Unsere erste Ankerbucht nach unserer Überfahrt von Malta nach Sizilien war die kleine Bucht zwischen dem Ort Portopalo di Capo Passero und der Isola die Capopassero an der Südostspitze von Sizilien.

Obwohl es uns hier gut gefiel, blieben wir aber nur für eine Nacht. Wir wollten weiter, denn bald war Anfang September…
Unser nächstes Ziel war Syracuse. Hier wollten wir vor allem Diesel tanken und die Essensvorräte wieder auffrischen. Das waren unsere Hauptbeweggründe warum wir die Bucht von Syracuse ansteuerten. Dass Syracuse sich dann aber als eines der Highlights unserer bisherigen Saison herausstellte, ahnten wir bei unserer Törnplanung noch nicht. Doch als wir uns dem Eingang der Ankerbucht näherten, waren wir schon vom Anblick der Altstadt mit seiner Festung begeistert. Das verleihte Lust auf „mehr“. Unser Anker fiel in der Mitte der Bucht und Guy meinte, hier herrschten ja fast karibische Zustände (viel Platz zwischen den ankernden Booten und viele verschiedene Eignerboote aus den unterschiedlichsten Ländern). Hier unsere Sicht vom Ankerplatz auf die Isola di Ortiga, der alte Stadtteil von Syracuse.

Unsere Entdeckungslust war geweckt und so machten wir uns am frühen Nachmittag, trotz drückender Sonne und heissen Temperaturen, mit dem Beiboot auf den Weg Richtung Land. Natürlich war es auch hier nicht einfach einen geeigneten Platz zum Abstellen des Beibootes zu finden (wie leider fast überall im westlichen Mittelmeer und vor allem in Italien), aber schlussendlich fanden wir einen geeigneten Platz in einer Ecke der alten Hafenmauern. Nach ein paar hundert Metern standen wir inmitten der alten schmalen Gassen und waren auf Anhieb begeistert von dem Flair dieser Stadt. Hier gab es an jeder Ecke schöne imposante gut restaurierte Häuser zu bestaunen, mit tollen Fassaden und auffällig gestalteten Balkonen. Hier ein paar Eindrücke.



Wir spazierten über die Piazza Duomo mit der Kathedrale „metropolitana di nativita di Maria“ bis zum Castello Maniace mit seiner Festungsmauer.


Auf dem Rückweg kamen wir an der Fonte Aretusa mit ihren vielen Papyruspflanzen vorbei. Dies ist eine Süsswasserquelle die in Ortigia, nur wenige Meter vom Meer entfernt, entspringt und im 16. Jahrhundert in die Befestingungsanlagen einbezogen wurde.


Nach zwei Stunden Erkundungstour, beschlossen wir noch kurz im Supermarkt vorbei zu gehen und uns dann an Bord etwas abzukühlen und frisch zu machen. Kurz vor Sonnenuntergang machten wir uns aber wieder auf den Weg…auf dem Programm: „Abendessen und Syracuse ‚by night‘ erleben“. Wir genossen an diesem Abend wirklich die besondere Stimmung hier und schlenderten noch lange durch die vielen Gassen.

Hier die Fontana die Diana:

Und der Apollotempel:


Wir waren uns beide einig, Syracuse ist wirklich toll und auf jeden Fall einen Besuch wert. Im Nachhineien tut es mir echt leid, dass wir nicht noch ein paar Tage länger hier geblieben sind. Hier wäre es uns so schnell nicht langweilig geworden. Aber wie so oft, mussten wir auch das Wetter im Auge behalten und im Moment war eine Ruhigwetterlage, ohne viel Wind und Welle, und genau diese Bedingungen brauchten wir um die Ostseite von Sizilien und die Strasse von Messina hochzufahren. Ausserdem mussten wir die Strömungen berücksichtigen, die ja in der Strasse von Messina durchaus eine wichtige Rolle spielen. Je später im Monat wir durchfahren, je ungünstiger wären die Strömungszeiten für uns…daher hatten wir uns fest vorgenommen in der ersten Septemberwoche durch die Strasse von Messina zu fahren…darum…leider keine weiteren Tage in Syracuse…
Nach dem Frühstück ging es dann am nächsten Tag weiter die Ostküste hoch Richtung Taormina.

Auf Wiedersehen Syracuse…
In der Bucht von Giardini Naxos angekommen, die am Fusse von Taormina liegt, mussten wir schnell feststellen, dass wir hier nicht so ruhig vor Anker liegen würden als in der Bucht von Syracuse. Dauernd rasten Motor- und Touristenboote an uns vorbei und der Schwell war auch deutlich spürbar. Aber die Kulisse rundum war schon toll…Vom Ankerplatz aus, hatten wir eine schöne Sicht auf Taormina.

Mit dem Fernglas konnten wir sogar Teile des antiken Theaters erblicken. Auf der anderen Seite trohnte der Etna. Im Licht der aufgehenden Sonne, sah er am nächsten Morgen besonders toll aus.

Mit dem Bus machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg Richtung Taormina. Aber das klingt einfacher als es war, denn wir warteten gefühlt eine Stunde in der Hitze. Eigentlich sollte jede Viertelstunde ein Bus Richtung Taormina fahren…eigentlich…den einen verpassten wir um eine Haaresbreite, der nächste fuhr zur Isola Bella und nicht nach Taormina und der darauffolgende fuhr nur bis zum Bahnhof. Aber…Ende gut alles gut…als wir es schon aufgegeben hatten und uns zu Fuss auf den Weg machen wollten, klappte es dann doch noch mit dem Bus…
Als erstes stand der schon fast obligatorische Besuch des antiken Theaters auf dem Programm.


Mir gefällt vor allem die Aussicht gut, die man von hier aus auf die Stadt, die Bucht und den Etna hat.


Guy war ein bischen enttäuscht, dass man von den ursprünglichen Mauern nicht mehr viel erkennen kann (Erhaltungsrestaurierung in 1956). Mich störten vor allem die weissen Plastikstühle, die in meinen Augen gar nicht hier reinpassen…naja…
Nach dem Besuch des Theaters spazierten wir durch die kleinen Gassen und fanden in einer ruhigen Seitenstrasse, ein einladendes Restaurant, die Trattoria Mamma Rosa, wo wir die beste Pizza seit Langem gegessen haben 🙂
Danach ging unsere Erkundungstour weiter an den Mauern der Naumachia – Antico Gymnasio Romano vorbei. Dies sind Überreste einer 122m langen römischen Backsteinmauer. Die Naumachia war ein rechteckiger Bau, der als Sportsaal diente und wahrscheinlich auch die Begrenzung einer grossen Zisterne war.

Dann zum Duomo di Taormina, zur Piazza IX Aprile mit der Chiesa Sant’Agostini bis zur Porta Catania.



Zuletzt besuchten wir den Public Garden oder auch Villa Comunale genannt. Dies ist die bedeutenste Grünanlage der Stadt. Ursprünglich war es der Garten der Villa von Lady Florence Trevelyan, einer englischen Adeligen, die vor einem Skandal bei Hofe floh. Die eigentümlichen Pavillons im Innern, die so genannten viktorianischen Follies, sind eines der Wahrzeichen von Taormina.

Am späten Nachmittag machten wir uns dann wieder mit dem Bus auf den Weg zurück und waren froh, dass Adesso immer noch brav in der Bucht auf uns wartete. Denn so eine kleine Restsorge bleibt ja immer, ob mit unsem schwimmenden Zuhause alles in Ordnung ist, wenn wir nicht an Bord sind…
Am nächsten Morgen fuhr ich mit dem Sup an Land und machte nach dem Bäckerbesuch noch einen kleinen Spaziergang an der Küste entlang. Hier ein paar Eindrücke.


Hier die Statue von Teocle, anscheinend der Entdecker/Gründer von Naxos:

Am nächsten Tag war es dann so weit. Heute stand die Strasse von Messina auf dem Programm. Am späten Vormittag machten wir uns auf den Weg und motorten die Ostküste Richtung Norden… auf der Suche nach der Strömung. Es dauerte lange bis wir die Strömung „gefunden“ hatten, oder sie uns…aber so berauschend wurde unsere Fahrt nicht beschleunigt…im Gegenteil, an manchen Stellen, hatten wir die Strömung mit fast 2 Knoten gegenan…immer wieder gab es solche Stellen mit Verwirbelungen… schon besondere Bedingungen hier… aber wir waren froh, dass wir so ruhiges Wetter hatten. Ich würde definitiv nicht bei Starkwind oder rauher See hier durchfahren wollen!
Die letzten paar Meilen schob uns die Strömung dann aber ordentlich voran…wir wurden förmlich „ausgespuckt“ aus der Strasse von Messina. Hier ein Rückblick auf die Strasse von Messina.

Da wir die liparischen Inseln nicht mehr bei Tageslicht erreicht hätten, zogen wir es vor in einer Bucht an der Nordseite zu ankern um hier die Nacht zu verbringen. Leider gibt es hier nicht viele gut geschützte Buchten und überall kommt der Schwell rein. So war die Nacht leider gar nicht erholsam und der Schlafmangel trübte am Morgen die Stimmung.
Da die ruhige Wetterlage noch zwei Tage anhalten sollte, beschlossen wir als erstes nach Stromboli zu fahren, denn hier ist Ankern definitiv nur bei ruhiger See möglich. Der Ankergrung besteht hauptsächlich aus Gestein und Geröll und ist zudem noch sehr tief.
Auf dem Weg nach Stromboli hatten wir das grosse Glück Delfine ganz nah am Bug von Adesso beobachten zu können. Es war das erste Mal, dass ich Delfine so lange so nah beobachten konnte. Guy hatte das Glück ja schon ein paar Mal vorher, aber immer, wenn er alleine unterwegs war.

Ich war begeistert… sie waren so schön und drehten sich immer wieder auf die Seite und schauten zu uns hoch… TOLL 🙂
Als wir uns Stromboli näherten, war der Anblick schon spektakulär. Nahezu kegelförmig ragt der Vulkan 926m hoch über dem Meeresspiegel.

Immer wieder stieg Rauch empor…. ja, der war definitiv noch aktiv…
Wir ankerten ziemlich in der Nähe des Bojenfeldes, denn sobald man sich ein bischen mehr entfernte, wurde es sofort 30-40m tief.
Zum ersten Mal liessen wir den Anker „nur“ auf den Boden sinken und verliessen uns darauf, dass das Gewicht von Anker und Kette ausreicht, um uns an Ort und Stelle zu halten. Wir verzichteten darauf den Anker, wie sonst immer üblich, einzufahren, denn zu gross erschien uns die Gefahr, dass er sich unter einem Felsen verhackt. Da fast kein Wind gemeldet war, klappte das auch ohne Probleme.
Aber die Nacht war ohnehin kurz, denn um 4 Uhr klingelte der Wecker, denn wir hatten uns vorgenommen, noch vor der Morgendämmerung, an die Nordwestseite des Vulkans, an die Sciara del Fuoco, zu motoren um die Lavaeruptionen besser beobachten zu können. (denn am Ankerplatz, sah man diese leider nicht, nur die aufsteigenden Rauchwolken). Ungefähr alle 15 Minuten spuckt der Vulkan mehr oder weniger Lava aus. Bei Dunkelheit, sieht es natürlich noch beieindruckender aus.

Anfangs waren wir drei Boote, aber danach waren wir ganz alleine. Guy schaltete die Motoren aus und wir liessen uns einfach driften. Diese Stille und dann immer wieder das Grollen des Vulkans vor dem nächsten Ausbruch…schon ein einmaliges Erlebnis…und wie kann man das noch toppen…?
Mit einem Frühstück mit Blick auf Stromboli…

Ein besonderes Erlebnis 🙂

Einen letzten Blick zurück und wir nahmen Kurs Richtung Panarea. Hier wollten wir einen Zwischenstopp einlegen bevor wir nach Salina weitersegeln wollten. Nachdem wir uns jedoch das Update des Wetters genauer angeschaut haben, war klar, dass die ruhige Wetterlage wohl sehr bald vorüber sein wird. Mistral kündigte sich an…will heissen…es wird unangenehm…
So kam es dann dazu, dass wir ziemlich spontan entschieden, nicht wie geplant weiter zu den liparischen Inseln zu segelen, sondern sofort weiter Richtung Sardinien. Ich bin wirklich kein Freund von solchen spontanen Aktionen, zumal nicht, wenn es sich dabei um eine mehrtägige Überfahrt handelt. Doch es war klar, dass wir bei der angekündigten Starkwindphase die über einer Woche anhalten soll, besseren Schutz an der Ostseite von Sardinien vorfinden würden als auf den liparischen Inseln. Zudem wollten wir auch nicht riskieren hier bis zu 2 Wochen festzusitzen, weil wir wegen Wind und Welle nicht weiter können. Es tat mir echt leid, denn ich hatte mich wirklich auf die liparischen Inseln gefreut (genauso wie auf die ägadischen Inseln), aber es sollte dann wohl einfach nicht sein 😦
So beschlossen wir also den Kurs zu wechseln… neuer Kurs: Sardinien. Die ersten paar Stunden hatten wir perfekte Bedingungen, ruhige See, toller Segelwind und wir kamen richtig flott voran. Ich nutzte die guten Bedingungen um Essen vorzubereiten… und das war auch gut so, wie sich später herausstellte…
Denn leider drehte der Wind immer mehr bis er uns schliesslich genau auf die Nase kam…und auch die Wellen wurden zunehmend unangenehmer… natürlich war das so nicht vorausgesagt…parallel sank die Stimmung bei uns an Bord in den Keller und mir wurde immer unwohler, so dass ich wieder nach meinen Antiseekranktabletten greifen musste… Nein, das macht keinen Spass! Vor allem nicht, da ich wusste, wie viele Meilen wir noch vor uns hatten. Was mich vor allem ärgerte, war die Tatsache, dass wir fast die ganze Strecke motoren mussten. Wir hatten Wind, Wellen und Strömung gegen uns! Das war richtig frustrierend. Einen Tag und eine Nacht kämpften wir uns so voran. Guy musste alleine die ganze Nacht Wache halten, denn ich war „out“… auch kein gutes Gefühl… am nächsten Tag nahmen die Wellen endlich etwas ab und kamen mehr von hinten und auch der Wind drehte wieder etwas seitlicher, so dass wir wenigstens motorsegeln konnten. Adesso lief endlich wieder ruhiger und das Leben an Bord wurde wieder angenehmer.
Die Freude war sehr gross, als wir die Umrisse von Sardinien und der vorgelagerten Isola Tavolara erkannten. Nach 2,5 Tagen fiel unser Anker in der Bucht Cala Girgolu und ich war echt froh angekommen zu sein. An diesem Tag ruhten wir uns vor allem von den Strapazen der letzen zwei Tage aus. Am nächsten Tag fuhren wir zum Einkaufen nach Aranci und dann weiter in die Bucht Porto Istana. Hier hofften wir den nötigen Schutz vor den angekündigten Unwetter vorzufinden…

Mistral lässt grüssen… so nach dem Motto „hier bin ich…und ihr werdet mich auch nicht so schnell wieder los“…
Während des Unwetters hatten wir über 50 Knoten Wind und richtig heftige Regengüsse, aber alles ok, der Anker hielt und alles blieb heil.

Da diese Starkwindphase noch mindestens bis Ende der Woche anhalten soll, entschieden wir uns weiter Richtung Süden an der Ostseite entlang zu fahren. In der Mitte soll der Wind nämlich am Schwächsten sein…(aber immer noch bis zu 35 Knoten).

Seid drei Tagen stehen wir jetzt hier in der Bucht vor La Caletta und fanden hier wirklich guten Schutz.

Vorgestern war es sogar so „ruhig“, dass wir abends noch gemütlich an Land einen leckeren Burger essen waren. Heute heisst es allerdings Starkwind abwettern, denn seit heute morgen 3 Uhr bläst der Wind non-stop mit 25-35 Knoten über uns hinweg… aber der Anker hällt. Ab morgen soll das Ganze sich dann wieder beruhigen… endlich…hoffentlich!
Auf jeden Fall haben wir unsere Entscheidung nicht bereut, hier an der Ostseite von Sardinien Schutz gesucht zu haben…trotz der beschissenen Überfahrt…
Aber jetzt soll doch bitte mal wieder etwas Ruhe einkehren…wir wollen noch ein bischen geniessen können….Bitte bitte, lieber Wettergott…