Nach einer Woche auf Paxos, begannen wir uns über die möglichen nächsten Ziele und die Öffnungszeiten der Lefkadabrücke zu informieren, denn so langsam wollten wir nach Süden aufbrechen um dem zunehmenden Tumult hier auf Paxos zu entfliehen. Da für die kommenden Tage nur sehr wenig Wind und fast keine Wellen vorausgesagt waren, entschieden wir uns erstmal nach Antipaxos weiter zu fahren um „unser Glück“ hier in einer kleinen Bucht zu finden. Unser Anker fiel dann in einer sehr idyllischen Bucht vor dem kleinen Sandstrand Plaka und einem einzelnen Häuschen. Ich machte mich sofort mit dem SUP auf Erkundungstour und genoss ein ausgiebiges Bad. Am späten Morgen gesellten sich noch ein paar Boote hinzu, aber jeder verhielt sich „friedlich“ und genoss die Ruhe. Wir freuten uns schon auf eine ruhige Nacht hier vor Anker, als am Nachmittag eine grosse Motoryacht um die Ecke bog. Sie drehte in die Bucht hinein und verweilte eine Zeit lang hinter uns. Dann kam ein Crewmitglied mit dem Beiboot und fragte, ob und wann wir wegfahren würden. Als wir ihm sagten, wir würden nicht wegfahren, merkten wir schon, dass das nicht die Antwort war, die er sich erhofft hatte. Die Motoryacht verweilte hartnäckig etwas ausserhalb der Bucht. Nach einiger Zeit tauchte er wieder in seinem Beiboot auf und meinte, wir sollen umankern, da wäre ja noch genug Platz für uns weiter hinten in der Bucht. Wir sagten ihm, dass wir nicht umankern würden, da der Wind in der Nacht drehen würde und wir nicht so nah an den Felsen ankern wollten und dass wir halt vor ihnen da waren und sie dann zu einem anderen Ankerplatz fahren müssten. Anstatt sich nach einem anderen Ankerplatz umzuschauen, nahmen sie Kurs in unsere Richtung und liessen ihren Anker einige Meter hinter Adesso fallen und fuhren sehr dicht an uns vorbei um sich dann vor uns mit Landleinen am Felsen festzumachen.
Wir kochten vor Wut 😦 😦 😦

So egoistische Idioten, Aschlöscher…. AFRICA ONE, Rufzeichen: MJMQ3… die gehen über Leichen/Boote um an ihr Ziel zu kommen. Ich hoffe auf Karma ist Verlass!
Für uns war klar, so konnten wir hier nicht stehen bleiben. Wenn der Wind dreht, dann werden wir seitlich in die Yacht gedrückt. Auch wenn wir versicherungstechnisch im Recht waren, wir konnten keinen grösseren Schaden an Adesso riskieren… Also blieb uns nichts Weiteres übrig als den Anker zu lichten, natürlich ganz zum Vergnügen von diesen Idioten, denen wir natürlich auch lautstark mitteilten, was wir von ihrem Benehmen und Verhalten hielten…was denen aber ziemlich sicher total egal war 😦
Ich kochte innerlich, ich war auf 100 Tausend… Das ist auf jeden Fall ein Punkt, der mir hier in Griechenland ganz und gar nicht gefällt, nämlich, dass diese riesen Motoryachts bis in die kleinsten Buchten reinfahren dürfen und sich direkt neben kleine Segelyachten an den Felsen festmachen können. Das zerstört jede idyllische Buchtenathmosphere…und dann läuft auch noch pausenlos ihr Stromgenerator, sie rennen mit ihren Jetskis rum und und und…. ich sehe inzwischen jedesmal „rot“, wenn ich eine Motoryacht ankommen sehe… Da macht die Regel in Frankreich wirklich Sinn, dass diese grossen Yachten 300m abseits der Küste ankern müssen.
Naja, nachdem wir dann festgestellt hatten, dass weiter im Innern der Bucht nicht ausreichend Platz für uns war (was wir diesem Aasch ja auch schon im Vorfeld gesagt hatten), versuchten wir unser Glück weiter südlich in der grösseren Bucht Karavi Nord. Unser Anker fiel dann in dessen Mitte, denn viel Wahl hatten wir nicht mehr in den frühen Abendstunden. Die Nacht wurde dann natürlich auch schaukelig und wenig erholsam, da der Schwell seinen Weg bis in die Mitte der Bucht hineinfand 😦
Als am Morgen ein grösseres Segelboot seinen Platz im gut geschützten hinteren Teil der Bucht verlies, entschieden wir uns spontan, keine Zeit zu verlieren und uns diesen Platz sofort zu sichern. Wir meisterten das Ankern und Festmachen mit Landleinen an den Felsen so gut, dass das Nachbarboot uns gar nicht bemerkte und sie ganz erstaunt waren, als sie uns nach dem Aufstehen erblickten. Hier standen wir jetzt richtig schön und gut geschützt.



Hier gefiel es mir richtig gut und endlich konnten wir diese Insel auch mal stressfrei geniessen und so verbrachten wir einen sehr angenehmen Tag hier. Am nächsten Morgen machte ich mich kurz vor Sonnenaufgang auf den Weg zum Leuchtturm am südöstlichen Teil von Antipaxos. Der schmale Weg führte zuerst den Hang hinauf, vorbei an ein paar kleinen Häusern mit Olivenbäumen und Weinreben.

Oben angekommen, hatte ich eine schöne Aussicht auf die aufgehende Sonne und unsere Bucht.

Der Weg führte durchs grüne Hinterland bis zum Leuchtturm. Dieser funktionniert noch, aber das Gebäude ist stark renovierungsbedürftig.


Doch etwas „gewöhnungsbedürftig“ war dieser Anblick auf halber Strecke.

Wie immer genoss ich diesen Morgenspaziergang in vollen Zügen, bedauerte es nur ein bischen, dass es hier auf Paxos und Antipaxos keinen „richtigen“ Küstenweg gibt, sondern die Wege vorwiegend durchs Hinterland führen.

Nach dem Frühstück, entschieden wir uns, Richtung Lefkada aufzubrechen. Ich wäre gerne auch noch einen Tag länger hier geblieben, aber wir bekamen den Tipp, dass man während der Woche sehr günstig am Steg von Ionion Sails anlegen könnte und so ganz einfach die Stadt erkunden und Einkäufe tätigen kann. Und da wir Mittwoch waren, passte das perfekt, denn so könnten wir, vorausgesagt, es ist noch Platz, zwei Nächte hier am Steg verbringen. Kurz vor der Öffnung der Lefkadabrücke um 14 Uhr kamen wir vor der Burg Agia Mavra an, die sich am nördliche Eingang des Lefkadakanals befindet.

Die Anzahl der wartenden Boote hielt sich noch in Grenzen, aber der Wind hatte deutlich aufgefrischt, so dass Guy während der Wartezeit damit beschäftigt war, Adesso auf dem Platz zu halten. Als das Signal ertönte, machte jeder sich bereit, denn es hiess „zügig“ durchfahren, sobald die Brücke sich öffnet.

Alles verlief ohne Probleme…schliesslich sind wir Brücken ja schon aus den Niederlanden gewöhnt ;-). Kurz nach der Brücke, bogen wir rechts zu den Ionion Sails Stegen ab, wo noch reichlich freie Liegeplätze waren. Als die Sonne etwas tiefer stand, machten wir uns auf Erkundungstour durch Lefkada. Lefkada ist keine typisch griechische Stadt, denn sie wurde 1953 stark durch ein Erdbeben zerstört und da die finanziellen Mittel für einen Wiederaufbau grösstenteils fehlten, wurden viele Häuser nach und nach und relativ notdürftig wieder aufgebaut. Die Fassenden vieler Häuser wurden mit Wellblech eingekleidet und bunt angestrichen. Anscheinend würde es ein bischen wie Cuba aussehen (aber da wir noch nie in Cuba waren, kann ich das jetzt nicht bestätigen). Aber könnte stimmen…

In Erinnerung werde ich Lefkada sicher wegen seinen Kirch-/Glockentürmen aus Stahl behalten. Diese wurden anscheinend so errichtet, damit sie erdbebensicherer sind für die Zukunft.



Lefkada war eine gute Gelegenheit unsere Essensvorräte wieder aufzustocken. Das Bunkern an Bord ist viel einfacher am Steg als wenn man alles mit dem Beiboot ranschaffen muss, zumal schwerere Sachen wie Getränkedosen.
Am zweiten Abend haben wir es uns dann richtig gut gehen lassen. Zuerst einen sehr leckeren Cocktail in einer netten kleinen Bar in einer Nebenstrasse.


Und anschliessend ein sehr wohlschmeckendes Abendessen in einem kleinen Restaurant mit sympatischem Hinterhof.

Das war ein rundum gelungener Abend 🙂
Am nächsten Morgen starteten wir kurz vor Sonnenaufgang, denn wir wollten den Lefkadakanal in aller Ruhe hinabfahren, die Athmosphere geniessen und dann in unserer nächsten Ankerbucht, in Bathyabali, am griechischen Festland, unweit des Kanals, gemütlich frühstücken. Unser Plan ging auf, denn es herrschte echt eine tolle Morgendämmerungsstimmung und wir waren noch ganz allein unterwegs, ausser ein paar kleinen Fischerbooten.


Nach ungefähr 1 1/2 Stunden fiel unser Anker in der „Baumbucht“ und es herrschte noch eine sehr angenehme Stille.


Am Nachmittag wurde die Bucht aber stündlich voller und von jeder Ecke war eine andere Musik zu hören. Diese Bucht war also kein Geheimtipp, sondern ein beliebtes Ziel der Griechen um das Wochenende einzuläuten und bei Charteren, um ihren letzten Urlaubstag zu feiern, bevor sie ihr Boot wieder abgeben müssen. Am Abend wurde es dann aber wieder deutlich ruhiger, was wir wirklich begrüssten. Am nächsten Tag wollten wir weiter… wohin, hing noch vom Wetter ab…entweder Ithaka oder Meganisi oder Kalamos … das werden wir am nächsten Morgen entscheiden…mehr dazu im nächsten Blog.
Raymonde