Winterblues

Seit meinem letzten Blog sind jetzt schon über 2 Monate vergangen… ich weiss, das ist eine lange Zeit und mehrmals bin ich auch schon darauf angesprochen worden, warum ich keinen neuen Blog veröffentlicht habe… aber irgendwie „hat es nicht gepasst“.  Ich fühlte mich nicht motiviert, nicht inspiriert…

Februar und März waren ziemlich „graue“ Monate… nicht nur bezogen auf das spanische Wetter, sondern auch auf meine Stimmung. Laut den spanischen News, war dies der regenreichste Winter seid 12 Jahren. Für die Vegetation und die Trinkwasservorräte war dieser viele Regen bestimmt sehr wichtig, aber zu einer besseren Stimmung trug er nicht bei. Sogar in Luxemburg war das Wetter teilweise besser als hier in Spanien. In diesen zwei Monaten waren wir auch so ziemlich alleine auf unserem Steg. Sozialkontakte gab es wenig, aber wir haben ein paar sehr angenehme Abende mit Anja und Jens vom Katamaran 4 Love verbracht, mal bei ihnen auf dem Boot, mal bei uns. Bei einem leckeren Abendessen  und der einen oder anderen Flasche Cava und/oder Wein, gingen uns die Gesprächsthemen nie aus. Einmal haben die beiden uns auf einen Spieleabend eingeladen und uns das Kartenspiel Skyjo Action beigebracht…so ein Spieleabend war für uns eine Premiere, aber es war ganz lustig und vor allem vergassen wir für ein paar Stunden welche Arbeit als nächste anstand 🙂

In diesen zwei Monaten hat Guy fleissig Punkt für Punkt unserer To-Do Liste abgearbeitet (inzwischen beiben nur noch eine Handvoll kleinerer Arbeiten übrig!) Unterstützen konnte ich ihn nur indem ich mich um die Verpflegung und den Bootshaushalt kümmerte. Gerne hätte ich den einen oder anderen Ausflug gemacht um ein bischen Abstand zu den Bootsarbeiten zu bekommen, aber dazu konnte ich Guy leider nicht wirklich motivieren. Bei dem fast durchwegs kühlen, grauen und regnerischem Wetter , wollte er „keine Zeit verlieren“ und hatte voll den Arbeitsmodus eingeschaltet. Wir wussten, als wir uns für den Kauf unserer neuen Adesso entschieden haben, dass viele Arbeiten auf uns, vor allem aber auf Guy, zukommen würden. Insgeheim hatte ich mir diese Zeit aber nicht so hart vorgestellt…wahrscheinlich auch, weil ich die Zeit der Umbauarbeiten unserer Lucia als nicht so anstrengend, kräftezährend und nervenaufreibend in Erinnerung hatte. Dies lag aber mit Sicherheit daran… und das wurde mir jetzt erst bewusst, dass ich erstens, nicht immer anwesend war, wenn Guy alleine nach Bruinisse hochfuhr um auf Adesso zu arbeiten und zweitens, wir immer wieder Abstand zu der Bootsbaustelle hatten…Adesso stand in den Niederlanden und wir bestreiteten unser Leben normal in Luxemburg weiter… und diesen Abstand, diese Auszeit zu den Bootsarbeiten hatten/haben wir eben jetzt nicht.

Die To-Do Liste war lang, sehr lang, denn immer wieder fielen uns zusätzliche Optimierungsmöglichkeiten an. Ein Punkt wurde durchgestrichen, ein weiterer hinzugefügt… und dann kamen auch noch immer wieder unerwartete Baustellen hinzu, wie z.b. die zerbrochene Halterung unserer Satelittenschüssel nach mehrtägigem starkem Nordostwind mit über 45 Knoten 😦

Ein paar Punkte unserer To-Do Liste will ich euch aber nicht vorenthalten. 

Ziemlich zeitaufwendig und arbeitsintensiv waren die Näharbeiten für unseren Sonnenschutz.

Guy hat uns Sonnenschutz für den Steuerstand und die seitlichen Cockpitseiten genäht. Sie sehen nicht nur super schön aus, sondern werden uns mit Sicherheit noch von sehr grossem Nutzen sein, wenn wir im Sommer unterwegs sind.

Eine weitere kniffelige und zeitaufwendige Arbeit war der Umbau der Kühlschränke auf eine externe Steuerung. Schon auf unsere Lucia hatte Guy die Steuerung des Gefrierschrankes umgebaut, weil er vorher dauernd voller Eis war. Nach dem Umbau war dies um Welten besser. Auf unserer Leopard bot sich jetzt wieder genau das gleiche Problem mit dem schnellen Vereisen, so dass Guy ziemlich früh den Entschluss gefasst hatte, auch diese Kühlschränke auf eine externe Steuerung umzubauen. 

Bis jetzt sieht es ganz vielversprechend aus und das Vereisen hällt sich in Grenzen. Ich hoffe, das bleibt auch während der Saison so. Ein weiterer Pluspunkt ist jetzt auch, dass man sofort sieht welche Temperaturen genau im Kühlschrank bzw. im Gefrierschrank herrschen… mit Designrahmen mittels 3D Druck 😉

An einem Tag nahmen wir uns dann doch eine Auszeit: an unserem Hochzeitstag 🙂 Obwohl das Wetter wieder ziemlich durchwachsen war, beschlossen wir einen Tagesausflug nach Peñiscola zu unternehmen. 

Wir schlenderten ein bischen durch die schmalen Gassen der Altstadt, genehmigten uns ein leckeres Pastagericht beim Italiener und spazierten anschliessend noch ein bischen an der Strandpromenade entlang. Ich genoss den Tag in vollen Zügen. Diese Auszeit war eine sehr wohltuende Abwechslung für mich.

Die folgenden Tage widmete Guy sich einem weiteren grossen Projekt: unseren Fliegengitter. Schon auf der Lucia hatte er massangefertigte Moskitonetze für die Lucken mit Hilfe seines 3D- Druckers hergestellt. Da unsere Lucken jetzt aber andere Grössen haben und Guy noch Optimierungspotential sah, musste er wieder fast bei „Null“ beginnen. Er war lange damit beschäftigt alles 3D zu zeichnen,dann immer wieder Probestücke drucken, anpassen, abändern…Es vergingen viele Stunden am Computer und am 3D Drucker bis er zu 100% zufrieden war. 

Aber das Resultat ist perfekt! So tolle Fliegengitter findet man nur auf unserer Adesso 😉

Während diesen zwei Monaten war Guy wirklich fleissig und unsere To-Do Liste schrumpfte deutlich. Leider konnten/können wir das noch nicht von unsere Leopardgarantie To-Do Liste behaupten. Während der Saison und auch jetzt noch im Winterhafen, waren uns mehrere Sachen aufgefallen, die noch überarbeitet werden mussten. Seit unserer Ankunft hier in La Rapita Ende Oktober warten wir ungeduldig darauf, einen Zeitplan zu bekommen, wann welche Arbeit verrichtet wird. Aber immer wieder werden wir auf „später“ vertröstet. Mitte Februar bekommen wir dann endlich die gute Nachricht, dass man sich jetzt um unsere undichten Seitenfenster kümmern würde. ENDLICH…

Für diese Arbeiten, mussten wir uns an einen anderen Liegeplatz begeben und uns seitlich an den Steg legen. 

Eigentlich wäre das Neu-Einkleben der Fenster in 2-3 Tagen erledigt gewesen…eigentlich…aber es sollte anders kommen…

Beim Versuch das erste Fenster heraus zu nehmen, ging das Fenster zu Bruch!!! Schock!!! Ja super, jetzt hatten wir nicht nur undichte Fenster, sondern auch noch ein gebrochenes…und wo jetzt ein Neues bekommen…und wie lange wird das jetzt wieder dauern…

Ich brauche euch ja wohl nicht zu beschreiben, dass unsere Stimmung im Keller war…Frust, Ärger… blieb uns dann wieder nichts erspart!?!?

Als wir den ersten Schock überwunden hatten, versuchten wir uns, so gut es geht, nicht entmutigen zu lassen…

Guy tauchte wieder in sein Arbeitsmodus ab und verdrängte so die negativen Gedanken und ich nutzte jede Gelegenheit um „raus“ zu kommen, ging viel spazieren, schwimmen….versuchte so meiner schlechten Laune etwas entgegen zu wirken und den Kopf „frei“ zu kriegen.

Als das Wetter für ein paar Tage etwas Frühlingsfeeling verbreitete, beschloss ich noch einmal zur La Foradada hoch zu wandern. Ich muss gestehen, es ist wirklich eine anstrengende Wanderung, aber der Weg und vor allem die Aussicht ist einfach atemberaubend. Hier ein paar Eindrücke:

An diesem Tag konnte ich meine inneren Batterien wieder aufladen und den Stresslevel deutlich senken, was mir sehr gut tat. 

Es dauerte über zwei Wochen, bis wir endlich die Nachricht bekamen, dass sie ein passendes Fenster mit der richtigen Tönung und Dicke gefunden haben. Ein Hoffnungschimmer…bis dahin sah Adesso schon ziemlich „angeschlagen“ aus….mit Plastikplanen als Schutz gegen Wind, Nässe und Staub an den Fenstern…

Inzwischen, wir sind jetzt Anfang April, können wir endlich sagen, dass diese Fensterbaustelle beendet ist. Aber es verbleiben noch ein paar andere „Baustellen“. Wir hoffen, dass alles in den nächsten 2-3 Wochen erledigt wird… und wir hoffen, dass wir dann Ende April in die neue Saison starten können… 

Bis dahin habe ich ja dann noch ein bischen Zeit für einen weiteren Blogeintrag… denn meine Mutter war wieder auf Besuch und gemeinsam haben wir Barcelona erkundet… aber dazu mehr im nächsten Blog. 

Raymonde

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