Die Altstadt von Bosa

Wir haben einige Tage in der grossen Bucht von Porto Conte verbracht um die ungemütlichen Bedingungen bestmöglich abzuwettern. Zuerst suchten wir Schutz vor Wind und Wellen aus Süd und ankerten im östlichen Teil der Bucht in der Nähe des Hafens. Am kommenden Tag drehte der Wind dann auf Nord, denn die nächsten Tage waren wieder unter Mistraleinfluss, und so suchten wir Schutz im nördlichen Teil der Bucht. Wir zögerten ein bischen, weil wir uns nicht sicher waren ob man hier ankern dürfte oder nicht, denn keines der Boote wählte diese Option. Die einen harrten weiter am Ankerplatz aus, die anderen verliessen die Bucht. Wir entschieden uns dazu, es zu probieren, denn in der Navigationskarte stand nichts von einem Ankerverbot. Unser Anker fiel über einem hellen Bereich mit Fels-Sandbodem. Der Rest des Tages und auch die Nacht waren sehr angenehm hier vor Anker, nur die laute Discomusik des Hotels ganz hinten in der linken Ecke, nervte bis in die frühen Morgenstunden. Für mich/uns ist es wirklich nicht nachzuvollziehen, warum  die DJ’s in den Bars und Hotels immer die ganze Bucht mitbeschallen müssen. Ein paar Lautstärken weniger würden der Stimmung bestimmt nichts abtun… Es ist wirklich nicht einfach, ja fast unmöglich einen ruhigen Ankerplatz zu finden. Wenn kein Hotel, keine Bar, kein Parking und keine Feriensiedlung in der Bucht anzufinden sind, dann gibt es eine Chance, dass es ggf. ruhig sein könnte in der Nacht. Aber die Bluetoothlautsprecher sind nicht zu unterschätzen! Es reichen ein paar Jugendliche, die hier am Strand abfeieren wollen, und schon ist es vorbei mit dem erholsamen Schlaf. Oder es kommt, kurz vor Sonnenuntergang noch „das letzte Boot“, wie Guy immer sagt, die dann die ganze Nacht durchfeiern, ohne Rücksicht auf Verluste. Also, wenn ich jetzt so auf Anhieb ein Negativpunkt nennen muss unseres jetzigen Bootslebens, dann diese regelmässige Lärmbelästigung durch Musik und Rumgeschreie.

Ab 3 Uhr morgens hatte der Hotel-DJ dann auch genug, oder die Gäste waren inzwischen alle im Bett, auf jeden Fall war es dann sehr angenehm ruhig hier vor Anker. Am Morgen genoss ich es mit Chico entlang des langen Sandstrandes zu spazieren, den wir kurz nach 7 Uhr noch ganz für uns alleine hatten. In der Mittagsstunde, ich war gerade dabei uns eine Kleinigkeit zum Essen vorzubereiten, sahen wir dann ein Motorboot auf uns zukommen und wir ahnten schon, dass dies ein Parkwächter sein könnte, der uns auffordern wird umzuankern. Ja, und genauso war es. Wir dürften hier nicht ankern wegen Naturschutzgebiet und Posidonia (dabei war in diesem Bereich definitiv keine Posidonia, denn ich hatte das morgens überprüft, als ich in der Bucht schnorcheln war.) Aber da es hier keinen Sinn macht zu diskutieren und schon gar nicht auf italienisch, haben wir kurze Zeit später den Anker hochgenommen und sind zu einem Bojenfeld rübergefahren, die laut Parkwächter 24Stunden gratis wären. Ich war froh, als Adesso fest an der Boje hing, denn ich finde dies immer ziemlich kniffelig. Jetzt hingen wir hier, komplett in der Pampa, nur Felsküste und dichtes Gestrüpp an Land. Hier gefiel es uns nicht wirklich. Zudem krachte es ätzend jedes Mal wenn Adesso sich im Wind bewegte und die Seile stramm gezogen wurden. Nachdem ich mit Chico von einer kleinen beschwerlichen Pippirunde an Land zurück war, schlug Guy mir vor, die Bucht zu verlassen und zu unseren „alten Ankerplatz vor der Spiaggia di Lazzaretto“ zu wechseln. Hier standen wir ja schon eine Nacht bevor wir nach Alghero in den Hafen fuhren. Hier angekommen, war es zwar noch ziemlich wellig, aber das beruhigte sich je später es wurde und so verbrachten wir dann hier mit Sicherheit eine ruhigere Nacht als es an der Boje der Fall gewesen wäre. 

Doch allmählich reichte es uns hier in der Ecke von Alghero hin-und herzufahren und so entschieden wir uns nach Bosa weiter zu segeln, wohlwissend, dass die Wellen draussen noch ziemlich hoch seien, aber von schräg hinten, was eigentlich deutlich angenehmer ist. Grosse Teile der Strecke konnten wir unter Segel zurücklegen, aber die Wellen waren für mein Befinden doch noch ziemlich hoch. Seekrank wurde ich zwar nicht, aber wohl fühlte ich mich nach einiger Zeit auch nicht mehr. Ich war froh als wir Kurs in die grosse Bucht vor Bosa nahmen und im Schutz der Felsküste waren. Wir ankerten in der Bucht Bosa Marina. Der Name ist etwas irreführend, denn hier gibt es kein Hafen mehr, nur noch ein abgesperrtes Militärgebiet. Wir haben diese Bucht nicht wegen ihrer Schönheit ausgewählt, denn hier ist es sehr touristisch. Ein langer Strand umrundet die Bucht und dahinter befinden sich fast ausschliesslich Bars, Restaurants, Hotels und Ferienwohnungen. Aber es ist die beste Möglichkeit, um die Altstadt von Bosa zu besichtigen, ausser man zieht es vor in den Hafen von Bosa zu fahren. 

Am kommenden Tag haben wir uns nach dem Frühstück mit unserem Beiboot auf den Weg über den Fluss Temo Richtung Altstadt von Bosa gemacht, die wir nach ungefähr 25 Minuten Fahrt erreichten. Ich war voller Vorfreude als ich schon von Weitem diese vielen farbigen Häuser erblickte.

Wir liessen unser Beiboot an einem alten Steg in der Nähe der Ponte Vecchio und des Supermarktes und machten uns auf, die vielen schmalen mit Kieselstein gepflasterten Gassen zu erkunden. Diese Altstadt, bekannt für die vielen farbigen Häuser, versprüht wirklich Charme. Hier ein paar Eindrücke:

Mir hat es hier wirklich gut gefallen und ich finde Bosa ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Es ist nur richtig schade zu sehen, dass so viele Häuser leer stehen, oder verfallen oder zum Verkauf stehen und dass die, die renoviert wurden, hauptsächlich als  B&B oder Ferienwohnungen dienen. Ich bezweifele ob es hier wirklich noch viele „echte“ Einwohner gibt, die ganzjährig hier leben. 

Mittags haben wir vorzüglich in einem kleinen, sehr stilvoll eingerichtetem Restaurant gegessen, der uns schon morgens positiv aufgefallen war.

Als wir das Gefühl hatten „alles gesehen zu haben“, machten wir uns auf den Weg zurück zum Beiboot. Ich nutzte natürlich die Gelegenheit so nahe an einem Supermarkt zu sein, um noch einmal frisches Obst und Gemüse zu kaufen. Dann machten wir uns wieder auf den Weg zurück zu Adesso.

Am Abend nutzen wir die unmittelbarer Nähe so vieler Restaurants. So blieb die Küche auf Adesso heute kalt.

Wir genossen diesen schönen Sonnenuntergang aber die Nacht war leider wieder nicht ganz so erholsam, denn die Discomusik beschallte bis in die frühen Morgenstunden die ganze Bucht 😦

So entschlossen wir uns auch am nächsten Tag weiter zu fahren Richtung Süden, denn wir sehnten uns wieder nach einer ruhigen naturbelassenen Bucht. Seit gestern liegen wir jetzt hier vor dem langen Naturstrand Is Benas vor Anker. Wir genossen die Abendstimmung (bis die Moskitos auftauchten) und während des Abendpippispazierganges am Strand schoss ich dieses schöne Foto von Adesso und dem wunderschönen Sonnenuntergang.  

Leider hat das mit der ruhigen Nacht trotzdem auch hier nicht geklappt. Von irgendwo her, erriechten uns auch hier Basstöne bis spät in die Nacht und ab 3 Uhr begannen die Wellen gegen den Rumpf zu schlagen, weil der nächste Starkwind, dieses Mal aus Südosten, hat sich für die nächsten Tage angekündigt. Ob wir den jetzt hier noch ein paar Tage abwettern oder morgen weiterfahren, das haben wir noch nicht entschieden. Erstens ändern sich die Wettervorhersagen fast stündlich und zweitens kommt der Wind dauernd aus verschiedenen Richtungen und oft auch noch entgegengesetzt zu den Wellen! Da wird es sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich, eine gute Ankerbucht zu finden…

Im Moment haben wir echt das Gefühl, dass das Wetter verrückt spielt oder es auf jeden Fall nicht gut mit uns meint seitdem wir hier auf Sardinien unterwegs sind. Die Tage an denen wir richtig gute angenehme Bedingungen hatten, können wir bis jetzt auf zwei Händen aufzählen…. sniff…

Wir haben daher auch schon daran gedacht nicht mehr an unserem Plan festzuhalten Sardinien umrunden zu wollen, entschieden haben wir aber noch nichts. Im Moment fegen Böen mit bis zu 25 Knoten hier über uns hinweg und ich habe teilweise Probleme, den Laptop aufgeklappt zu halten. Doch der Anker hällt (bis jetzt) fest im Sandboden. Ich könnte mich natürlich auch in den Windschutz hinten ins Cockpit setzen, aber da werden im Moment gefühlte Tausend Mücken vom Land angeweht und die Biester sind richtig richtig nervig. Daher habe ich mich aufs Vorschiff verzogen um diesen Blog mückenfrei schreiben zu können. 

Wie es weitergeht, ob weiter nach Süden oder noch ein paar Tage hier…keine Ahnung…

Mehr im nächsten Blog.

Raymonde

2 Kommentare

  1. Danke für den, wie immer, so informativen Bericht Raymonde. Da bekommen wir einen prima Eindruck, was es bedeutet auf dem Wasser zu leben. Hab’euch ein Eis spendiert🍨 ganz liebe Grüße von uns 🤗

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    1. Liebe Katja, danke für dein positives Feedback und das leckere Eis 🙂 🙂 :-). Das werden wir uns bei der nächsten einladenden Gelateria gut schmecken lassen 😉

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