Seid drei Tagen sind wir wieder zurück in unserem Winterhafen in Sant Carles de la Rapida. Wir wären auch gerne noch länger auf Ibiza und Formentera geblieben, aber wir mussten die letzten zwei Wochen unmissverständlich feststellen, dass der Herbst den Sommer abgelöst hatte. Immer öfter waren wir gezwungen die Ankerbucht zu wechseln, um Schutz vor stärkerem Wind und höheren Wellen zu finden. Abends und in der Nacht kühlte es inzwischen spürbar ab, so dass wir uns dann doch so langsam nach den Annehmlichkeiten einer Marina sehnten.
Doch ein Wunschziel hatten wir noch: die ISLAS COLUMBRETES.
Die Columbretes sind ein vulkanischer Archipel von über 25 kleinen Inseln im Balearischen Meer. Er befindet sich ungefähr auf der Schelfkante wo die Wassertiefe von 1200m auf ca. 90m ansteigt. In früheren Zeiten war das Seegebiet bekannt als der ertragreichste Fischereigrund des westlichen Mittelmeers. Heute ist der Archipel ein Meeresschutzgebiet.
Die Columbrete Grande ist diie größte der Columbretes Inseln und liegt im äußersten Norden des Archipels. In der hufeisenförmigen Caldera liegen 8 Bojen aus, denn ankern ist hier inzwischen strengstens verboten. Bedingt durch ihre Entstehung zeigen sich die Columbretes-Inseln als schroffe Felsformationen. An vielen Stellen kann man die noch jungen geologischen Prozesse durch Betrachten direkt nachvollziehen. Insbesondere finden sich bizarre Kegel aus Ergußgestein (Phonolith), sowie Ergußgestein, das in Platten über dem vorhandenen Deckgebirge liegt.

Die Islas Columbretes gehören ausserdem zu den wenigen Felseninseln in Europa, auf denen der seltene Eleonorenfalke brütet.
Da es sich bei den Columbretes um ein Naturschutzgebiet handelt und keine Hunde an Land erlaubt sind, hatten wir diese Inseln vorher nie auf unserem Törnplan. Doch jetzt, wo wir leider alleine, ohne unseren geliebten Chico, unterwegs sind, entschieden wir uns dazu, die Gelegenheit zu nutzen um diesen besonderen Ort zu besuchen.
Wir warteten geduldig auf Formentera und anschliessend noch zwei Tage auf Ibiza bis sich guter Wind für die Überfahrt einstellte. Auf Ibiza verbrachteten wir noch einen schönen Tag in der Altstadt. Hier war es inzwischen schon erheblich ruhiger geworden. Von unserer Kellnerin erfuhren wir mittags im Restaurant, dass viele Restaurants und Läden nur noch bis Ende Oktober geöffnet haben. Ab März geht die neue Saison dann wieder los.
Am kommenden Tag machten wir uns dann kurz nach Mittag auf den Weg Richtung Columbretes. 85 Seemeilen lagen vor uns und wir rechneten mit ungefähr 20 Stunden. Den ersten Teil der Strecke, an der Südspitze von Ibiza entlang, mussten wir noch gegen Wind und Wellen motoren.

Als wir dann einen nördlicheren Kurs Richtung Isla Es Vedra einschlugen, konnten wir den Motor ausschalten und unsere Fahrt unter Segel fortsetzen.

Jetzt konnten wir diese bekannte Insel auch das erste Mal von der anderen Seite bewundern, denn bis jetzt waren wir immer nur an ihrer Ostseite vorbeigesegelt.

Wir kamen richtig flott voran, viel schneller als geplant. Mit teilweise 7-8 Knoten schoss Adesso durch die Wellen. Schnell war klar, dass wir so, nicht wie geplant bei Morgendämmerung ankämen, sondern mitten in der Nacht. Wir überlegten kurz, ob wir die Segelfläche weiter verkleinern sollten, um Langsamer zu werden, entschieden uns dann aber dafür so weiter zu segeln. Ich hatte ein bischen meine Zweifel, ob das wohl eine gute Idee sei, in der Dunkelheit an einer Boje anzulegen aber Guy meinte: „Wenn andere das schaffen, dann schaffen wir das auch“. Denn wir hatten zuvor in anderen Segelberichten gelesen, dass die Bojen auch in der Nacht gut sichtbar und leicht zu finden wären. Zudem hatten wir das Glück, dass im Moment Vollmond war. Es herrschte also keine vollkommene Dunkelheit.
Als wir uns kurz vor 3 Uhr den Inseln näherten, erkannten wir zuerst nur ein paar schroffe Felsen. In ausreichender Entfernung bargen wir die Segel und näherten uns ganz vorsichtig dem Kratereingang. Zwei Boote waren schon anwesend. Guy tastete sich langsam immer weiter in den Krater hinein, während ich vorne am Bug mit der Taschenlampe versuchte die Bojen ausfindig zu machen. Wir entschieden uns für eine Boje in der Nähe der Kraterwand um besseren Windschutz zu haben. Ich war richtig stolz auf mich, denn mir gelang es auf Anhieb beim ersten Versuch die Boje zu fangen und Adesso sicher daran zu befestigen. 🙂
Nachdem alles sicher verstaut war, fielen wir müde aber zufrieden und erleichtert, dass alles so reibungslos gekappt hat, in unsere Koje.
Nach 3 Stunden klingelte der Wecker, denn ich wollte auf keinen Fall den Sonnenaufgang in dieser besonderen Umgebung verpassen. Wow…. was für ein Anblick…


Der Himmel veränderte sich pausenlos. Ich wollte diese Stimmung unbedingt so gut wie möglich im Bild festhalten und knippste munter drauf los. Gefühlt 20 Fotos habe ich bestimmt gemacht 😉
Nach dem Frühstück funkte ich die Leuchtturmbesatzung an und erkundigte mich ob und wann an diesem Tag eine Inselbesichtigung möglich sei, denn alleine, ohne Naturparkaufseher, darf man die Insel nicht betreten.
Um 11.30 Uhr war es dann soweit. Wir fuhren mit unserem Beiboot rüber und wurden sehr nett von zwei Parkwächtern empfangen. Sie versuchten so gut sie konnten, uns ein paar Infos über die Inseln auf Englisch zu erklären um dann aber immer wieder ins Spanische abzuschweifen. Aber es ging, wir konnten uns einigermassen verständigen. Besucher dürfen nur die nördliche Hälfte der Insel bis zum Leuchtturm besichtigen. Der südliche Teil, auf dem sich auch ein Friedhof der Familien befindet, die früher für das Funktionnieren des Leuchtturms zuständig waren, ist für Besucher gesperrt. Heute ist der Leuchtturm vollständig automatisiert und die einzigen Bewohner der Insel sind 5 Parkwächter, die alle 2 Wochen ausgetauscht werden. Sie seien abwechselnd 30 Tage an Land und dann wieder 15 Tage auf der Insel erklärten sie uns. Die Führung war interessant aber am Allerbesten war die Aussicht!




Einfach spektakulär! Adesso erschien ganz klein in diesem riesigen Krater, der eigentlich aus 4 Kratern besteht, wie sie uns erklärten. Toll auch, dass Adesso jetzt hier so alleine stand, denn die beiden anderen Boote waren schon früh morgens abgefahren.
Zurück auf Adesso, schnappte ich mir meine Schnorchelausrüstung. Es kostete mich schon Überwindung, denn das Wasser hatte hier nur noch 20 Grad. Leider hatte ich kein Glück, denn ich sah nichts Besonderes. Interessant waren nur die Felsformation, die unter Wasser genauso weiterverliefen wie oberhalb der Wasserlinie.

Nach dem Mittagessen genehmigten wir uns eine kleine Siesta, denn so langsam machte sich der Schlafmangel schon bemerkbar.
Kurz vor Sonnenuntergang kamen erneut zwei weitere Boote um hier die Nacht zu verbringen. Diese Inseln eignen sich gut als Zwischenstopp auf dem Weg von Ibiza zum spanischen Festland oder umgekehrt.
Am nächsten Morgen klingelte der Wecker wieder kurz vor Sonnenaufgang, denn wir wollten ziemlich früh los um sicher noch bei Tageslicht in Sant Carles de la Rapida anzukommen. Nachdem wir die Segel gesetzt hatten, genossen wir noch lange diese besondere Aussicht auf die Columbretes, die langsam immer kleiner wurden, bis sie schlussenldlich ganz am Horizont verschwanden.


Wir hatten eine sehr angenehme Überfahrt, genug Wind um ordentlich voran zu kommen und die Wellen angenehm von hinten…perfekt!

Wir genossen die letzte Fahrt der Saison, aber mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf der einen Seite waren die Columbretes wirklich sehenswert und die Überfahrt wirklich angenehm, auf der anderen Seite vermissten wir unseren Chico. Der Umstand, dass wir diese Inseln nur besuchen konnten, weil er nicht mehr an unserer Seite ist, liessen bei uns wieder die Tränen kullern. Er fehlt uns einfach, doch es muss auch ohne ihn weiter gehen…
In der Marina angekommen, warteten schon viele bekannte Gesichter auf uns, Stegnachbarn, die auch schon letzte Wintersaison hier verbracht haben. Wir hatten Glück, oder ein perfektes Timing ;-), denn kurz nachdem wir alle Leinen befestigt hatten, zog eine Regenfront mit über 20 Knoten Wind über uns hinweg.
Den Abend liessen wir bei einer leckeren Pizza im Hafenrestaurant ausklingen. Am kommenden Morgen machte ich mich kurz vor Sonnenaufgang auf den Weg zum Bäcker um Croissants zu holen und wurde mit diesem herrlichen Sonnenaufgang belohnt.

Inzwischen sind wir wieder im „Hafenleben“ angekommen. Die letzten Tage haben wir hauptsächlich damit verbracht, Adesso vom Staub und Salz der ganzen Saison zu befreien. Noch sind wir nicht fertig, aber es sieht schon alles viel sauberer aus… Guy hat gestern auch schon unsere Satelittenschüssel montiert… Adesso verwandelt sich wieder langsam vom Boot in eine Wohnung…
Bald planen wir einen kurzen Trip nach Luxemburg zu unternehmen, um Freunde zu treffen und uns einen Wagen zu kaufen, um so für die nächste Zeit und unsere zukünftigen Pläne etwas mobiler unterwegs sein können.
Aber dazu später mehr…
Raymonde
Merci! Hunn nees epeps dobäi geléiert, iwwert dee Vulkanarchipel.
An nees sinn e puer SUPER Fotoen dobäi!!
Hei sinn et grad 5 Grad an non-stop Reen mat starke Böen.
(Gutt, dass mir e Méindeg och mol nees Richtung Südfrankräich fueren.)
Erhuelt iech an äerem Wanterlager!
Léif Gréiss
John
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Merci de partager ces lignes au goût de sel 🤗🌊.
Sandrine
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