelt kreuzten sich auch unsere Wege. Nicht verängstigt, sondern neugierig, aber auch vorsichtig, traten sie mir gegenüber.  

Ja, ich bewegte mich defintiv auf ihrem Pfad, das war unmissverständlich zu erkennen und zu riechen 😉

Oben, am nordöstlichen Punkt der Insel, muss wohl früher ein Dorf gewesen sein. Ich entdeckte neben Häuserruinen auch einen alten Brunnen und viele Überräste von Mauern…

Von hier oben hatte ich einen herrlichen Ausblick auf die Nachbarinsel Kalamos und Paliovarka am Festland.

Ausserdem blühten hier oben überall Meerzwiebeln. Sehr zur Freude der Bienen, Schmetterlinge und anderen Insekten.

Auf dem Rückweg hatte ich eine wunderbare Aussicht auf den Hafen und das Dorf von Kalamos und die Bucht Port Leone, wo wir im Juli auch schon vor Anker lagen.

Ich genoss diese Wanderung wieder in vollen Zügen… genau „mein Ding“ 🙂

Wieder auf der Südostseite angekommen, hatte ich eine super Aussicht auf unsere Nachbarbucht Kalikerimi und das Festland mit den kleinen vorgelagerten Inseln, so schön beleuchtet in der Nachmittagssonne,

und natürlich auch auf unsere Bucht (Adesso war hinter der Felswand und den Gebüschen versteckt)

Am 5. Tag, wurden wir morgens dann ziemlich unsanft aus dem Schlaf gerissen. Über 12 Knoten Wind genau in die Bucht hinein und Adesso begann in den Wellen zu hüpfen. Eigentlich war der Winddreher auf SO erst für den Nachmittag vorausgesagt, aber dem war offensichtlich nicht so. So entschieden wir noch hier in der Bucht zu Frühstücken um dann, ein paar Stunden früher als geplant, aufzubrechen. Der Abschied von „unserer Ziegenbucht“ fiel mir schwer, aber unter diesen Bedingungen, fiel es mir etwas leichter.

Unser nächstes Ziel war die, ovale, fjördähnliche gut geschütze Bucht Vlycho im Osten der Insel Lefkada. Hier war es nicht schwer einen geeigneten Ankerplatz zu finden, denn weiter unten in der Bucht, gab es noch reichlich Platz.

Weiter oben, gegenüber dem Dorf Nidri, sah das ganz anders aus, aber auf so ein Gedränge am Ankerplatz, können wir getrost verzichten.

Am Nachmittag machten wir uns mit dem Beiboot auf den Weg um Nidri zu erkunden und frisches Obst und Gemüse zu kaufen. Nidri hat uns nicht gefallen, ein Restaurant reiht sich an das andere, null Charme, nur auf die Touristen ausgerichtet.

Den Abend liessen wir in der Gialos Taverne ausklingen. Spontan hatten wir uns für dieses Restaurant hier im hinteren Teil der Bucht entschieden und wir wurden definitiv nicht enttäuscht. Im Gegenteil: das Essen war sehr lecker, die Atmosphere unter den Bäumen des Lokals wirklich angenehm und die Bedienung super freundlich 🙂

Seit drei Tagen ankern wir jetzt in dieser Bucht, um heute den ersten Regentag der Saison abzuwettern. Es war viel Regen und starke Gewitter vorausgesagt. Daher haben viele Boote diese Bucht ausgewählt um den Herbstanfang hier in Griechenland abzuwettern. So auch Bernd & Cerstin mit ihrem Segelboot Tin Lizzie, unsere Stegnachbarn aus Cartagena und unsere Segelbekannten Hans und Kerstin, mit ihrem Katamaran Flamingo, die wir ja noch einige Jahre länger kennen. Die Wiedersehensfreude war gross. Bei einem gemeinsamen kühlen Getränk bei uns auf Adesso und noch angenehmen Wetter gestern, hatten wir uns viel zu erzählen und die Zeit verging wie im Fluge.

Prompt verabredeten wir uns anschliessend, auf meine Empfehlung hin, zu einem gemeinsamen Essen in der Gialos Taverne. Das Essen schmeckte und wir kamen auch alle noch trocken zurück zu unseren Booten. Seit 3 Uhr in der Früh regnet es jetzt fast ununterbrochen, aber hier stehen wir sehr ruhig und es weht kaum Wind. Es herrscht im Moment wirklich graue Herbststimmung. Die Wolken hängen tief, es ist nebelig, man glaubt sich fast auf einem See in den Bergen.

Also wieder ein perfekter Tag, um mir die nötige Zeit zu nehmen um diesen Blog zu schreiben 😉 Aber ab morgen ist wieder Sonnenschein angesagt… und dann gehts weiter… wohin…mal schauen…

Dazu mehr im nächsten Blog.

Raymonde

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