Der Süden ruft…

Wir sollten bedeutend länger als erwartet vor der Spiaggia delle conchiglie 15 sm südlich von Bosa vor Anker liegen, denn der starke Südostwind hielt sich sehr hartnäckig. Ganze 5 Tage harrten wir hier vor dem langen Sandstrand aus und warteten darauf, dass der Wind endlich nachlies und besser noch endlich auf Nord drehen würde, damit wir weiter nach Süden segeln könnten. Um es ganz genau zu nehmen, waren wir eigentlich nicht tatenlos gewesen, denn am zweiten Tag hatten wir morgens den Versuch gestartet um hoch am Wind Richtung Süden zu segeln. Doch kurz, nachdem wir den Capo Mannu umrundet hatten und aus dessen Schutz herausgekommen waren, mussten wir schnell feststellen, dass wir sicher nicht in die gewünschte Richtung segeln könnten. Zudem waren die Wellen beachtlich und kamen uns voll auf die Nase. Also, 180 Grad Kurswechsel und wieder zurück an unseren Ankerplatz. Eigentlich könnte dieser Ankerplatz ganz angenehm sein, aber wir hatten leider das grosse Pech, dass ein paar ziemlich lästige und unliebsame Dinge zusammen kamen. Zum einen brachte der Südostwind sehr heisse, föhnartige Luft mit sich, so dass man nichts lieber getan hätte, als sich im türkisen Meer abzukühlen. Doch diese, zwar sehr schönen und eleganten Tierchen wirkten nicht sehr einladend auf uns. 

Zwar bekamen wir später die Info, dass diese Quallensorte anscheinend nicht nesseln würde, aber trotzdem, mich inspirierte das Wasser leider nicht. Eine andere Möglichkeit sich abzukühlen besteht normalerweise darin, sich gemütlich draussen in den Schatten zu setzen. Aber auch das war für uns hier keine wirkliche Option, denn hier schwirrten gefühlte hunderte Fliegen. Diese wurden von den vielen Hecken und der Saline im Hinterland vom Starkwind aufs offene Meer geweht und dort anschliessend über einen Luftwirbel, der sich hinter unserem Boot aufbaute, zu uns ins Cockpit. Sie waren wirklich überall, überall!!! Wir hielten es draussen einfach nicht mehr aus, zu sehr nervten diese Fiecher. Also hatten wir keine andere Wahl, als alle Fenster und Türen zu verschliessen. Nachdem wir über eine Stunde drinnen den Mücken den Garaus machten, blieb uns nichts anderes übrig als den grössten Teil des Tages drinnen zu verbringen bei Temperaturen von über 30 Grad und blauem Himmel draussen. Es war schon frustrierend und ging an die Nerven. Vier ganze Tage lang harrten wir so aus und waren echt froh, dass wir zeitweise die Räume dank unserer Klimaanlagen abkühlen konnten. 

Morgens früh, so gegen 7Uhr, wenn ich mit Chico unterwegs war, war es noch relativ angenehm. Aber spätestens nach dem Frühstück, waren wir, auch ohne uns gross zu bewegen, wieder schweissgebaded. Wir hatten wirklich schon angenehmere Tage… aber diese mussten wir jetzt absitzen… 😦

Eine kleine Ablenkung verschaffte uns diese „Sonnenbrillemücke“.

Keine Ahnung was das für eine Gattung war…?

Dann endlich…nach 4 Tagen Ausharren melden die Wettervorhersagen eine Windänderung… Gegen Mitternacht soll der Wind auf Nord drehen…und in den frühen Morgenstunden schon ziemlich heftig in unsere Bucht hinein wehen…

So entschieden wir uns, noch am Abend aufzubrechen, kurz nach dem Abendessen, so lange wir noch genügend Sonnenlicht hatten, um um die vielen Fischernetzte rum zu navigieren. Unser Ziel war eine Bucht im Südosten der Isola di San Pietro, die Cala di Guidi. 65 sm hatten wir vor uns. Die Nachtfahrt war ziemlich angenehm. Am Anfang hatten wir zwar leider nicht genügend Wind und mussten motoren, aber den zweiten Teil der Strecke machten wir mit unserem Oxley Leichtwindsegel richtig Fahrt. Für uns war dies auch eine Premiere, denn noch nie zuvor hatten wir dieses Segel im Dunkeln gesetzt. Den letzten Teil der Strecke, bis zu unserem Ankerplatz, ging es dann flott mit dem Vorsegel und inzwischen schon wieder mehr als 20 Knoten Wind voran. Hier angekommen, fiel unser Anker in weissem Sandboden. Nachdem ich mit Chico seine Morgenrunde an Land absolviert hatte, genossen wir gemütlich unser Frühstück und legten uns dann für ein Paar Stunden auf’s Ohr, denn so eine Nachtfahrt schlaucht schon. Die Cala di Guidi ist eine sehr beliebte Bucht, wie wir schnell feststellen mussten, denn kurz vor Mittag war der letzte kleine Platz Sand belegt. Zudem gestalteten sich die Spaziergänge mit Chico hier ziemlich schwierig, denn es gab keinen Küstenweg und nur eine kleine Strasse die zur Hauptstrasse führte. Hier reihen sich nur Privatgrundstücke aneinander und so war es klar, dass ich wohl kein gerngesehener Gast mit Chico sei. Unsere Absicht, hier nur eine Nacht zu verweilen, wurde dann aber während den Abendstunden bestärkt. Denn eine kleine, weisse, sehr harmlos aussehende Holzhütte, erwies sich abends und in der Nacht als absoluter Schlaftöter!!! Wir glaubten uns mitten in einer Diskothek. Da halfen auch keine Ohrstöpsel mehr, denn die Musik war soooooo laut, dass es unmöglich war an Schlaf zu denken. Also die zweite, grösstenteils, schlaflose Nacht :-(. Erst gegen 4 Uhr sollte Ruhe einkehren! Wir hatten noch nicht entschieden, ob wir der Stadt Carloforte einen Besuch abstatten würden oder nicht. Doch diese Bucht und die vorherrschenden Wetterbedingungen ermutigten uns nicht dazu. Zu gross erschien uns der Aufwand mit dem Bus nach Carloforte zu fahren, ohne einen geeigneten sicheren Platz für unser Beiboot (denn am Strand war definitv kein Platz zwischen dieser Menschenmasse) und der Hafen war für uns auch keine Option (und wegen des starken NW Windes voll besetzt). 

Also entschieden wir uns am kommenden Morgen weiter zur Isola di Sant’Antioco zu segeln. Nach einer flotten aber angenehmen Fahrt unter Segel fiel unser Anker vor dem langen Sandstrand der Cala Coaquaddus. Hier gefiel es uns auf Anhieb viel besser. Obwohl der Strand sehr gut besucht war, war es hier vor Anker sehr angenehm ruhig. Keine Musik, kein Geschrei…und auch in der Nacht: Ruhe :-)…herrlich! 

Das Wasser hatte eine super tolle türkise Farbe und ich habe es richtig genossen hier zu schwimmen. Mit dem Kayak machte Guy sich auf Erkundungstour an der Küste entlang. 

Danach paddelten wir zusammen zur Strandbar und genehmigten uns ein leckeres Eis, auf unseren Kayak/SUP sitzend, mit den Füssen im seichten warmen Wasser… Top!

Da es mal wieder so langsam Zeit wurde, unsere Nahrungsvorräte aufzufüllen, vor allem frisches Gemüse und Obst, beschlossen wir am kommenden Morgen mit dem Beiboot nach Sant’Antioco zum Einkaufen zu fahren. Jetzt waren wir richtig froh, dass wir über ein grosses stabiles Beiboot mit leistungsstarkem Motor verfügen, denn sonst wäre diese Einkaufsfahrt von 12 Seemeilen (Hin-und Rückfahrt) nicht möglich gewesen. Den restlichen Tag verbrachten wir mit Schwimmen und Relaxen. 

Unsere nächste Ankerbucht war Porto Tramatzu im Golfo di Teulada im Süden von Sardinien. Wir konnten die ganze Strecke segeln und kamen, dank des starken NW Windes, flott voran. Die Küste hier ist ziemlich rauh. Viele hohe Felswände und vereinzelt kleine einladende Buchten, die wir aber leider unter diesen Wetterbedingungen nicht ansteuern konnten. Sehr verlockend wirkten die Buchten vom Capo Teulada auf mich, aber leider ist in diesem ganzen Gebiet ankern verboten, alles „Zona Militaria“! Schade, denn bevor wir auf den Navigationskarten diesen Verbot entdeckten, hatte ich schon die eine oder andere als Wunschbucht auserkoren…

Wir entschlossen uns, es nicht darauf ankommen zu lassen, obwohl einige Boote hier ankerten, und fuhren weiter bis zur Bucht Cala Tramatzu, der ersten, wo es dann erlaubt ist zu ankern. Hier gab es nicht viele Sandflecken zum Ankern, aber wir hatten Glück, dass gerade ein Katamaran herausfuhr.

Das Foto habe ich morgens kurz nach 7 Uhr gemacht…vor dem grossen Ansturm…

Diese Bucht besticht durch einen wunderschönen weissen Sandstrand und klarem türkisem Wasser, aber hier ist alles reglementiert, sprich, fast alles verboten. Man darf nicht mit dem Beiboot anlanden, auch nicht im Bootschannel (der ausschliesslich dem Bootsverleih dient), Hunde natürlich auch verboten, sowie mit dem Ball spielen, Musik hören usw. Ich sagte zu Guy, dass man hier den militärischen Geist noch spüren würde. Doch ich muss zugeben, dass der Rescuemann sehr nett war. Denn als er verstanden hatte, dass Guy mich nur mit dem Beiboot in kniehohem Wasser mit Chico absetzen würde und dann wieder wegfährt, half er uns sogar beim aus- und nachher wieder einsteigen. Aber ich spürte seinen Blick förmlich an meinem Rücken kleben als ich mit Chico auf dem Arm über den Strand Richtung Parking ging… dass ich ihn auch wirklich nicht vorher absetze…

Uns war klar, dass wir hier nur eine Nacht bleiben würden, denn so richtig gefiel es uns nicht hier, obschon es wirklich schön war, auch unser Blick auf die Isola Rossa, oder wie ich sie taufte, die „Möweninsel“.

Am Abend nutzen wir die Gelegenheit mit dem Beiboot zum kleinen Hafenrestaurant unweit unserer Bucht zu fahren und genossen einen leckeren Thunfischsteak.

Am nächsten Tag machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg in unsere nächste und jetzige Bucht Porto Malfatano. Wir konnten die Strecke wieder komplet unter Segel zurücklegen. Hier angekommen, war ich sofort begeistert. Diese fjördähnliche Bucht ist landschaftlich wirklich wunderschön und es gibt einen tollen Spaziergang bis zum Torre di Capo Malfatano hoch, von wo aus man einen herrlichen Rundumblick auf den Golfo di Teulada, die Bucht Malfatano und den bekannten Strand Spiaggia di Tuerredda hat.

Gestern abend konnte ich der Versuchung nicht wiederstehen und bin kurz vor Sonnenuntergang mit Chico zum Torre hochspaziert…wow….so schön!

Heute beim Morgenspaziergang mit Chico genoss ich diese Aussicht und diese Ruhe hier und Chico liebte es wieder ungehindert mit seinem Ball spielen zu können.

Meine Begeisterung über diese Landschaft ist dann auch auf Guy übergeschwappt und so sind wir heute morgen noch einmal zusammen bis zum Torre hochspaziert.

Die verschiedenen Farbtöne des Wassers sind einfach grandios. Hier gibt es noch richtig viele tolle Seegraswiesen mit vielen verschiedenen, allerdings hauptsächlich noch kleinen Fischen und gestern konnte ich sogar eine kleine freischwimmende Muräne beim Schnorchel beobachten…toll. Ich hoffe nur, dass am Ende der Saison die ganzen Seegraswiesen nicht zu viel Schaden erlitten haben, denn leider haben wir in der kurzen Zeit wo wir jetzt hier vor Anker liegen, schon das ein oder andere Boot beobachten können, dessen Anker entweder in den Seegraswiesen lag oder nicht gehalten hat und so durch die Wiesen gepflügt hat. Dieser Anblick schmerzt wirklich! Ich war erleichtert, dass unser Anker sich beim ersten Versuch schön in der Mitte einer Sandfläche eingrub und trotz Böen über 25 Knoten fest hielt und auch die Ankerkette fast ausschliesslich über Sand verläuft. Perfekt!

Das ist Chico’s Frisur bei über 20 Knoten…leicht zerzaust 😉

Heute abend haben wir einen Tisch in dem kleinen Strandrestaurant Riccio Bianco reserviert und ich freue mich schon darauf.

Ob wir morgen weiterfahren oder noch ein bischen hier bleiben, das wissen wir noch nicht…mal sehen 😉

Bis dann

Raymonde

2 Kommentare

  1. San Antiocco a Bucht vun Teulada hu mer och schonns onsécher gemaach. Am Hannerland wiesst ee vun de beschte Wäiner vun der Insel, den terre brune. Dee kriss de net zu Lëtzebuerg!

    A wann der mol Zäit hutt, da googelt Tiscali, fir är Fuer laanscht d’Ostküst. Ass zwar net esou no bei der Küst, mee onbedéngt d’Visite wäert.
    😉

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