Die südliche Hälfte der Westküste Korsika’s

In der schönen Bucht von Stagnoli verweilten wir so lange bis der Wind drehte und uns so zur Weiterfahrt motivierte. Die Landschaft hier ist wirklich schön, zwar eher eine karge Vegetation, aber tolle Felsformationen.

Auffallend in dieser Bucht sind die vielen verschiedenen Gesteinsarten. Von Rot über gelb bis brau-grau und sogar grün kann man hier entdecken.

Wirklich eine schöne naturbelassene Gegend, die die Menschen hier auch grösstenteils zu schätzen wissen, denn man findet kaum Abfall. Super!

Unserer nächster Ankerplatz war die Bucht Murtoli. Hier ankerten wir vor einem schönen langen Sandstrand mit Dünen, Hecken und vielen Blumen dahinter. 

Der Vorteil von Korsika ist, dass wir wirklich viel näher am Strand ankern können, natürlich vorausgesetzt, dass es überall tief genug ist. Denn an so naturbelassenen Buchten gibt es hier keine Abgrenzungsbojen und keine Sheriffs, die Verbote aussprechen. Man kann ohne Probleme mit dem Beiboot am Strand anlegen, es gibt kein Hundeverbot… ähnlich wie auf Ibiza sind die Leute einfach viel relaxer drauf. Bis jetzt gefällt mir Korsika in dieser Hinsicht deutlich besser. Denn obwohl es keine x Verbote gibt, haben wir bis jetzt noch keine Bootscrew erlebt, die sich wie Deppen aufführen…im Gegenteil, keiner (bis jetzt) schreit abends noch stundenlang herum oder beschallt die Bucht mit seiner Musik und auch die Jetskis drosselen in der Bucht ihr Tempo und verwechseln die hier ankerden Boote nicht mit Bojen einer Regattastrecke. Bis jetzt…sind wir mehr als positiv überrascht über Korsika. Und obwohl wir im Moment Mitte Juli sind, also Hauptsaison, haben wir den Eindruck, dass sich weniger Boote in den Buchten sammelen, vielleicht, weil sie sich hier, dank der grossen Anzahl an Buchten, besser verteilen können. Auf jeden Fall genossen wir die Tage auf Korsika bis jetzt in vielen Zügen 🙂

Als es wieder so langsam Zeit wurde, unsere Nahrungsvorräte aufzustocken, fuhren wir weiter Richtung Porto Pollo und ankerten in der Bucht von Tavaro. Eigentlich hatten wir keine grösseren Erwartungen an diese Bucht denn wir wollten ja nur hier zwischenankern um einkaufen zu gehen. Aber wir wurden sehr positiv überrascht. Wir ankerten genau an der Stelle wo der Fluss Tavaro ins Meer läuft und die Sicht auf das Bergpanorama im Hinterland war einfach atemberaubend.

Wir blieben zwei Nächte hier vor Anker. Am ersten Tag erledigten wir sofort die obligatorischen Einkäufe. Am nächsten Tag schnappte ich mir meinen SUP um den Fluss Tavaro zu erkunden. Wow…ich war war begeistert. Natur pur, überall rote Libellen und kleine blaue Schmetterlinge… nichts ausser Froschquaken und Vögelgezwitscher… hier ein paar Eindrücke.

Das Wasser war so verlockend, dass ich unterwegs spontan entschied den Sup an einem Ast festzubinden und ein kühles erfrischendes Bad zu nehmen.

Auf dem Rückweg musste ich dann ungeplant eine kleine Pause einlegen, denn eine ganze Herde Kühe hatte sich dazu entschieden sich eine Abkühlung zu genehmigen. 

Ich staunte nicht schlecht, denn einige erwachsene Tiere schwammen richtig im Fluss. Ich wusste gar nicht, dass Kühe auch schwimmen können…

Ich wartete geduldig in sicherer Entfernung im Schutz des Schilfs am Flussrand bis auch die letzte Kuh wieder an Land war, denn in der Herde befanden sich mehrere Kälber und ich wollte nicht riskieren, dass die Rinder mich als Gefahr einstufen würden…also lieber abwarten!

Den Fluss hoch hatte ich fleissig gegen die Strömung paddeln müssen, aber flussabwärts, konnte ich mich grösstenteils einfach treiben lassen…herrlich 😉

Als ich wieder am Strand angekommen war, staunte ich nicht schlecht, als ich die ganzen Kiter und Surfer in der Bucht sah. Inzwischen hatte der Wind deutlich aufgefrischt, teilweise auf 20 Knoten, Idealbedingungen für die Kiter. Viele beherrschten ihren Sport wirklich gut und vollführten tolle Drehungen und gewagte Sprünge. 

So ein Spektakel bekommt man ja auch nicht jeden Tag geboten. Chico wusste anfangs gar nicht wie er auf die komischen fliegenden Dinger reagieren sollte, irgendwie waren sie ja schon interessant, aber doch ungewohnt… soll ich die jetzt verbellen oder begeistert zuschauen…?

Wir waren auch teilweise ein bischen angespannt und hofften, dass sich kein Kite im Mast von Adesso verheddert…aber die beherrschten ihr Handwerk und alles ging gut.

Am nächsten Tag fuhren wir weiter in die Baie de Menasina, eine kleine Bucht mit gutem Sandboden vor einem Campinggelände.

Von hier aus sind wir mit dem Beiboot nach Cargèse gefahren. Hier nutzte Guy die Gelegenheit zum Friseur zu gehen, denn in letzter Zeit gingen ihm seine langen Haare immer öfters auf die Nerven. Immer wieder beklagte er sich, dass sie ihm dauernd in die Augen oder in den Mund fallen würden. Die langen Haare standen ihm zwar richtig gut, wie ich fand, aber es macht ja auch keinen Sinn, wenn er sich nicht wohl fühlt. So hatte ich in letzter Zeit regelmässig geschaut, wo es einen Friseur auf unserem Weg gibt… und wurde dann in Cargèse fündig. 

Nach einem knackigen Aufstieg, denn Cargèse liegt deutlich oberhalb des kleinen lokalen Hafens, schlenderten wir durch die Strassen und staunten nicht schlecht, wie viele Bars, Shops und Restaurants sich hier befanden. Cargèse war doch viel touristischer als gedacht. Am Abend hatten wir einen Tisch im Restaurant Le Cabanon de Charlotte reserviert, der uns vormittags auf Anhieb gefallen hatte. Und wir wurden nicht enttäuscht! Im Gegenteil, wir haben den Abend in vollen Zügen genossen und es uns richtig gut gehen lassen.

Nach zwei Nächten machten wir uns auf den Weg weiter Richtung Norden. Wir mussten zwar motoren, denn es gab keinen Segelwind, aber wir genossen die Fahrt trotzdem, denn die Küste hier ist wirklich sehr schön anzusehen. 

Hier die Tour Génoie d’Omigna mit dem Capo Rosso im Hintergrund.

Unser heutiges Ziel war die kleine versteckte Bucht vor der Plage de Ficajola. Wir hofften, dass wir noch einen Platz finden würden, denn die Bucht bietet nur Platz für ein paar Schiffe und man kann auch nur bei ruhigem Wetter hier ankern. Denn diese Bucht bietet kaum Schutz und ist zudem auch noch sehr tief und die Felsen recht nah. Doch wir hatten Glück. Es standen zwar schon drei Boote da als wir ankamen, aber im rechten Teil der Bucht, war noch ein grosser Sandfleck frei. Wow… was für eine Aussicht. Diese Bucht versprühte auf Anhieb Charme pur 🙂

Wir genossen die 3 Tage hier vor Anker in vollen Zügen. Das Wasser war super angenehm: 29 Grad!, Glasklar, wir konnten bei einer Tiefe von 8m den Ankergrund erkennen. Ein ganzer Schwarm von jungen Baracudas kreiste zwei Tage unter unserem Boot. Das Schnorcheln hier war wunderschön, viele Fischschwärme, tolle Posidoniawiesen, spektakuläre Felsformationen über-und unter Wasser. Mit dem Kayak erkundeten wir die Felsküste und liessen diese bizarren Gesteinsformen auf uns einwirken. Abends verschwand die Sonne allmählich hinter den Felsen und tauchte die Bucht in ein rötliches Licht.

Am Morgen, als es noch kühl war, spazierte ich mit Chico den Küstenweg hinauf, von wo ich einen tollen Ausblick hatte.

Wir genossen die Tage hier vor Anker wirklich in vollen Zügen. Da wir wirklich ruhige Bedingungen hier vorfanden, nutzte Guy die Gelegenheit die Aussenseiten der Rümpfe zu säubern. Bis jetzt war es dafür immer ein bischen zu wellig gewesen.

Danach war Siesta angesagt… und der kühlste Platz dafür befindet sich unter dem Katamaran. Hier weht der Wind durch, manchmal schwappt eine erfrischende Welle hoch und man liegt im Schatten.

Ganz lange verweilte Guy dann hier aber doch nicht, denn die Wellen der Touriboote, die regelmässig vorbeifuhren, waren dann doch ziemlich unangenehm auf die Dauer.

Heute morgen entschieden wir uns dann diese idyllische Bucht zu verlassen und sind 6 Meilen weiter nördlich in die Bucht Cala di Tuara gefahren. Von hier aus wollen wir heute nachmittag/abend mit dem Beiboot zu dem kleinen Ort Girolata fahren und dann morgen wahrscheinlich weiter am Naturschutzgebiet Scandola entlang. 

Aber dazu mehr…im nächsten Blog.

Raymonde

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