Wie in meinem letzten Blog „angekündigt“, starteten wir in Methoni, als der NW-Wind sich wieder ein bischen beruhigt hatte. Unser Ziel, die vorgelagerte Insel Sapientza. Diese unbewohnte Insel ist nur 3,5 Seemeilen entfernt, aber als wir dort ankamen und noch kein anderes Boot vor Anker lag, fühlten wir uns ein bischen, als wären wir in einer anderen Welt angekommen. Ausser Grillenzirpen und Wasserplätschern, kein anderes Geräuch… herrlich.

Das Wasser war glasklar, aber kalt…oder vielleicht besser „frisch“… „nur 23 Grad“…Hier am „Aussenriff“, wie Guy diesen Teil von Peloppones nennt und so nahe am Calypsotief, dem tiefsten Punkt im Mittelmeer (58km südwestlich von Methoni und 5109m tief), gibt es viele Strömungen und Wasseraustausch…

Wir verbrachten schlussendlich vier Tage und 3 Nächte hier vor Anker. Mittags kamen immer mal für kurze Zeit ein paar Touriboote vorbei, die dann ein erfrischendes Bad genossen und dann aber bald wieder wegfuhren, so dass wir den grössten Teil der Zeit die Bucht für uns ganz alleine hatten. Ich ging viel schnorcheln, schrubbte ein bischen an unserem Unterwasserschiff und genoss einfach nur diese Ruhe hier. Leider war das Betreten der Insel nur mit schriftlicher Erlaubnis der Forstverwaltung gestattet, denn die Insel wird nur zu Jagdzwecken betreten. Für den Rest der Zeit soll die Fauna und Flora ungestört bleiben. Mir hat es hier wirklich sehr gut gefallen… An einem Morgen war die Stimmung schon fast märchenhaft, fast wie ein Gemälde dank des Morgennebels, der noch über dem Meer lag 🙂

Danke Carmen für den Tipp 😉
Nach 4 Tagen sehnten wir uns dann aber wieder nach einer Abwechslung und nutzen den, immer noch mit über 20 Knoten starken NW-Wind, um die 16 Seemeilen Richtung Koroni zu segeln. Nach einer flotten „Überfahrt“, ankerten wir in der Hafenbucht vor Koroni.

Als wir ankamen hatten wir hier ganz guten Schutz und standen ruhig vor Anker, aber am späten Nachmittag änderte der Wind innerhalb weniger Minuten seine Richtung und blas dann mit 15 Knoten voll in die Bucht hinein… und mit ihm kamen die Wellen… als es zunehmend unangenehmer wurde, entschieden wir, um die Ecke mit der Festung rum zu fahren um vor dem weitläufigen Strand Zaga an der Westseite von Koroni zu ankern. Eine gute Idee, wir hatten hier zwar immer noch viel Wind, aber standen im Wellenschutz…viel besser! Zwar wurde es in der Nacht, als der Wind abflachte und Adesso sich seitlich in die Wellen legte, ziemlich wackelig, aber wir standen hier mit Sicherheit trotzdem besser als vor Koroni. Kurz vor Sonnenaufgang paddelte ich mit dem SUP an Land und hatte noch den ganzen Sandstrand für mich ganz alleine. Ein Genuss!!! Ich schlenderte an den vielen Schildkrötennestern vorbei und erfreute mich an dem Gedanken, dass hier Tausende kleine Schlidkröten heranwachsen 🙂 🙂 🙂



Zwischen Mai und September kommen die Karettschildkröten hierher um ihre Eier abzulegen. An 4 Orten hier auf den Peloppones werden die Nester von der Naturschutzorganisation ARCHELON überwacht und dokumentiert. Die Nester stehen unter strengem Schutz, was ich wirklich toll finde. Daher müssen diese Strände auch so naturbelassen wie möglich bleiben… keine Liegestühle, keine Sonnenschirme, keine Bars mit Musik oder starken Lichtquellen usw. Als ich am Strand entlang spazierte, entdeckte ich ein ganz frisches Nest, wahrscheinlich von dieser Nacht. Man konnte noch ganz klar die Spuren der Schildkröte erkennen, wie sie sich den Strand hoch bewegte. Schnell schnappte ich mir ein paar Schilfrohre um das Nest zu markieren.

Ich war richtig entzückt als ich dies sah und würde es wirklich gerne einmal live erleben, wenn eine Schildkröte ihre Eier ablegt. Aber noch toller wäre es natürlich beim Schlüpfen der kleinen Schildkröten zuzuschauen. Zwischen Ende Juli und Oktober würden sie schlüpfen…vielleicht, wer weiss, klappt das ja noch irgendwann irgendwo…

Bevor ich zu Adesso zurückkehrte, machte ich noch einen kleinen Abstecher ins Dorf hinauf bis zur Panagia Eleistria Kirche. „Sie stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde am 26. Dezember 1900 eingeweiht. Jährlich feiern die Einheimischen Ende Januar ein Fest und erinnern an den Fund der heiligen Ikone Ende des 19. Jahrhunderts. Ursprünglich war das Gebäude als dreikuppelige Kirche erbaut worden. Leider nutzten die deutschen Besatzer einen der Türme als Munitionslager. Ehe sie im Jahr 1944 abzogen, sprengten Sie den Turm mitsamt der darin enthaltenen Munition in die Luft und zerstörten ihn vollständig. Der zweite Turm ist jedoch erhalten und von innen zugänglich. Von dem Gelände um die Kirche bietet sich Ihnen ein unvergesslicher Ausblick auf das offene Meer und das bezaubernde Fischerdorf.“
Auch hier herrschte noch absolute Stille und die Aussicht über unsere Ankerbucht vor dem Strand war toll.



Nach dem Frühstück fuhren wir zurück zum Ankerplatz vor Koroni, denn der Wind soll heute wieder aus Süden kommen, so dass wir heute ausreichend Schutz hier haben. Heute stand die Besichtigung der Festung und des Klosters auf dem Programm, denn laut meinen Recherchen, wäre die Festung von Koroni wirklich sehenswert. Hier ein paar Hintergrundinfos:
„Vom 6. bis zum 7. Jahrhundert wurde auf den Ruinen der antiken Stadt Asine unter byzantinischer Herrschaft die eindrucksvolle Festungsanlage errichtet. Die Venezianer bauten die Burg nach der Eroberung von Koroni um und errichteten eine Reihe neuer Bauwerke. Auch die Osmanen nahmen später große Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen vor. In der heutigen Zeit sind große Teile der ursprünglichen Burganlage erhalten und zeugen von der Baukunst der unterschiedlichen Besatzungsmächte. Auch einige der unterirdischen Zisternen sind erhalten, diese dienten in der Vergangenheit zur Wasserversorgung der Burgbewohner.
Seit dem Jahr 1918 gehören die kriegerischen Auseinandersetzungen um die Festung glücklicherweise der Geschichte Koronis an. Mit der Gründung des orthodoxen Nonnenklosters hielten Frieden und Andacht Einzug. Auf dem Gelände befindet sich die byzantinische Kreuzkuppelkirche Agia Sophia, die auf den Resten eines antiken Apollontempels erbaut wurde.“ Die war schon beieindruckend… ich schoss viele Fotos 😉


Wir schlenderten als erst am Hafen entlang bevor wir eine der vielen Gassen hinauf stiegen.


Wir kamen an der Saint Nikolaos Kirche vorbei bevor wir Richtung Festung wanderten.

Von der Festung sind hauptsächlich nur noch die Aussenmauern zu bestaunen, aber die einzelnen Gebäude des Klosters sind wirklich sehenswert. Wir kamen an dem Resalto 1824 Memorial Denkmal vorbei, als Erinnerung an die Griechen die 1824 versucht haben, die Burg von den Türken zurück zu erobern, was ihnen aber nicht gelang.

Schon von Weitem sah das Monastery of Timi Prodromos, wie das Kloster hier heisst, sehr vielversprechend aus.

Die folgenden zwei Fotos zeigen ein „Zimmer“ in dem wohl früher einmal ein Geistlicher gelebt und vor allem wohl gebetet hat… die Tür war so schmal, dass wir seitlich durchgehen mussten und das Zimmer war vielleicht 1,5 x 1m… wirklich total winzig… das muss man wollen…!


Im gesammten Kloster herrschte eine sehr angenehme Ruhe und die vielen Pflanzen des Klostergartens beeindruckten mich.

Aber vor allem die viele verschiedenen tollen Aussichten, die wir von hier oben geniessen konnten, begeisterten mich.






Mir hat unsere Erkundungstour hier wirklich sehr gut gefallen. Ist wirklich sehenswert!
Den Abend liessen wir in einem Restaurant entlang der Hafenpromenade ausklingen. Rundum ein toller Tag. Leider wurde die Nacht dann nicht so erholsam wie erwartet, denn, was wir nicht wussten, heute war hier in Koroni ein Musikfestival. Ab 21 Uhr ertönte die Musik über der Bucht… bis 5Uhr morgens (!)…die übertönte das Plätschern der Wellen problemlos…da halfen auch keine Ohrstöpsel und kein Kissen auf dem Kopf 😦 Dementsprechend müde starteten wir so in den kommenden Tag.
Dank unseres Leichtwindsegels, machten wir auch bei schwachem Wind ordentlich Fahrt und erreichten Petalidi, das etwa 10 Seemeilen weiter nördlich liegt, am frühen Nachmittag. Vor diesem kleinen verschlafenen Dorf ankern wir nun seit gestern. Dieses erwacht jedoch sobald die Sonne untergeht.

Am zentralen Dorfplatz, rundum der ortodoxen Kirche, versammelt sich dann gefühlt die ganze Dorfgemeinschaft. Kinder spielen mit dem Ball, fahren Fahrrad, klettern auf die Bäume, die Erwachsenen schauen dem ganzen Treiben von einer der vielen Sitzbänke zu oder genehmigen sich einen Mythos (griechisches Bier). Wir beobachten das Ganze von einer kleinen Taverne mit nur 5 Tischen aus, während wir auf unseren Pita-Gyros warteten. Auf dem Weg zurück zu unserem Beiboot, dämmerte es schon und die Bucht erstrahlte in wunderschönen rötlichen Farben.

Heute war jetzt mal Wäschewaschen und Bett neu beziehen auf dem Programm… und Blog fertig schreiben 😉 und für heute abend haben wir einen Mietwagen reserviert (ich hoffe das klappt), denn morgen planen wir einen Ausflugs-/Besichtigungstag hier im Hinterland. Aber dazu dann mehr im nächsten Blog.
Raymonde