Ich Moment wettern wir hier in der Bucht Cala Calazza auf Favignana (Isole Egadi, Sizilien) stärkeren Südwind ab, also wieder ein perfekter Zeitpunkt um einen neuen Blog zu schreiben. Ich muss gestehen, dass ich jetzt lieber weitere Buchten hier auf den ägadischen Inseln erkunden würde, aber hier stehen wir heute gut geschützt vor dem Scirocco, der doch ganz ordentlich mit 15-25 Knoten seit heute Nacht über die Inseln bläst.

Morgen hoffen wir weiter nach Marettimo segeln zu können… mal abwarten…
Meinen letzten Blog verfasste ich in der Cala Teulera auf Menorca. Genau wie erhofft, hatte sich der Mistral am kommenden Tag ein bischen beruhigt und so auch die Wellen, so dass wir uns am Sonntag dann auf den Weg Richtung Südsardinien machten. So beschloss ich den letzten Tag auf Menorca noch einmal für eine ausgeprägte Wanderung zu nutzen, bevor die 200 sm Überfahrt anstand. Ich wanderte an der wilden Küste entlang bis zur Cala Llonga und genoss diese herrlich raue Landschaft, diese Ruhe (ausser dem aufgeregten Geschnatter der Möwen, wenn ich mich ihren Nistplätzen zu sehr näherte).





An der Cala Llonga angekommen, entschied ich mich spontan für einen kleinen „Umweg“ durch diese Wohnsiedlung und staunte nicht schlecht beim Anblick von so manchem eindrucksvollen Anwesen.



Auf dem Weg zurück zur hatte ich diese schöne Aussicht auf die Cala Teulera, Adesso und den Wachturm im Hintergrund.


Am nächsten Tag hiess es dann „Anker hoch“ und Kurs Richtung Sardinien. Am Anfang hatten wir noch nicht genügend Wind, aber als wir aus der Abdeckung der Insel herauskamen, stellte sich richtig guter Segelwind ein. Wir setzen unseren Code D (Leichtwindsegel) und machten richtig gut Fahrt. Es war sehr angenehm, da die Wellen nicht zu hoch und vor allem von hinten kamen und Adesso so vor sich hinschoben.

So relax müssten alle Überfahrten sein, Kaffee und Kekse, relax vorne mit Blick aufs Meer… auf der Suche nach Delfinen, Schildkröten oder einem Wal (den wir aber leider bis jetzt noch nie erblicken konnten). Am Abend gesellte sich noch ein kleiner Begleiter hinzu.


Leider sollte der Wind aber in der Nacht so schwach werden, dass wir nur noch wenig Fahrt machten und Adesso unangenehm in den Wellen hin-und her geschauckelt wurde. Als der Wind dann auch noch „gefühlt dauernd“ von einer Seite auf die andere wechselte und wir immer wieder raus mussten um die Segel anzupassen, entschieden wir uns dazu den Motor als Unterstützung mitlaufen zu lassen. Wir versuchen wirklich immer dann loszufahren, wenn konstanter Wind vorausgesagt ist, aber wie fast immer, bis jetzt (!), kommt es dann doch wieder anders. So auch wieder dieses Mal. Den Rest der Strecke, bis zu unserem Ankerplatz vor dem Torre Canai in Südwestsardinien, lief der Motor also mit.
Doch dieser letzte Abschnitt sollte dann noch einmal so richtig stressig werden! Guy hatte die Angelschnurr draussen und wollte diese eigentlich um 18 Uhr reinholen. Dann plötzlich, komplett unerwartet, hörten wir die Angel zischen. Entweder hatten wir uns Müll eingefangen oder es hatte etwas angebissen. Ich hoffte auf Müll, denn, da wir über 6 Knoten Fahrt machten, könnte es nur ein grosser Fisch sein, der da mithällt. Wir nahmen Fahrt raus und als Guy die Schnurr einholte, sollten wir einen Schock bekommen… oder ich zumindest! Es hatte ein richtig grosses Exemplar angebissen! Ich sagte Guy sofort, dass wir den unmöglich behalten könnten, denn da ich auf Menorca noch ausgiebig Proviant gebunkert hatte, war unser Gefrierschrank voll. Da war kein Platz für so einen riesigen Fisch. Und nicht nur das, was würde das für ein Gemetzel werden um den zu töten und zu filettieren… Wir entschieden ihn wieder frei zu lassen…aber vorher mussten wir ihn erst mal an Bord bekommen um ihn vom Köder zu befreien. Ich übertreibe jetzt wirklich nicht, aber der Fisch (ein Mittelmeer Speerfisch, wie ich später recherchierte) war mindestens 1,20m lang…mindestens! Wir schafften es, ihn an Bord zu holen. Ich umschlung ihn mit meinen Armen und klemmte ihn zwischen den Beinen. Natürlich versuchte er sich zu befreien und als Guy dann endlich rief, der Köder wäre raus, drehte ich mich um, um ihn wieder ins Wasser zu werfen. Ein letzter Schwanzschlag streifte meine Schläfe und liess meine geliebte Sonnenbrille für immer im Meer verschwinden. Ich war erleichtert, dass der Fisch wieder frei war und hoffte, dass seine Wunde vom Köder wieder schnell verheilen würde. Aber das Adrenalinlevel war hoch… und ich brauchte eine Weile um wieder „runter“ zu kommen… Ich sagte zu Guy, dass ich mir wirklich wünsche, dass er auf das Fischen verzichtet, wenn wir schnell unterwegs sind, denn dann ist die Gefahr, in meinen Augen, am Grössten, dass solch grosse kräftige Brocken anbeissen. Ich hadere sowieso ziemlich arg damit, wenn Guy einen Fisch fängt und wenn der wegen uns sterben muss (obwohl ich weiss, dass Guy Recht hat, wenn er meint, dass dieser weitaus weniger leiden müsste, als einer, den ich im Geschäft kaufe, der langsam in einem Fischernetz erstickt). Aber wenn es dann solch grosse Exemplare sind, die sich noch lange wehren, die man nicht schnell „erlösen/töten“ kann, dann habe ich da wirklich ein Problem damit 😦
Alles stank nach Fisch und überall waren „Kampfspuren“ und Fischschuppen…meine Kleider, vor allem meine Hose mit der ich ihn ja fest umschlungen hatte, stanken abartig…meine Arme, meine Finger… ich zog alles aus und verschwand noch ein zweites Mal in die Dusche…
Wir hatten gehofft, dass wir die Bucht noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen, aber das sollte dann leider auf 3/4 Stunde nicht aufgehen. Die letzten 3 Seemeilen mussten wir uns im Dunkeln vortasten und um das Ganze dann noch ein bischen spannender zu machen, fegte uns der Wind plötzlich mit fast 20 Knoten um die Ohren. Und ob das nicht genug wäre, fiel uns kurz vor der Einfahrt in die Bucht sämtliche Navigationselektronik aus. Aber nicht nur am Plotter, sondern auch auf dem I-Pad, den Guy immer als Backup mitlaufen läst und auch die Navily und Google Maps App froren ein! 😦
Unser Stresslevel war innerhalb von Sekunden in die Höhe geschellt! Ein zweites Mal an diesem Nachmittag/Abend!
Wir hatten Glück, dass wir diese Bucht noch von unserem letzten Aufenthalt kannten. So wussten wir, dass es in der Mitte eine grosse freie Sandfläche gibt. Wir steuerten auf Gefühl und tasteten uns langsam voran. Auf 7m Wassertiefe liessen wir dann den Anker fallen…Ufff…geschafft…für heute reichte es… noch ein „Beruhigungsbier“ mit ein paar Chips und ab ins Bett. Am nächsten Tag sahen wir viele riesige Militärschiffe in der Nähe des Militärstützpunktes am Capo Teulado, die wohl eine Natoübung durchführten und wir vermuten, dass die etwas mit dem Aussetzer des GPS zu tun hatten… hätte, für uns, böse enden können :-(…!
Als wir uns am Morgen die Wetterprognosen ansahen, stand schnell fest, dass wir entweder sofort wieder aufbrechen um Kurs Richtung Sizilien zu nehmen oder wir müssten sicher mindestens eine weitere Woche auf Sardinien „warten“, bevor sich wieder ein Wetterfesnter auftut. Da unser Ziel diese Saison Griechenland ist und wir vorher noch ein bischen Zeit auf den ägadischen und liparischen Inseln verbringen möchten, entschieden wir uns, sofort weiter zu fahren und keine Zeit zu verlieren. Ich hatte ehrlich gesagt keine Lust sofort aufzubrechen und hätte mich gerne einen weiteren Tag hier ausgeruht, aber länger hier festsitzen, wollte ich auch nicht. Also frühstückten wir und ich kochte noch ein paar Nudeln fürs Abendessen und dann gings weiter.
Diese Überfahrt verlief ähnlich wie die vorige. Am Anfang hatten wir super Segelwind und Adesso flog regelrecht an der Südküste von Sardinien entlang. Als wir dann aber aus dem Schutz der Insel herauskamen, wurden die Wellen zunehmend unangenehmer da der Wind auch immer seitlicher kam, was so nicht vorausgesagt war. Die Nacht sollte dann wieder alles andere als „erholsam“ werden. Im letzten Teil der Strecke nahmen die Wellen dann endlich wieder ab, aber leider auch der Wind…so dass wir wieder motorsegeln mussten. Wir entschieden uns bis zur Ankunft so weiter zu fahren, obschon wir im Prinzip hätte segeln können, denn so bestand die Chance, dass wir noch vor Einbruch der Dunkelheit ankommen. Und das sollte dieses Mal klappen.

Unser Anker fiel in der Abenddämmerung, kurz nach Sonnenuntergang vor Trapani. Erleichtert angekommen zu sein, die 2x 200 Seemeilen in kurzer Zeit geschafft zu haben, genossen wir unser Abendessen vor atemberaubender Kulisse in Trapani und verschwanden anschliessend schnell in der Koje.

Wie es weiter geht…im nächsten Blog.
Raymonde