Nach langer Wartezeit in der Bucht vor La Rapità war endlich guter Segelwind Richtung Mallorca vorausgesagt. Eigentlich hatten wir ja vor die Saison auf Ibiza zu beginnen, aber der Wind gab die Richtung vor. Bei dieser ersten Überfahrt nach Mallorca bemerkten wir schnell, dass unsere Leopard richtig schnell unterwegs sein kann. Durch die schmäleren Kiele und Rümpfe hat sie wesentlich weniger Widderstand im Wasser als unsere Lucia.

Die Bedingungen waren ganz ok, obwohl wir den Wind und die Wellen deutlich mehr von vorne hatten als erwartet. Unser Ziel auf Mallorca war die Bucht Cala d’Egos. Wir hatten im Vorfeld gesehen, dass Monica und Peter mit unserer vorigen Adesso hier vor Anker lagen und die Suala’s, die wir auch aus unserem Winterhafen in La Rapità kennen. Kurz nach Sonnenaufgang kamen wir in der Bucht an und legten uns als erstes noch für ein paar Stunden aufs Ohr. Denn so eine Nachtüberfahrt ist schon anstrengend und Schlafmangel vorprogrammiert. Natürlich waren wir inszwischen schon entdeckt worden und es dauerte nicht lange, bis es „voller“ auf Adesso wurde. Denn natürlich waren alle gespannt und wollten unsere neue Adesso besichtigen.

Alle waren sie total begeistert und beglückwünschten uns zu dem schönen Boot.
Am Nachmittag waren wir dann auch noch einmal kurz auf unserer „alten“ Adesso, weil Peter noch ein paar Fragen an Guy hatte. Ich hatte ein mulmiges Gefühl wie es wohl sein würde, wieder „unsere“ vorige Adesso zu betreten. Erleichtert stellte ich dann aber fest, dass es „ok“ war. Alles war wohl bekannt und doch erinnerte nichts mehr an uns.
Am nächsten Morgen fuhr ich mit dem SUP an Land um eine kleine Wanderung am Küstenweg entlang zu machen. Ich kannte die Bucht, hier waren wir auch schon vorletztes Jahr vor Anker. Hier war damals unser Startpunkt für die Überfahrt nach Ibiza. Die Erinnerungen waren noch sehr präsent: vor Sonnenaufgang war ich noch mit Chico auf Pippitour gegangen, Wildschweine hinter einer Hecke hatten uns noch erschrocken…ja…und damals hatte ich mich gegen den Küstenweg entschieden, weil er mir für Chico zu steil und steinig erschien…oh Chico…es war wieder so unendlich hart und die Tränen blieben wieder nicht aus…in Gedanken war er bei mir… Ich versuchte die Aussicht auf die zwei Adesso’s aber zu geniessen.

So oft wird das ja wahrscheinlich nicht mehr vorkommen, dass beide gemeinsam in einer Bucht vor Anker liegen.

Auf dem Rückweg begegnete ich dieses Mal ein paar Ziegen die in den kargen Hängen nach Fressbarem suchten.

Nach dem Frühstück entschieden wir uns weiter auf die Nordseite zu segeln und verbrachten zwei Tage in der felsigen Naturbucht Cala de Ses Ortigues. Wir hatten uns entschlossen, dieses Jahr vorwiegend Buchten anzusteuern, die wild und naturbelassen sind und bestenfalls auch keinen Strand haben. Hier war die Aussicht auf Ruhe am Grössten.
Dann ging es weiter in die Cala Foradada, bekannt wegen des durchlöschterten Felsens. Tagsüber war echt viel los hier, vor allem Motorboote und Tagesausflügler, aber am Abend, wenn auch das Restaurant geschlossen hatte, dann kehrte Ruhe ein.

Am Morgen machte ich mich auch hier auf den Weg zu einem ausgedehnten, schweisstreibenden Spaziergang,den Berg hoch bis zu einem Herrenhaus von Ludwig Salvator, welches heute ein Museum beherbergt. Unterhalb befanden sich richtig alte Olivenbäume mit ihren spektakulären Wurzel-und Stammformationen…und freilaufende Schaafe, die keine grosse Scheu zeigten.



Der anstrengende Aufstieg war aber definitv die Mühe wert, denn eine Aussicht war schöner als die andere.

Unterwegs kletterte ich auch bis zur kleinen Höhle des „tropfenden Felsens“ hoch.



Die Bucht Foradada ist wirklich schön und besonders, aber die vielen Motorboote tagsüber und der Schwell in der Nacht, motivierte uns dann aber nach zwei Tagen weiter zu ziehen.
Wir hatten Glück und fanden auf Anhieb einen guten Ankerplatz in der Bucht von Sollèr, denn die ist normalerweile immer gerammelvoll. Da hatten wir wohl den richtigen Moment erwischt.
Hier in Sollèr blieben wir mehrere Tage. Wir nutzen die Gelegenheit wieder in der Zivivlisation zu sein um abends gemütlich essen zu gehen und um unsere Essensvorräte wieder zu füllen. Ausserdem stand mein Geburtstag an. Am Nachmittag stossen wir auf mich an und genossen einen leckeren Curry beim Inder.







Es war ein richtig schöner relaxer Abend, den ich sehr genossen habe.
Am nächsten Tag zogen wir weiter Richtung Osten, am Cap Formentor vorbei bis zur Cala d’Aguila auf der Ostseite. Hier übernachteten wir und am nächsten Morgen gings weiter Richtung Cala Canyamel. Von hier aus wollten wir am übernächsten Tag Richtung Sardinien aufbrechen, denn die Wetterprognosen kündigten konstanten Nordwind an, also guter Segelwind für die gesamte Überfahrt nach Sardinien. Wir hatten uns auf eine etwas rauere Fahrt eingestellt, denn es waren auch teilweise Wellen von 1,5 Meter vorausgesagt. Dass es schlussendlich so eine harte und unheimlich unangenehme Überfahrt werden würde, das hatten wir nicht erwartet. Sobald wir den Schutz der Insel verlassen hatten, wurden wir wie wild hin-und hergeworfen. Das waren weitaus höhere Wellen als angekündigt! Wir fragten uns mehrmals, ob wir nicht wieder umdrehen sollten, entschieden uns aber dagegen, denn erstens waren wir der Meinung, dass es nach und nach „angenehmer“ oder besser gesagt „weniger unangenehm“ werden würde (Wellen und Wind sollten schwächer werden) und zweitens war dies die einzige Gelegenheit in der nächsten Zeit um unter Segel „rüber“ zu kommen, denn die nächsten Tage war kein passender Wind mehr vorausgesagt. Also bissen wir auf die Zähne und fuhren weiter. Als wir unterhalb von Menorca unterwegs waren, war es auch eine Zeitlang besser, aber sobald wir aus diesem Schutz wieder raus waren, ging es wieder genauso unangenehm weiter. An ein „normales“ Leben an Bord war nicht zu denken…kein Kochen, kein Duschen, jeder Toilettengang eine Herausforderung…nur ein vor sich hin vegetieren und „überleben“. Es war echt hart und wir fragten uns beide, warum wir uns das eigentlich antun. Mit Spass hat das definitiv nicht zu tun 😦
Am zweiten Morgen bemerkt Guy dann auch noch, dass das Seil des zweiten Reffs des Grosssegels gerissen war, was natürlich keineswegs für eine Besserung der Stimmung beigetragen hat. Schon in Port Saint Louis hatte er die Leinenführung der Reffseile auf der Leopard kritisiert und plante diese auch im Winter umzuändern. Er sollte wohl Recht behalten. Gehofft hatten wir trotzdem, dass die Seile die Saison überstehen würden…aber nein… 😦

Als wir uns der Südwestseite von Sardinien näherten, war die Erleichterung gross. Endlich wurden die Wellen schwächer, endlich konnten wir uns wieder auf dem Boot bewegen ohne uns festhalten zu müssen. Unser Anker fiel dann kurz nach Sonnenaufgang in der naturbelassenen Bucht Torre Canai.

Ufff!!!! Geschafft!!!!
Nachdem wir ein bischen Schlaf nachgeholt hatten, fühlten wir uns wieder ein bischen besser, aber die letzte Überfahrt hatte uns geschafft…körperlich wie geistig… aber an Ruhe und Geniessen konnten wir noch nicht denken, denn als allererstes musste erstmal das Boot geputzt und vom ganzen Salz befreit werden…denn es war wirklich überall schmierig und salzig…und Opfer hat es leider auch gegeben..

Zwei kleine Sepia wurden leider während der Überfahrt aufs Boot gespühlt und jetzt erst entdeckt…Schade 😦
Wir verbrachten zwei Tage hier in der Bucht und erholten uns allmälich von den Strappazen. Ich ging ein bischen schwimmen, schnorcheln und wanderte bis zum Torre Canai hoch.




Danach gings bei herrlichen Segelbedingungen weiter mit unserem Leichtwindsegel bis in die Bucht von Malfatano. So schön kann Segeln dann auch sein…

Hier waren wir ja schon letztes Jahr mehrere Tage vor Anker gewesen, weil es uns hier so gut gefallen hat. Unser Plan war es, von hier Richtung ägadische Inseln zu starten, sobald wir einigermassen guten Segelwind für den Grossteil der Strecke hätten. Denn eins war klar, lieber ein paar Stunden Stunde Flaute oder nur langsam Fahrt machen und vor allem keine hohen Wellen, als noch einmal so eine Horrorüberfahrt.
Am nächsten Morgen spazierte ich bei Sonnenaufgang noch einmal zum Torre hoch, genoss wieder diesen herrlichen Ausblick hier und nahm meiner Mutter ein kleines Glückwunschvideo auf, denn sie hatte heute Geburtstag. „Alles Gudds nach eemol ;-)“

Nach dem Mittagessen starteten wir dann Richtung Sizilien. Gute 190 Seemeilen lagen jetzt vor uns und wir stellten uns auf 1 1/2 bis 2 Tage Fahrt ein.
Wir setzten das Grosssegel und unser Leichtwindsegel und genossen die Fahrt. Jetzt war es herrlich, super angenehme Bedingungen, leichter Seitenwind, fast keine Wellen… und Adesso war richtig schnell. Für die Segler unter euch, bei 11 Knoten Wind, fuhren wir fast 8 Knoten über Grund… wow!

Auch die Nacht war sehr angenehm und entspannend.


Am nächsten Morgen hatten wir dann das vorausgesagte Flautengebiet erreicht und es herrschte spiegelglatte See und null Wind. Eine spezielle unwirkliche Atmosphere. Spontan entschied ich mich für eine kleine Abkühlung mitten im Meer, 1600m „nichts“ unter mir…

war toll 🙂
Leider sollte unsere gute Stimmung nicht mehr lange anhalten. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass jemand uns im Moment herausfordern und auf die Probe stellen will…, denn immer, wenn wir denken, jetzt käme mal eine entspanntere Zeit, dann taucht das nächste Problem auf…
Kurz nachdem ich baden war, entschlossen wir uns dazu den Wassermacher zu starten um noch ein bischen Wasser zu produzieren. Nach ein paar Minuten: Alarm und Systemstopp…Guy vermutete sofort, dass irgendwo ein Problem mit einem Wasserschlauch aufgetreten sei…so entdeckten wir leider auch schnell Wasser unten in der Bilge…Salzwasser…nach weiterer Suche, fand Guy die defekte Stelle am Schlauch. Schnell hatte er eine Idee, wie er den Schlauch provisorisch reparieren könnte und fing sofort mit der Notlösung an. Wir hatten grosse Hoffnung, dass dies klappt. Aber nein, nachdem wir den Wassermacher wieder starteten, platze der Schlauch an einer anderen Stelle…Da diese Stelle nah an der Pumpe war, schnitt Guy das gerissene Stück weg und fixierte den Schlauch wieder an der Pumpe… erneuter Versuch… 2-3 Minuten später wieder die Ernüchterung…wieder ist der Schlauch an einer anderen Stelle geplatzt… da machte jeder weitere Versuch keinen Sinn mehr, der Schlauch war definitv im A..sch.
Die Stimmung bei uns beiden war auf dem Nullpunkt…wir hatten die Nase echt gestrichen voll…
Eine Planänderung stand demnach an, denn auf den ägadischen Inseln würden wir sicher keinen neuen Schlauch bekommen…und ohne Schlauch kein funktionierender Wassermacher…
So entschieden wir unseren Kurs anzupassen und nach Trapani zu segeln. Das hatte aber zur Folge, dass wir wieder viel höher an den Wind mussten und die Wellen auch wieder voll von vorne hatten…also wieder unangenehme Bedingungen. Und erschwerend kam hinzu, dass wir nur mit ganz kleiner Beseglung unterwegs sein konnten, damit wir nicht vor Sonnenaufgang die Untiefen vor Trapani erreichten…Also gefühlt alles Scheisse… 😦
Unser Anker fiel vor der Hafenmauer von Trapani. Hier unser Ausblick im Moment.


Sofort nach dem Frühstück, brachte Guy mich gestern mit dem Beiboot rüber, damit ich ein Bootszubehörgeschäft nach dem anderen abklappen konnte, das am Samstag geöffnet war. Denn natürlich war es ja wieder Wochenende… Währendessen blieb Guy an Bord für den Fall, dass wir wir umankern müssten, denn als wir hier ankamen, herrschte Windstille und so war es unmöglich herauszufinden, wo die anderen Boote ihren Anker hatten. Ich hatte Glück und fand ein Geschäft welches auch Schenker Wassermacher verkauft. Mit Händen und Füssen erläuterte ich mein Problem… der Chef wurde angerufen. Dieser erschien prompt ein paar Minuten später, sprach leider aber auch nur italienisch. Und mein Italienisch ist inzwischen wieder komplett „verschwunden“ und durch das Spanische ersetzt worden…Mein Gehirrn hat wohl „ausgemistet“… Was nicht gebraucht wird, wird „deleted“… hmmm…Er war aber sehr nett und hilfsbereit und meinte, er könne mir den passenden Schlauch bestellen…ABER…das würde minimum eine Woche dauern, denn nächste Woche sei Ferragosta hier in Italien und die Fabrik geschlossen…!Oh nein…das darf doch wohl nicht war sein. Erstens nervt es schon genug, dass wir den Schlauch ersetzen müssen, Guy wieder alles neu einbauen muss, sich wieder stundenlang irgendwo in den Löchern rumquälen muss, dann muss dieser blöde Schlauch auch noch ausgerechnet einen Tag vor der Ferragostawoche kaputt gehen!!!
Meine letzte Hoffnung war, dass wir den Schlauch von einem Händler in Deutschland schneller per Expresssendung erhalten könnten, aber dafür brauchte ich eine Lieferadresse. Also machte ich mich auf die Suche hier im Hafen, ob irgendjemand uns das Packet entgegen nehmen würde. Leider blieb ich erfolglos… So haben wir inzwischen die Bestellung des Schlauchs in Auftrag gegeben und hoffen jetzt wirklich, dass er in einer Woche ankommt. Bis dahin müssen wir jetzt versuchen so sparsam wie möglich mit dem Wasser umzugehen, damit unser Vorrat hoffentlich noch ausreicht bis zum Einbau des neuen Schlauches…oder wir müssen versuchen hier irgendwo den Tank zu füllen, was aber ziemlich schwierig sein wird und ggf sehr teuer werden kann, wenn wir extra im Hafen anlegen müssen 😦
Es gibt Höhen und Tiefen… oder nach Regen folgt Sonnenschein… sind ja bekannte Sprichwörter… es wäre wirklich schön, wenn der Sonnenschein und die Höhen in näherer Zukunft ein bischen überwiegen könnten…und das Ganze wieder etwas mehr Spass machen würde…hmm
Raymonde